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Kindervorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen)

Abstract

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf regelmäßige Kindervorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) zur Erfassung ihrer körperlichen, geistigen und psychosozialen Entwicklung. Diese Untersuchungen dienen v.a. der Früherkennung von Erkrankungen und Entwicklungsstörungen, um die weitergehende Diagnostik und ggf. rechtzeitige Therapie einzuleiten. Neben der Beurteilung der Wachstumsparameter sind das Erreichen der Meilensteine in der Entwicklung, das Erkennen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung, die Gesundheitsaufklärung sowie die Durchführung von Prophylaxen (z.B. mit Vitamin D) und Screenings (z.B. Hörscreening) relevante Untersuchungsinhalte. In Deutschland sind die meisten Kindervorsorgeuntersuchungen mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben.

In diesem Kapitel erfolgt eine ausführliche Beschreibung der einzelnen U-Untersuchungen. Eine Übersichtstabelle findet sich im Kapitel Meilensteine der kindlichen Entwicklung und Kindervorsorgeuntersuchungen.

Grundlegende Untersuchungsinhalte aller Kindervorsorgeuntersuchungen

In diesem Abschnitt werden die Untersuchungsinhalte aufgelistet, die die U-Untersuchungen alle oder ab einem bestimmten Zeitpunkt gemeinsam haben. In den nachfolgenden Abschnitten zu den einzelnen U-Untersuchungen finden sich die zusätzlichen altersspezifischen Untersuchungsinhalte des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss).

U-Untersuchungen [1]

  • U1U9 inkl. U7a: 10 Kindervorsorgeuntersuchungen in den ersten 6 Lebensjahren
    • Gesetzlich vorgeschriebene Kassenleistung
    • Dokumentation im Kinderuntersuchungsheft (Gelbes Heft)
  • U10, U11, J1, J2: Optionale weitere Kindervorsorgeuntersuchungen bis ins Jugendlichenalter
    • Nur J1 ist allgemeine Kassenleistung

Ziele

  • Erkennen von
    • Fehlbildungen und lebensbedrohlichen Komplikationen
    • Angeborenen und erworbenen Erkrankungen
    • Entwicklungsauffälligkeiten
    • Hör- und Sehstörungen
    • Störungen der Eltern-Kind-Interaktion, Kindeswohlgefährdung
  • Impfberatung inkl. Elternimpfung
  • Screenings (Hörscreening, Stoffwechselscreening etc.)
  • Prophylaxen (Vitamin D und K etc.)
  • Gesundheitsaufklärung

Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese

  • Schwere Erkrankungen
  • Ernährung und Verdauung
    • Ess-/Trinkverhalten
    • Stillen, Formulanahrung, Breikost, feste Nahrung
    • Stuhlfarbe (mit Farbtafel erfragen) und -konsistenz
  • Zahnpflege
  • Hören
    • Hörvermögen, Reaktion auf Schallreize/Gespräche
    • Hörtest (ab U8)
  • Auffälliges Schreien (bis U5)
  • Sehen
    • Sehtests
  • Sprachentwicklung (ab U7)
    • Meilensteine
    • Wird das Kind von der Umgebung gut verstanden?
    • Stottern
  • Familienanamnese
  • Sozialanamnese
    • Betreuungssituation
    • Familiensituation (Getrennt, Patchwork)
    • Besondere Belastungen in der Familie
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung
  • Un-/Zufriedenheit der Eltern mit der Entwicklung und dem Verhalten des Kindes

Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung

  • Körpermaße und Perzentilen
    • Körpergewicht
    • Körperlänge
    • Kopfumfang (bis zur U7)
    • BMI (ab U6)
  • Haut
  • Thorax, Lunge und Atemwege
    • Auskultation
    • Atemgeräusch, -frequenz (<50/Min.)
    • Einziehungen, Thoraxform
    • Schlüsselbeine intakt
    • Mamillenabstand (ab U7)
  • Herz, Kreislauf
  • Abdomen, Genitale, Analregion
  • Bewegungsapparat (Knochen, Muskeln, Nerven)
  • Kopf
  • Mundhöhle, Kiefer, Nase
    • Schleimhaut, Kieferkamm, Gaumen
    • Zungengröße
    • Verletzungszeichen
    • Behinderte Nasenatmung
    • Auffälligkeiten der Zähne (ab U6)
    • Fehlender Mundschluss
    • Kieferanomalien
    • Auffälliger Stimmklang (Heiserkeit, Näseln) (ab U6)
  • Ohren
    • Fehlbildungen wie Ohrfistel, Anhängsel, Atresie
  • Augen
    • Morphologische Auffälligkeiten (z.B. Ptosis, Leukokorie, Bulbusauffälligkeit, Kolobom, Katarakt)
    • Nystagmus
    • Kopffehlhaltung
    • Pupillenstatus (ab U6)
      • Größenvergleich
      • Form
      • Lichtreaktion links/rechts
    • Fundusrotreflextest einseitig (U2-U3), Brückner-Test beidseitig (U4-U7)
    • Später Sehtests
      • Nonverbaler Formenwiedererkennungstest (z.B. Lea-Hyvärinen-Test, Sheridan-Gardiner-Test, H-Test nach Hohmann/Haase mittels Einzeloptotypen in 3 m Abstand und mononukleare Prüfung (z.B. mit Okklusionspflaster)
      • Hornhautreflexbildchen und Stereo-Test (z.B. Lang-Test, Titmus-Test, TNO-Test), Strabismus
      • Sehschwäche, Rechts-links-Differenz

