• Vorklinik
  • Physikum-Fokus

Gewebshormone

Abstract

Im Rahmen einer Entzündung kommt es zur Freisetzung zahlreicher Metabolite und Entzündungsmediatoren. Insbesondere die zumeist parakrin sezernierten Gewebshormone sind hier vorherrschend. Neben dem biogenen Amin Histamin nehmen vor allem die Kinine, die Eicosanoide sowie die Cytokine eine wichtige regulierende Funktion ein. Histamin wird vor allem bei allergischen Reaktionen relevant und bewirkt eine Bronchokonstriktion sowie eine Vasodilatation mit Ödembildung. Kinine werden bei einer Entzündungsreaktion freigesetzt und bewirken eine erleichterte Leukozytenmigration durch Erhöhung der Gefäßpermeabilität und Vasodilatation. Als Eicosanoide werden die Arachidonsäurederivate Thromboxan, Prostaglandin und Leukotrien zusammengefasst, die auf sehr unterschiedliche Weise als lokale Mediatoren bei einer Inflammation wirken. Sie werden in verschiedenen Zelltypen, insbesondere aber auch in den Immunzellen produziert. Während die Cytokine der Interleukin- und Interferonfamilie vorwiegend der Immunregulation dienen, spielen die ebenfalls zu den Cytokinen gehörenden Wachstumsfaktoren auch eine wichtige Rolle bei Differenzierungs- und Wachstumsvorgängen. Für den klinischen Alltag sind Gewebshormone und Cytokine nicht nur im Hinblick auf die Therapie von Entzündungen relevant, sondern auch zum Verständnis von unerwünschten Arzneimittelreaktionen. Einige der Substanzen können bereits selbst therapeutisch zur Behandlung unterschiedlichster Erkrankungen eingesetzt werden.

Übersicht

Gewebshormone (= Mediatoren) werden von Zellen in verschiedensten Geweben produziert und in der Literatur uneinheitlich eingeordnet. Zum Teil werden sie zu den aglandulären Hormonen gezählt, zum Teil jedoch auch als eigenständige Hormongruppe geführt. Das liegt daran, dass sie im Gegensatz zu den meisten anderen Hormonen nicht endokrin, sondern parakrin sezerniert werden und dadurch vorwiegend lokal wirken. Aus diesem Grund nehmen sie eine Sonderstellung zwischen den Hormonen ein. Auch die Zugehörigkeit der Cytokine zu den Gewebshormonen ist umstritten, da sie teilweise auch als eigenständige aglanduläre Hormone gesehen werden. Zur Gruppe der Gewebshormone gehören unter anderem folgende für die Entzündungsreaktion wichtige Signalstoffe unterschiedlicher Substanzklassen:

Histamin - ein biogenes Amin

Beim Histamin handelt es sich um das biogene Amin der Aminosäure Histidin. Die Synthese erfolgt durch Umwandlung der Aminosäure Histidin mithilfe des Enzyms Histidindecarboxylase und dem Cofaktor PALP (Pyridoxalphosphat). Verschiedene Zellen des Körpers können Histamin bilden und in Granula speichern. Es weist eine Wirkung auf Magen, ZNS und Gefäßtonus sowie Gefäßpermeabilität auf. Klinisch spielt Histamin insbesondere im Rahmen der allergischen Sofortreaktion sowie in der Therapie der Magen-Darm-Ulzera eine Rolle.

Stoffwechsel
Struktur
Synthese
Speicherung
Freisetzung
Abbau
Wirkung

Molekularer Wirkmechanismus

Wirkung am Zielorgan

Gastroduodenale Ulkuskrankheit (Magen-Darm-Ulzera)
Bei dieser Erkrankung handelt es sich um einen Gewebedefekt, der die Lamina muscularis mucosae überschreitet und auch tiefere Wandschichten betrifft. Ulzera kommen insbesondere in der Schleimhaut des Magens oder Duodenums vor. Sie gehen meist mit epigastrischen Schmerzen einher, können aber auch asymptomatisch bleiben. In der Ulkustherapie wurden H2-Rezeptor-Blocker gerne zur Senkung der Magensäuresekretion eingesetzt. Heutzutage stellen sie jedoch nur noch das Mittel der 2. Wahl dar, da sie durch die effektiveren Protonenpumpeninhibitoren in der Standardtherapie abgelöst wurden. Diese hemmen durch die Blockade der H+/K+-ATPase direkt die Freisetzung der Magensäure.

