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Kindervorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen)

Abstract

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf regelmäßige Kindervorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) zur Erfassung ihrer körperlichen, geistigen und psychosozialen Entwicklung. Diese Untersuchungen dienen v.a. der Früherkennung von Erkrankungen und Entwicklungsstörungen, um die weitergehende Diagnostik und ggf. rechtzeitige Therapie einzuleiten. Neben der Beurteilung der Wachstumsparameter sind das Erreichen der Meilensteine in der Entwicklung, das Erkennen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung, die Gesundheitsaufklärung sowie die Durchführung von Prophylaxen (z.B. mit Vitamin D) und Screenings (z.B. Hörscreening) relevante Untersuchungsinhalte. In Deutschland sind die meisten Kindervorsorgeuntersuchungen mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben.

In diesem Kapitel erfolgt eine ausführliche Beschreibung der einzelnen U-Untersuchungen. Eine Übersichtstabelle findet sich im Kapitel Meilensteine der kindlichen Entwicklung und Kindervorsorgeuntersuchungen.

Grundlegende Untersuchungsinhalte aller Kindervorsorgeuntersuchungen

In diesem Abschnitt werden die Untersuchungsinhalte aufgelistet, die die U-Untersuchungen alle oder ab einem bestimmten Zeitpunkt gemeinsam haben. In den nachfolgenden Abschnitten zu den einzelnen U-Untersuchungen finden sich die zusätzlichen altersspezifischen Untersuchungsinhalte des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss).

U-Untersuchungen [1]

Ziele

  • Erkennen von
    • Fehlbildungen und lebensbedrohlichen Komplikationen
    • Angeborenen und erworbenen Erkrankungen
    • Entwicklungsauffälligkeiten
    • Hör- und Sehstörungen
    • Störungen der Eltern-Kind-Interaktion, Kindeswohlgefährdung
  • Impfberatung inkl. Elternimpfung
  • Screenings (Hörscreening, Stoffwechselscreening etc.)
  • Prophylaxen (Vitamin D und K etc.)
  • Gesundheitsaufklärung

Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese

  • Schwere Erkrankungen
  • Ernährung und Verdauung
    • Ess-/Trinkverhalten
    • Stillen, Formulanahrung, Breikost, feste Nahrung
    • Stuhlfarbe (mit Farbtafel erfragen) und -konsistenz
  • Zahnpflege
  • Hören
    • Hörvermögen, Reaktion auf Schallreize/Gespräche
    • Hörtest (ab U8)
  • Auffälliges Schreien (bis U5)
  • Sehen
    • Sehtests
  • Sprachentwicklung (ab U7)
    • Meilensteine
    • Wird das Kind von der Umgebung gut verstanden?
    • Stottern
  • Familienanamnese
  • Sozialanamnese
    • Betreuungssituation
    • Familiensituation (getrennt, Patchwork)
    • Besondere Belastungen in der Familie
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung
  • Un-/Zufriedenheit der Eltern mit der Entwicklung und dem Verhalten des Kindes

Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung

Entwicklungsbeurteilung

Gezielte Untersuchung und/oder Anamnese der Entwicklung von

  • Grobmotorik
  • Feinmotorik
  • Sprache
  • Perzeption und Kognition
  • Sozialer und emotionaler Kompetenz
  • Interaktion und Kommunikation

Eltern-Kind-Interaktion

Im ersten Lebensjahr werden folgende kindliche Reaktionen gezielt beobachtet:

  • Stimmung und Affekt
  • Kontakt und Kommunikation
  • Regulation und Stimulation

Nährstoffsupplemente im ersten Lebensjahr

Vitamin-K-Prophylaxe des Neugeborenen [2][3]

  • Definition
  • Ursachen des Vitamin-K-Mangels
  • Komplikation des Vitamin-K-Mangels
  • Wirksamkeit
  • Reguläre Prophylaxe p.o: 2 mg Vitamin K zur U1, U2 und U3
  • Alternativen
    • Parenterale Prophylaxe: Vitamin K i.v. oder i.m. zur U1 , gefolgt von einer ausreichenden täglichen Vitamin-K-Zufuhr parenteral oder enteral (0,008–0,001 mg/kg/d) bis zur Gesundung und zur U3 p.o. Gabe (sofern die Initialdosis <1 mg (i.m. oder i.v.) war)
      • Indikation
        • Kranke Reifgeborene
        • Resorptionsstörungen
        • Zweifel an der Durchführbarkeit der dreimaligen oralen Vitamin-K-Gabe
        • Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht <1.500 g
    • Reguläre i.m. Applikation von 1 mg zur U1
      • In vielen Ländern angewendet
      • Wirksamer als die dreifache orale Applikation
      • In Deutschland wird dennoch die orale der i.m. Applikation aufgrund folgender Aspekte vorgezogen
        • Bessere Akzeptanz durch die Eltern
        • Geringeres Trauma
        • Keine Infektionsgefahr
        • Geringerer potentiell toxischer Effekt durch geringeren Plasmaspiegel
    • Niederländisches Schema
      • 1 mg Vitamin K p.o. postnatal, gefolgt von 25 μg/d Vitamin K p.o. (Woche 2–13)
      • Zeigte ungenügende Wirksamkeit (Inzidenz der Vitamin-K-Mangelblutung 3,2/100.000) und ist daher nicht empfehlenswert
    • Dänisches Schema
      • 2 mg Vitamin K p.o. postnatal, gefolgt von wöchentlich 1 mg Vitamin K p.o. für 3 Monate
      • Etwas effektiver, wegen der anzunehmenden geringeren Compliance jedoch nicht empfehlenswert

Vitamin-D-Prophylaxe im Kindesalter [4][5]

  • Hintergrund
    • Erhöhter Vitamin-D-Bedarf: Für das Knochenwachstum, v.a. in den ersten 12 Monaten
      • Oft nicht ausreichend durch die Ernährung gedeckt
      • Insb. in der dunklen Jahreszeit können Vitamin-D-Vorstufen nur unzureichend vom Sonnenlicht (UV-B-Strahlen) zu Cholecalciferol umgewandelt werden
      • Folge: Rachitis

Im Säuglingsalter

  • Indikation
    • Alle Säuglinge
      • Unabhängig von Sonnenexposition und Ernährung
      • Ab dem 6. Lebenstag [6]
      • Bis zum 2. erlebten Frühsommer, entsprechend 1 bis 1 ½ Jahren (je nach Geburtsmonat)
  • Durchführung
    • Vitamin D p.o. als Tabletten (auch in Kombination mit Fluorid) oder Tropfen
      • Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht <1.500g: Höhere Dosierung für die ersten Lebensmonate

Jenseits des 2. Lebensjahres

  • Ernährung: 1–2×/Woche Vitamin-D-haltigen Fisch konsumieren
    • Aktivitäten im Freien: Von April bis September an mind. 2 Tagen/Woche zwischen 10–15 Uhr für 5–30 Minuten je nach Hauttyp mit unbedecktem Kopf, Unterarmen und Beinen
  • Indikation zur Vitamin-D-Supplementierung
  • Empfohlene Grenzwerte für Vitamin D im Serum
    • Intoxikation: >100 ng/mL
    • Zielbereich: 20–100 ng/mL
    • Subnormal: 12–20 ng/mL
    • Mangel: <12 ng/mL

Fluoridprophylaxe [7][8]

  • Ziel: Remineralisation der Zähne zur Kariesprophylaxe
  • Anwendungsformen
    • Fluoridierte Zahnpasta
    • Fluoridtabletten
    • Fluoridlacke , -gele
    • Fluoridspüllösungen
    • Fluoridiertes Speisesalz

Empfehlungen zur Fluoridprophylaxe im Kindesalter

Die Empfehlungen, ob Fluorid als fluoridierte Zahnpasta oder als Fluoridtabletten gegeben werden sollte, sind unter Kinder- und Zahnärzt:innen divergent. Es werden hier daher beide Meinungen abgebildet .