Entwicklungsbeurteilung

Gezielte Untersuchung und/oder Anamnese der Entwicklung von

  • Grobmotorik
  • Feinmotorik
  • Sprache
  • Perzeption und Kognition
  • Sozialer und emotionaler Kompetenz
  • Interaktion und Kommunikation

Eltern-Kind-Interaktion

Im ersten Lebensjahr werden folgende kindliche Reaktionen gezielt beobachtet:

  • Stimmung und Affekt
  • Kontakt und Kommunikation
  • Regulation und Stimulation

Nährstoffsupplemente im ersten Lebensjahr

Vitamin-K-Prophylaxe des Neugeborenen [2][3]

  • Definition
  • Ursachen des Vitamin-K-Mangels
  • Komplikation des Vitamin-K-Mangels
  • Wirksamkeit
  • Reguläre Prophylaxe p.o: 2 mg Vitamin K zur U1, U2 und U3
  • Alternativen
    • Parenterale Prophylaxe: Vitamin K i.v. oder i.m. zur U1 , gefolgt von einer ausreichenden täglichen Vitamin-K-Zufuhr parenteral oder enteral (0,008–0,001 mg/kg/d) bis zur Gesundung und zur U3 p.o. Gabe (sofern die Initialdosis <1 mg (i.m. oder i.v.) war)
      • Indikation
        • Kranke Reifgeborene
        • Resorptionsstörungen
        • Zweifel an der Durchführbarkeit der dreimaligen oralen Vitamin-K-Gabe
        • Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht <1.500 g
    • Reguläre i.m. Applikation von 1 mg zur U1
      • In vielen Ländern angewendet
      • Wirksamer als die dreifache orale Applikation
      • In Deutschland wird dennoch die orale der i.m. Applikation aufgrund folgender Aspekte vorgezogen
        • Bessere Akzeptanz durch die Eltern
        • Geringeres Trauma
        • Keine Infektionsgefahr
        • Geringerer potentiell toxischer Effekt durch geringeren Plasmaspiegel
    • Niederländisches Schema
      • 1 mg Vitamin K p.o. postnatal, gefolgt von 25 μg/d Vitamin K p.o. (Woche 2–13)
      • Zeigte ungenügende Wirksamkeit (Inzidenz der Vitamin-K-Mangelblutung 3,2/100.000) und ist daher nicht empfehlenswert
    • Dänisches Schema
      • 2 mg Vitamin K p.o. postnatal, gefolgt von wöchentlich 1 mg Vitamin K p.o. für 3 Monate
      • Etwas effektiver, wegen der anzunehmenden geringeren Compliance jedoch nicht empfehlenswert

Vitamin-D-Prophylaxe im Kindesalter [4][5]

  • Hintergrund
    • Erhöhter Vitamin-D-Bedarf: Für das Knochenwachstum, v.a. in den ersten 12 Monaten
      • Oft nicht ausreichend durch die Ernährung gedeckt
      • Insb. in der dunklen Jahreszeit können Vitamin-D-Vorstufen nur unzureichend vom Sonnenlicht (UV-B-Strahlen) zu Cholecalciferol umgewandelt werden
      • Folge: Rachitis

Im Säuglingsalter

  • Indikation
    • Alle Säuglinge
      • Unabhängig von Sonnenexposition und Ernährung
      • Ab dem 6. Lebenstag [6]
      • Bis zum 2. erlebten Frühsommer, entsprechend 1 bis 1 ½ Jahren (je nach Geburtsmonat)
  • Durchführung
    • Vitamin D p.o. als Tabletten (auch in Kombination mit Fluorid) oder Tropfen
      • Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht <1.500g: Höhere Dosierung für die ersten Lebensmonate

Jenseits des 2. Lebensjahres

  • Ernährung: 1–2×/Woche Vitamin-D-haltigen Fisch konsumieren
    • Aktivitäten im Freien: Von April bis September an mind. 2 Tagen/Woche zwischen 10–15 Uhr für 5–30 Minuten je nach Hauttyp mit unbedecktem Kopf, Unterarmen und Beinen
  • Indikation zur Vitamin-D-Supplementierung
  • Empfohlene Grenzwerte für Vitamin D im Serum
    • Intoxikation: >100 ng/mL
    • Zielbereich: 20–100 ng/mL
    • Subnormal: 12–20 ng/mL
    • Mangel: <12 ng/mL

Karies- und Fluoridprophylaxe [7][8]

  • Definition
  • Allgemeine Möglichkeiten der Kariesprophylaxe
    • Zähne putzen
      • 2× tgl. Zähne mit Zahnpasta putzen, ggf. Zahnseide, Fissuren beim Zahnarzt versiegeln
    • Fluoridierung
      • Fluoridierte Zahnpasta
      • Fluoridtabletten
      • Fluorid-Lacke , -Gele
      • Fluoridiertes Speisesalz
      • Fluoridspüllösungen
    • Zahngesunde Ernährung
      • Zuckerkonsum reduzieren, gesüßte Getränke meiden
    • Speichelstimulation
      • Kauen von zuckerfreiem Kaugummi fördert die Schutzwirkung des Speichels

Empfehlungen zur Fluoridprophylaxe

Die Empfehlungen, ob Fluorid als fluoridierte Zahnpasta oder als Fluoridtabletten gegeben werden sollte, sind unter Kinder- und Zahnärzten divergent. Es werden hier daher beide Meinungen abgebildet .

