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Mamma

Abstract

Die weibliche Brust ist jeweils aus 10–20 Drüsenlappen und dem sie umgebenden Binde- und Fettgewebe aufgebaut. Jeder Drüsenlappen enthält zahlreiche Drüsenendstücke, die über das Milchgangsystem in jeweils einem Hauptmilchgang zusammenfließen und in die Mamille münden. Im aktiven Zustand produzieren diese Drüsenendstücke die Muttermilch, die der Ernährung des Säuglings dient und ihn darüber hinaus vor Infektionen schützen kann (sog. „Nestschutz“). Zudem besitzt die Mamille zahlreiche Nervenendigungen, weshalb sie eine Rolle bei der sexuellen Erregung der Frau spielt. Für genauere Informationen zur Laktation der weiblichen Brust siehe: Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.

Makroskopische Anatomie

Aufbau der Mamma

Topographie der Mamma

Die Lage der Mamille kann als Orientierungshilfe beim (schlanken) Mann dienen: Sie liegt im Regelfall in der Medioclavicularlinie und ungefähr auf Höhe der 5. Rippe. Bei der Frau ist diese Orientierung aufgrund der variablen Größe und Form der Brust weniger verlässlich!

Bänder

Die Brustdrüsen sind über Bindegewebszüge an der Haut und der Thoraxwand befestigt.

Faszien

Die Brustdrüsen liegen den Thoraxfaszien direkt auf und sind mit ihnen über lockeres Bindegewebe verbunden.

Gefäßversorgung und Innervation der Mamma

Die Versorgung der Mamma erfolgt über intercostale und axilläre Leitungsbahnen.

Axilläre Lymphknotenstationen der Mamma

Der Lymphabfluss erfolgt hauptsächlich in die axillären Lymphknoten, die klinisch ausgesprochen wichtig in Bezug auf die Metastasierung und Prognose des Mammakarzinoms sind.

Axilläre Lymphknotenstationen der Mamma Lage Regionäre Lymphknoten
Level I
Level II
Level III

Lymphogene Metastasierung des Mammakarzinoms
Das Mammakarzinom metastasiert früh über die Lymphbahnen. Da die meisten Mammakarzinome im oberen lateralen Quadranten entstehen , finden sich Lymphknotenmetastasen vor allem in der Axilla der gleichen Seite. Der sogenannte „Wächterlymphknoten“ ist der erste Lymphknoten im Lymphabfluss des Tumors und hat große Bedeutung in der Ausbreitungsdiagnostik des Mammakarzinoms. Wenn der Wächterlymphknoten tumorfrei ist, so hat sich der Tumor in der Regel noch nicht über die Lymphbahnen ausgebreitet. In diesem Fall müssen die Lymphknoten während der OP nicht entfernt werden und die weitere Prognose ist gut.

Mikroskopische Anatomie

Nicht-laktierende (ruhende) Mamma

Die Drüsenlappen (Lobi glandulae mammariae) der Mamma bestehen aus zahlreichen Drüsenläppchen (Lobuli glandulae mammariae), deren Milchgangsystem sich zu einem Hauptmilchgang je Drüsenlappen vereinigt.

Mammakarzinom
Das Mammakarzinom ist die häufigste maligne Erkrankung der Frau. Histologisch werden je nach Ursprungsgewebe ductale (von den Milchgangepithelien ausgehende) und lobuläre (von den Drüsenläppchen ausgehende) Karzinome unterschieden. Am häufigsten tritt das invasiv-ductal wachsende Mammakarzinom auf. Die bedeutendsten Risikofaktoren sind eine frühe Menarche, späte Menopause, höheres Lebensalter sowie genetische Faktoren. Therapeutisch hat die operative Entfernung des Tumors die größte Relevanz. Bei günstiger Relation zwischen Brust- und Tumorgröße wird i.d.R. brusterhaltend operiert. Begleitend erfolgt je nach Einzelfallentscheidung eine Strahlen-, Hormon- und/oder Chemotherapie.

Laktierende Mamma

Schon während des ersten Trimenons der Schwangerschaft findet der Umbau der ruhenden zur laktierenden Mamma statt. Das Volumen des Drüsenkörpers nimmt zu und die Produktion von Muttermilch wird in Gang gesetzt.