Empfehlungen pädiatrischer Gesellschaften

  • Systemisches Fluorid
    • Täglich Fluoridtabletten p.o. im Säuglings- und Kleinkindalter, bis eine ausreichende Fluoridmenge über fluoridiertes Speisesalz und fluoridierte Zahnpasta erreicht ist (i.d.R. erst ab Schulalter)
    • Kombiniert mit Vitamin D (wie in den Empfehlungen der Vitamin-D-Prophylaxe bis zum 2. erlebten Frühsommer)
    • Dosierung für Kinder ohne weitere relevante Fluoridquellen
      • Bei einem Fluoridgehalt im Trinkwasser unter 0,3 mg/L
        • 0–2 Jahre: 0,25 mg/d
        • 2–4 Jahre: 0,5 mg/d
        • 4–6 Jahre: 0,75 mg/d
        • >6 Jahre: 1,0 mg/d
      • Bei einem Fluoridgehalt im Trinkwasser von 0,3– 0,7 mg/L [9]
        • 0–4 Jahre: Kein Fluorid
        • 4–7 Jahre: 0,25 mg/d
        • 7 Jahre: 0,5 mg/d
      • Bei einem Fluoridgehalt im Trinkwasser über 0,7 mg/L ist keine Fluoridprophylaxe erforderlich
    • Beendigung der Gabe von Fluoridtabletten, wenn neben der Anwendung fluoridierter Kinderzahnpasta regelmäßig eine relevante Menge an fluoridiertem Haushaltssalz verzehrt wird (meist nach dem 3. Lebensjahr)
  • Fluoridierte Zahnpasta
    • Erst ab ca. 4 Jahren empfohlen, da sie nicht zum Verzehr geeignet ist
    • Präparat: Erwachsenenzahnpasta mit 1.000–1.250 ppm Fluoridgehalt

Empfehlungen zahnmedizinischer Gesellschaften

  • Fluoridierte Zahnpasta
    • Ab Durchbruch der ersten Milchzähne (ca. 6. Lebensmonat) 1× täglich, ab dem 3. Lebensjahr 2× täglich fluoridhaltige Kinderzahnpasta (500 ppm Fluorid) verwenden
    • Ab Durchbruch der ersten bleibenden Zähne Erwachsenenzahnpasta (mind. 1.000 ppm Fluorid) verwenden
  • Systemisches Fluorid
    • Entfällt, sobald ausreichend fluoridiertes Speisesalz (mind. 1 g/d) aufgenommen und fluoridierte Zahnpasta regelmäßig verwendet wird

Kinderärzt:innen empfehlen die tägliche orale Fluoridapplikation im Säuglings- und Kindesalter, Zahnärzt:innen empfehlen fluoridierte Zahnpasta!

Iodprophylaxe [10][11][12][13]

  • Definition
    • Prophylaxe des Iodmangelstrumas
  • Bedarf
    • Erste 4 Lebensmonate: 40 μg Iod/d
    • 4.–12. Lebensmonat: 80 μg Iod/d
    • Jugendliche und Erwachsene: 200 μg Iod/d
    • Frauen in der Schwangerschaft und Stillzeit: 230–260 μg Iod/d
  • Durchführung: Anreicherung der Säuglingsnahrung/Beikost bzw. Muttermilch mit Iod
    • Empfehlung für schwangere und stillende Frauen: Zusätzlich zum iodierten Speisesalz 100–150 μg Iod/d in Tablettenform
    • Industriell hergestellte Säuglingsnahrung/Beikost: Ist mit Iod angereicht, die Anreicherungsmenge schwankt jedoch
    • Selbst hergestellte Beikost
      • Enthält meist zu wenig Iod
        • Nur Milch-Getreide-Brei enthält ausreichend Iod, wenn Vollmilch verwendet wird
    • Anschließend sollte der Iodbedarf durch iodiertes Speisesalz, Meeresfisch und Milch gedeckt sein
    • Bestrebungen zur Iodierung von Tierfutter: In der Lebensmittelindustrie wird häufig nicht iodiertes Salz verwendet, was zu einer geringeren Iodversorgung in Deutschland führt

Iodmangel kann im Säuglings- und Kindesalter zu Iodmangelstruma und durch Hormonmangel zu Wachstums-, Knochen- und Hirnentwicklungsstörungen führen!

Apparative Untersuchungen bei den Kindervorsorgeuntersuchungen

Neugeborenen-Hörscreening [14][15]

Pulsoxymetrie-Screening [16]

  • Durchführung: Postduktal an einem Fuß
  • Zeitpunkt: 24.–48. Lebensstunde
  • Interpretation
    • ≥96%: Screening negativ, keine weitere Kontrolle
    • 90–95%: Kontrolle innerhalb von 2 Stunden
      • ≥96%: Screening negativ, keine weitere Kontrolle
      • <96%: Screening positiv, sofortige fachärztliche Vorstellung (idealerweise Kinderkardiologie oder Neonatologie)
    • <90%: Screening positiv, sofortige fachärztliche Vorstellung (idealerweise Kinderkardiologie oder Neonatologie)
  • Hintergrund
    • Prävalenz angeborener Herzfehler: 1,1%
    • Jeder 10. angeborene Herzfehler ist kritisch und kann potentiell zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen, was bei rechtzeitigem Erkennen vermeidbar ist
    • Pränatal wird ca. ⅓ der kritischen Herzfehler diagnostiziert; da Frühsymptome postnatal aber fehlen können, werden 20% der kritischen Herzfehler ohne Pulsoxymetrie-Screening zu spät erkannt
    • Goldstandard zur Diagnosestellung eines Herzfehlers ist die Echokardiographie
    • Seit 2017 ist das Pulsoxymetrie-Screening in der ersten Lebenswoche verpflichtend (G-BA-Beschluss)

Sehscreening im Kindesalter

Fundusrotreflextest [17]

