• Klinik
  • Arzt

Hormonelle Kontrazeption (Ovulationshemmer)

Abstract

Hormonelle Kontrazeption beschreibt die medikamentös ausgelöste, vorübergehende funktionale Sterilität durch die Gabe von weiblichen Sexualhormonen. Sie gilt als eine der zuverlässigsten und am weitesten verbreiteten Methoden zur Empfängnisverhütung in Deutschland. Hierbei gibt es eine Vielfalt an Präparatetypen, die sich hinsichtlich ihrer hormonellen Zusammensetzung, Dosierung und Applikationsweise unterscheiden und dementsprechend unterschiedliche Nebenwirkungsprofile aufweisen. Als wesentlicher Faktor sind venöse und arterielle thromboembolische Ereignisse zu nennen, die insb. bei Vorliegen eines kardiovaskulären Risikoprofils auftreten können. Bei der Auswahl des Präparates sollte sich daher individuell an Risiken und Nebenwirkungen orientiert und sowohl Prioritäten der Frau als auch Effektivität und Zykluskontrolle berücksichtigt werden.

In Deutschland kommen vorwiegend Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate zur Anwendung, die entweder als Einphasenpräparate (konstante Dosierung von Östrogenen und Gestagenen) oder Mehrphasenpräparate (wechselnde Dosierungen der Hormone) verabreicht werden. Die kontrazeptive Wirkung der Östrogene ergibt sich aus der Suppression von GnRH auf Hypothalamus-Ebene und infolgedessen verminderter hypophysärer FSH-Sekretion. Dies führt zur Hemmung der Follikelreifung, des präovulatorischen LH-Gipfels und der Ovulation. Die Gestagen-Komponente hemmt zusätzlich in höherer Dosierung die Ovulation und wirkt sich zudem negativ auf die Nidationsbedingungen aus (Verdickung des Zervixsekrets, verminderte Tubenmotilität, Hemmung der Endometriumproliferation).

Neben Kombinationspräparaten existieren reine Gestagenpräparate, die häufig bei Kontraindikationen oder Unverträglichkeiten gegenüber Östrogen-Gestagen-Präparaten zum Einsatz kommen. Vorteile der reinen Gestagenpräparate sind ein geringerer Einfluss auf das Gerinnungssystem und somit ein vermindertes Risiko arteriell- oder venös-thromboembolischer Ereignisse.

Östrogen-Gestagen-Präparate

Allgemein

Die klassische Antibabypille kann sowohl monophasisches als auch mehrphasiges Östrogen-Gestagen-Präparat sein!

Übersicht verschiedener Präparatetypen

Präparatetyp und Applikation Applikation Pearl-Index Prinzip

Einphasenpräparate

Kombinationspille

  • oral
  • 0,3
  • Kombinationsmethode
    • Gleichbleibende Dosierung von Östrogen plus Gestagen über 21 Tage
    • Danach hormonfreies Intervall von 7 Tagen
Vaginalring
  • vaginal
Kontrazeptionspflaster
  • transdermal

Zweistufenpräparate

Kombinationspille
  • oral
  • Stufenmethode

Dreistufenpräparate

Kombinationspille
  • oral

Vierstufenpräparate

Kombinationspille mit natürlichem Östrogen
  • oral

Der Begriff „Mikropille“ bezeichnet Östrogen-Gestagen-Präparate mit deutlich verringerter Hormondosis (Östrogenanteil <30 μg)! Sie dürfen nicht mit der Minipille (Gestagen-Monopräparat) verwechselt werden!

Östrogene werden nicht allein, sondern nur in Kombination mit Gestagenen zur Zyklusstabilisierung angewendet. Gestagene können dagegen als Monopräparate eingesetzt werden!

Die exakte Reihenfolge der Einnahme von mehrphasigen Östrogen-Gestagen-Präparaten ist ausschlaggebend für die kontrazeptive Sicherheit!