Empfehlungen der Vertreter der Kinderärzte

  • Systemisches Fluorid
    • Täglich Fluoridtabletten p.o. im Säuglings- und Kleinkindalter, bis eine ausreichende Fluoridmenge über fluoridiertes Speisesalz und fluoridierte Zahnpasta erreicht ist (i.d.R. erst ab Schulalter)
    • Kombiniert mit Vitamin D (wie in den Empfehlungen der Vitamin-D-Prophylaxe bis zum 2. erlebten Frühsommer)
    • Dosierung für Kinder ohne weitere relevante Fluoridquellen
      • Bei einem Fluoridgehalt im Trinkwasser unter 0,3 mg/L
        • 0–2 Jahre: 0,25 mg/d
        • 2–4 Jahre: 0,5 mg/d
        • 4–6 Jahre: 0,75 mg/d
        • >6 Jahre: 1,0 mg/d
      • Bei einem Fluoridgehalt im Trinkwasser von 0,3– 0,7 mg/L [9]
        • 0–4 Jahre: kein Fluorid
        • 4–7 Jahre: 0,25 mg/d
        • 7 Jahre: 0,5 mg/d
      • Bei einem Fluoridgehalt im Trinkwasser über 0,7 mg/L ist keine Fluoridprophylaxe erforderlich
    • Beendigung der Gabe von Fluoridtabletten, wenn neben der Anwendung von fluoridierter Kinderzahnpasta regelmäßig eine relevante Menge an fluoridiertem Haushaltssalz verzehrt wird (meist nach dem 3. Lebensjahr)
  • Fluoridierte Zahnpasta
    • Erst ab ca. 4 Jahren empfohlen, da sie nicht zum Verzehr geeignet ist
    • Präparat: Erwachsenenzahnpasta mit 1.000–1.250 ppm Fluoridgehalt

Empfehlungen der Vertreter der Zahnärzte

  • Fluoridierte Zahnpasta
    • Ab Durchbruch der ersten Milchzähne (ca. 6. Lebensmonat) 1× täglich, ab dem 3. Lebensjahr 2× täglich fluoridhaltige Kinderzahnpasta (500 ppm Fluorid) verwenden
    • Ab Durchbruch der ersten bleibenden Zähne Erwachsenenzahnpasta (mind. 1.000 ppm Fluorid) verwenden
  • Systemisches Fluorid
    • Entfällt, sobald ausreichend fluoridiertes Speisesalz (mind. 1 g/d) aufgenommen und fluoridierte Zahnpasta regelmäßig verwendet wird

Kinderärzte empfehlen die tägliche orale Fluoridapplikation im Säuglings- und Kindesalter. Zahnärzte empfehlen fluoridierte Zahnpasta!

Iodprophylaxe [10][11][12][13]

  • Definition
    • Prophylaxe des Iodmangelstrumas
  • Bedarf
    • Erste 4 Lebensmonate: 40 μg Iod/d
    • 4.–12. Lebensmonat: 80 μg Iod/d
    • Jugendliche und Erwachsene: 200 μg Iod/d
    • Frauen in der Schwangerschaft und Stillzeit: 230–260 μg Iod/d
  • Durchführung: Anreicherung der Säuglingsnahrung/Beikost bzw. Muttermilch mit Iod
    • Empfehlung für schwangere und stillende Frauen: Zusätzlich zum iodierten Speisesalz 100–150 μg Iod/d in Tablettenform
    • Industriell hergestellte Säuglingsnahrung/Beikost: Ist mit Iod angereicht, die Anreicherungsmenge schwankt jedoch
    • Selbst hergestellte Beikost
      • Enthält meist zu wenig Iod
        • Nur Milch-Getreide-Brei enthält ausreichend Iod, wenn Vollmilch verwendet wird
    • Anschließend sollte der Iodbedarf durch iodiertes Speisesalz, Meeresfisch und Milch gedeckt sein
    • Bestrebungen zur Iodierung von Tierfutter: In der Lebensmittelindustrie wird häufig nicht iodiertes Salz verwendet, was zu einer geringeren Iodversorgung in Deutschland führt

Iodmangel kann im Säuglings- und Kindesalter zu Iodmangelstruma und durch Hormonmangel zu Wachstums-, Knochen- und Hirnentwicklungsstörungen führen!