  • Definition
  • Durchführung
    • Abgedunkelter Raum
    • Untersuchende Person blickt von nah (10–50 cm) und ab der U5 zusätzlich von fern (3–4 m) durch das direkte Ophthalmoskop in die Augen des Kindes
    • Kind fixiert das Licht
    • Bei Neugeborenen werden die Augen getrennt voneinander beurteilt, ab der U4 werden beide Augen zeitgleich beurteilt (Brückner-Test)
  • Zeitpunkt
  • Interpretation
    • Normalbefund: Pupillen leuchten seitengleich rötlich
    • Pathologische Befunde: Bereits diskrete Seitenungleichheiten sprechen für eine Pathologie und sollten augenärztlich abgeklärt werden. Je nach Entfernung sind verschiedene Veränderungen erkennbar

Visusprüfung [18]

  • Ziel: Erkennen von Amblyopie und Refraktionsanomalien
  • Altersspezifische Besonderheiten
    • Ausgeprägte Entwicklung des Visus im ersten Lebensjahr [19]
    • Geringe Sensitivität der Screeningmethoden im Säuglings- und Kleinkindalter (exakte Visusprüfung nur durch Ableitung visuell evozierter Potentiale)
      • Screeningmethoden im Säuglingsalter überschätzen eher die Sehschärfe [19]
      • Optotypen-Tests bei Kleinkindern unterschätzen dagegen eher die Sehschärfe [18]

Orientierende Visusprüfung im Säuglings- und Kleinkindalter (ab 3. Lebensmonat) [19]

  • Verhaltensbeobachtung bei monokularer Okklusion
    • Durchführung: Kurzzeitiges Abdecken eines Auges (ca. 3 s lang)
    • Beurteilung: Verhalten des Kindes, insb. im Seitenvergleich [20]
  • Preferential-Looking-Test
    • Material: Karten mit einer einfarbigen und einer gemusterten (schwarz-weiß gestreiften) Fläche gleicher mittlerer Helligkeit [21][22]
    • Beurteilung: Erhöhtes Interesse an der gemusterten Fläche gilt als erkannt
      • Visusäquivalente im Säuglings-/Kleinkindalter
        • 3. Lebensmonat: 0,4
        • 6. Lebensmonat: 0,6
        • 9. Lebensmonat: 0,8–1,0
        • 2. Lebensjahr: 1,0

Visusprüfung mit Optotypen im Kleinkindalter (ab (2–)3 Jahren) [1][23][21]

  • Allgemeine Durchführung
    • Monokulare Prüfung (Abdeckung jeweils eines Auges mit Okklusionspflaster)
    • Untersuchung des Fernvisus in 3 m Entfernung [24]
    • Beginn mit leicht erkennbaren (großen) Optotypen
    • Erkannte Optotypen werden benannt oder anhand von Referenzsymbolen zugeordnet
    • Nahvisusprüfung: Keine vorgeschriebene Kindervorsorgeuntersuchung
      • Untersuchung in 40 cm Entfernung mit Einsatz von Crowding
  • Allgemeine Beurteilung
    • Visusbeurteilung absolut und im Seitenvergleich
      • Beurteilung des Reihenvisus: Zeilen mit ≥60% erkannten Optotypen gelten als richtig
    • Auffällige Befunde: Seitenunterschied ≥2 erkannte Zeilen, Visus <0,6 mit 4 Jahren
      • Tendenziell bessere Ergebnisse bei Prüfung mit Bilderoptotypen als mit Buchstabenoptotypen
  • Eingesetzte Optotypen
    • Lea-Test
      • Prinzip: (Nonverbale) Visusprüfung der Fern- und Nahsicht durch Zuordnung der gezeigten Bilderoptotypen anhand einer Referenzkarte (Formenwiedererkennungstest)
      • Vorteil: Meist gute Mitarbeit der Kinder
    • E-Haken und Landolt-Ring
      • Prinzip: (Nonverbale) Visusprüfung durch Demonstration der Ausrichtung des gezeigten Optotyps anhand eines großen Demonstrationsobjekts
      • Vorteil: Standardisierte Methoden, hohe Testgüte
      • Nachteil: Kognitiv und motorisch anspruchsvoll, Rechts/Links-Unterscheidung notwendig
    • Weitere Formenwiedererkennungstests [25][26]
      • Beispiele: Buchstabenoptotypen (z.B. Sheridan-Gardiner-Test , HOTV-Test ), Symboloptotypen (z.B. H-Test nach Hohmann/Haase )
      • Prinzip: (Nonverbale) Visusprüfung durch Zuordnung der gezeigten Buchstaben/Symbole anhand einer Referenzkarte
      • Vorteil: Keine Rechts/Links-Differenzierung (durch vertikale Symmetrie der Buchstaben/Symbole) erforderlich
      • Einsatz ab (3–)4 Jahren
  • Veraltet: Kinderbilder
    • Prinzip: Verbale Visusprüfung mit stilisierten kindgerechten Bildern
    • Nachteil: Hohe kognitive und sprachliche Anforderungen, geringere Testgüte

Visusprüfung im Schulalter

  • Durchführung und Beurteilung wie bei Erwachsenen

Früherkennung des Strabismus [18]

Schielen ab dem Alter von ≥2 Monaten ist pathologisch! [19]

  • Hornhautreflextest
    • Ziel: Orientierende Strabismus-Prüfung [27]
    • Durchführung: Leuchte (Ophthalmoskop/Untersuchungsleuchte) an der ärztlichen Blickachse ausgerichtet aus 50–60 cm Entfernung zwischen die Augen des Kindes richten
    • Beurteilung: Symmetrie der Hornhautreflexe bei Fixieren des Lichts
  • Abdecktests
    • Allgemeine Durchführung
      • Während das Kind möglichst konstant ein Objekt fixiert, wird ein Auge mit einem Okkluder (alternativ mit der Hand) abgedeckt [28]
      • Einseitige Tests immer nacheinander auf beiden Seiten durchführen
    • Einseitiger Abdecktest (Cover-Test)
      • Ziel: Diagnose eines manifesten Strabismus
      • Durchführung: Abdeckung eines Auges für 1–2 s mit Beobachtung des offenen (nicht abgedeckten) Auges [29]
      • Beurteilung: Vorliegen und Richtung von Einstellbewegungen des offenen Auges
    • Aufdecktest (Cover-uncover-Test)
      • Ziel: Diagnose eines latenten Strabismus
      • Durchführung: Beobachtung des zuvor abgedeckten Auges beim Wiederaufdecken [20]
      • Beurteilung: Vorliegen einer Einstellbewegung des zuvor abgedeckten Auges [23]
    • Alternierender Abdecktest
      • Ziel: Diagnose eines latenten Strabismus
      • Anwendung: Nach unauffälligem Abdeck- und Aufdecktest [30]
      • Durchführung: Mehrfaches unmittelbar abwechselndes Abdecken beider Augen
      • Beurteilung: Vorliegen und Richtung von Einstellbewegungen des jeweils zuvor abgedeckten Auges beim Wiederaufdecken [20]

Stereotests [18]

  • Ziel: Prüfung des räumlichen Sehens (Stereopsis)
  • Lang-Stereotest
    • Material: Karte mit Objekten, deren Erkennung räumliches Sehen erfordert [31]
    • Durchführung: Karte unbewegt in etwa 40 cm Entfernung vor das Gesicht des Kindes halten
    • Beurteilung: Fixierung, Zeigen oder Benennen der Objekte
    • Normalbefund: Auffinden aller Objekte
  • Seltener eingesetzt: Titmus-Test (Polarisationsfilter erforderlich), TNO-Test (Rot/Grün-Filter erforderlich)

