• Vorklinik
  • Physikum-Fokus

Bauchwand

Abstract

Die Bauchwand umgibt die Bauchhöhle und die Beckenhöhle mit den enthaltenen Organen. Sie muss sich wechselnden Volumina anpassen, da die Organe abhängig von verschiedenen Faktoren (Nahrungsaufnahme, Schwangerschaft etc.) unterschiedlich viel Platz einnehmen können. Auch der intraabdominelle Druck ändert sich stetig bspw. durch Atemtätigkeit oder die sog. Bauchpresse. Die Bauchwand ist überwiegend aus Muskeln aufgebaut und gewährleistet somit gemeinsam mit den Rücken- und Hüftmuskeln eine Rumpfbewegung und -stabilisierung.

Muskeln

Vordere Bauchwandmuskeln

Muskel

Ursprung

Ansatz

Innervation

Faserverlauf

Funktion

M. rectus abdominis
  • Nn. intercostales (Th5–12)
  • Lange parallele Fasern
M. pyramidalis
  • N. subcostalis (N. intercostalis 12)
  • Zum Ansatz hin schmal zulaufend („dreieckiger“ Verlauf)

Der M. pyramidalis ist variabel und fehlt bei 10–25% der Menschen!

Seitliche Bauchwandmuskeln

Muskel

Ursprung Ansatz

Innervation

Faserverlauf

Funktion

M. obliquus externus abdominis
  • Nn. intercostales (Th5–12)
  • Von kranial/lateral nach kaudal/medial verlaufend
  • Einseitige Kontraktion
    • Lateralflexion des Rumpfes nach ipsilateral
    • Rotation des Rumpfes nach kontralateral
  • Beidseitige Kontraktion
M. obliquus internus abdominis
  • Fächerförmig von kaudal/lateral nach kranial/medial
  • Einseitige Kontraktion
    • Lateralflexion des Rumpfes nach ipsilateral
    • Rotation des Rumpfes nach ipsilateral
  • Beidseitige Kontraktion
M. transversus abdominis
  • Horizontal verlaufend
  • Einseitige Kontraktion: Rotation des Rumpfes nach ipsilateral
  • Beidseitige Kontraktion

Hintere Bauchwandmuskeln

Muskel

Ursprung

Ansatz

Innervation

Faserverlauf

Funktion

M. quadratus lumborum

  • N. subcostalis (N. intercostalis 12)

  • Von kaudal nach kranial
  • Einseitige Kontraktion: Lateralflexion des Rumpfes nach ipsilateral
  • Beidseitige Kontraktion
M. psoas major
  • Von kranial nach kaudal

Bauchpresse

Sehnen und Faszien

Linea alba und Rectusscheide

Linea alba

Am Bauchnabel ist die Haut ohne subcutanes Fettgewebe mit der Linea alba verwachsen, wodurch die sichtbare Nabelgrube entsteht!

Nabelhernie
Eine Nabelhernie (Nabelbruch) beschreibt eine Vorwölbung von Baucheingeweiden (Dickdarm oder Dünndarm) durch die Bauchwand im Bereich des Bauchnabels. Die mitgenommenen Bauchwandschichten (die nicht zerrissen sind) formen eine Hülle, die Bruchsack genannt wird. Im Bereich der Linea alba treten solche Hernien besonders häufig auf, da hier keine Muskeln sondern nur Bindegewebsfasern die Bauchwand zusammenhalten. Besonders deutlich lässt sich der Inhalt des Bruchsacks bei Betätigung der Bauchpresse sehen. Die Patienten empfinden häufig keine Schmerzen, es kann allerdings zu Einklemmungen der Darmabschnitte im Bruchsack kommen, wodurch der betroffene Darmabschnitt minderdurchblutet werden kann, was zu Nekrosen bis hin zu einer Darmperforation führen kann. Eine Hernie muss daher i.d.R. operativ beseitigt werden.

Rectusscheide

Rectusdiastase
Ist der intraabdominelle Druck über längere Zeit erhöht (bspw. bei einer Schwangerschaft oder starkem Übergewicht), kann es in Folge zu einem Auseinanderweichen der rechten und linken Hälfte des M. rectus abdominis kommen. Dies wird im Normalfall durch die Rectusscheide verhindert. Als Folge wölben sich die intraabdominellen Organe nach außen vor. Da allerdings keine Faszienlücke vorliegt und die Muskeln großflächig auseinanderweichen, besteht i.d.R. keine Gefahr einer Einklemmung der Organe. Aus diesem Grund wird definitionsgemäß nicht von einer Hernie gesprochen und zumeist konservativ, d.h. ohne eine Operation, therapiert (z.B. Physiotherapie).

Faszien

Leistenband und Leistenkanal

Leistenband (Ligamentum inguinale)

Leistenkanal (Canalis inguinalis)

Der Leistenkanal stellt eine Verbindung zwischen innerer und äußerer Bauchwand dar.

Der äußere Leistenring (und beim Mann der ihn verlassende Samenstrang) ist von außen tastbar!

Schenkelhernie
Als Schenkelhernie bezeichnet man die Verlagerung von Eingeweiden durch die Lacuna vasorum. Der Bruchsack tritt unterhalb des Leistenbandes, medial des Durchtritts der A. und V. femoralis und lateral des Ligamentum lacunare aus und ist häufig schwer zu tasten. Die Patienten zeigen meist erst Symptome, wenn der ausgelagerte Darmabschnitt durch eine Einklemmung im Bruchspalt nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird.