Histologische Erkennungsmerkmale der laktierenden Mamma sind die sehr großen Lobuli mit ihren tubuloalveolären Endstücken. Zwischen den Lobuli liegt nur sehr wenig Bindegewebe!

Aufgrund des reduzierten Stromaanteils kann das histologische Präparat der laktierenden Mamma mit dem der Prostata oder der Nebenschilddrüse verwechselt werden!

Zyklus- und altersabhängige Veränderungen der Mamma

Größe und Durchblutung der Brustdrüsen variieren nicht nur während des Menstruationszyklus, sondern verändern sich im Laufe des gesamten Lebens einer Frau.

Entwicklung der Mamma

Die Brustdrüsen entstehen aus dem embryonalen Ektoderm zunächst als Milchleisten. Erst zur Pubertät beginnt bei der Frau die Ausreifung des Drüsengewebes.

Anlage des Drüsenkörpers aus den Milchleisten

Die Milchleisten sind die Vorläufer der späteren Brustdrüsen und entstehen ab der 7. Woche als vertikal am Rumpf verlaufende Epidermisstrukturen. Die Entwicklung der Mamma verläuft bei beiden Geschlechtern bis zur Geburt identisch.

Milchleisten

  • Definition: Streifenförmige Epidermisstruktur als Anlage für multiple Brustdrüsenknospen
  • Lage: Beidseits am ventralen Rumpf zwischen Leiste und Axilla

Ablauf der Drüsenkörperentwicklung

  1. Entwicklung der Milchleiste
  2. Rückbildung der überzähligen Milchleistenanteile
    • Ablauf
      • Fast vollständige Rückbildung der Milchleiste
      • Nur eine thorakale Epithelknospe pro Körperseite bleibt im Bereich der späteren Mammae erhalten
  3. Aussprossung der zwei Epithelknospen
    • Ablauf: Die zwei verbliebenen Epithelknospen sprossen subepidermal aus → Entstehung erster Drüsenlumen
  4. Eversion der Brustwarze
    • Ablauf
      • Zunächst liegt die Brustwarze im Hautniveau
      • Ausführungsgänge der Drüsenlumen werden nach außen gestülpt → Hervortreten der Brustwarze über das Hautniveau
      • Ausbildung und beginnende Pigmentierung der Mamillen und Warzenhöfe

Akzessorische Mammae
Wenn die Rückbildung der Milchleiste gestört ist und mehr als zwei Epithelknospen verbleiben, entstehen überzählige Brustwarzen. Findet sich zusätzlich noch ein ausgebildeter Drüsenkörper, so wird dies als Polymastie oder ektope Mamma bezeichnet.

Reifung des Drüsenkörpers

Mit Beginn der Pubertät setzt sich die Entwicklung der Brustdrüse geschlechtsspezifisch fort. Die Brustentwicklung der Frau während der Pubertät wird auch Thelarche genannt.

  • Veränderungen der weiblichen Brust während der Pubertät
    • Gewebsvermehrung beginnt im Bereich des Warzenhofs mit leichter Vorwölbung
    • Östrogen stimuliert die zunehmende Aufzweigung des Milchgangsystems

Auch der Mann besitzt Brustdrüsen (Mammae masculinae), die prinzipiell gleich aufgebaut sind. Da der hormonelle Einfluss von Östrogen fehlt, bleiben sie jedoch rudimentär. Männer können daher ebenfalls vom Mammakarzinom betroffen sein!

Hexenmilch
Durch den Einfluss der maternalen Schwangerschaftshormone wird die Brustdrüse des neugeborenen Kindes ebenfalls zur Laktation angeregt. Die Brustdrüsen des Kindes können im Anschluss an die Geburt leicht geschwollen sein und ein milchiges Sekret, die sogenannte „Hexenmilch“, absondern.

Wiederholungsfragen zum Kapitel Mamma

Mikroskopische Anatomie

Was sind die histologischen Charakteristika der nicht-laktierenden Mamma (Gl. mammaria)?

Was verändert sich histologisch bei der laktierenden Mamma?

Eine Sammlung von allgemeineren und offeneren Fragen zu den verschiedenen prüfungsrelevanten Themen findest du im Kapitel Beispielfragen aus dem mündlichen Physikum.