Gesundheitsaufklärung im Kindesalter

Die Primärprävention ist ein wichtiger Bestandteil der Kinder- und Jugendvorsorgeuntersuchungen. Die jeweils relevanten Gesundheitsaufklärungen bei den einzelnen Vorsorgeuntersuchungen sind in den entsprechenden Abschnitten aufgelistet; an dieser Stelle werden übergreifende Themenkomplexe genauer vorgestellt. [1]

Förderung der kindlichen Entwicklung

  • Sicherheit und Vertrauen schaffen [32]
    • Nähe und Zuwendung durch verlässliche, feinfühlige Bezugspersonen
    • Aufmerksamkeit, Lob/Bestätigung und Ernstgenommenwerden [33]
    • Regelmäßiger Tagesablauf, regelmäßige Ruhephasen [34]
    • Klare Grenzen setzen [35]
  • Sprache: Viel sprechen , singen, gemeinsam Bücher ansehen/vorlesen [36]
  • Spiel: Alltagsgegenstände und einfache Spielzeuge können begeistern [37]
  • Spielen mit anderen Kindern [34]
  • Bewegung fördern [36]
  • Gleichgewicht aus Freiraum zum Spielen und Anregung von außen, Eigenständigkeit unterstützen und begleiten [38]

Bewegung im Kindes- und Jugendalter [39]

  • Prinzipien: Aktivität fördern , Inaktivität begrenzen
  • Voraussetzungen: Bewegungsanregendes, sicheres Umfeld
  • Wie
    • Möglichst viel Bewegung im Freien zu jeder Jahreszeit, Freizeitspiel und -sport
    • Wege möglichst aktiv statt passiv zurücklegen
    • Bildschirmmediennutzung begrenzen (siehe auch: Mediennutzung im Kindesalter)
  • Wann
    • Mehrmals täglich Bewegung
    • Als fester Bestandteil des Alltags
    • Immer nach langen sitzenden/ruhigen Tätigkeiten
    • Familientage möglichst im Freien und aktiv verbringen
  • Wie lange
    • ≤3 Jahre: So viel wie möglich
    • 4–6 Jahre: Mind. 3 h täglich
    • 7–18 Jahre: ≥90 min täglich , davon im Durchschnitt ≥30 min täglich gezielte sportliche Aktivität
  • Beispiele
    • Säuglinge
      • Im Wachzustand unter Aufsicht der Eltern auch Bauchlage ermöglichen
      • Gemeinsames Spielen auf Krabbeldecke/Boden
      • Autositz/Kinderwagen oder Hochstuhl möglichst nur gezielt und kurzfristig verwenden
    • Kleinkinder/jüngere Schulkinder [37]
      • Spaziergang mit Suchaufgaben oder Sammeln von Naturmaterialien
      • Sportgeräte wie Roller, Rollschuhe/Inlineskates, Fahrrad zu Spaziergängen mitnehmen
      • Aktive Spiele mit Familie und Freund:innen
      • Frühzeitig Schwimmen lernen
      • Bewegungsangebote nutzen
      • Zu Hause: Hüpfen, Tanzen, Toben
    • Ältere Schulkinder/Jugendliche
      • Öffentliche Fußballplätze, Tischtennisplatten, Basketballfelder etc. nutzen
      • Zum Spielen/Sport mit Freund:innen verabreden
      • Vereinsangebote und/oder Sport-Apps nutzen
      • Zu Hause: Online-Fitnessanleitungen nutzen

Gesunder Schlaf im Kindesalter

Gesunder Schlaf im Säuglingsalter und SIDS-Prophylaxe [40][41][42][43][44]

Durch eine Aufklärung aller Eltern zur Prophylaxe des plötzlichen Säuglingstodes („sudden infant death syndrome“ = SIDS) ist eine deutliche Senkung der Mortalität möglich!

  • Schlafen im eigenen Babybett im Elternschlafzimmer
    • Schlaf in Rückenlage
    • Schlafsack in geeigneter Größe
    • Freie Luftzirkulation im Babybett
    • Keine weichen und/oder losen Objekte, Polster oder langen Vorhänge im Babybett
  • Überwärmung vermeiden [45]
  • Rauchfreie Umgebung des Kindes, Nikotinabstinenz in der Schwangerschaft
  • Möglichst langes Stillen im ersten Lebensjahr (idealerweise ausschließliches Stillen in den ersten 4–6 Lebensmonaten)
  • Verwendung eines Schnullers zum Schlafen erwägen
  • Impfen
  • Für weitere Informationen zum plötzlichen Säuglingstod siehe auch: SIDS

Die Maßnahmen zur SIDS-Prävention sollten allen Eltern erklärt und durch ein Merkblatt [46][42] verdeutlicht werden! Sie gelten für das gesamte erste Lebensjahr! [6][43]

Allgemeine Empfehlungen für gesunden Schlaf im Säuglings- und Kleinkindalter [47][48]

  • Regelmäßiger Tagesablauf, (zunehmend) feste Schlaf- und Ruhezeiten
    • Ab dem zweiten Lebenshalbjahr: Möglichst ≥4 h zwischen Mittagsschlaf und Zubettgehen
    • Ab dem Kleinkindalter: Mittagsschlaf nach Bedarf fortführen; vor dem Zubettgehen >1 h zur Ruhe kommen, Abendessen möglichst ≥1 h vor dem Schlafengehen
  • Vermeiden koffeinhaltiger Getränke, keine Bildschirmmediennutzung vor dem Zubettgehen (≥1 h)
  • Vertraute ruhige, abgedunkelte Schlafumgebung
    • Bett nur zum Schlafen benutzen (nicht zum Spielen)
  • Einschlafrituale: Kopfstreicheln, Singen/Spieluhr, Gute-Nacht-Geschichte, Gespräch über den Tag
    • Müde, aber noch wach ins Kinderbettchen legen
    • Lieblingskuscheltier oder -schmusetuch bereithalten
  • Vorgehen bei nächtlichem Aufwachen
    • Ruhige Atmosphäre bewahren, Nähe schaffen mit möglichst geringer Aktivität
    • Ggf. auf mögliche Ursachen für Unwohlsein eingehen [49]

Schlafbedarf im Kindesalter

Die Gesamtschlafdauer nimmt mit dem Alter ab, wobei die Nachtschlafdauer zunächst bis zum Alter von etwa einem Jahr zunimmt (bei gleichzeitiger Reduktion der Tagschlafdauer). [50]