Detaillierte Informationen zu Präparatetypen

Kombinierte orale Kontrazeptiva (Klassische „Antibabypille“)

  • Erstverordnung
    • Verwendung eines Einphasenpräparates mit möglichst niedrigem Östrogenanteil
    • Beginn der Einnahme im 1. Zyklus bereits am 1. Tag der Menstruation
    • Kontrazeptionsschutz besteht bereits im 1. Einnahmezyklus
  • Anwendung
    • Kombinationspräparate mit Ethinylestradiol: Orale Einnahme alle 24 Stunden über 21 aufeinanderfolgende Tage, gefolgt von einem 7-tägigen hormonfreien Intervall, in dem die Hormonentzugsblutung auftritt
    • Kombinationspräparate mit natürlichem Östrogen: Einnahme an 26 Tagen, gefolgt von 2 Tagen Placebo-Tabletten
      • Vorteile von Kombinationspräparaten mit natürlichem Östrogen
        • Geringere Beeinflussung hämostatischer und metabolischer Parameter
        • Kardio- und osteoprotektiv
        • Positive Wirkung auf Stimmung, Libido, Hitzewallungen und dysfunktionelle Hypermenorrhö
        • „Silent Menstruation bei 20–30% der Frauen
  • Modifikation der Einnahme
    • Einnahme im Langzeitmodus (kontinuierliche Einnahme)
    • Verkürzung des hormonfreien Intervalls
  • Toleranzfenster bei verspäteter Einnahme: 12 Stunden
  • Maßnahmen bei vergessener Einnahme >12 Stunden
    • In den ersten 14 Einnahmetagen: Fortführung der Einnahme am nächsten Tag sowie zusätzlicher Barriereschutz für die folgenden 7 Tage
    • In den letzten 7 Einnahmetagen: Keine Beeinträchtigung der kontrazeptiven Wirkung, Fortführung der Einnahme am nächsten Tag
  • Präparatewechsel
    • Umstellung auf niedriger dosiertes Präparat: Einnahme am ersten Tag der Menstruation
    • Umstellung auf höher dosiertes Präparat: Einnahme am ersten Tag nach Ablauf des 7-tägigen hormonfreien Intervalls
    • Umstellung von Minipille: Beginn jederzeit nach Absetzen der Minipille möglich, jedoch sollte in den ersten sieben Anwendungstagen ein zusätzliches (nicht hormonelles) Kontrazeptivum angewandt werden
    • Umstellung von Depotpräparat: Beginn der Einnahme am Tag der nächsten fälligen Injektion

Zwar besitzen Kontrazeptiva, die auf natürlichem Östrogen basieren, einen geringeren Einfluss auf den Stoffwechsel als Kontrazeptiva mit Ethinylestradiol, jedoch sollten sie aufgrund fehlender Langzeitstudien nicht bei Patientinnen mit Risikofaktoren eingesetzt werden.

Vaginalring (NuvaRing®---------)

  • Erstverordnung: Beginn der Anwendung im 1. Zyklus bereits am 1. Tag der Menstruation
  • Anwendung
    • Vaginal applizierter, flexibler Kunststoffring (Durchmesser: 5,4 cm)
    • Entfernung des Rings nach 3 Wochen mit darauffolgendem hormonfreien Intervall von 7 Tagen, in dem eine Entzugsblutung auftritt
    • Danach erfolgt das Einsetzen eines neuen Rings für 3 Wochen
  • Toleranzfenster
    • Eine Entfernung des Rings bis zu 3 h ist möglich, ohne dass dies die kontrazeptive Wirkung beeinträchtigt
    • Bei einer Verlängerung der Anwendungsdauer bis zu 28 Tagen bleibt die kontrazeptive Wirkung bestehen
  • Vorteile
    • Umgehung des First-Pass-Effekts und dadurch keine Wirkungsminderung bei medikamenten- oder infektbedingten Resorptionsstörungen
    • Bessere Compliance aufgrund einmaliger Applikation pro Monat
  • Spezifische Nebenwirkungen: Vaginale Symptome (Fühlen oder Ausstoßen des Rings, vaginaler Diskomfort), Kopfschmerzen

