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Grundlagen der Dermatologie

Letzte Aktualisierung: 26.8.2021

Abstracttoggle arrow icon

Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers und übernimmt vielseitige Funktionen, die von einem mechanischen Schutz über die Wahrnehmung der Umwelt bis hin zur Synthese von Hormonen reicht. Sie lässt sich in Kutis (Epidermis und Dermis), Subkutis und Hautanhangsgebilde (z.B. Haare, Nägel, Drüsen) unterteilen.

Im Rahmen zahlreicher dermatologischer oder internistischer Erkrankungen zeigen sich an der Haut verschiedene Veränderungen, die in primäre und sekundäre Effloreszenzen unterteilt werden: Als primäre Effloreszenzen (z.B. Makulä oder Vesikel) bezeichnet man Hautveränderungen, die auf vorher gesunder Haut entstehen. Hieraus können sich sekundäre Effloreszenzen (z.B. Narben, Krusten) entwickeln. Wird eine sorgfältige Befunderhebung mit einer dermatologischen Anamnese kombiniert, kann häufig bereits ohne weiterführende Diagnostik eine (Verdachts‑)Diagnose gestellt werden.

Bei Hauterkrankungen können oftmals Wirkstoffe lokal appliziert werden. Je nach Art der Dermatose wird auf der Basis verschiedener Trägerstoffe (Vaseline, Öle) eine passende Zubereitungsweise (z.B. Salbe oder Creme) des Wirkstoffes verwendet.

Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers . Sie stellt aufgrund ihrer Eigenschaft als Vermittlerin vielfältiger lebenswichtiger physiologischer Funktionen auch einen Ausgangspunkt vieler lokaler und systemischer Erkrankungen dar.

Mikroskopischer Aufbau der Haut

Die Haut lässt sich anhand ihres histologischen Aufbaus (von oberflächlich nach tief) unterteilen in:

Makroskopischer Aufbau der Haut

Makroskopisch lässt sich die Haut unterteilen in

Funktionen der Haut

Zu den Funktionen der Haut im menschlichen Organismus zählen

  • Schutzbarriere vor Umweltreizen
  • Thermoregulation
  • Vermittlung von Sinnesreizen
  • Synthesefunktion

Auch bei Blickdiagnosen sollte auf eine Anamnese nicht verzichtet werden, um eventuell vorliegende Grunderkrankungen nicht zu übersehen. Inhalte der Anamnese sollten sein

  • Inspektion des gesamten Integuments
    • Bestimmung der dominierenden Effloreszenz (primäre / sekundäre Effloreszenz)
    • Beschreibung der Läsion
      • Anzahl (solitär / multipel)
      • Größe
      • Farbe
      • Oberflächenbeschaffenheit, (z.B. normal, atrophisch, schuppig, schwielig, krustig, verrukös)
      • Form (z.B. rund, oval, anulär)
      • Verteilung
        • Symmetrisch / asymmetrisch
        • Einseitig / beidseitig
        • Diffus / gruppiert
    • Bestimmung des Hauttyps
  • Einfache manuelle Untersuchungsmethoden, z.B.:
  • Weitere apparative und invasive Diagnostik bei unklarer Diagnose, z.B.:
    • Auflichtmikroskopie bzw. Dermatoskopie: Beurteilung von Hautveränderungen mittels Lupe (höhere Sensitivität als alleinige makroskopische Beurteilung)
    • Sequentielle digitale Dermatoskopie: Dermatoskopie mit digitaler Speicherung des Bildes
    • Ganzkörperfotografie: Fotografieren der gesamten Körperoberfläche
    • Konfokale Lasermikroskopie: In-vivo-Beurteilung oberflächennaher Hautveränderungen mittels Laserstrahlen mit mikroskopischer Auflösung und horizontaler Schnittführung [1]
    • Optische Kohärenztomografie: In-vivo-Beurteilung von Hautveränderungen mittels Infrarotlicht, höhere Eindringtiefe, aber niedrigere Auflösung als bei konfokaler Lasermikroskopie
    • Wood-Lampe
    • Exzisions- oder Stanzbiopsien mit anschließender histologischer Untersuchung
    • Laboruntersuchungen
      • Routinelabor
      • Immunologische und allergologische Parameter (ANA, IgE, Lymphozytendifferenzierung etc.)

Auch Haare, Nägel und Schleimhäute müssen bei der dermatologischen Diagnostik berücksichtigt werden!