Apparative Untersuchungen bei den Kindervorsorgeuntersuchungen

Neugeborenen-Hörscreening [14][15]

Fundusrotreflextest [16]

  • Definition
  • Durchführung
    • Abgedunkelter Raum
    • Untersuchender blickt von nah (10–50 cm) und ab der U5 zusätzlich von fern (3–4 m) durch das direkte Ophthalmoskop in die Augen des Kindes
    • Kind fixiert das Licht
    • Bei Neugeborenen werden die Augen getrennt voneinander beurteilt, ab der U4 werden beide Augen zeitgleich beurteilt (Brückner-Test)
  • Zeitpunkt
  • Interpretation
    • Normalbefund: Pupillen leuchten seitengleich rötlich
    • Pathologische Befunde: Bereits diskrete Seitenungleichheiten sprechen für eine Pathologie und sollten augenärztlich abgeklärt werden. Je nach Entfernung sind verschiedene Veränderungen erkennbar

Pulsoxymetrie-Screening [17]

  • Durchführung: Postduktal an einem Fuß
  • Zeitpunkt: 24.–48. Lebensstunde
  • Interpretation
    • ≥96%: Screening negativ, keine weitere Kontrolle
    • 90–95%: Kontrolle innerhalb von 2 Stunden
      • ≥96%: Screening negativ, keine weitere Kontrolle
      • <96%: Screening positiv, sofortige Vorstellung beim Facharzt (idealerweise Kinderkardiologie oder Neonatologie)
    • <90%: Screening positiv, sofortige Vorstellung beim Facharzt (idealerweise Kinderkardiologie oder Neonatologie)
  • Hintergrund
    • Prävalenz angeborener Herzfehler: 1,1%
    • Jeder 10. angeborene Herzfehler ist kritisch und kann potentiell zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen, was bei rechtzeitigem Erkennen vermeidbar ist
    • Pränatal wird ca. ⅓ der kritischen Herzfehler diagnostiziert; da Frühsymptome postnatal aber fehlen können, werden 20% der kritischen Herzfehler ohne Pulsoxymetrie-Screening zu spät erkannt
    • Goldstandard zur Diagnosestellung eines Herzfehlers ist die Echokardiographie
    • Seit 2017 ist das Pulsoxymetrie-Screening in der ersten Lebenswoche verpflichtend (G-BA-Beschluss)

U1

Zeitpunkt [1]

  • Direkt postnatal

Durchführung

  • Hebammen, Krankenpflegekräfte, Gynäkologen/Gynäkologinnen oder Pädiater/Pädiaterinnen
  • Bei Komplikationen oder Risiken : Kinderärztliche/neonatologische Mitbeurteilung
  • Möglichst kurz
    • Alle medizinischen Maßnahmen, die den Eltern-Kind-Kontakt unterbrechen, sollten auf ein gesundes Mindestmaß beschränkt werden, um das Bonden zu ermöglichen
    • Das Eltern-Kind-Bonding unmittelbar nach der Geburt erfolgt mit möglichst vielen Sinnen (Hören, Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken) und unmittelbarem Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Eltern und Kind. Dies sollte insb. während der ersten Lebensstunden ermöglicht werden. In diesem Zusammenhang ist bei Frühgeborenen auch die Rede vom Känguruen [18][19]

Anamnese

Erfassen der prä-, peri- und postnatalen Risikofaktoren

Orientierende klinische Untersuchung

Vorgehen bei Risiken oder Symptomen [6]

Aufklärung und Prophylaxen

U2

Zeitpunkt [1]

  • 3.–10. Lebenstag

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

  • Hautturgor/Hydratation
  • Ikterus
  • Nabelveränderungen
  • Reflexe
  • Kephalhämatom
  • Crepitatio capitis
  • Orofazialer Hypotonus
  • Augen: Fundusrotreflextest
  • Reaktion auf Geräusche
  • Femoralispulse
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Entwicklungs- und Interaktionsbeurteilung
      • Kind blickt Untersuchenden oder Bezugsperson an
      • Feinfühliger Umgang der Bezugsperson
      • Einfühlsame non- und verbale Reaktionen der Bezugsperson
      • Entwicklungsangemessene Erwartungen an das Kind

Physiologischer Gewichtsverlust von Neugeborenen [6]

  • Bis zum erfolgreichen Nahrungsaufbau und dem Milcheinschuss bei stillenden Müttern nehmen Neugeborene physiologischerweise nach Geburt an Gewicht ab
  • Als physiologische Gewichtsabnahme gilt dabei
    • <10% des Geburtsgewichts
    • Maximum meist am 3.–4. Lebenstag
    • Bis zum 5. Lebenstag sollte die Gewichtszunahme einsetzen
    • Bis zum 14. Lebenstag sollte das Geburtsgewicht wieder erreicht werden
  • Bei Überschreiten dieser Grenzen, Zeichen der Exsikkose oder Hypoglykämien: Zufüttern erwägen

Apparative Untersuchungen

Aufklärung und Prophylaxen

  • Stillen und Ernährung
  • Vitamin-K-Prophylaxe (2. Gabe)
  • Vitamin-D-Prophylaxe einführen
  • Über Fluoridprophylaxe und Iodprophylaxe aufklären
  • Anspruch auf Hebammenhilfe
  • Informationen zu regionalen Unterstützungsangeboten (z.B. Eltern-Kind-Hilfen, Frühe Hilfen)
  • SIDS-Prophylaxe
  • Anzeichen einer Neugeborenensepsis, Vorgehen bei Fieber
  • Impfberatung inkl. Elternimpfung
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Vorausschauende Beratung bzgl.
      • Schütteltrauma, Schreien und Schlafen
      • Gewaltfreier Erziehung
      • Unfallvermeidung
      • Lagerung und Bewegung
      • Seelische und körperlicher Gesundheit der Eltern, postpartaler Depression
      • Kinder- und jugendärztlicher Erreichbarkeit und Notfallversorgung