Kontrazeptionspflaster (Evra®-----)

  • Erstverordnung: Das Pflaster wird am 1. Tag der Menstruation aufgeklebt
  • Anwendung
    • Transdermal wirkender Ovulationshemmer, der an Unterbauch, Oberarm, Gesäß oder Oberkörper appliziert wird
    • Wechsel des Pflasters nach jeweils 7 Tagen über einen Zeitraum von 3 Wochen. Danach 7-tägiges hormonfreies Intervall, in dem eine Entzugsblutung auftritt
  • Toleranzfenster: Max. 2 Tage
  • Spezifische Nebenwirkungen: Brustspannen, Hautreaktionen, Kopfschmerzen, Übelkeit
  • Präparatewechsel
    • Umstellung von oralem Kombinationspräparat: Das Pflaster wird am 1. Tag der Menstruation aufgeklebt
    • Umstellung von Minipille: Beginn jederzeit nach Absetzen der Minipille möglich, jedoch sollte in den ersten sieben Anwendungstagen ein zusätzliches (nicht hormonelles) Kontrazeptivum angewandt werden

Bei Frauen mit einem Körpergewicht >90 kg kann die kontrazeptive Wirksamkeit sowohl beim Vaginalring als auch beim Kontrazeptionspflaster vermindert sein!

Wirkung

Allgemeiner Wirkmechanismus [1]

Da die Dosierung der Gestagene in den meisten Präparaten über der Ovulationshemmdosis liegt, wird die kontrazeptive Wirkung in erster Linie durch das Gestagen gewährleistet. Die zusätzliche Gabe von Ethinylestradiol dient hauptsächlich der Zyklusstabilisierung!

Übersicht synthetischer Gestagene mit Partialwirkungen (Auszug) [2][3]

Synthetisches Gestagen Östrogenwirkung Androgenwirkung
Progesteron-Derivate
  • Antiöstrogen
  • Antiöstrogen
  • Antiandrogen

19-Nortestosteron-Derivate

1. Generation
2. Generation
  • Antiöstrogen
3. Generation
4. Generation
  • Antiöstrogen
  • Antiandrogen
Spironolacton-Abkömmling
  • Antiöstrogen
  • Antiandrogen

Nebenwirkungen

Allgemeine Nebenwirkungen

Viele unerwünschte Wirkungen sind dosisabhängig und treten bei heute verwendeten niedrigdosierten Präparaten (etwa 10–35 μg Ethinylestradiol) seltener auf!

Thromboembolische Ereignisse

Das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse ist bei jungen, gesunden Frauen, die keine Risikofaktoren aufweisen, nur gering erhöht!

Bei Frauen mit einem erhöhten Risiko für thromboembolische Ereignisse können Gestagenmonopräparate angewandt werden!

Einfluss auf die Inzidenz von Karzinomen

Zusatznutzen

Kontraindikationen

Absolute und relative Kontraindikationen für die Einnahme von Östrogen-Gestagen-Präparaten [2]

Absolute Kontraindikationen Relative Kontraindikationen
Thromboembolische Risikofaktoren
Tumoren
  • Keine
Inflammation
Weitere Kontraindikationen

Bei Kontraindikationen für Östrogen-Gestagen-Präparate kann die Verordnung von reinen Gestagen-Präparaten erfolgen!