Primäreffloreszenz Beschreibung

Makula (Fleck)

  • Umschriebene Farbveränderung im Hautniveau
Papula (Papel)
  • Kleine, gut abgrenzbare und tastbare Erhabenheit (<0,5 cm), die über das Hautniveau reicht
Nodus (Knoten)
  • Größere Papel (>0,5 cm)
Plaque (Platte)
  • Konfluierende, oberflächliche Papeln
Vesicula (Bläschen)
  • Kleine Vorwölbungen der Haut aufgrund einer Flüssigkeitsansammlung in den obersten Hautschichten
Bulla (Blase)
  • Größere, teilweise gekammerte Vesicula
Urtika (Quaddel)
  • Scharf begrenzte, zumeist ödematöse Hautveränderung mit rötlicher oder weißlicher Färbung
  • Stark juckend
  • Flüchtig (Dauer: Stunden bis Tage)
Pustula (Pustel)
  • Eiteransammlung in oberflächlicher Hautschicht

Sekundäreffloreszenz Beschreibung
Squama (Schuppe)
  • Hornschichtlamelle, die sich in Ablösung befindet
Crusta (Kruste)
Rhagade
  • Spaltförmiger, schmaler Einriss bis in die Dermis
Ulkus (Geschwür)
Erosion
  • Oberflächlicher Gewebedefekt
Exkoriation (Abschürfung)
  • Oberflächlicher Gewebedefekt mit Blutung (bis in die obere Dermis reichend)
Nekrose
  • Abgestorbenes Hautgewebe
Atrophie
  • Geweberückbildung ohne vorangegangenen Substanzdefekt
Cicatrix (Narbe)
  • Abgeheilter Gewebedefekt im Hautniveau mit minderwertigem Gewebeersatz
  • Bildung von Keloid möglich

Komplexe Effloreszenz Beschreibung

Hämorrhagien

(Einblutungen)

Purpura
  • Überbegriff für Hauteinblutungen

Petechien

  • Punktförmige Hauteinblutungen
Sugillationen
  • Wenige Zentimeter große, flächige Hauteinblutungen
Ekchymosen
  • Großflächige, ausgedehnte Hauteinblutungen
Hämatome
  • Einblutungen in die Subkutis und/oder in die Muskulatur
  • Direkt nach der Verletzung: rot
  • Nach 24–96 Stunden: dunkelrot-violett-blau-schwarz
  • Nach 4–7 Tagen: dunkelgrün
  • Ab dem 7. Tag: gelblich-braun
Ausschläge Exanthem
  • Auftreten gleichartiger Hautveränderungen in einem Areal (lokalisiert oder generalisiert)
Enanthem
  • Auftreten gleichartiger Schleimhautveränderungen in einem Areal
Erythem
  • Hautrötung
Erythrodermie
  • Rötung der gesamten Hautoberfläche
Weitere Lichenifikation
  • Vergröberte Felderung der Haut
Ekzem

Zur dermalen Applikation wird ein Wirkstoff mit geeigneten Trägerstoffen gemischt. Als Trägerstoffe eignen sich Fette (Vaseline, Wollfett, Öle), Flüssigkeiten (Wasser, Alkohol) und Feststoffe (Puder, Zinkoxid, Titandioxid), aus denen unterschiedliche Zubereitungen hergestellt werden.

Zusammensetzung Eigenschaften Indikation
Salbe
  • Fett
  • Hemmung der Krustenbildung
  • Bilden eines Schutzfilms
  • Hemmung der Wärme- und Feuchtigkeitsabgabe (Okklusion)
  • Schuppende Dermatosen mit vermehrter Keratinbildung (z.B. Psoriasis, atopisches Ekzem)
  • Defekte Hautbarriere
  • Kontraindikation: Akut entzündete Haut
Creme
  • Lipophile Creme (Wasser-in-Öl-Emulsion)
  • Initial kühlende Wirkung
  • Fettende Wirkung
  • Hemmung der Wärme- und Feuchtigkeitsabgabe (Okklusion)
  • Schwere Abwaschbarkeit
  • Schuppende Dermatosen mit vermehrter Keratinbildung (z.B. Psoriasis, atopisches Ekzem)
  • Defekte Hautbarriere
  • Kontraindikation: Akut entzündete Haut
  • Hydrophile Creme (Öl-in-Wasser-Emulsion)
  • Kühlende Wirkung
  • Pflegende Wirkung
  • Keine Okklusion
  • Leichte Abwaschbarkeit
  • "Allrounder"
  • Insb. entzündliche Dermatosen
  • Bspw. Basispflege bei atopischem Ekzem
Lotion
  • Kühlende Wirkung
  • Schnelles Einziehen
  • Leichtes Auftragen
  • Geeignet für großflächige Anwendung
  • Bspw. Sonnenschutz, Basispflege bei atopischem Ekzem
Gel
  • Starke kühlende Wirkung
  • Schnelles Einziehen
Paste
  • Mischung aus Creme oder Salbe und größerer Menge eines Feststoffes (>10%)
  • Austrocknende Wirkung
  • Lange Haftung
  • Guter Hautschutz
Puder
  • Pulverisierte Feststoffe
  • Kühlende Wirkung
  • Aufsaugende Wirkung
  • Austrocknende Wirkung
  • Bilden eines Schutzfilms
  • Intertriginöse Dermatosen
  • Defekte Hautbarriere
  • Kontraindikation: Nässende Dermatosen (Verklumpung und Sekretstau möglich)