Allergische Sofortreaktion und anaphylaktischer Schock
Eine allergische Reaktion vom Soforttyp ist durch mehrere Schritte charakterisiert: Zunächst löst ein Allergen bei Erstkontakt die übermäßige Produktion von IgE-Antikörpern aus, die über den Fc-Rezeptor der Mastzellen an deren Oberfläche binden können. Diese sind nun für das Allergen sensibilisiert. Kommt es zu einem zweiten Antigenkontakt, bindet dieses an die IgE-Rezeptoren an der Mastzelloberfläche und es kommt zur Quervernetzung der IgE-Moleküle. Dies stellt den Reiz für die Degranulation dar. Das freigesetzte Histamin und andere Entzündungsmediatoren führen zu einer peripheren Gefäßdilatation, erhöhter Gefäßpermeabilität und einer Atemwegsobstruktion. Klinisch zeigt sich dies je nach Schweregrad der allergischen Reaktion durch ein Erythem, Ödeme, Juckreiz, Blutdruckabfall sowie erschwerte Atmung. In der maximalen Ausprägung kann es zu einem Kreislaufversagen kommen. Hierbei spricht man von einem anaphylaktischen Schock, der eine lebensbedrohliche Situation darstellt. Je nach Schweregrad der allergischen Reaktion kommt ein Stufenschema zum Einsatz, das sowohl H1-Rezeptorblocker als auch H2-Rezeptorblocker enthält.

Antihistaminika
Bei den Antihistaminika unterscheidet man H2-Rezeptor-Blocker, die vorwiegend die Magensäureproduktion senken, von den H1-Rezeptor-Blockern. Letztere kommen vor allem als Antiallergikum, bei Juckreiz oder beim anaphylaktischen Schock zum Einsatz. Ein Teil der H1-Antihistaminika sind aufgrund ihrer Lipophilie gut ZNS-gängig. Durch die Blockade der H1-Rezeptoren im Hypothalamus haben sie eine starke sedierende Wirkung und werden eigentlich nur noch bei erwünschter Sedierung eingesetzt .

Eicosanoide (Prostaglandine, Thromboxan A2, Leukotriene)

Als Eicosanoide fasst man die Prostaglandine, das Thromboxan A2 und die Leukotriene zusammen. Alle Eicosanoide gehen aus der vierfach ungesättigten C20-Fettsäure Arachidonsäure hervor. Während für die Synthese der Leukotriene die Lipoxygenase essentiell ist, wird die Synthese der Prostaglandine und des Thromboxan A2 durch die Cyclooxygenase katalysiert. Klinisch hat dies eine große Relevanz, da Prostaglandine auf eine Vielzahl von Geweben wirken. Ihre Hemmung durch COX-Inhibitoren kann daher zu teils schwerwiegenden Nebenwirkungen führen. Außerdem werden Prostaglandine selbst therapeutisch in der pAVK-Behandlung bzw. in der Frauenheilkunde zur Geburtseinleitung eingesetzt.

Stoffwechsel
Struktur
Synthese

Freisetzung

Wirkung
Molekularer Wirkmechanismus
Wirkung nach Substanzklasse

Wirkung nach Organsystem

Die Cyclooxygenase katalysiert den ersten Syntheseschritt der Prostaglandin- und Thromboxansynthese. In der Leukotriensynthese übernimmt dies die Lipoxygenase!

PGI2 (= Prostacyclin) hemmt die Thrombozytenaggregation, Thromboxan A2 fördert sie!