Absetzkriterien

Sofortiges Absetzen sowie ggf. weiterführende Diagnostik bei

Gestagen-Monopräparate

Allgemein

  • Indikation: Alternative bei Frauen mit Östrogen-Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen sowie in der Stillzeit
  • Nachteil: Keine zyklusstabilisierende Wirkung, daher gehäuft Zwischenblutungen

Übersicht verschiedener Präparatetypen

Präparatetyp Applikationsform Pearl-Index Prinzip
Minipille
  • Oral
  • 0,3
  • Kontinuierliche Gestagengabe
Depotpräparat, z.B. Dreimonatsspritze
  • Intramuskulär alle drei Monate
  • 0,3
Hormonimplantat
  • Subdermal
  • 0,05
Hormonspirale (Intrauterinpessar mit Gestagenbeschichtung)
  • Intrauterin
  • 0,1–3

Detaillierte Informationen zu Präparatetypen

Minipille (rein gestagenhaltige Pille)

  • Indikation: Raucherinnen >35 Jahre, Laktationsphase, Kopfschmerzen, leichte Hypertonie, Kontraindikationen für östrogenhaltige Kontrazeptiva
  • Erstverordnung: Einnahme am ersten Tag der Regelblutung
  • Anwendung
    • Tägliche kontinuierliche Einnahme niedrigdosierter Gestagene ohne hormonfreies Intervall
    • Pünktliche Einnahme zur gleichen Tageszeit wichtig für kontrazeptive Wirkung
  • Einnahmetoleranzfenster
    • Niedrigdosierte Gestagenpräparate: 3 Stunden
    • Höher dosierte Gestagenpräparate mit Desogestrel: 12 Stunden
    • Wird das Einnahmetoleranzfenster überschritten, muss in den nächsten 7 Tagen die Anwendung zusätzlicher nicht-hormoneller Kontrazeptiva erfolgen
  • Spezifische Nebenwirkungen: Unregelmäßige Zwischenblutungen

Depotpräparate (Dreimonatsspritze)

  • Indikation: Siehe Indikationen für Minipille; zusätzlich geeignet bei abgeschlossener Familienplanung oder psychiatrischen Patientinnen (regelmäßige Einnahme von Kontrazeptiva nicht gewährleistet)
  • Anwendung
    • Parenterale, intramuskuläre Injektion einer hohen, protrahiert wirksamen Gestagendosis
    • Wirkdauer beträgt mind. 90 Tage
  • Nachteile
    • Gestageneffekt kann bis zu einem Jahr nach Verabreichung der letzten Dosis anhalten
      • Bei Auftreten von Nebenwirkungen kann nur abgewartet werden
      • Anwendung bei prinzipiellem Kinderwunsch nicht empfehlenswert
  • Spezifische Nebenwirkungen
    • Häufig Zwischenblutungen im ersten Anwendungsjahr, danach in 30–50% Amenorrhö
    • Gewichtszunahme, Libidoverlust, Akne, Seborrhö

Hormonimplantat

  • Indikation: Siehe Indikationen für Minipille; zusätzlich geeignet bei abgeschlossener Familienplanung oder psychiatrischen Patientinnen (regelmäßige Einnahme von Kontrazeptiva nicht gewährleistet)
  • Anwendung
    • Implantierbares Kontrazeptivum in Form eines nicht biologisch abbaubaren Kunststoffstäbchens (4 cm Länge, 2 mm Breite)
    • Kontinuierliche Abgabe von Etonogestrel
    • Subdermale Implantation am Oberarm mit einer Liegedauer von bis zu drei Jahren
  • Spezifische Nebenwirkungen: Akne, irreguläre Blutungen, Brustspannen

Hormonspirale

  • Anwendung
    • Levonorgestrel-haltiges Intrauterinsystem mit lokaler Intrauterinwirkung
    • 32 mm langer T-förmiger Kunststoffkörper (Mirena®-------), der an seinem vertikalen Arm von einem Depot mit 52 mg Levonorgestrel umhüllt ist
    • Täglich erfolgt eine Freisetzung von 20 μg Levonorgestrel
    • Verhütungsdauer je nach Präparat 3–5 Jahre
  • Komplikationen
    • Entzündungen des inneren Genitale
    • Spontanausstoßung des IUP in ca. 5%
    • Uterusperforation während Einlage des IUP in 1/1000 Fällen
    • Erhöhtes Risiko für Extrauteringraviditäten bei Eintritt einer Schwangerschaft trotz liegenden IUP
  • Spezifische Nebenwirkungen
    • In den ersten Anwendungsmonaten meist Zwischenblutungen, danach in bis zu 60% Amenorrhö
    • Zu Beginn meist vorübergehend Akne, Ödembildung, Brustspannen, Kopfschmerzen

