• Klinik

Harninkontinenz

Abstract

Bei der Harninkontinenz handelt es sich um ein häufiges Krankheitsbild, bei dem symptomatisch ein unkontrollierter Urinverlust im Vordergrund steht. Die Ursachen für eine Harninkontinenz können variieren, die Therapie richtet sich nach der Unterform der Inkontinenz, wobei die Belastungs- und Dranginkontinenz und deren Mischformen am häufigsten auftreten. Eine ausführliche Anamnese in Kombination mit einer Harnblasendruckmessung per Urodynamik sichert in den meisten Fällen die Diagnose.

Epidemiologie

  • Zunahme der Inkontinenzprävalenz im Alter
  • Geschlecht: > (2:1)
  • Belastungs-, Drang- und Mischinkontinenz stellen den Hauptanteil der behandlungsbedürftigen Inkontinenzen dar

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

  • Traumata des Beckenbodens
    • Operative Eingriffe
    • Geburten
    • Permanente schwere körperliche Belastung
  • Andere Ursachen
    • Neurologische Erkrankungen
    • Medikamente
    • Tumoren im Bereich der Harnabflusswege
    • Radiatio im kleinen Becken

Klassifikation

Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz)

  • Harnblasendruckanstieg über den Harnröhrenverschlussdruck durch passive Erhöhung des abdominellen Drucks

Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz)

  • Harnblasendruckerhöhung über den Harnröhrenverschlussdruck aufgrund autonomer, aktiver Detrusorkontraktion

Mischinkontinenz

Reflexinkontinenz

  • Ätiologie: Vorkommen bei einer spinalen Schädigung
  • Pathophysiologie
    • Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie mit unwillkürlichen Detrusorkontraktionen
    • Gleichzeitige Kontraktion von Sphinkter und Detrusor
  • Klinik
    • Keine regelrechte Miktion
    • Unwillkürliche Harnblasenentleerung
  • Therapie
    • Selbstkatheterisierung
    • Installation von Botulinum-Toxin in den Detrusor
    • Inkontinente Harnableitung
    • Einbau eines Blasenschrittmachers
      • Operative Positionierung der Erregersonde an die Vorderwurzel von S2–S4

Reizleitung der Harnblasenentleerung: ParasympathikusVorderwurzel S2–S4 → Plexus hypogastricus inferior → Kontraktion des M. detrusor vesicaeWillkürliche Entspannung des M. sphinkter urethrae externus durch N. pudendus → Harnblasenentleerung!

Chronische Harnretention (Harnverhalt) mit Harninkontinenz („Überlaufinkontinenz“)

  • Bei einem Harnverhalt und Überlaufblase kann der Harnblasendruck den Harnröhrenverschlussdruck übersteigen
  • Ätiologie
    • Subvesikale Obstruktion
    • Anticholinergika und Medikamente mit anticholinerger Wirkung

Extraurethrale Harninkontinenz

  • Urinabgang über Fisteln (z.B. postoperativ oder nach Radiatio)
    • Blasen-Scheiden-Fistel: Permanenter Urinabgang bei dauerhaft leerer Blase
    • Ureter-Scheiden-Fistel: Permanenter Urinabgang über die Scheide bei regulärer Blasenfunktion
  • Fehlbildungen (ektope Uretermündung bei der Frau)

Rezidivierende Infekte (Zystitiden und Pyelonephritiden) können Folge dieser unphysiologischen Verbindungen sein!

  • Inkontinente, iatrogene Harnableitungen

Inkontinenz durch Reservoirbildung

Enuresis

  • Harninkontinenz des Kindes während der Nacht

Symptome/Klinik

  • Unkontrollierter Urinverlust
  • Weitere Symptomatik abhängig von Inkontinenzart

Diagnostik

Basisdiagnostik

Weiterführende Diagnostik

Therapie

Besondere Patientengruppen

Kinder

  • Enuresis risoria (Giggle-Harninkontinenz)
    • Sonderform der Dranginkontinenz: Harnblasenentleerung wird durch Lachen getriggert

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.