U3

Meist die erste Untersuchung in einer Praxis für Kinderheilkunde [1]

Zeitpunkt

  • 4.–5. Lebenswoche

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Ernährung (Stillen, Formulanahrung)
  • Schluckstörung, Stuhlfarbe
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (kindliche Schlafstörung, Schreiverhalten, elterliche Depression etc.)
    • Elterngesundheit

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

Apparative Untersuchungen

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Kopfhaltung
      • In schwebender Bauchlage mind. 3 Sekunden
      • In Rumpfebene und Rückenlage Kopfhaltung mind. 10 Sekunden in Mittelstellung
  • Feinmotorik
    • Händeöffnung: Spontan, insgesamt eher geschlossen
  • Perzeption und Kognition
    • Blickfolge: Folgt einem Gegenstand mit den Augen zu beiden Seiten (mind. 45°)
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Bekannte: Betrachtet aufmerksam nahe Gesichter von Bezugspersonen

Eltern-Kind-Interaktion

Die Beurteilung im ersten Lebensjahr (U3U6) fokussiert folgende kindliche Reaktionen

  • Stimmung und Affekt
    • Ausgeglichen/zufrieden in Gegenwart der primären Bezugsperson
  • Kontakt und Kommunikation
    • Reaktion (Lächeln, Kopfwenden oder Körperkontakt) auf nonverbale/verbale Ansprache durch Bezugsperson
  • Regulation und Stimulation
    • Kurzzeitige Beruhigung durch die primäre Bezugsperson (durch Wiegen, Singen oder Ansprache)
    • Angemessene Reaktion auf laute Geräusche, helles Licht und Berührung
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Feinfühliger Umgang der Bezugsperson
    • Einfühlsame nonverbale und verbale Reaktionen auf kindliche Signale
    • Entwicklungsangemessene Erwartungen an das Kind

Aufklärung und Prophylaxen

  • SIDS-Prophylaxe
  • Unfallverhütung
  • Umgang mit Schreibabys
  • Vitamin-D-Prophylaxe, Fluoridprophylaxe
  • Sucht
  • Stillen, Ernährung und Mundgesundheit
  • Informationen zu regionalen Unterstützungsangeboten (z.B. Eltern-Kind-Hilfen, Frühe Hilfen)
  • Impfberatung
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Vorausschauende Beratung bzgl.
      • Gewaltfreier Erziehung
      • Lagerung und Bewegung
      • Allergieprävention
      • Seelischer und körperlicher Gesundheit der Eltern, postpartaler Depression
      • UV-Schutz
      • Kinder- und jugendärztlicher Erreichbarkeit und Notfallversorgung

U4

Zeitpunkt [1]

  • 3.–4. Lebensmonat

Anamnese [1]

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Ernährung (Stillen, Formulanahrung)
  • Schluckstörungen und Obstipation
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Schlafen
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (Schlafstörung, Schreiverhalten, häusliche Gewalt etc.)
    • Elterngesundheit

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Extremitäten
      • Kräftiges alternierendes und beidseitiges Beugen und Strecken der Arme und Beine
    • Kopfhaltung
      • In Sitzhaltung mind. 30 Sekunden aufrecht
      • In Bauchlage mind. 1 Minute zwischen 40° und 90° angehoben
    • Bauchlage
      • Wird toleriert
      • Abstützen auf den Unterarmen
  • Feinmotorik
    • Hände: Werden spontan zur Körpermitte gebracht
  • Perzeption und Kognition
    • Fixiert ein sich bewegendes Gesicht und folgt diesem
    • Geräuschquellen: Versucht durch Kopfdrehung die Quelle eines bekannten Geräusches zu sehen
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Kontakt: Freut sich über Zuwendung, Blickkontakt kann gehalten werden
    • Lächeln: Reaktion auf Ansprache, erwidert Lächeln einer Bezugsperson („soziales Lächeln“)
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Beobachtet Fingerspiel

Eltern-Kind-Interaktion

Die Beurteilung im ersten Lebensjahr (U3U6) fokussiert folgende kindliche Reaktionen.

  • Stimmung und Affekt
    • Ausgeglichen/zufrieden in Gegenwart der primären Bezugsperson
    • Bei nonverbaler/verbaler Kommunikation durch die primäre Bezugsperson ausgeglichen, offen und zugewandt
  • Kontakt und Kommunikation
    • Reaktion (Lächeln, Kopfwenden oder Körperkontakt) auf nonverbale/verbale Ansprache durch Bezugsperson
    • Sendet deutliche Signale an primäre Bezugsperson und sucht Kontakt (mit Blick, Mimik, Gesten, Lauten)
    • Blickkontakt zur Bezugsperson in unbekannten Situationen
  • Regulation und Stimulation
    • Kurzzeitige Beruhigung durch primäre Bezugsperson (durch Wiegen, Singen oder Ansprache)
    • Angemessene Reaktion auf laute Geräusche, helles Licht und Berührung