Leistenhernie
Die Leistenhernie ist die häufigste Hernienform. Dabei kommt es zu einer Ausstülpung des Peritoneums und ggf. intraabdomineller Strukturen durch eine Schwachstelle der Bauchwand im Bereich der Leiste. Es wird eine direkte (= mediale) von einer indirekten (= lateralen) Leistenhernie unterschieden. Die direkte Leistenhernie tritt medial der Vasa epigastrica durch den äußeren Leistenring aus; der Bruchsack durchbricht die Fascia transversalis direkt (ohne Beziehung zum Samenstrang). Die indirekte Leistenhernie liegt lateral der Vasa epigastrica und verläuft vom inneren Leistenring (bzw. von der Fossa inguinalis lateralis) durch den Leistenkanal zum äußeren Leistenring (bei Männern gemeinsam mit dem Samenstrang von Cremasterfasern umgeben). Die körperliche Untersuchung ist das wichtigste Kriterium zur Diagnosestellung einer Leistenhernie. Beim Mann kann im Stehen durch die Skrotalhaut bis zum äußeren Leistenring getastet werden. Lässt man den Patienten dann husten, kann man den sog. Hustenanprall (Vorwölbung des Bruchsacks durch den intraabdominellen Druck beim Husten) ertasten.

Leitungsbahnen

Der größte Teil der Bauchwand wird durch die Leitungsbahnen des Thorax mitversorgt.

Gefäßversorgung

Seitliche Bauchwand Vordere Bauchwand
Arteriell
Venös
Innervation
Sensibel
Lymphabfluss
Lymphstationen

Topographie der Bauchwand

Die Bauchwand wird in einen vorderen und einen seitlichen Bereich eingeteilt und erstreckt sich vom Rippenbogen bis zur vorderen Crista iliaca, dem Leistenband und der Symphyse. Die oberflächliche Bauchwand kann in vier Quadranten oder neun Regionen gegliedert werden.

Einteilung der Bauchwand

Einteilung in vier Quadranten

Durch zwei Linien, die im Bauchnabel senkrecht zueinander stehen, wird die Bauchwand in folgende Quadranten unterteilt:

  1. Rechter oberer Quadrant
  2. Linker oberer Quadrant
  3. Rechter unterer Quadrant
  4. Linker unterer Quadrant
  • Zudem eine Periumbilicalregion

Neun Regionen

Durch zwei senkrechte und zwei waagerechte Linien wird die Bauchwand in folgende Regionen unterteilt:

  1. Regio hypochondriaca dextra
  2. Regio epigastrica
  3. Regio hypochondriaca sinistra
  4. Regio lumbalis dextra
  5. Regio umbilicalis
  6. Regio lumbalis sinistra
  7. Regio inguinalis dextra
  8. Regio pubica
  9. Regio inguinalis sinistra

Einteilung der Bauchwand im Rahmen der körperlichen Untersuchung
Die körperliche Untersuchung des Abdomens sollte immer in einer bestimmten Reihenfolge durchgeführt werden: Als erstes erfolgt immer die Inspektion, also die Betrachtung des Abdomens. Hierbei können eventuell schon einige Veränderungen wie Narben, Vorwölbungen o.ä. festgestellt werden. Im Anschluss erfolgt die Auskultation und erst dann die Perkussion und Palpation, um eine Verfälschung der Darmgeräusche durch eine vorherige palpatorische Anregung zu verhindern. Damit für die Ergebnisse aller Untersuchungsschritte anatomische Bezüge hergestellt werden können und im Anschluss eine nachvollziehbare Befundbeschreibung erstellt werden kann, wird das Abdomen im Rahmen der klinischen Untersuchung in Quadranten eingeteilt. So können Schmerzen im rechten oberen Quadranten für ein Geschehen in Leber oder Gallenblase und Schmerzen im rechten unteren Quadranten für eine Appendizitis („Blinddarmentzündung“) sprechen. Für eine noch differenziertere Beschreibung von Befunden bei der Untersuchung der abdominellen Organe kann das Abdomen zudem noch in neun Sektoren unterteilt werden. Dabei werden der Oberbauch (Epigastrium), der Mittelbauch (Mesogastrium) und der Unterbauch (Hypogastrium) jeweils gedrittelt betrachtet.

Projektion der Bauchorgane

Head'sche Zonen

Die sog. Head'schen Zonen sind Hautareale, die eine nervale Beziehung zu bestimmten Organen besitzen. Ist das Organ erkrankt, kann es dadurch zu Schmerzen in dem entsprechenden Hautareal kommen.

Wiederholungsfragen zum Kapitel Bauchwand

Muskeln

Wo entspringt der M. obliquus externus und wie verlaufen seine Fasern?

Was bewirkt eine einseitige Kontraktion des M. obliquus externus, was eine beidseitige?

Aus welchem Muskel spaltet sich der M. cremaster ab?

Was ist die Bauchpresse und welche Mechanismen ermöglichen sie?

Sehnen und Faszien

Aus welchen Teilen besteht das hintere Blatt der Rektusscheide?

Wo liegt die oberflächliche Faszie der Bauchwand?

Leistenband und Leistenkanal

Wo liegen in Bezug zu den epigastrischen Gefäßen der innere und äußere Leistenring?

Wo ist die Bruchpforte der direkten Leistenhernie? Wo die der indirekten?

Wo ist die Bruchpforte von Schenkelhernien?

Topographie

In welche neun Regionen kann die äußere Bauchwand eingeteilt werden?

Eine Sammlung von allgemeineren und offeneren Fragen zu den verschiedenen prüfungsrelevanten Themen findest du im Kapitel Beispielfragen aus dem mündlichen Physikum.