  • Neugeborene: Durchschnittliche Gesamtschlafdauer 16–18 h verteilt auf 5–6 Schlafphasen
  • 6 Monate: Durchschnittliche Gesamtschlafdauer 14 h ±4 h , davon 9–13 h Nachtschlaf
  • 1 Jahr: Durchschnittliche Gesamtschlafdauer 14 h ±2,5 h, davon 10–14 h Nachtschlaf
  • 3 Jahre: Durchschnittliche Gesamtschlafdauer 12,5 h ±2,5 h, davon 11,5 h Nachtschlaf
  • 6 Jahre: Durchschnittliche Gesamtschlafdauer 11 h ±2 h, nahezu kein Tagschlaf
  • 10 Jahre: Durchschnittliche Gesamt- und Nachtschlafdauer 10 h ±2 h
  • 14 Jahre: Durchschnittliche Gesamt- und Nachtschlafdauer 9 h ±1,5 h

Schlafdauer und -verteilung unterscheiden sich interindividuell deutlich! Der Schlafbedarf sollte daher immer anhand des individuellen Verhaltens eines Kindes ermittelt werden! [50]

Rauchfreie Umgebung im Kindesalter [51][52]

  • Kindliche Gefährdung durch Tabakrauchexposition
  • Empfehlungen zum Schutz von Kindern vor Tabakrauchexposition
    • Nikotinabstinenz in Schwangerschaft und Stillzeit [53]
    • Grundsätzlich: Kein Rauchen im Beisein des Kindes oder in Räumen/Fahrzeugen, in denen sich das Kind aufhält
    • Idealerweise: Nikotinabstinenz der Bezugspersonen

Prävention des Schütteltraumas [54]

  • Umgang mit Schreien im Säuglingsalter
    • Zuwendung , Eingehen auf mögliche Ursachen
    • Überforderung wahrnehmen , bei akuter Belastung Kind sicher ablegen und den Raum kurzzeitig verlassen, Unterstützung suchen und auf eigenes Wohlbefinden achten [32]
    • Kind niemals schütteln: Gefahr des Schütteltraumas mit schwerer Hirnschädigung [55]
      • Aufklärungsbroschüre für Eltern über das Schütteltrauma aushändigen [56]

Fieber im Kindesalter [57]

  • Messmethode: Rektal mit digitalem Thermometer [58]
  • Altersabhängige Fieberdefinition

Vorgehen bei Fieber im Neugeborenen- und frühen Säuglingsalter (≤3 Monate)

Bei Neugeborenen und jungen Säuglingen können schwere Infektionen ohne Fieber verlaufen! Bei Fieber oder Warnsymptomen wie Trinkunlust, verändertem Hautkolorit oder Berührungsempfindlichkeit sollten Eltern ihr Kind in diesem Alter immer ärztlich vorstellen!

Vorgehen bei Fieber im Kindesalter (>3 Monate)

Kariesprophylaxe [60]

  • Zahnpflege: Tägliches Zähneputzen ab dem Durchbruch des ersten Zahns
    • Wer: Anfangs durch die Eltern, im Kleinkind-/Vorschulalter zunehmend selbstständig mit Nachputzen durch die Eltern, ab dem Grundschulalter (etwa 2. Klasse) selbstständig
    • Womit: Weiche Handzahnbürste , Kinderzahncreme bis zum 6. Lebensjahr
  • Zahnärztliche Vorsorge: Ab dem Durchbruch des ersten Zahns halbjährlich
  • Fluoridierung (siehe auch: Fluoridprophylaxe)
  • Zahngesunde Ernährung: Zuckerkonsum reduzieren, gesüßte Getränke meiden
  • Speichelstimulation: Kauen zuckerfreien Kaugummis fördert die Schutzwirkung des Speichels

Schnullergebrauch [61][62]

Die Evidenz zu möglichen (positiven und negativen) Folgen der Verwendung von Schnullern ist begrenzt, daher unterscheiden sich die Empfehlungen verschiedener Fachgesellschaften zum Gebrauch von Schnullern teils deutlich.

  • Auswirkungen des Schnullergebrauchs
    • Möglicherweise reduziertes SIDS-Risiko
    • Fragliche Assoziation mit einer Beeinträchtigung des Stillens
    • Assoziation mit erhöhter Inzidenz von Otitis media
    • Erhöhtes Risiko für Zahnfehlstellungen insb. bei langer Schnullerverwendung >2–3 Jahre
  • Grundsätzliche Empfehlungen zum Schnullergebrauch
    • Entscheidung über Schnullergebrauch entsprechend der Präferenz der Eltern
    • Hygienemaßnahmen: Regelmäßig säubern, kein Ablecken durch Eltern, gemeinsame Benutzung (z.B. durch Geschwister, in der Kita) vermeiden
    • Anwendung spätestens mit 2 Jahren reduzieren und im 4. Lebensjahr beenden

Unfallgefahren im Kindesalter

Eine ärztliche Aufklärung über Unfallgefahren und -prävention kann wirksame Verhaltensänderungen bei Eltern hervorrufen! Empfehlenswert ist der unterstützende Einsatz altersentsprechender Aufklärungsbroschüren! [55]

Epidemiologischer Hintergrund [63][64][55]

  • Bedeutung von Unfällen im Kindesalter
    • Unfälle sind die häufigste Todesursache im Kindesalter (≥1 Jahr)
    • Unfälle sind die häufigste Ursache einer Behinderung im Kindesalter (>1 Jahr)
    • Unfälle sind der zweithäufigste (Kleinkinder) bzw. häufigste (Schulkinder) Anlass stationärer Behandlung
  • Risikofaktoren für Unfälle im Kindesalter
    • Entwicklungsbedingte Risiken
    • Sozial: Armut/soziale Benachteiligung, kinderreiche Familien, Suchtmittelabusus der Eltern
  • Unfallgefahren in Abhängigkeit vom Alter
    • Säuglinge
    • Kleinkinder
      • Todesfälle hauptsächlich durch Ersticken, Ertrinken , Stürze , Wohnungsbrände
      • Stationäre Behandlungen v.a. aufgrund von Stürzen , Verbrennungen/Verbrühungen , Vergiftungen [55]
    • Vorschul-/Schulalter
      • Todesfälle hauptsächlich durch Verkehrsunfälle
      • Stationäre Behandlungen v.a. aufgrund von Stürzen bei Freizeitaktivitäten
    • Jugendliche
      • Todesfälle hauptsächlich durch Verkehrsunfälle
      • Stationäre Behandlungen v.a. aufgrund von Stürzen bei Freizeitaktivitäten

Unfallprävention im Kindes- und Jugendalter [64]

