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Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft

Abstract

Die Mutterschaftsrichtlinien legen den Umfang und die Häufigkeit der Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft fest. Demnach erfolgt die Vorsorge zunächst in vierwöchigen, ab der 32. SSW in zweiwöchigen Abständen. Bei der Feststellung der Schwangerschaft sollte die Schwangere erstmalig untersucht und beraten und der Mutterpass ausgestellt werden. In den Vorsorgeuntersuchungen enthalten sind Anamnese und Beratung, körperliche sowie gynäkologische Untersuchung, Labordiagnostik und regelmäßige Ultraschallscreenings. Ziel ist das rechtzeitige Erkennen von Risikoschwangerschaften bzw. -geburten und die Überwachung des Schwangerschaftsverlaufs und der fetalen Entwicklung. Die Kardiotokographie (CTG) ist laut Mutterschaftsrichtlinien nicht Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen einer normal verlaufenden Schwangerschaft und wird deshalb in einem gesonderten Kapitel besprochen (siehe auch: Kardiotokographie (CTG)).

Allgemeine Informationen

Ziel der Schwangerschaftsvorsorge

Häufigkeit [1]

  • Bis 32. SSW p.m.: Vorsorgeuntersuchungen sollten im Abstand von 4 Wochen stattfinden
  • Ab 32. SSW p.m.: Vorsorgeuntersuchungen sollten im Abstand von 2 Wochen stattfinden
  • Bei Risikoschwangerschaften oder Komplikationen können häufigere Untersuchungen indiziert sein

Verantwortlichkeit [2]

  • Durchführung von Ärzten mit entsprechender Kenntnis und Erfahrung [2]
  • Nur evidenzbasierte diagnostische und prophylaktische Maßnahmen [2]
  • Enge Zusammenarbeit von Ärzten, Hebammen und Krankenhäusern [2]

Beratung in der Schwangerschaft

Diagnostische und prophylaktische Maßnahmen

  • Empfehlung eines HIV-Tests
    • Aufklärung über HIV und AIDS
    • Risiko einer vertikalen Übertragung bei adäquater Behandlung deutlich reduziert [2]
    • Schriftliche Einwilligung der Patientin obligat
  • Empfehlung einer Grippeimpfung [2][3]
    • 1. Trimenon: Alle Schwangeren mit prädisponierenden Vorerkrankungen [4]
    • Ab 2. Trimenon: Alle Schwangeren
  • Mund- und Zahngesundheit
    • Erhöhtes Risiko für Parodontitis und Karies in der Schwangerschaft [5]
    • Empfehlung zahnärztlicher Kontrollen und Prophylaxe

Ernährungsberatung

Sport [6]

Generell darf die Schwangere alles tun, was das ungeborene Kind nicht gefährdet. Die sportliche Aktivität ist individuell an die Konstitution der Schwangeren sowie an das Schwangerschaftsalter anzupassen. Etwaige Komplikationen und Kontraindikationen sind stets zu beachten.

Reisen [6]

  • Zeitpunkt
    • Vor der 12. SSW: Möglichst keine Langstreckenflüge (Strahlenrisiko)
    • Bester Zeitpunkt: Zwischen der 14.–28. SSW
  • Empfehlungen
    • Untersuchung und Beratung vor der Reise
    • Versicherung und Rücktransport abklären
    • Medizinische Versorgung vor Ort überprüfen
    • Impfungen überprüfen
    • Reiseapotheke, Impfpass und Mutterpass mitnehmen
    • Erhöhtes Thromboserisiko bei weiten Reisen bedenken

Geschlechtsverkehr [6]

Weiteres

  • Hinweis auf
    • Schwangerschaftskonfliktgesetz
    • Mutterschutzgesetz
    • Lokale/regionale Angebote zur Unterstützung und Krisenintervention
    • Patienteninformationen

Erstuntersuchung in der Schwangerschaft

Nachfolgeuntersuchungen in der Schwangerschaft

Unabhängig von Beschwerden und Krankheitserscheinungen sollte Folgendes bei jedem Vorsorgetermin untersucht werden:

Diabetes-Screening in der Schwangerschaft

50-g-Glucosetest (GCT) [2][10]

  • Indikation: Jede Schwangere ohne vorbestehenden Diabetes mellitus
  • Zeitpunkt: Im Zeitraum ab der 25. bis einschließlich 28. SSW
  • Durchführung und Bewertung
    • Einnahme von 50 g Glucoselösung
    • Blutzuckerkontrolle nach einer Stunde
      • <135 mg/dL (7,5 mmol/L): Keine weiteren Maßnahmen erforderlich [11][10]
      • 135–200 mg/dL (7,5–11,1 mmol/L): OGTT
      • >200 mg/dL (11,1 mmol/L): Manifester Gestationsdiabetes

Nüchternblutzucker-Test [10]

Oraler Glucosetoleranztest (OGTT) [2]

  • Indikation
    • Jede Schwangere mit auffälligem 50-g-Glucosetest
  • Zeitpunkt: Ab der 25. bis einschließlich 28. SSW
  • Durchführung und Bewertung
    • Bestimmung der Nüchternglucose
    • Einnahme von 75 g Glucoselösung nach mind. 8 Stunden Nahrungskarenz
    • Blutzuckerkontrolle
    • Weiterbehandlung durch Diabetologen ggf. mit Insulinbehandlung (siehe auch: Therapie des Gestationsdiabetes)

Vorsorge einer Risikoschwangerschaft

Allgemeines [2]

  • Definition: Erhöhtes Risiko für Gesundheit und Leben von Mutter und Kind
  • Diagnosestellung: Meist anamnestisch oder aufgrund von Befunden/Komplikationen während der Schwangerschaft

Untersuchungen und Prozedere

Serologische Untersuchungen

Allgemeines

Serologische Untersuchungen

Leopold-Handgriffe

Die Leopold-Handgriffe sind nach Christian Gerhard Leopold (1846–1911) benannt und lassen Rückschlüsse auf Lage und Größe des Kindes zu. Es gibt insg. fünf Handgriffe, von denen heutzutage v.a. die ersten drei angewendet werden. [12][6]

1. Leopold-Handgriff
SSW Fundusstand
20. Zwischen Symphyse und Bauchnabel
24. Bauchnabel
32. Zwischen Bauchnabel und Xiphoid
36. Höchststand: Am Rippenbogen
40.