Wirkung

Nebenwirkungen

  • Häufig
    • Unregelmäßige Zwischenblutungen
    • Amenorrhö
    • Ödeme
    • Gewichtszunahme
    • Kopfschmerzen
    • Akne
    • Depressive Verstimmungen
    • Verminderte Libido
    • Übelkeit

Kontraindikationen

Ein Risiko für thromboembolische Ereignisse stellt im Gegensatz zu Östrogen-Gestagen-Präparaten keine Kontraindikation für Gestagen-Monopräparate dar!

Postkoitale Kontrazeptiva

Allgemein

  • Indikation: Vermeidung einer Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder dem Versagen einer Kontrazeptionsmethode
  • Rezeptfrei verfügbar in fast allen europäischen Ländern
  • Postkoitale Kontrazeptiva bei Minderjährigen
    • Allgemein: Sorgfältige Beratung und Aufklärung notwendig
    • <14 Jahre: Schriftliches Einverständnis der Eltern notwendig
    • 14–16 Jahre: Verschreibung möglich, Einverständnis von mind. einem Elternteil ist anzuraten

Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr sollte abgesehen von der Möglichkeit einer ungeplanten Schwangerschaft stets an das Risiko einer sexuell übertragbaren Erkrankung gedacht werden!

Übersicht

Präparatetyp Applikationsform Prinzip
Postkoitale Kontrazeptiva („Pille danach“) Ulipristalacetat
  • oral
  • Einnahme spätestens 120 h postkoital
Levonorgestrel
  • Einnahme spätestens 72 h postkoital

Die Postkoitalpille („Pille danach“) ist nur zur Notfallverhütung gedacht und wirkt am effektivsten, wenn die Einnahme innerhalb von 12 h nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgt!

Eine bereits stattgehabte Befruchtung wird durch die Einnahme von postkoitalen Kontrazeptiva nicht abgebrochen!

Detaillierte Informationen zu Präparatetypen

Levonorgestrel

  • Anwendung
    • Einmalige orale Dosis von 1,5 mg zu jedem Zeitpunkt im Zyklus nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Versagen der Kontrazeption
  • Wirkfenster
    • Wirksam bis 2–3 Tage vor der Ovulation
    • Einnahme spätestens 72 Stunden postkoital
  • Wirkmechanismus
  • Spezifische Nebenwirkungen

Ulipristalacetat

  • Anwendung
    • Einmalige orale Dosis von 30 mg zu jedem Zeitpunkt im Zyklus nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Versagen der Kontrazeption
  • Wirkfenster
    • Wirksam bis wenige Stunden vor der Ovulation
    • Einnahme spätestens 5 Tage postkoital
  • Wirkmechanismus
  • Spezifische Nebenwirkungen

Nach Einnahme von postkoitalen Kontrazeptiva sollte stets eine reguläre Kontrazeption begonnen werden, da postkoitale Kontrazeptiva die Ovulation verschieben können und hierdurch in den darauffolgenden Tagen ein Schwangerschaftsrisiko besteht!

Da die Wirksamkeit hormoneller Notfallkontrazeptiva bei Adipositas möglicherweise herabgesetzt ist, sollte ab einem BMI ≥30 kg/m2 ein Kupfer-Intrauterinpessar als Notfallkontrazeption empfohlen werden! Dieses stellt unabhängig vom Körpergewicht das zuverlässigste postkoitale Kontrazeptivum dar.