  • Verkehrsunfälle
    • Zu Fuß: Verhalten im Straßenverkehr im (Vor‑)Schulalter üben, sichersten (nicht kürzesten) Schulweg nehmen [65]
    • PKW: Kinder vorzugsweise auf dem Rücksitz transportieren , immer Sicherheitsgurt und geeigneten Autokindersitz verwenden [66][67]
    • Fahrradfahren: Fahrradhelm tragen , im Fahrradsitz/-anhänger immer anschnallen, <8 Jahre Fahrradfahren auf dem Gehweg [68]
    • Krafträder: Motorradhelm tragen
  • Ertrinken [69][68][70]
    • Kontinuierliche Aufsicht beim Baden von Säuglingen/Kleinkindern
    • Private Pools, Teiche etc. sichern
    • Freizeitschwimmen: Kontinuierliche Aufsicht in Reichweite des Kindes
    • Frühzeitig Schwimmen lernen (mit 4–5 Jahren)
  • Ersticken
    • Strangulation: Spielketten außer Reichweite anbringen, kurze Schnullerkette, Kordeln und Ketten an der Kleidung (auch bei Kleinkindern) vermeiden [71][72]
    • Aspiration: Verschluckbare Kleinteile außer Reichweite aufbewahren, kleine Nahrungsmittel mit erhöhter Aspirationsgefahr vermeiden [69]
  • Verbrennungen/Verbrühungen
    • Heiße Gegenstände/Flüssigkeiten außer Reichweite des Kindes abstellen , kein Verzehr heißer Flüssigkeiten/Speisen mit dem Kind auf dem Arm/Schoß , Herd/Ofen/Kamin sichern , warme Mahlzeiten vor dem Füttern probieren, Badewassertemperatur vor dem Baden kontrollieren [71][73][74]
  • Stürze [71][69][67]
    • Stürze von erhöhten Flächen: Erhöhte Lagerung oder Sitzen in Hochstuhl/Einkaufswagen nur unter kontinuierlicher Aufsicht
    • Stürze beim Transport: Sicheres Tragen , Anschnallen in der Babyschale
    • Treppenstürze: Treppengitter installieren, Säuglinge: Treppab rückwärts unter Aufsicht krabbeln
    • Stürze aus Fenstern/Türen: Kindersichere Verriegelung, kontinuierliche Aufsicht bei offenem Fenster und auf dem Balkon
    • Stürze mit Spielgeräten: Lauflernhilfen nicht empfehlenswert
  • Vergiftungen [69]
    • Kindersichere Aufbewahrung (außer Reichweite) von Medikamenten , Genussmitteln (Alkohol/Tabak), Reinigungs-/Waschmitteln und Chemikalien
      • Kein Umfüllen aus Verpackungen mit kindersicheren Verschlüssen in herkömmliche Behälter
    • Giftige Pflanzen vermeiden
  • Sport-/Freizeitunfälle
    • Schutzausrüstung tragen (Helm und Protektoren ) [65]
  • Unfallprävention im Haushalt [75][68][70]
    • Babybett außer Reichweite von Steckdosen, Heizungen, Bändern/Schnüren platzieren
    • Mobiliar: Möbelstücke (z.B. Regale und Kommoden) an der Wand befestigen, Glasplatten sichern , Ecken/Kanten sichern
    • Rauchmelder anbringen
    • Steckdosen sichern
    • Werkzeuge, Messer, Streichhölzer/Feuerzeuge kindersicher aufbewahren
    • Kontinuierliche Aufsicht bei Kontakt mit Haustieren, insb. Hunden

Kinder sollten frühzeitig sicheres Verhalten (z.B. im Verkehr, im Umgang mit Haustieren etc.) erlernen! [68]

UV-Schutz im Kindesalter [76]

Bei Säuglingen sollte eine direkte Sonneneinstrahlung grundsätzlich vermieden werden!

  • Kleinkinder: Nur kurzzeitig in direkter Sonneneinstrahlung aufhalten
  • In jedem Alter: Intensive Mittagssonne meiden, Spielen im Schatten bevorzugen
  • Schutz bei Sonnenexposition
    • Kopfbedeckung
    • Bedeckende Bekleidung
    • Sonnenschutzmittel auf nicht bedeckten Körperteilen
    • Schutz der Augen

Mediennutzung im Kindes- und Jugendalter [37][77][78]

Gefahren übermäßiger Bildschirmmediennutzung im Kindesalter [79]

  • Beeinträchtigung der Sprach- und motorischen Entwicklung
  • Übergewicht/Adipositas
  • Reduzierte Schlafqualität und -dauer
  • Gefahren speziell im Jugendalter: Erhöhtes Risiko physischer Beschwerden , Assoziation mit beeinträchtigter psychischer Gesundheit

Empfehlungen zur Mediennutzung im Kindesalter

  • <3 Jahre: Kein Bildschirmmedienkonsum
  • Kinder ≥3 Jahre
    • Möglichst wenig Bildschirmmediennutzung
    • Feste Fernseh-/Computerzeit, max. 1× täglich
    • Kein Fernseher/Computer im Kinderzimmer
    • Keine Bildschirmmedien morgens, vor dem Schlafengehen oder zu den Mahlzeiten
    • Begrenzung der Nutzungszeit (Orientierungswerte)
      • 3–5 Jährige: Max. 30 min täglich
      • 6–11 Jährige: Max. 1 h täglich
      • ≥12 Jahre: Max. 2 h täglich
    • Begleitete Bildschirmmediennutzung bei jüngeren Kindern
      • Fernsehen: Auswahl eines geeigneten Programms (kein Zappen)
      • Internet: Bis etwa 10 Jahre Aufsicht empfehlenswert, Aufklärung über Gefahren im Internet [80]
    • Auswahl altersgerechter Inhalte

Bildschirmmedien sollten nicht als Mittel zur Erziehung oder zur Beruhigung eingesetzt werden! [80]

U1

Zeitpunkt [1]

  • Direkt postnatal

Durchführung

  • Hebammen, Krankenpflegekräfte, Gynäkolog:innen oder Pädiater:innen
  • Bei Komplikationen oder Risiken : Kinderärztliche/neonatologische Mitbeurteilung
  • Möglichst kurz
    • Alle medizinischen Maßnahmen, die den Eltern-Kind-Kontakt unterbrechen, sollten auf ein gesundes Mindestmaß beschränkt werden, um das Bonden zu ermöglichen
    • Das Eltern-Kind-Bonding unmittelbar nach der Geburt erfolgt mit möglichst vielen Sinnen (Hören, Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken) und unmittelbarem Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Eltern und Kind. Dies sollte insb. während der ersten Lebensstunden ermöglicht werden. In diesem Zusammenhang ist bei Frühgeborenen auch die Rede vom Känguruen [81][82]

Anamnese

Erfassen der prä-, peri- und postnatalen Risikofaktoren

Orientierende klinische Untersuchung

Vorgehen bei Risiken oder Symptomen [6]

Aufklärung und Prophylaxen

U2

Zeitpunkt [1]

  • 3.–10. Lebenstag

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

  • Hautturgor/Hydratation
  • Ikterus
  • Nabelveränderungen
  • Reflexe
  • Kephalhämatom
  • Crepitatio capitis
  • Orofazialer Hypotonus
  • Augen: Fundusrotreflextest
  • Reaktion auf Geräusche
  • Femoralispulse
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [85]
    • Entwicklungs- und Interaktionsbeurteilung
      • Kind blickt untersuchende oder Bezugsperson an
      • Feinfühliger Umgang der Bezugsperson
      • Einfühlsame non- und verbale Reaktionen der Bezugsperson
      • Entwicklungsangemessene Erwartungen an das Kind

Physiologischer Gewichtsverlust von Neugeborenen [6]