COX-Hemmer und Glucocorticoide
Die Cyclooxygenase hat eine hohe klinische Relevanz, da COX-Inhibitoren (= Nicht-Opioid-Analgetika) gerne therapeutisch eingesetzt werden. Sie wirken analgetisch (schmerzlindernd), antipyretisch (fiebersenkend) und teils antiphlogistisch (entzündungshemmend). Am häufigsten werden die unselektiven bzw. präferentiellen COX-1-Hemmer (NSAR wie z.B. ASS, Diclofenac, Ibuprofen) oder COX-Hemmer mit Zusatzfunktion wie Metamizol oder Paracetamol eingesetzt. Die Hemmung der Cyclooxygenase erfolgt reversibel durch eine Blockade der Bindungsstelle für die Arachidonsäure . Dadurch kommt es zu einer Verminderung der Prostaglandin- sowie der Thromboxansynthese. Da die Leukotriensynthese nicht beeinträchtigt wird, liegen nun mehr bronchokonstriktorisch wirksame Leukotriene im Vergleich zu den bronchodilatatorischen Prostaglandinen vor und es kann als Nebenwirkung zu einem sog. Analgetikaasthma kommen. Des Weiteren führt der Wegfall der renal gebildeten Prostaglandine zu einer verminderten renalen Durchblutung, die insbesondere bei vorbestehender schlechter Nierenfunktion zu einem akuten Nierenversagen führen kann. Die gleichzeitige Einnahme von Glucocorticoiden und NSAR kann weiterhin zu einem gastroduodenalen Ulkus führen: Durch die NSAR-bedingte Hemmung der Prostaglandinsynthese kommt es zu einer Verminderung der protektiven Schleim- und Bicarbonatproduktion sowie einer vermehrten Magensäuresekretion. Die Glucocorticoide führen zu einer Inhibition der Phospholipase A2, sodass die Eicosanoidsynthese insgesamt zusätzlich vermindert und eine Ulkusentstehung begünstigt wird. Von den unselektiven COX-Hemmern müssen die selektiven COX-2-Hemmer (= Coxibe) unterschieden werden, die vorwiegend in der Therapie der rheumatischen Arthritis oder zur postoperativen Schmerzbehandlung eingesetzt werden und weniger gastrointestinale Nebenwirkungen erzeugen.

Prostaglandine in der Pharmakotherapie
Prostaglandine können in der Therapie unterschiedlicher Erkrankungen eingesetzt werden. So wird Prostaglandin E1 (= Alprostadil) beispielsweise zur Vasodilatation in der Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK Stadium 3-4) eingesetzt. Des Weiteren finden Prostaglandine Anwendung in der Geburtshilfe. Prostaglandin E2 wird in Form von Vaginaltabletten oder Vaginalgel zur Cervixreifung und Weheninduktion eingesetzt.

Gewebsverletzung/akute lokale Entzündungsreaktion
Klinisch unterscheidet man fünf Kardinalzeichen der akuten Entzündung: Rötung (= Rubor), Überwärmung (= Calor), Schwellung/Ödembildung (= Tumor), Schmerz (= Dolor) und eine eingeschränkte Funktion (= Functio laesa). Nach einer Gewebeschädigung kommt es zunächst zu einer kurzen ischämischen Phase, in der das betroffene Gewebe minderperfundiert wird. Innerhalb von Minuten wird die Phospholipase A2 aktiviert, die eine Steigerung der Prostaglandinsynthese bewirkt. Diese wiederum kann zur Sensibilisierung peripherer Schmerzsensoren, Steigerung des zentralen Schmerzempfindens (Schmerz) sowie Induktion von Fieber führen. Auf die kurze Ischämiephase folgt eine akute Abnahme des Gefäßtonus der Arteriolen und eine Konstriktion der Venolen mit konsekutiver Hyperämie (Rötung und Überwärmung). Durch den dadurch bedingten Anstieg des intravasalen Drucks kommt es zudem zum Austritt von Blutplasma ins Gewebe (Schwellung/Ödembildung). Die Verlangsamung des Blutflusses sowie die Aktivierung der Endothelzellen erleichtert den Durchtritt der Leukozyten durch die Zellwand. Innerhalb von Stunden werden durch die Beteiligung des angeborenen Immunsystems Cytokine (z.B.TNF-α, IL-1) sowie Chemokine freigesetzt und die COX-2-Synthese gesteigert. Dadurch wird die Entzündungsreaktion aufrecht erhalten und weitere Leukozyten an den Ort der Entzündung gelotst. Insgesamt ist dadurch die Funktion der betroffenen Körperpartie meist eingeschränkt.

Kinine (Bradykinin, Kallidin)

Als Kinine bezeichnet man die beiden Peptidhormone Bradykinin und Kallidin. Die von der Leber gebildeten inaktiven Vorstufen (Kininogene) müssen zunächst durch Serinproteasen (Kallikreine) im Blut aktiviert werden. Diese liegen ebenfalls als inaktive Proteasevorstufen vor, bis sie durch den Gerinnungsfaktor XII aktiviert werden. Kinine werden kontinuierlich in geringen Mengen aus Kininogen freigesetzt und können im Rahmen von Entzündungsreaktionen oder Verletzungen hochreguliert werden. Neben ihrer Rolle in der Entzündungsreaktion spielen Kinine auch im Gerinnungsgleichgewicht zur Vermeidung von Thrombosen eine Rolle. Durch ihre sehr kurze Halbwertszeit wirken Kinine vor allem schnell und kurzfristig.

