• Klinik

Wochenbett (Puerperium)

Abstract

Als Wochenbett wird die sechs- bis achtwöchige Zeitspanne von der Geburt bis zur Rückbildung der schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen bezeichnet. In dieser Zeit kann es zu zahlreichen Komplikationen, wie Infektionen, Thrombosen, nicht ausreichender Rückbildung der Schwangerschaft und Wochenbettdepressionen, kommen. Anhand der Beurteilung der Höhe des Uterusfundus und der Lochien (Wochenbettfluss) können Rückschlüsse auf mögliche Pathologien gezogen werden. Mit dem Wochenbett beginnt auch die Laktation. Voraussetzung für die Laktation ist das Zusammenspiel von Prolaktin und Oxytocin und einem mechanischen Reiz an der Brust.

Uterusrückbildung

Zeitpunkt Höhe des Uterusfundus Lochien
Direkt nach der Geburt zwischen Nabel und Symphyse blutig-rot
Nach einem Tag Nabel blutig-rot
3. Tag 3 Querfinger unter dem Nabel (pro Tag ein Querfinger tiefer) blutig-rot bis braun-rot
7. Tag zwischen Nabel und Symphyse braun-rot
10. Tag Symphyse braun-rot
Ab dem 12.–14. Tag Symphyse gelblich
Ab dem 17.–21. Tag Symphyse weißlich serös
  • Gewicht des Uterus
    • Unmittelbar nach der Geburt: 1000 g
    • Zum Ende des Wochenbettes: 50–70 g

Lochien (Wochenfluss)

  • Definition: Geburtsvorgang und Plazentaablösung verursachen Uterusläsionen, die bei Abheilung für einige Wochen postpartal ein spezielles Wundsekret absondern. Zusammen mit Zervixschleim und anderen Bestandteilen wird dieses Sekret als Lochien bezeichnet.
    • Lochia rubra: Blutig-rot, direkt nach der Geburt bis maximal 7 Tage
    • Lochia fusca: Braunrot, ab dem 3.–7. Tag bis zum 10. Tag
    • Lochia flava: Gelblich, ab dem 12.–14. Tag
    • Lochia alba: Weißlich, ab dem 17.–21. Tag
    • Fötid riechende Lochien sprechen für eine Infektion des Endometriums (Endometritis puerperalis)

Laktation

Als Laktation bezeichnet man die Produktion und Sekretion von Muttermilch in den Milchdrüsen. Die Produktion startet bereits in der Schwangerschaft. Die Milchmenge steigt mit der Zeit an und beträgt 10 Tage nach der Geburt ca. 500–700 mL.

Endokrine Regulation

  1. Laktationsvorbereitung: Die hohen Konzentrationen von Östrogen, Progesteron, HPL und Prolaktin während der Schwangerschaft bewirken die glanduläre Differenzierung der Mamma und bereitet die Laktation vor. Die Laktogenese wird durch hohe Östrogen- und Progesteronspiegel jedoch noch gehemmt.
  2. Laktogenese/Galaktogenese : Postpartal fallen Östrogen- und Progesteronspiegel ab und die Hemmung auf die Laktation entfällt. Der für die Milchbildung essentiell hohe Prolaktinspiegel wird dann durch die Stimulation der Brustwarzen aufrechterhalten. Am 3.–5. Tag nach der Geburt beginnt die Milchbildung und es kommt zum Milcheinschuss
  3. Galaktopoese : Der Saugreflex führt zur Freisetzung von Oxytocin und Prolaktin. Insb. Prolaktin hält die Milchbildung aufrecht.
  4. Galaktokinese : Hohe Oxytocinspiegel bewirken über die Kontraktion der Myoepithelien der Drüsengänge die Milchejektion. Der Saugreflex hält wiederum den Oxytocinspiegel und damit den Milchfluss aufrecht.

Die Prolaktinsekretion wird durch Dopamin gehemmt. Dopaminagonisten (z.B. Cabergolin, Bromocriptin) können also zum Abstillen verwendet werden!

Zusammensetzung der Muttermilch

Direkt nach der Geburt beginnt die Bildung der Vormilch (Kolostrum). Ab dem 5. Tag nach der Geburt ändert sich die Zusammensetzung der Milch, die fortan als Übergangsmilch bezeichnet wird. Ab dem 14. Tag post partum entspricht die Zusammensetzung der reifen Frauenmilch. Im Laufe der Laktation nimmt die Konzentration an Eiweißen ab und die an Fetten zu. Im Vergleich zu Kuhmilch enthält Muttermilch wesentlich mehr ungesättigte Fettsäuren (insb. Linolsäure), mehr Kohlenhydrate (insb. mehr Laktose) , gleichviel Fett und weniger Salze und Mineralstoffe.

Reife Humanmilch (ab dem 14. Tag)

Angabe in g/100 mL

Kuhmilch

Angabe in g/100 mL

Eiweiß 1 3,4
Kohlenhydrate 7 4,6
Fett 3,8 3,7
Kalorien (kcal/100 mL) 66 65
Ungesättigte Fettsäuren 1,6 1,3
Salze/Mineralstoffe 0,2 0,8

Die Muttermilch und insbesondere das Kolostrum enthalten Antikörper (vor allem IgA), Komplementfaktoren und andere Bestandteile der unspezifischen Immunabwehr, die das Neugeborene vor Infektionen schützen. Die WHO benennt daher das Kolostrum als optimale Ernährung für ein Neugeborenes und empfiehlt das ausschließliche Stillen für die ersten 6 Monate!

Die Ernährung mit Kuhmilch ist im ersten Lebensjahr aufgrund des hohen Protein- und Mineralstoffgehaltes sowie aufgrund des geringeren Gehalts an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Eisen und Iod nicht geeignet!

Komplikationen während des Wochenbettes