Interaktionen

Allgemein

Mechanismus medikamentöser Wechselwirkungen

Beeinträchtigte Kontrazeptiva

Nicht beeinträchtige Kontrazeptiva

Arzneimittel, die die Wirkung von Kontrazeptiva abschwächen können

Substanzgruppe Wirkstoffe
Antiepileptika
Antiemetika
Akne-Therapeutika
  • Isotretinoin
Antibiotika
Antimykotika
Hypnotika, Sedativa
Tranquilizer
Antituberkulotika
Antidepressiva
HIV-Therapeutika
  • Ritonavir
  • Nevirapin
  • Efavirenz
  • Etravirin

Die Enzyminduktion eines Medikaments kann noch bis zu vier Wochen nach Absetzen bestehen bleiben, sodass in diesem Zeitraum auf die Anwendung weiterer nicht-hormoneller Kontrazeptiva geachtet werden sollte!

Bei Patientinnen mit Diabetes mellitus können hormonelle Kontrazeptiva vom Östrogen-Gestagen-Typ die Glucosetoleranz verschlechtern, weshalb die Einnahme eines reinen Gestagen-Präparates bevorzugt werden sollte!

Weitere mögliche Beeinträchtigungen der Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva

Leitfaden zur Verordnung

Voraussetzungen für die Verordnung

Aufklärung der Patientin

Vor der ersten Einnahme einer hormonellen Kontrazeption sollte auf folgende Punkte hingewiesen werden:

  • Mögliche Nebenwirkungen
  • Evtl. Zyklusstörungen in den ersten drei Anwendungsmonaten
  • Mögliche Interaktionen mit anderen Medikamenten
  • Wirkungseinschränkungen bei Erbrechen und Durchfall
  • Symptome, die zum Absetzen sowie Arztbesuch führen sollten (siehe: Kontraindikationen für die Einnahme von Östrogen-Gestagen-Präparaten)
  • Mangelnder Schutz vor Geschlechtskrankheiten und ggf. zusätzliche Benutzung eines Präservativs

Erstverordnung

  • Keine Kontraindikationen oder Unverträglichkeiten gegenüber Östrogenen: Verordnung eines Einphasenpräparates mit möglichst niedrigem Östrogenanteil
  • Kontraindikationen oder Unverträglichkeiten gegenüber Östrogenen: Verordnung eines Gestagen-Monopräparates

Zu Beginn der Einnahme hormoneller Kontrazeptiva kann es gehäuft zu Zwischenblutungen oder Zyklusinstabilitäten kommen. Sofern diese auch nach mehreren Monaten noch bestehen, sollte ein Präparatewechsel empfohlen werden!

Bei der Wahl eines Kontrazeptivums wird eine zuverlässige Ovulationshemmung bei guter Zykluskontrolle und einem Minimum an unerwünschten Nebenwirkungen angestrebt!

Wiederverordnung

  • Kontrolluntersuchung bei Erstverordnung nach drei Monaten, anschließend Follow-up alle sechs Monate
  • Bei guter Verträglichkeit: Einnahme über Jahre hinweg möglich, sofern die Einnahme nicht aufgrund von Risikofaktoren beendet werden muss
  • Bei Nebenwirkungen: Präparatewechsel

Verordnung in speziellen Situationen

Empfehlungen bei speziellen Beschwerden [2]

Problem Empfehlung
Zyklusstörungen
Endometriose
Kopfschmerzen und Migräne
Thromboembolische Risikofaktoren
Androgenisierungserscheinungen, Akne
  • Östrogenbetonte Präparate
Ausbleiben der Abbruchblutung
  • Schwangerschaft ausschließen!
  • Danach Wechsel auf östrogenbetontes Kontrazeptivum
Chloasma
  • Abendliche Pilleneinnahme empfehlen
  • Hautcremes mit Lichtschutzfaktor anwenden
  • Reduktion des Gestagenanteils
Brustspannen
  • Gestagenbetontes Präparat
Reduzierte Libido
  • Umstellung auf östrogenbetonte Pille, Gestagen aus der Nortestosterongruppe
Gewichtszunahme
  • Pille mit niedrigerer Dosierung, Umstellung auf Drospirenon-haltiges Präparat
Übelkeit
  • Abendliche Pilleneinnahme nach dem Essen