Schüttelmixtur

(Suspension)

  • Inhomogene Mischung aus einem eingemengten unlöslichen Feststoff und einer Flüssigkeit (Wasser oder Alkohol)
  • Kühlende Wirkung
  • Aufsaugende Wirkung
  • Austrocknende Wirkung
  • Akut entzündliche Dermatosen mit Pruritus und intakter Hautoberfläche (z.B. Dermatitis solaris, Urtikaria)
  • Kontraindikation: Nässende Dermatosen (Verklumpung und Sekretstau möglich)
Lösung
  • Homogene Mischung eines unlöslichen Feststoffes und einer Flüssigkeit (Wasser oder Alkohol)
  • Kühlende Wirkung
  • Aufsaugende Wirkung
  • Austrocknende Wirkung
  • Akut entzündliche Dermatosen mit Pruritus und intakter Hautoberfläche (z.B. Dermatitis solaris, Urtikaria)
  • Kontraindikation: Nässende Dermatosen (Verklumpung und Sekretstau möglich)

Welche Zubereitung wann verwendet wird, richtet sich nach der Genese, der betroffenen Hautregion und dem Hautzustand (z.B. nässend, trocken)!

[2]

Der Hauttyp wird v.a. durch die Neigung der Haut zur Entwicklung eines Sonnenbrandes und ferner durch äußere Merkmale bestimmt. Die hier dargestellte Einteilung stammt aus der UV-Schutz-Verordnung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und beruht auf der Klassifikation von Thomas Fitzpatrick (Hauttyp nach Fitzpatrick). Die Hauttypen sind grob unterteilt und Mischformen werden nicht berücksichtigt, trotzdem eignen sie sich gut zur Abschätzung des individuellen Risikos durch UV-Licht und damit einhergehende Erkrankungen.

Einteilung der Hauttypen nach UV-Schutz-Verordnung 2011 [3]
Merkmale Hauttyp
I II III IV V VI
Natürliche Hautfarbe Sehr hell Hell Hell bis hellbraun Hellbraun, oliv Dunkelbraun Dunkelbraun bis schwarz
Sommersprossen/
Sonnenbrandflecken

Sehr häufig

Häufig Selten
Natürliche Haarfarbe

Rötlich bis rötlich-blond

Blond bis braun Dunkelblond bis braun Dunkelbraun Dunkelbraun bis schwarz Schwarz
Augenfarbe

Blau, grau

Blau, grün, grau, braun Grau, braun Braun bis dunkelbraun Dunkelbraun Dunkelbraun
Sonnenbrand

Immer, schmerzhaft

Fast immer, schmerzhaft Selten bis mäßig Selten Sehr selten Extrem selten
Bräunung

Keine

Kaum bis
mäßig
Fortschreitend Schnell und
tief
Erythemwirksame
Schwellenbestrahlung
200 Jm-2 250 Jm-2 350 Jm-2 450 Jm-2 800 Jm-2 >1.000 Jm-2
  1. S1-Leitlinie Konfokale Lasermikroskopie in der Dermatologie. Stand: 28. Juli 2017. Abgerufen am: 17. März 2021.
  2. Schmolle, Mader: Beratungsproblem Haut: Diagnostik, Therapie und Pflege im Praxisalltag. Springer 2013, ISBN: 978-3-662-21663-7 .
  3. Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen künstlicher ultravioletter Strahlung. Stand: 25. Juli 2011. Abgerufen am: 10. Mai 2021.
  4. Moll, Jung: Duale Reihe Dermatologie. 6. Auflage Thieme 2005, ISBN: 978-3-131-26686-6 .
  5. Fritsch: Dermatologie und Venerologie: Lehrbuch und Atlas. Springer , ISBN: 978-3-662-21771-9 .