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Descensus genitalis (Genitaldeszensus)

Abstract

Unter einem Descensus genitalis versteht man eine Senkung von Gebärmutter und/oder Scheide mit unterschiedlichen Ausprägungsgraden, die bis zum Vorfall der Organe vor den Scheideneingang führen kann. Es handelt sich um ein häufiges Krankheitsbild, das durch eine Beckenbodenschwäche sowie erhöhten intraabdominellen Druck begünstigt wird und dessen Häufigkeit mit dem Alter zunimmt. Begleitend treten häufig Miktions- und Defäkationsbeschwerden auf. Die Therapie ist bei leichtgradigem Deszensus immer zunächst konservativ mittels Beckenbodengymnastik; bei höhergradigem Befund oder Komplikationen wird eine Operation durchgeführt, die meist eine Hysterektomie und eine Beckenbodenplastik umfasst.

Definition

Epidemiologie

Es handelt sich um ein häufiges Krankheitsbild. Die Prävalenz nimmt mit dem Alter und der Zahl der Risikofaktoren zu. Genaue Zahlen sind aufgrund der verschiedenen Schweregrade und der Tatsache, dass viele Frauen aufgrund von Schamgefühlen keinen Arzt aufsuchen, allerdings schwer zu erheben.

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Risikofaktoren

Die Ursache für einen Descensus genitalis ist eine Insuffizienz der Beckenbodenmuskulatur und des ligamentären Halteapparats von Uterus und Vagina durch:

Symptome/Klinik

Stadien

  • Grad I: Die Portio reicht bis 1 cm vor den Introitus vaginae heran
  • Grad II: Die Portio liegt am Introitus
  • Grad III: Die Portio reicht bis 2 cm über den Introitus hinaus
  • Grad IV: Totalprolaps

Diagnostik

Klinische Untersuchung

  • Inspektion mit Spekulumeinstellung in Ruhe sowie beim Husten und Pressen
  • Manuelle Untersuchung mit Beurteilung der Beckenbodenmuskulatur und des Analsphinktertonus

Apparative Diagnostik

Differentialdiagnosen

  • Elongatio colli

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Konservative Therapie

  • Reduktion von Risikofaktoren
  • Beckenbodengymnastik (auch als Präventionsmaßnahme)
  • Lokale Östrogenbehandlung
  • Einlage eines Pessars

Operative Therapie

  • Standardverfahren: Vaginale Hysterektomie mit Kolporrhaphie (Beckenbodenplastik) und sakrospinaler Scheidenstumpffixation
  • Alleinige Kolporrhaphie
  • Abdominale Sakrokolpopexie
  • Bei assoziierter Stressinkontinenz: Kombination des operativen Verfahrens mit einem Inkontinenzeingriff (siehe Therapie: Stressinkontinenz)
  • Neuere Verfahren mit Einsatz von alloplastischen Materialien (z.B. nichtresorbierbare Vicryl- oder Polypropylene-Netze)

Komplikationen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.