• Klinik

Prolaktinom

Abstract

Das Prolaktinom ist ein benigner Hypophysenvorderlappentumor, der aus ausschließlich Prolaktin produzierenden Zellen besteht. Hinsichtlich der Größe unterscheidet man Mikro- und Makroprolaktinome. Obwohl das Prolaktinom der häufigste Hypophysentumor ist, sind die Gründe für seine Entstehung weitestgehend unbekannt.

Die Symptomatik beruht einerseits auf den Folgen des verdrängenden Tumorwachstums (meningeale Reizung, Hemianopsie), andererseits auf den Folgen der Hyperprolaktinämie. Während ein Libidoverlust bei beiden Geschlechtern zu finden ist, macht bei Frauen eine sekundäre Amenorrhö häufig auf ein Prolaktinom aufmerksam.

In der Diagnostik kann bei deutlich erhöhten Prolaktinwerten (>200 ng/mL) beinahe sicher von einem Prolaktinom ausgegangen werden, niedrigere Werte erfordern allerdings eine intensivere Diagnostik. Ein Kopf-MRT dient der Größenbestimmung der Raumforderung.

Therapeutisch können Dopamin-D2-Agonisten gegeben werden, die in den meisten Fällen zu einer Normalisierung des Serum-Prolaktins und einer Regredienz der Symptomatik führen. Ist eine medikamentöse Therapie nicht oder nicht ausreichend erfolgreich (Persistenz von Gesichtsfeldausfällen), muss eine operative Therapie angestrebt werden.

Epidemiologie

  • Geschlecht: > (etwa 5:1)
  • Alter: Häufigkeitsgipfel im 20.–40. Lebensjahr [1]

Das Prolaktinom ist der häufigste endokrin aktive Hypophysentumor (40%)! Hypophysentumoren machen 10% aller intrakraniellen Tumoren aus!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Klassifikation

  • Mikroprolaktinom (ca. 70%)
  • Makroprolaktinom (ca. 30%)

Pathophysiologie

Prolaktin ist ein Hormon des Hypophysenvorderlappens und bedingt u.a. eine Laktation und ein Wachstum der weiblichen Brust während der Schwangerschaft. Bei einem Prolaktinom ist die Prolaktinausschüttung unphysiologisch erhöht, welches z.B. zu einer Galaktorrhö führen kann. Des Weiteren führt Prolaktin zu einer Hemmung der pulsatilen Ausschüttung von LH und FSH mit nachfolgend verminderten Testosteron- und Östrogenspiegeln, wodurch es zu einem hypogonadotropen Hypogonadismus kommen kann. Bei progredientem Wachstum des Prolaktinoms sind auch tumorwachstumsbedingte Einschränkungen, wie z.B. Gesichtsfeldausfälle, zu verzeichnen.

Symptome/Klinik

  • Libido- und Potenzverlust
  • Seltener: Gynäkomastie, evtl. mit Galaktorrhö

Es kann in Folge eines Prolaktinoms zu einer Hypophysenvorderlappeninsuffizienz kommen!

Diagnostik

Differentialdiagnosen

Andere Ursachen für eine Prolaktinämie

Dopamin hemmt Prolaktin (Prolactin inhibiting factor, PIF) – TRH hingegen stimuliert u.a. Prolaktin (Prolactin Releasing Hormone)!

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Medikamentös

Operativ

  • Transsphenoidale oder transfrontale operative Entfernung des Prolaktinoms bei fehlendem Ansprechen oder Unverträglichkeit der Dopaminagonisten
  • Bestrahlung bei aggressiven Tumoren, die auf eine maximale medikamentöse und/oder operative Therapie nicht ansprechen (wird nur noch selten durchgeführt)

Meditricks

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.