  • Bis zum erfolgreichen Nahrungsaufbau und dem Milcheinschuss bei stillenden Müttern nehmen Neugeborene physiologischerweise nach Geburt an Gewicht ab
  • Als physiologische Gewichtsabnahme gilt dabei
    • <10% des Geburtsgewichts
    • Maximum meist am 3.–4. Lebenstag
    • Bis zum 5. Lebenstag sollte die Gewichtszunahme einsetzen
    • Bis zum 14. Lebenstag sollte das Geburtsgewicht wieder erreicht werden
  • Bei Überschreiten dieser Grenzen, Zeichen der Exsikkose oder Hypoglykämien: Zufüttern erwägen

Apparative Untersuchungen

Aufklärung und Prophylaxen

U3

Meist die erste Untersuchung in einer Praxis für Kinderheilkunde [1]

Zeitpunkt

  • 4.–5. Lebenswoche

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Ernährung (Stillen, Formulanahrung)
  • Schluckstörung, Stuhlfarbe
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [85]
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (kindliche Schlafstörung, Schreiverhalten, elterliche Depression etc.)
    • Elterngesundheit

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

Apparative Untersuchungen

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Kopfhaltung
      • In schwebender Bauchlage mind. 3 Sekunden
      • In Rumpfebene und Rückenlage Kopfhaltung mind. 10 Sekunden in Mittelstellung
  • Feinmotorik
    • Händeöffnung: Spontan, insgesamt eher geschlossen
  • Perzeption und Kognition
    • Blickfolge: Folgt einem Gegenstand mit den Augen zu beiden Seiten (mind. 45°)
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Bekannte: Betrachtet aufmerksam nahe Gesichter von Bezugspersonen

Eltern-Kind-Interaktion

Die Beurteilung im ersten Lebensjahr (U3U6) fokussiert folgende kindliche Reaktionen

  • Stimmung und Affekt
    • Ausgeglichen/zufrieden in Gegenwart der primären Bezugsperson
  • Kontakt und Kommunikation
    • Reaktion (Lächeln, Kopfwenden oder Körperkontakt) auf nonverbale/verbale Ansprache durch Bezugsperson
  • Regulation und Stimulation
    • Kurzzeitige Beruhigung durch die primäre Bezugsperson (durch Wiegen, Singen oder Ansprache)
    • Angemessene Reaktion auf laute Geräusche, helles Licht und Berührung
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [85]
    • Feinfühliger Umgang der Bezugsperson
    • Einfühlsame nonverbale und verbale Reaktionen auf kindliche Signale
    • Entwicklungsangemessene Erwartungen an das Kind

Aufklärung und Prophylaxen

U4

Zeitpunkt [1]

  • 3.–4. Lebensmonat

Anamnese [1]

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Ernährung (Stillen, Formulanahrung)
  • Schluckstörungen und Obstipation
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [85]
    • Schlafen
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (Schlafstörung, Schreiverhalten, häusliche Gewalt etc.)
    • Elterngesundheit

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Extremitäten
      • Kräftiges alternierendes und beidseitiges Beugen und Strecken der Arme und Beine
    • Kopfhaltung
      • In Sitzhaltung mind. 30 Sekunden aufrecht
      • In Bauchlage mind. 1 Minute zwischen 40° und 90° angehoben
    • Bauchlage
      • Wird toleriert
      • Abstützen auf den Unterarmen
  • Feinmotorik
    • Hände: Werden spontan zur Körpermitte gebracht
  • Perzeption und Kognition
    • Fixiert ein sich bewegendes Gesicht und folgt diesem
    • Geräuschquellen: Versucht durch Kopfdrehung die Quelle eines bekannten Geräusches zu sehen
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Kontakt: Freut sich über Zuwendung, Blickkontakt kann gehalten werden
    • Lächeln: Reaktion auf Ansprache, erwidert Lächeln einer Bezugsperson („soziales Lächeln“)
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [85]
    • Beobachtet Fingerspiel

Eltern-Kind-Interaktion

Die Beurteilung im ersten Lebensjahr (U3U6) fokussiert folgende kindliche Reaktionen.

  • Stimmung und Affekt
    • Ausgeglichen/zufrieden in Gegenwart der primären Bezugsperson
    • Bei nonverbaler/verbaler Kommunikation durch die primäre Bezugsperson ausgeglichen, offen und zugewandt
  • Kontakt und Kommunikation
    • Reaktion (Lächeln, Kopfwenden oder Körperkontakt) auf nonverbale/verbale Ansprache durch Bezugsperson
    • Sendet deutliche Signale an primäre Bezugsperson und sucht Kontakt (mit Blick, Mimik, Gesten, Lauten)
    • Blickkontakt zur Bezugsperson in unbekannten Situationen
  • Regulation und Stimulation
    • Kurzzeitige Beruhigung durch primäre Bezugsperson (durch Wiegen, Singen oder Ansprache)
    • Angemessene Reaktion auf laute Geräusche, helles Licht und Berührung

Aufklärung und Prophylaxen

U5

Zeitpunkt [1]

  • 6.–7. Lebensmonat

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Ernährung (Stillen, Formulanahrung, Brei)
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [85]
    • Schlafen
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (Schlafstörung, Schreiverhalten, häusliche Gewalt etc.)
    • Elterngesundheit

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

  • Augen
    • Brückner-Test
    • Prüfung der Blickfolge mit einem geräuschlosen Objekt, das das Kind interessiert (z.B. Lichtquelle)

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Handstütz auf den Handflächen mit gestreckten Armen
    • Traktionsversuch : Kopf wird symmetrisch zur Wirbelsäule gehalten, beide Arme werden gebeugt
    • Federt mit beiden Beinen ab
  • Feinmotorik
    • Spielzeug: Wird zwischen den Händen transferiert
    • Greifen: Palmar, betont radial
  • Sprache
    • Silbenketten: Rhythmisch, z.B. mam-mam-mam, ga-ga-ga, de-de-de
  • Perzeption und Kognition
    • Erkunden: Oral und manuell, Gegenstände werden mit beiden Händen gehalten und mit dem Mund exploriert, aber noch wenig betrachtet
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Lachen: Stimmhaft
    • Bekannte: Verhält sich unterschiedlich, abhängig vom Vertrautheitsgrad
    • Andere Kinder: Freut sich beim Erscheinen anderer Kinder
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [85]
    • Grobmotorik
    • Sprache
      • Lautiert spontan, monologisch und abwechslungsreich ohne Lippenschluss
      • Baby-Dialog: Antwortet vokalisierend auf zugewandtes Ansprechen
    • Kognition
      • Gegenstände, die vor den Augen langsam bewegt werden, werden mit parallelen Augen verfolgt
    • Stimmung und Affekt
      • Gelegentliche Schreiattacken bis max. 20–30 Minuten unter Zuwendung
      • Ich-Entwicklung: Aufmerksamkeit für die Umgebung, verschafft sich in aufrechter Haltung Überblick
      • Selbstständigkeit: Interessiert sich für und kennt die Vorbereitungen zur Nahrungsaufnahme
      • Signalisiert Unwohlsein (Hunger, Langeweile, Müdigkeit, volle Windel)

Eltern-Kind-Interaktion

Die Beurteilung im ersten Lebensjahr (U3U6) fokussiert folgende kindliche Reaktionen.

