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Erkrankungen durch Staphylokokken

Abstract

Staphylokokken gehören zu den klinisch bedeutendsten Erregern und können nahezu in allen Organsystemen Infektionen auslösen. Besonders häufig kommt es zu Manifestationen der Haut und/oder der inneren Organe (bspw. Endokarditis und Osteomyelitis). Als Toxinbildner kann Staphylococcus aureus weiterhin zu selbstlimitierenden Lebensmittelvergiftungen bis hin zu lebensbedrohlichen Krankheitsbildern (Staphylococcal Scalded Skin Syndrome, Toxic Shock Syndrome) führen.

Zur Vermeidung nosokomialer Infektionen von Wunden und Fremdmaterial (wie Katheter, Shunts) durch Staphylokokken sind hygienische Maßnahmen extrem wichtig. Insbesondere der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) stellt für immungeschwächte oder multimorbide Patienten eine große Bedrohung und für die Hygiene eine Herausforderung dar.

Bei der Therapie von Staphylokokken-Infektionen kommen penicillinasefeste Penicilline (z.B. Flucloxacillin) zum Einsatz; im Falle einer MRSA-Infektion muss auf Reserveantibiotika wie Vancomycin und Linezolid zurückgegriffen werden.

Klassifikation

Staphylokokken sind unbewegliche grampositive Kokken (Haufenkokken), die sich bevorzugt im Trockenen vermehren (Trockenkeim). Sie können über Wochen auch außerhalb ihres optimalen Nährbodens überleben (Übertragung über die Raumluft, hohe Widerstandsfähigkeit=Tenazität) und sich daher begünstigt in Krankenhäusern vermehren. Man unterscheidet Staphylokokken unter anderem nach dem Vorhandensein der Koagulase.

Koagulasepositive Staphylokokken (insb. Staphylococcus aureus)

  • Vorkommen: Keim der transienten Hautflora, häufige Besiedlung des Nasen-Rachen-Raums
  • Nachweismethoden

Methicillin-sensibler Staphylococcus aureus (MSSA)

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)

Virulenzfaktor: Panton-Valentin-Leukozidin (PVL)

  • Definition: Virulenzfaktor, der von Staphylococcus-aureus-Stämmen gebildet werden kann und betreffenden Stämmen eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Granulozyten und Makrophagen verleiht
  • Genetik: Das Genom des Virulenzfaktors ist auf einem Prophagengenom codiert und durch einen Gentransfer übertragbar
  • Pathophysiologie: Sekretion des Toxins führt zu einer Porenbildung bei Leukozyten und damit zum Untergang dieser Zellen
  • Klinisches Vorkommen: Infektionen durch PVL-Erreger rezidivieren häufig und weisen ggf. schwerere Verläufe auf
  • Nachweis: I.d.R. über eine Anforderung des Genomnachweises per PCR
  • Klinische Konsequenz: Die antibiotische Therapie muss der Resistenzsituation angepasst werden (MSSA vs. MRSA), energisch (intravenös!) und ausreichend lange (≥10 Tage) erfolgen, um eine Eradikation des Erregers zu erzielen und Rezidive zu verhüten
  • Weitere Virulenzfaktoren: Eine Reihe weiterer Virulenzfaktoren mit anderen Mechanismen sind typisiert und mittels PCR nachweisbar, insb. bei nosokomialen Infektionen

Bei gehäuften Wundinfektionen bzw. rezidivierenden Hautinfektionen ansonsten gesunder Patienten ist ggf. das Vorliegen eines PVL zu prüfen!

Koagulasenegative Staphylokokken (KNS; insb. Staphylococcus epidermidis)

Verlaufs- und Sonderformen

Meist durch Staphylococcus aureus bedingt

Bei einer S.-aureus-Blutstrominfektion soll eine konsequente Therapie sowie Fokussuche und Fokussanierung erfolgen (DGIM - Klug entscheiden in der Infektiologie)

Meist durch koagulasenegative Staphylokokken bedingt

Meldepflicht

  • Arztmeldepflicht
    • Nach §6 IfSG
      • Der Verdacht auf und die Erkrankung an einer mikrobiell bedingten Lebensmittelvergiftung oder einer akuten infektiösen Gastroenteritis ist namentlich zu melden, wenn
        • eine Person gewisse Tätigkeiten ausübt (Lebensmittel-, Gaststätten-, Küchenbereich, Einrichtungen mit/zur Gemeinschaftsverpflegung) oder
        • ≥2 gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist
      • MRSA-Infektionen sind zu melden, sofern
        • es sich um eine Sepsis oder Meningitis handelt oder
        • ≥2 gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist
  • Labormeldepflicht
  • Meldepflicht für Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen nach §33 und §34 IfSG

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.