2 Querfinger unter dem Rippenbogen

  • 2. Leopold-Handgriff: Beidhändige Prüfung der Stellung des kindlichen Rückens
    • Beide Hände werden rechts und links leicht an die pralle Bauchdecke gedrückt
    • Ertasten des kindlichen Rückens
      • I. Stellung: Rücken zeigt zur linken Seite der Mutter
      • II. Stellung: Rücken zeigt zur rechten Seite der Mutter
  • 3. Leopold-Handgriff: Einhändige Bestimmung des führenden Teils des Kindes oberhalb der Symphyse
    • Beckenendlage: Der Steiß tastet sich weniger beweglich und weicher
    • Schädellage: Der kindliche Kopf tastet sich hart und ballotiert und ist verschieblich
  • 4. Leopold-Handgriff: Bestimmung der Lagebeziehung des führenden Teils zum Beckeneingang
    • Ertasten des führenden Teils mit den Fingerspitzen beider Hände links und rechts am Beckeneingang der Mutter
      • Der Nacken tastet sich weicher als die Stirn
  • 5. Leopold-Handgriff (auch Zangemeister-Handgriff genannt): Detektion eines Missverhältnisses zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken
    • Eine Hand liegt auf der mütterlichen Symphyse, die andere auf Höhe des vorangehenden kindlichen Kopfes
      • Überragt der kindliche Kopf während einer Wehe die Symphyse, liegt möglicherweise ein Missverhältnis vor
      • Vaginale Geburt ggf. nicht möglich

Sonographie in der Schwangerschaft

Allgemeines [2]

Mögliche Zusatzuntersuchungen

Zusätzliche sonographische Kontrollen in der Schwangerschaft

Indikationen für weitere sonographische Kontrollen innerhalb des Screenings [2]

  • Festlegung des Gestationsalters bei
    • Unregelmäßigem Menstruationszyklus
    • Unterschied zwischen Uterusgröße und errechnetem Gestationsalter
    • Übernahme der Patientin und/oder fehlenden Voruntersuchungen
  • Fetale Wachstumskontrolle bei
    • Verdacht auf Entwicklungsverzögerung oder -störung (siehe auch: Intrauterine Wachstumsrestriktion)
    • Grundleiden der Schwangeren, das zu einer gestörten oder verzögerten Entwicklung des Fötus führen kann
  • Mehrlinge
  • Serologische Auffälligkeiten
  • Kontrollbedürftige Plazenta
  • Blutungen während der Schwangerschaft
  • Fehlende Kindsbewegungen und V.a. IUFT
  • Lageanomalie ab der 36. SSW

Indikationen für weitere sonographische Kontrollen außerhalb des Screenings [2]

Sonographie-Screenings in der Schwangerschaft

1. Screening (9.–12. SSW)

  • Ziel: Bestimmung/Bestätigung des Gestationsalters, Suche nach frühen Anzeichen kindlicher Fehlentwicklungen
  • Durchführung: Transvaginale Sonographie

Inhalt

2. Screening (19.–22. SSW)

Die Patientin kann sich laut Mutterschaftsrichtlinien entscheiden, ob sie das zweite Screening mit oder ohne „systematische Untersuchung der fetalen Morphologie“ (Organscreening) durchführen lassen möchte. Das Organscreening kann nur von einem dafür zugelassenen Untersucher erfolgen

  • Ziel: Suche nach Fehlbildungen/Anomalien in allen Körperregionen
  • Durchführung: Transabdominaler Ultraschall

Inhalt

3. Screening (29.–32. SSW)

  • Ziel: Beurteilung von Wachstum(Fetometrie und Schätzgewicht), Entwicklung und Lage des Kindes sowie des endgültigen Plazentasitzes zwecks Geburtsplanung
  • Durchführung: Transabdominaler Ultraschall

Inhalt

Pränataldiagnostik

Die folgenden Verfahren sind nicht Bestandteil der Mutterschaftsrichtlinien und werden somit i.d.R. nicht von der GKV übernommen. 3–5% der Kinder kommen mit relevanten Fehlbildungen zur Welt (sog. „Basisrisiko“).

Ersttrimesterscreening

Amniozentese

Transabdominelle Punktion der Amnionhöhle unter sonographischer Kontrolle zur diagnostischen Gewinnung von Fruchtwasser. Durchführung i.d.R. ab 15. SSW, in Ausnahmefällen ab 12. SSW.

Indikation

Komplikationen

Nicht-invasiver Pränataltest (NIPT)

  • Methode
    • Gewinnung und Isolierung zellfreier fetaler DNA aus dem mütterlichen venösen Blut
    • Untersuchung auf Trisomien 13, 18 und 21 sowie veränderte Anzahl der Geschlechtschromosomen
  • Zeitpunkt: Nach der 10. SSW
  • Vorteil gegenüber der Amniozentese: Nicht-invasive Methode; dadurch kein (Abort‑)Risiko für den Feten
  • Indikation: Bislang nur bei erhöhtem Risiko für Chromosomenstörungen empfohlen

Chorionzottenbiopsie

Triple-Test

Vorgehen nach Bauchtrauma in der Schwangerschaft