  • Stimmung und Affekt
    • Ausgeglichen/zufrieden in Gegenwart der primären Bezugsperson
    • Bei nonverbaler/verbaler Kommunikation durch die primäre Bezugsperson ausgeglichen, offen und zugewandt
    • Wiedervereinigungssituation (kurzes Abwenden/Trennen): Erfreut und gelöst und sucht zur primären Bezugsperson Blickkontakt
  • Kontakt und Kommunikation
    • Reaktion (Lächeln, Kopfwenden oder Körperkontakt) auf nonverbale/verbale Ansprache durch Bezugsperson
    • Sendet deutliche Signale an primäre Bezugsperson und sucht Kontakt (mit Blick, Mimik, Gesten, Lauten)
    • Körper- und Blickkontakt zur Bezugsperson in unbekannten Situationen
  • Regulation und Stimulation
    • Kurzzeitige Beruhigung durch primäre Bezugsperson (durch Wiegen, Singen oder Ansprache)
    • Angemessene Reaktion auf laute Geräusche, helles Licht und Berührung
    • Geht auf Wechselspiel mit der primären Bezugsperson ein (z.B. Bauklötze, Fingerspiel)
    • Kann Gefühle meist regulieren und toleriert leichte Enttäuschungen

Aufklärung und Prophylaxen

U6

Zeitpunkt [1]

  • 10.–12. Lebensmonat

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Schnarchen
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [85]
    • Schlafen
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (Schlafstörung, Schreiverhalten, häusliche Gewalt etc.)
    • Elterngesundheit

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

  • Mundhöhle, Kiefer und Nase
    • Auffälligkeiten der Zähne und Mundschleimhaut
    • Fehlender Mundschluss, behinderte Nasenatmung
    • Auffälliger Stimmklang (Heiserkeit, Näseln)
  • Augen
    • Brückner-Test
    • Prüfung der Blickfolge mit einem geräuschlosen Objekt, das das Kind interessiert (z.B. Lichtquelle)

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Freies Sitzen: Mit Gleichgewichtskontrolle und geradem Rücken
    • Hochziehen: In den Stand, bleibt einige Sekunden stehen
    • Drehen: Dreht sich flüssig von Rücken- in Bauchlage und umgekehrt
  • Feinmotorik
    • Pinzettengriff: Greift zwischen Daumen und gestrecktem Zeigefinger kleine Gegenstände
    • Klopfen: Klopft zwei Würfel aneinander
  • Sprache
    • Silbenketten: Spontane längere Silbenketten
    • Doppellaute: Deutliche Doppelsilben (z.B. ba-ba, da-da)
    • Nachahmung: Ahmt Laute nach
  • Perzeption und Kognition
    • Aufforderung befolgen: Gibt der Bezugsperson nach Aufforderung einen Gegenstand
    • Gezielter Blick: Verfolgt den Zeigefinger in die gezeigte Richtung
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Trinken: Trinkt alleine aus der Flasche, aus Tasse/Becher mit Hilfe
    • Bekannte: Unterscheidet zwischen fremden und bekannten Personen
    • Andere Kinder: Freut sich über andere Kinder
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [85]
    • Grobmotorik
      • Einige Schritte mit Festhalten
    • Feinmotorik
      • Stetiges Ausprobieren neu zu erwerbender motorischer Fähigkeiten
    • Sprache
      • „Mama“ oder „Papa“ werden korrekt angewendet
    • Kognition
      • Gesten- und Mimiknachahmung (z.B. Winken)
      • Spielzeug: Mit Tuch verdeckt, wird durch Wegziehen des Tuches gefunden
    • Soziale und emotionale Kompetenz
      • Nimmt selbstständig Kontakt zu Bindungspersonen auf
      • Triangulierung: Macht mit dem Zeigefinger oder Blicken auf Gegenstände des gemeinsamen Interesses (Spielzeug, Tiere o.ä.) aufmerksam
      • Freut sich über Zuwendung (Blickkontakt, Kuscheln)
    • Ich-Entwicklung
      • Betrachtet interessiert sein Spiegelbild, ohne sich zu erkennen
      • Bewusstsein über Beeinflussbarkeit der Bindungsperson: Drückt mit Charme oder Widerstand Wünsche aus und versucht, sich durchzusetzen

Eltern-Kind-Interaktion

Die Beurteilung im ersten Lebensjahr (U3U6) fokussiert folgende kindliche Reaktionen.

  • Stimmung und Affekt
    • Ausgeglichen/zufrieden in Gegenwart der primären Bezugsperson
    • Bei nonverbaler/verbaler Kommunikation durch die primäre Bezugsperson ausgeglichen, offen und zugewandt
    • Wiedervereinigungssituation (kurzes Abwenden/Trennen): Erfreut und gelöst und sucht zur primären Bezugsperson Blickkontakt
  • Kontakt und Kommunikation
    • Reaktion (Lächeln, Kopfwenden oder Körperkontakt) auf nonverbale/verbale Ansprache durch Bezugsperson
    • Sendet deutliche Signale an primäre Bezugsperson und sucht Kontakt (mit Blick, Mimik, Gesten, Lauten)
    • Körper- und Blickkontakt zur Bezugsperson in unbekannten Situationen
  • Regulation und Stimulation
    • Kurzzeitige Beruhigung durch primäre Bezugsperson (durch Wiegen, Singen oder Ansprache)
    • Angemessene Reaktion auf laute Geräusche, helles Licht und Berührung
    • Geht auf Wechselspiel mit der primären Bezugsperson ein (z.B. Bauklötze, Fingerspiel)
    • Kann Gefühle meist regulieren und toleriert leichte Enttäuschungen
    • Toleriert kurze Trennungen von der Bezugsperson (neu zu U5)

Aufklärung und Prophylaxen

U7

Zeitpunkt [1]

  • 21.–24. Lebensmonat (2. Geburtstag)

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Hörvermögen, Kopf- und Blickwendung zur Schallquelle
  • Sprachentwicklung
  • Regelmäßiges Schnarchen
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [85]
    • Schlafen
    • Sauberkeitsentwicklung
    • Impfreaktionen
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (Schlafstörung, Trotzen, häusliche Gewalt etc.)
    • Elterngesundheit

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Gehen: Frei und sicher
    • Treppenlaufen: 3 Schritte runter im Kinderschritt , hält sich mit einer Hand fest
  • Feinmotorik
    • Malen: Malt flache Spirale
    • Auspacken: Kann kleine Gegenstände (z.B. Bonbon) auswickeln
  • Sprache
    • Einwortsprache: Mind. 10 „richtige“ Worte neben „Mama“ und „Papa“
    • Aufforderungen: Einfache Aufforderungen werden verstanden und befolgt
    • Nein: Signalisiert Nein/Ablehnung nonverbal/verbal (Kopfschütteln oder Nein-Sagen)
    • Körperteile: Erkennt 3 benannte Körperte