Präparate

Orale Östrogen-Gestagen-Präparate

Einphasenpräparate

Ethinylestradiol und Chlormadinon

Dosierung Ethinylestradiol 0,03 mg, Chlormadinon 2 mg
Handelsnamen
  • Belara®-------
  • Belara 21+--
  • Bellissima®-----------
  • Bellissima 21+--
  • Chariva®--------
  • Chariva 21+--
  • Enriqa®-------
  • Madinance®----------
  • Madinette®----------
  • Minette®--------
  • Solera®-------

Ethinylestradiol und Desogestrel

Dosierung Ethinylestradiol 0,02 mg, Desogestrel 0,15 mg
Handelsnamen
  • Desmin® 20
  • Desofemine®----------- 20
  • Lovelle®--------
  • Munalea®-------- 20
Dosierung Ethinylestradiol 0,03 mg, Desogestrel 0,15 mg
Handelsnamen
  • Desmin® 30
  • Desofemine®----------- 30
  • Marvelon®---------
  • Munalea®-------- 30

Ethinylestradiol und Dienogest

Dosierung Ethinylestradiol 0,03 mg, Dienogest 2 mg
Handelsnamen
  • Dienacne®---------
  • Dienogenance®-------------
  • Dienovel®---------
  • Finic®------
  • Luvyna®-------
  • Maxim®------
  • Mayra®------
  • Sibilla®--------
  • Sibilla 21+--
  • Valette®--------
  • Velafee 21+--
  • Velafee®--------

Ethinylestradiol und Drospirenon

Dosierung Ethinylestradiol 0,02 mg, Drospirenon 3 mg
Handelsnamen
  • aida®-----
  • Daylette®---------
  • Drosfemine®-----------
  • Drospifem®---------- 20
  • Yiznell®-------- 20
  • Maitalon®--------- 20
  • Maitalon®--------- 20 / 21+7
  • Velmari Langzyklus®-----------
  • Yasminelle®-----------
  • YAZ®----
Dosierung Ethinylestradiol 0,03 mg, Drospirenon 3 mg
Handelsnamen
  • Drospifem®---------- 30
  • Yiznell®-------- 30
  • Maitlon®-------- 30
  • Maitlon®-------- 30 / 21+7
  • Petibelle®----------
  • Yasmin®-------

Ethinylestradiol und Levonorgestrel

Dosierung Ethinylestradiol 0,02 mg, Levonorgestrel 0,1 mg
Handelsnamen
  • Asumate®-------- 20
  • Asumate®-------- 20 / 21+7
  • Evaluna®-------- 20
  • Femikadin®----------
  • Leios®------
  • Levomin®-------- 20
  • Levonance®---------- 20
  • Maexeni®-------- 20
  • Minisiston®----------- 20
  • Miranova®---------
Dosierung Ethinylestradiol 0,03 mg, Levonorgestrel 0,125 mg
Handelsnamen
  • Femikadin®---------- 30 mite
  • Kleodina®---------
  • Minisiston®-----------
  • MonoStep®---------
Dosierung Ethinylestradiol 0,03 mg, Levonorgestrel 0,15 mg
Handelsnamen
  • Evaluna®-------- 30
  • Asumate®-------- 30
  • Asumate®-------- 30/21+7
  • Femigoa®--------
  • Femikadin®---------- 30
  • Levomin®-------- 30
  • Levonance®---------- 30
  • Maexeni®--------30
  • Microgynon®-----------

Ethinylestradiol und Norethisteron

Dosierung Ethinylestradiol 0,02 mg, Norethisteron 0,5 mg
Handelsnamen
  • Eve®---- 20
Dosierung Ethinylestradiol 0,03 mg, Norethisteron 0,5 mg
Handelsnamen
  • Conceplan®---------- M