Aufklärung und Prophylaxen

  • SIDS-Prophylaxe
  • Unfallverhütung
  • Umgang mit Schreibabys
  • Umgang mit Schlaf- und Essstörung
  • Vitamin-D-Prophylaxe, Fluoridprophylaxe
  • Sprachberatung
  • Stillen, Ernährung und Mundgesundheit
  • Informationen zu regionalen Unterstützungsangeboten (z.B. Eltern-Kind-Hilfen, Frühe Hilfen)
  • Impfberatung
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Vorausschauende Beratung bzgl.
      • Gewaltfreier Erziehung
      • Bewegungsbedürfnis
      • Schnuller
      • Körperpflege und Hygiene
      • Kinder- und jugendärztlicher Erreichbarkeit und Notfallversorgung

U5

Zeitpunkt [1]

  • 6.–7. Lebensmonat

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Ernährung (Stillen, Formulanahrung, Brei)
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Schlafen
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (Schlafstörung, Schreiverhalten, häusliche Gewalt etc.)
    • Elterngesundheit

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

  • Augen
    • Brückner-Test
    • Prüfung der Blickfolge mit einem geräuschlosen Objekt, das das Kind interessiert (z.B. Lichtquelle)

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Handstütz auf den Handflächen mit gestreckten Armen
    • Traktionsversuch : Kopf wird symmetrisch zur Wirbelsäule gehalten, beide Arme werden gebeugt
    • Federt mit beiden Beinen ab
  • Feinmotorik
    • Spielzeug: Wird zwischen den Händen transferiert
    • Greifen: Palmar, betont radial
  • Sprache
    • Silbenketten: Rhythmisch, z.B. mam-mam-mam, ga-ga-ga, de-de-de
  • Perzeption und Kognition
    • Erkunden: Oral und manuell, Gegenstände werden mit beiden Händen gehalten und mit dem Mund exploriert, aber noch wenig betrachtet
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Lachen: Stimmhaft
    • Bekannte: Verhält sich unterschiedlich, abhängig vom Vertrautheitsgrad
    • Andere Kinder: Freut sich beim Erscheinen anderer Kinder
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Grobmotorik
    • Sprache
      • Lautiert spontan, monologisch und abwechslungsreich ohne Lippenschluss
      • Baby-Dialog: Antwortet vokalisierend auf zugewandtes Ansprechen
    • Kognition
      • Gegenstände, die vor den Augen langsam bewegt werden, werden mit parallelen Augen verfolgt
    • Stimmung und Affekt
      • Gelegentliche Schreiattacken bis max. 20–30 Minuten unter Zuwendung
      • Ich-Entwicklung: Aufmerksamkeit für die Umgebung, verschafft sich in aufrechter Haltung Überblick
      • Selbstständigkeit: Interessiert sich für und kennt die Vorbereitungen zur Nahrungsaufnahme
      • Signalisiert Unwohlsein (Hunger, Langeweile, Müdigkeit, volle Windel)

Eltern-Kind-Interaktion

Die Beurteilung im ersten Lebensjahr (U3U6) fokussiert folgende kindliche Reaktionen.

  • Stimmung und Affekt
    • Ausgeglichen/zufrieden in Gegenwart der primären Bezugsperson
    • Bei nonverbaler/verbaler Kommunikation durch die primäre Bezugsperson ausgeglichen, offen und zugewandt
    • Wiedervereinigungssituation (kurzes Abwenden/Trennen): Erfreut und gelöst und sucht zur primären Bezugsperson Blickkontakt
  • Kontakt und Kommunikation
    • Reaktion (Lächeln, Kopfwenden oder Körperkontakt) auf nonverbale/verbale Ansprache durch Bezugsperson
    • Sendet deutliche Signale an primäre Bezugsperson und sucht Kontakt (mit Blick, Mimik, Gesten, Lauten)
    • Körper- und Blickkontakt zur Bezugsperson in unbekannten Situationen
  • Regulation und Stimulation
    • Kurzzeitige Beruhigung durch primäre Bezugsperson (durch Wiegen, Singen oder Ansprache)
    • Angemessene Reaktion auf laute Geräusche, helles Licht und Berührung
    • Geht auf Wechselspiel mit der primären Bezugsperson ein (z.B. Bauklötze, Fingerspiel)
    • Kann Gefühle meist regulieren und toleriert leichte Enttäuschungen

Aufklärung und Prophylaxen

  • SIDS-Prophylaxe
  • Stillen, Ernährung
  • Mundgesundheit und zahnschonende Ernährung, zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung
  • Unfallverhütung (Wohnung, Vergiftung, Bad, Auto, Lauflernhilfe)
  • Vitamin-D-Prophylaxe, Fluoridprophylaxe
  • Sucht
  • UV-Schutz
  • Sprachberatung
  • Informationen zu regionalen Unterstützungsangeboten (z.B. Eltern-Kind-Hilfen, Frühe Hilfen)
  • Impfberatung
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Vorausschauende Beratung bzgl.
      • Schnuller
      • Körperpflege und Hygiene
      • Medien (TV nicht als Babysitter)
      • Gewaltfreie Erziehung

U6

Zeitpunkt [1]

  • 10.–12. Lebensmonat

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Schnarchen
  • Zusätzlich empfhielt der BVKJ [22]
    • Schlafen
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (Schlafstörung, Schreiverhalten, häusliche Gewalt etc.)
    • Elterngesundheit