Stoffwechsel
Struktur
Synthese
Freisetzung
  • Die Freisetzung der Kinine aus Kininogen erfolgt in geringem Maße kontinuierlich, kann jedoch durch inflammatorische Ereignisse oder Verletzungen verstärkt werden
Abbau
Wirkung
Molekularer Wirkmechanismus

Wirkung am Zielorgan

  • Vasodilatation
  • Steigerung der Gefäßpermeabilität mit verstärkter Leukozytenmigration
  • Schmerzreiz durch Kininrezeptoren an Nervenendigungen
  • Antithrombotische Wirkung an intaktem Gefäßendothel
  • Gerinnungsfördernd an geschädigtem Endothel

Cytokine

Als Cytokine fasst man verschiedene Mediatoren zusammen, die allesamt zu den Polypeptiden gehören. Cytokine werden in einer Vielzahl verschiedener Zellen synthetisiert und meist parakrin oder autokrin, selten auch endokrin sezerniert. Daher nehmen sie unter den Mediatoren eine Sonderstellung ein und werden in der Literatur entweder den aglandulären Gewebshormonen zugeordnet oder aber als gesonderte Klasse hormonähnlicher Proteine dargestellt. Man unterscheidet funktionell folgende Substanzgruppen:

Cytokine des Immunsystems

Interleukine, Interferone, Chemokine sowie die TNF-Superfamilie kann man als Cytokine des Immunsystems zusammenfassen. Interleukine und Interferone dienen insbesondere als Signalmoleküle für die interzelluläre Kommunikation. Sie regulieren im wesentlichen die Proliferation, Differenzierung und Funktion der Zellen des spezifischen und unspezifischen Immunsystems. Die Chemokine dienen als Botenstoffe der Anlockung von Immunzellen in inflammatorisches Gewebe. Des Weiteren regulieren sie den Übertritt von Leukozyten aus dem Blut in die Peripherie oder in die sekundären lymphatischen Organe.

Interleukine

Die Familie der Interleukine ist nach ihrer Funktion benannt (von lat. inter = “zwischen” und griech. leukos = “weiß”) - der Kommunikation zwischen weißen Blutzellen (=Leukozyten). Mit aktuell bereits über 15 verschiedenen Subtypen handelt es sich um eine sehr heterogene Gruppe von Mediatoren, die alle unterschiedliche Funktionen haben und von verschiedenen Zellen sezerniert werden. Mit Ausnahme von IL-1 und IL-8 entfalten sie ihre Wirkung über Tyrosinkinase-assoziierte Rezeptoren.

Interleukine Produzierende Zelle Zielzelle/-gewebe Hauptwirkung
Interleukin-1 (IL-1)
Interleukin-2 (IL-2)
Interleukin-4 (IL-4)
  • Proliferationsreiz für Zielzellen:
  • Inhibition der Makrophagenaktivierung
  • Stimulation des Antikörperklassenwechsels zu IgE
Interleukin-6 (IL-6)
Interleukin-8 (IL-8)
  • Proinflammatorisches Cytokin: Initiation einer Entzündungsreaktion
    • Chemotaxis: Anlockung von Neutrophilen und Stimulation zur Degranulation
  • Angiogenese
Interleukin-10 (IL-10)
Die Tabelle stellt lediglich einen Auszug einiger wichtiger Interleukine dar.

Interferone

Auch die Interferone dienen der interzellulären Kommunikation der Immunzellen. Insgesamt unterstützen sie die Immunabwehr und werden entsprechend ihrer Hauptfunktion in 2 Typen eingeteilt.

Interferone Produzierende Zelle Zielzelle/Zielgewebe Hauptwirkung Therapeutische Anwendung
Typ-I-Interferone Interferon-Alpha (IFN-α)
  • Alle Zellen
  • Antivirale Wirkung
    • Verstärkung der MHC-I-Expression auf den Körperzellen zur verbesserten Antigenpräsentation und somit zur besseren Unterscheidung von infizierten und gesunden Zellen durch CD8+-Zellen → Stimulation der Zelllyse infizierter Zellen durch zytotoxische T-Lymphozyten
    • Aktivierung von NK-Zellen durch IFN-β
    • Induktion der Synthese virostatischer Proteine zum RNA-Abbau bzw. zur Blockade der viralen Proteinsynthese
Interferon-Beta (IFN-β)
Typ-II-Interferone Interferon-Gamma (IFN-γ)
  • Wichtiger Mediator der Entzündungsreaktion
    • Stimulation und Aktivierung der Zielzellen
    • Verbesserung der Antigenpräsentation durch Hochregulierung von MHC-I- und MHC-II-Molekülen
    • Verschiebung der CD4+-Zell-Differenzierung in Richtung proinflammatorischer TH1-Zellen

