• Klinik
  • Arzt

Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung)

Abstract

Die Pyelonephritis ist eine infektiöse Erkrankung des Nierenbeckens in Mitbeteiligung des Nierenparenchyms meist infolge eines aufsteigenden bakteriellen Infekts der Harnblase. Typische Symptome sind Flankenschmerzen und Schüttelfrost in Verbindung mit dysurischen Beschwerden und Fieber. Entscheidend ist eine frühzeitige antibiotische Therapie zur Vermeidung einer Ausbreitung des Infekts und Urosepsis.

Definition

  • Eine Pyelonephritis ist die bakterielle Entzündung der Nierenbeckenstrukturen und geht i.d.R. mit Fieber, Flankenschmerzen und Nierenlagerklopfschmerz einher

Ätiologie

Symptome/Klinik

  • Fieber, Schüttelfrost
  • Flankenschmerzen, meist einseitig
  • Dysurie

Diagnostik

Ausschluss einer komplizierten Harnwegsinfektion

  • Indikation: Insb. bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen
  • Definition: Kompliziert ist eine Infektion der Harnwege bei jeglicher struktureller oder funktioneller Abnormalität des Urogenitaltraktes; darunter fallen
  • Weitere Risikofaktoren für das Vorliegen komplizierter Harnwegsinfektionen
    • Blasenkatheter oder andere Fremdmaterialien (z.B. Harnleiterschienen)
    • Postoperative Zustände am Urogenitaltrakt (Neoblase, Ileum-Conduit, Nierentransplantation etc.)
    • Restharnmenge >100 mL
    • Schädigungen des Urogenitalsystems infolge Bestrahlungen (z.B. bei Zervixkarzinom)

Ergänzende Diagnostik bei unklarer Genese

  • Kontrastmittel-CT des Abdomens/Urogramm zur Darstellung der Abflussverhältnisse
  • Miktionsurethrogramm zur Verifizierung eines vesikoureteralen Reflux
  • Urodynamik zum Ausschluss einer neurogenen Harnblasenentleerungsstörung oder subvesikalen Obstruktion
  • Statische DMSA-Nierenfunktionsszintigraphie zur Bestimmung der Nierenrestleistung im Seitenvergleich

Pathologie

Differentialdiagnosen

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Allgemeine Überlegungen

  • Indikation: Die Diagnosestellung einer Pyelonephritis rechtfertigt immer den Einsatz einer antibiotischen Therapie!
    • Darreichungsform: Je nach Schweregrad der Infektion
      • Bei schwerer Infektion bzw. Sepsis: Therapie i.v.
      • Bei unkomplizierter Pyelonephritis: Therapie p.o.
  • Supportive Therapie mit Flüssigkeitssubstitution (Vollelektrolytlösungen)
  • Bei Harnverhalt, Restharn oder Pyurie: Einlage eines transurethralen Dauerkatheters zur sicheren und prompten Harnableitung

Empirische Therapie der unkomplizierten Pyelonephritis (milder Verlauf)

Empirische Therapie der unkomplizierten Pyelonephritis (schwerer Verlauf)

Der schwere Verlauf wird über das Vorhandensein systemischer Symptome wie hohem Fieber, Verschlechterung des Allgemeinzustandes, Übelkeit und Erbrechen definiert.

Empirische Therapie komplizierter Infektionen der Harnwege

  • Allgemeine Überlegungen
    • Eine unkomplizierte Urozystitis des Mannes kann analog behandelt werden; die Abgrenzungsproblematik von komplizierter und unkomplizierter Zystitis bei Männern hat somit kaum therapeutische Relevanz
    • Bei hospitalisierten Patienten intravenöse Therapie, nach klinischer Besserung Umstieg auf orale Therapie (Sequenztherapie)
    • Nach Identifizierung des Erregers sollte die empirische Therapie überdacht und ggf. angepasst werden
    • Dauer der Therapie i. d. R. 7–14 Tage
    • Berücksichtigung folgender Punkte bei der Wahl des Antibiotikums [2]
      • Ort der Erwerbung der Infektion (ambulant vs. nosokomial)?
      • Antibiotische Vorbehandlung?
      • Katheterisierung?
  • Empirische Initialtherapie [1][2]
  • Ausweitung der Therapie entsprechend des individuellen Risikoprofils (Insb. bei nosokomial erworbenen oder katheterassoziierten Harnwegsinfekten): Gabe von Breitspektrumantibiotika unter Berücksichtigung lokaler Resistenzmuster [2]

Kalkulierte Therapie der Urosepsis

Komplikationen

Chronifizierung

  1. Rezidivierende bakterielle Pyelonephritiden (Ask-Upmark-Niere in Folge einer chronisch-destruierenden tubulo-interstitiellen Nephritis)
  2. Schrumpfniere
  3. Terminale Niereninsuffizienz bei beidseitigem Befall, Einzelniere oder anderer Pathologie der kontralateralen Niere

Urosepsis

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Besondere Patientengruppen

Pyelonephritis gravidarum (Schwangerschaftspyelonephritis)

Jede asymptomatische Bakteriurie muss im Rahmen einer Schwangerschaft behandelt werden (einschließlich Urinkultur und testgerechter Anpassung der Medikation)!

Die Anwendung von Fluorchinolonen und Cotrimoxazol in der Schwangerschaft ist kontraindiziert!

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.