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

  • Mundhöhle, Kiefer und Nase
    • Auffälligkeiten der Zähne und Mundschleimhaut
    • Fehlender Mundschluss, behinderte Nasenatmung
    • Auffälliger Stimmklang (Heiserkeit, Näseln)
  • Augen
    • Brückner-Test
    • Prüfung der Blickfolge mit einem geräuschlosen Objekt, das das Kind interessiert (z.B. Lichtquelle)

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Freies Sitzen: Mit Gleichgewichtskontrolle und geradem Rücken
    • Hochziehen: In den Stand, bleibt einige Sekunden stehen
    • Drehen: Dreht sich flüssig von Rücken- in Bauchlage und umgekehrt
  • Feinmotorik
    • Pinzettengriff: Greift zwischen Daumen und gestrecktem Zeigefinger kleine Gegenstände
    • Klopfen: Klopft zwei Würfel aneinander
  • Sprache
    • Silbenketten: Spontane längere Silbenketten
    • Doppellaute: Deutliche Doppelsilben (z.B. ba-ba, da-da)
    • Nachahmung: Ahmt Laute nach
  • Perzeption und Kognition
    • Aufforderung befolgen: Gibt der Bezugsperson nach Aufforderung einen Gegenstand
    • Gezielter Blick: Verfolgt den Zeigefinger in die gezeigte Richtung
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Trinken: Trinkt alleine aus der Flasche, aus Tasse/Becher mit Hilfe
    • Bekannte: Unterscheidet zwischen fremden und bekannten Personen
    • Andere Kinder: Freut sich über andere Kinder
  • Zusätzlich empfhielt der BVKJ [22]
    • Grobmotorik
      • Einige Schritte mit Festhalten
    • Feinmotorik
      • Stetiges Ausprobieren neu zu erwerbender motorischer Fähigkeiten
    • Sprache
      • „Mama“ oder „Papa“ werden korrekt angewendet
    • Kognition
      • Gesten- und Mimiknachahmung (z.B. Winken)
      • Spielzeug: Mit Tuch verdeckt, wird durch Wegziehen des Tuches gefunden
    • Soziale und emotionale Kompetenz
      • Nimmt selbstständig Kontakt zu Bindungspersonen auf
      • Triangulierung: Macht mit dem Zeigefinger oder Blicken auf Gegenstände des geneinsamen Interesses (Spielzeug, Tiere o.ä.) aufmerksam
      • Freut sich über Zuwendung (Blickkontakt, Kuscheln)
    • Ich-Entwicklung
      • Betrachtet interessiert sein Spiegelbild, ohne sich zu erkennen
      • Bewusstsein über Beeinflussbarkeit der Bindungsperson: Drückt mit Charme oder Widerstand Wünsche aus und versucht, sich durchzusetzen

Eltern-Kind-Interaktion

Die Beurteilung im ersten Lebensjahr (U3U6) fokussiert folgende kindliche Reaktionen.

  • Stimmung und Affekt
    • Ausgeglichen/zufrieden in Gegenwart der primären Bezugsperson
    • Bei nonverbaler/verbaler Kommunikation durch die primäre Bezugsperson ausgeglichen, offen und zugewandt
    • Wiedervereinigungssituation (kurzes Abwenden/Trennen): Erfreut und gelöst und sucht zur primären Bezugsperson Blickkontakt
  • Kontakt und Kommunikation
    • Reaktion (Lächeln, Kopfwenden oder Körperkontakt) auf nonverbale/verbale Ansprache durch Bezugsperson
    • Sendet deutliche Signale an primäre Bezugsperson und sucht Kontakt (mit Blick, Mimik, Gesten, Lauten)
    • Körper- und Blickkontakt zur Bezugsperson in unbekannten Situationen
  • Regulation und Stimulation
    • Kurzzeitige Beruhigung durch primäre Bezugsperson (durch Wiegen, Singen oder Ansprache)
    • Angemessene Reaktion auf laute Geräusche, helles Licht und Berührung
    • Geht auf Wechselspiel mit der primären Bezugsperson ein (z.B. Bauklötze, Fingerspiel)
    • Kann Gefühle meist regulieren und toleriert leichte Enttäuschungen
    • Toleriert kurze Trennungen von der Bezugsperson (neu zu U5)

Aufklärung und Prophylaxen

  • Unfallverhütung (Erkunden der Wohnung, größerer Bewegungsradius, Gehilfen)
  • Sprachberatung
  • Ernährung
  • Vitamin-D- und Fluoridprophylaxe
  • Sucht
  • Mundhygiene und zahnschonende Ernährung
  • Verweis zur zahnärztlichen Vorsorge
  • Informationen zu regionalen Unterstützungsangeboten (z.B. Eltern-Kind-Hilfen, Frühe Hilfen)
  • Impfberatung
  • Zusätzlich empfhielt der BVKJ [22]
    • Vorausschauende Beratung bzgl.
      • Körperpflege, Hygiene
      • Rauchfreie Umgebung
      • Medien
      • Dialogisches Vorlesen
      • UV-Schutz
      • Sauberkeitsentwicklung
      • Gewaltfreie Erziehung

U7

Zeitpunkt [1]