Chemokine

Als Chemokine bezeichnet man Botenstoffe aus unterschiedlichen Chemokinfamilien, die dafür zuständig sind, Leukozyten zum Ort der Entzündung zu leiten und die Leukozytenmigration aus dem Blut zu erleichtern. Des Weiteren wird auch die Einwanderung der Lymphozyten in die sekundären lymphatischen Organe unterstützt. Sie geben somit den Startschuss für die Initiation einer Entzündungsreaktion. Neben den Mitgliedern der unterschiedlichen Chemokinfamilien (CC- bzw. CXC-Familien) haben auch andere Stoffe chemotaktische Funktion. Typische Vertreter ohne Zugehörigkeit zu einer speziellen Chemokinfamilie sind beispielsweise einige Komplementfaktoren (C3a, C4a, C5a). Interleukin-8 (=CXCL8) hingegen wird zur Interleukinfamilie gezählt und gehört gleichzeitig zu den CXC-Chemokinen.

TNF-Superfamilie

Zur TNF-Superfamilie gehören Proteine, die ihre Signale über den TNF-Rezeptor übermitteln. Sie haben eine regulatorische Funktion auf das Überleben bzw. das Absterben von Zellen und die Immunantwort. Ebenso greifen sie regulierend in die Entwicklung und Homöostase einiger Gewebearten ein, wie etwa den lymphatischen, neuronalen oder ektodermalen Geweben. Da klinisch vor allem TNF-α von besonderer Relevanz ist, wird im Folgenden lediglich auf diesen Vertreter der TNF-Familie eingegangen.

TNF-Superfamilie Produzierende Zelle Zielzelle/Zielgewebe Hauptwirkung Therapeutische Anwendung
Tumornekrosefaktor-Alpha (TNF-α)
  • Vielzahl von Zellen
  • TNF-α-Blocker(!) wie bspw. Infliximab werden bei therapierefraktären chronisch-entzündlichen Systemerkrankungen (z.B. Morbus Crohn) eingesetzt
Die Tabelle stellt lediglich einen Auszug dar und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Als wichtigste proinflammatorische Cytokine zur Induktion von Fieber und der Synthese von Akute-Phase-Proteinen lassen sich IL-1, IL-6 und TNF-α zusammenfassen!

SIRS/Sepsis
Als SIRS (Systemic Inflammatory Response Syndrome) bezeichnet man eine systemische inflammatorische Reaktion des Körpers auf unterschiedliche Ursachen. "Sepsis" ist ein SIRS aufgrund einer Infektion, die entweder durch einen positiven Erregernachweis bestätigt oder klinisch hochwahrscheinlich ist (z.B. bei eindeutigen Pneumoniezeichen). Pathophysiologisch kommt es hierbei zu einer Aktivierung lokaler Entzündungsmediatoren (Komplementsystem, Mastzellen und Makrophagen), die zur Weitstellung der Gefäße und zur Freisetzung von weiteren proinflammatorischen Cytokinen (v.a. TNF-α, IL-1) führt. Daraus resultiert eine Endothelaktivierung mit Steigerung der Gefäßpermeabilität und die damit einhergehenden generalisierten Ödemen (mit Austritt des intravasalen Volumens und des Albumins ins Gewebe). Der Flüssigkeitsverlust im Gefäßsystem führt meist zu einem Blutdruckabfall und septischen Schock. Zusammen mit der massiven Aktivierung der Gerinnung durch TNF-α kann es im schlimmsten Falle zu einem Multiorganversagen kommen. Es handelt sich somit um eine lebensgefährliche Erkrankung, die eine große klinische Herausforderung darstellt.

Cytokine als Wachstumsfaktoren

Cytokine nehmen nicht nur eine entscheidende Rolle im Immunsystem ein, sondern haben als Wachstumsfaktoren auch einen elementaren Anteil an der Regulation embryonaler und adulter Entwicklungsprozesse. Neben den allgemeinen Wachstumsfaktoren sind auch hämatopoetische Wachstumsfaktoren den Cytokinen zuzurechnen.