Ethinylestradiol und Gestoden

Dosierung Ethinylestradiol 0,015 mg, Gestoden 0,06 mg
Handelsnamen
  • Yaluvea®--------
Dosierung Ethinylestradiol 0,03 mg, Gestoden 0,075 mg
Handelsnamen
  • Femovan®--------

Estradiol und Nomegestrol

Dosierung Estradiol 1,5 mg, Nomegestrolacetat 2,5 mg
Handelsnamen
  • Zoely®------

Zweiphasenpräparate

Ethinylestradiol und Desogestrel

Dosierung
  • 7 Tabletten: Ethinylestradiol 0,04 mg, Desogestrel 0,025 mg
  • 15 Tabletten: Ethinylestradiol 0,03 mg, Desogestrel 0,125 mg
Handelsnamen
  • Biviol®-------

Ethinylestradiol und Chlormadinonacetat

Dosierung
  • 11 Tabletten: Ethinylestradiol 0,05 mg, Chlormadinonacetat 1 mg
  • 11 Tabletten: Ethinylestradiol 0,05 mg, Chlormadinonacetat 2 mg
Handelsnamen
  • Neo-Eunomin®--------

Dreiphasenpräparate

Ethinylestradiol und Levonorgestrel

Dosierung
Handelsnamen
  • NovaStep®---------
  • Trigoa Dragees®--------
  • Triquilar®----------

Ethinylestradiol und Desogestrel

Dosierung
  • 7 Tabletten: Ethinylestradiol 0,035 mg, Desogestrel 0,05 mg
  • 7 Tabletten: Ethinylestradiol 0,03 mg, Desogestrel 0,1 mg
  • 7 Tabletten: Ethinylestradiol 0,03 mg, Desogestrel 0,15 mg
Handelsnamen
  • Novial®-------

Vierphasenpräparate

Estradiolvalerat und Dienogest

Dosierung
  • 2 Tabletten: Estradiolvalerat 3 mg
  • 5 Tabletten: Estradiolvalerat 2 mg, Dienogest 2 mg
  • 17 Tabletten: Estradiolvalerat 2 mg, Dienogest 3 mg
  • 2 Tabletten: Estradiolvalerat 1 mg
Handelsnamen
  • Qlaira®-------

Vaginalring

Dosierung Ethinylestradiol 0,015 mg, Etonogestrel 0,120 mg (tägliche Freisetzung)
Handelsnamen
  • Circlet®--------
  • GinoRing®---------
  • NuvaRing®---------

Kontrazeptionspflaster

Dosierung

Ethinylestradiol 0,03 mg, Norelgestromin 0,2 mg

Handelsnamen
  • Evra®-----

Gestagen-Monopräparate

Orale Gestagen-Monopräparate

Desogestrel

Dosierung

Desogestrel 0,075 mg

Handelsnamen
  • Cerazette®----------
  • Damara®-------
  • Desirett®---------
  • Desofemono®-----------
  • Desofenance®------------
  • Evakadin®---------
  • Feanolla®---------
  • Jubrele®--------
  • Solgest®--------

Levonorgestrel

Dosierung

Levonorgestrel 0,03 mg

Handelsnamen
  • 28 mini®-----

Dreimonatsspritze

Medroxyprogesteronacetat

Dosierung Medroxyprogesteronacetat 104 mg
Handelsnamen
  • Sayana®-------
Dosierung

Medroxyprogesteronacetat 150 mg

Handelsnamen
  • Depo-Clinovir®---------

Norethisteronenantat

Dosierung

Norethisteronenantat 200 mg

Handelsnamen
  • Noristerat®-----------

Hormonimplantat

Dosierung

Etonogestrel 68 mg

Handelsnamen
  • Implanon NXT®----

Postkoitale Kontrazeptiva

Ulipristalacetat

Dosierung

Ulipristalacetat 30 mg

Handelsnamen
  • ellaOne®--------

Levonorgestrel

Dosierung Levonorgestrel 1,5 mg
Handelsnamen
  • Navela®-------
  • PiDaNa®-------
  • Postinor®---------

Patienteninformationen