Allgemeine Wachstumsfaktoren

Wachstumsfaktoren sind sowohl im Rahmen der Embryonalentwicklung als auch im adulten Organismus von entscheidender Bedeutung. Wichtige Vertreter sind z.B. der Fibroblast Growth Factor (=FGF), der Epidermal Growth Factor (=EGF), der Vascular Endothelial Growth Factor (=VEGF) und die Insulin-like Growth Factors (IGF-1 und 2). Folgende Funktionen werden den allgemeinen Wachstumsfaktoren zugeschrieben:

  • Während der Embryonalentwicklung
    • Steuerung der Zellproliferation und -differenzierung sowie des Zellwachstums : Morphogenese, Organogenese und Ausbildung der Körperachsen
    • Regulation von Überleben und Apoptose der Zelle
    • Vorgabe der Wachstumsrichtung für Kapillaren und Axone (insbesondere FGF und VEGF)
  • Im adulten Organismus
    • Steuerung von Zellproliferation und -differenzierung in erneuerbaren Geweben
    • Regenerationsprozesse nach Gewebeschäden
    • Regulation von Überleben und Apoptose der Zelle
Wachstumsfaktor Funktion
Fibroblast Growth Factor (FGF)
Epidermal Growth Factor (EGF)
Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF)
  • Fördert
    • Kapillaraussprossung in Richtung der Sekretionsquelle
    • Endothelproliferation
Nerve Growth Factor (NGF)
  • Fördert
    • Wachstum und Differenzierung von Nervenzellen
    • Wachstum von Axonen in Richtung der Sekretionsquelle
  • Regulation der Neuropeptide
  • Apoptosehemmung
Insulin-like Growth Factors (IGF-1, IGF-2)
Transforming Growth Factor-beta (TGF-β)-Familie
Die Tabelle stellt lediglich einen Auszug einiger wichtiger allgemeiner Wachstumsfaktoren dar.

Hämatopoetische Wachstumsfaktoren

Als hämatopoetische Wachstumsfaktoren bezeichnet man Cytokine, die an der Regulation der Blutbildung beteiligt sind. Alle Blutzellen werden im Knochenmark gebildet und leiten sich aus einer gemeinsamen pluripotenten Stammzelle ab. Aus dieser entwickeln sich dann - abhängig vom Cytokinprofil und weiteren Wechselwirkungen - die unterschiedlichen Blutzellreihen. Die Cytokine wirken hierbei insbesondere auf Proliferation, Differenzierung und das Überleben von Blut- oder Blutvorläuferzellen ein.

Wachstumsfaktor Wirkung
Stammzellfaktor (= Stem Cell Factor, SCF)
  • Proliferation und Differenzierung pluripotenter Stammzellen
Granulocyte Colony Stimulating Factor (= G-CSF)
  • Proliferation und Differenzierung granulozytischer, monozytischer Vorläuferzellen zu neutrophilen Granulozyten
  • Therapeutischer Einsatz: Verbesserung von Neutropenien bei Chemotherapien
Erythropoetin (= EPO)
Thrombopoetin (= THPO)
Die Tabelle stellt lediglich einen Auszug einiger wichtiger hämatopoetischer Wachstumsfaktoren dar.

Wiederholungsfragen zum Kapitel Gewebshormone

Histamin

Wie wird Histamin synthetisiert?

Was stimuliert die Freisetzung von Histamin?

Welche Wirkung hat Histamin auf Gefäße?

Eicosanoide

Wie und aus welchen Substanzen entstehen Eicosanoide?

Erkläre den Reaktionsvorgang zur Entstehung von Prostaglandinen und Thromboxan A2!

Wie entstehen Leukotriene?

Welches Leukotrien entsteht durch Hinzufügen von Glutathion?

Welche Wirkung von Prostaglandin E2 kennst du?

Wo wird Prostaglandin I2 gebildet und was bewirkt es?

Wer kann als Gegenspieler des Prostaglandin I2 verstanden werden? Wie kann dessen Hemmung therapeutisch, z.B. in der Kardiologie, genutzt werden?

Wie greifen Nicht-Opioid-Analgetika in die Synthese von Eicosanoiden ein?

Welche Wirkung haben Kinine?

Cytokine

Welche Wirkung von Interleukin-8 kennst du?

Eine Sammlung von allgemeineren und offeneren Fragen zu den verschiedenen prüfungsrelevanten Themen findest du im Kapitel Beispielfragen aus dem mündlichen Physikum.