  • 21.–24. Lebensmonat (2. Geburtstag)

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Hörvermögen, Kopf- und Blickwendung zur Schallquelle
  • Sprachentwicklung
  • Regelmäßiges Schnarchen
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Schlafen
    • Sauberkeitsentwicklung
    • Impfreaktionen
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (Schlafstörung, Trotzen, häusliche Gewalt etc.)
    • Elterngesundheit

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Gehen: Frei und sicher
    • Treppenlaufen: 3 Schritte runter im Kinderschritt , hält sich mit einer Hand fest
  • Feinmotorik
    • Malen: Malt flache Spirale
    • Auspacken: Kann kleine Gegenstände (z.B. Bonbon) auswickeln
  • Sprache
    • Einwortsprache: Mind. 10 „richtige“ Worte neben „Mama“ und „Papa“
    • Aufforderungen: Einfache Aufforderungen werden verstanden und befolgt
    • Nein: Signalisiert Nein/Ablehnung nonverbal/verbal (Kopfschütteln oder Nein-Sagen)
    • Körperteile: Erkennt 3 benannte Körperteile (Zeigen oder Blicken)
  • Perzeption und Kognition
    • Stapeln: Stapelt 3 Würfel
    • Zeigen: Zeigt bekannte Gegenstände auf Abbildungen/Bilderbuch
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Andere Kinder: Interessiert sich für andere Kinder
    • Essen: Isst selbstständig mit dem Löffel
    • Alleine: Bleibt/spielt ca. 15 Minuten alleine, wenn die Bezugsperson nicht im Zimmer, aber in der Nähe ist
  • Interaktion und Kommunikation
    • Aufforderung ausdrücken: Versucht Bezugsperson wohin zu ziehen
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Grobmotorik
      • Gegenstände können ohne Gleichgewichtsverlust vom Boden aufgehoben werden
      • Rennen
      • Hindernisse werden umgangen
    • Feinmotorik
      • Malen mit Faust- oder Pinselgriff (erste drei Finger)
    • Sprache
      • Mind. 20 Worte außer „Mama“/„Papa“ (zum Vergleich fordert der G-BA nur 10 Worte)
      • Zweiwortsätze: Bspw. „Papa komm“ gut verständlich verbalisiert
    • Perzeption und Kognition
      • Konzentriertes Ein-/Ausräumen von Behältern über ca. 10 Minuten, genaues Betrachten
    • Soziale und emotionale Kompetenz
      • Sucht aktiv Austausch mit anderen Kindern
    • Interaktion
      • Beruhigt sich bei alltäglichen Ärgernissen in 3–5 Minuten
      • Bezugsperson ist Orientierung und Rückzugsort
      • Versteht Aktionen/Gesten und gestikuliert angemessen zurück
    • Ich-Entwicklung
      • Erkennt sein Spiegelbild
      • Probiert vieles selbst aus und lehnt dazu Hilfe manchmal ab
      • Erreichbare Schalter werden wiederholt betätigt

Aufklärung und Prophylaxen

  • Zahnpflege
  • Unfallverhütung (Klettern, Ertrinken, Vergiftung)
  • Sprachberatung
  • Bewegung
  • Ernährung
  • Verweis zur zahnärztlichen Vorsorge
  • Impfberatung
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Vorausschauende Beratung bzgl.
      • Erziehungsstil, gewaltfreie Erziehung
      • Schnuller
      • Körperpflege, Hygiene, Sauberkeitsentwicklung (auf Signale für Miktion/Defäkation achten)
      • Rauchfreie Umgebung
      • Medien
      • Dialogisches Vorlesen
      • UV-Schutz

U7a

Zeitpunkt [1]

  • 34.–36. Lebensmonat

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Schnarchen
  • Sprachvermögen, Stottern
  • Hörvermögen
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Schlafen
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (Schlafstörung, Trotzen, häusliche Gewalt etc.)
    • Elterngesundheit
    • Kinderkontakte
    • Sauberkeitsentwicklung
    • Spezielle Förderung

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

  • Augen
    • Hornhautreflexbildchen und Stereo-Test (z.B. Lang-Test, Titmus-Test, TNO-Test), Strabismus
    • Nonverbaler Formenwiedererkennungstest (z.B. Lea-Hyvärinen-Test, Sheridan-Gardiner-Test, H-Test nach Hohmann/Haase mittels Einzeloptotypen in 3 m Abstand) und monokulare Prüfung (z.B. mit Okklusionspflaster)
    • Sehschwäche, Rechts-links-Differenz
  • Keine Kopfumfangsmessung mehr

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Hüpfen: Hüpft sicher und beidseitig von der untersten Treppenstufe
    • Treppenlaufen: Nimmt 2 Stufen im Erwachsenenschritt mit Festhalten
  • Feinmotorik
    • Greifen: Drei-Finger-Spitzengriff (Daumen, Zeige-, Mittelfinger) für kleinste Objekte
  • Sprache
    • Dreiwortsätze
    • Ich-Form: Wird verwendet
    • Rufnamen: Kennt/sagt seinen Rufnamen
  • Perzeption und Kognition
    • Spiel: Konzentriert sich beim Zuhören und Spielen, Als-ob-Spiele
    • Knöpfe: Öffnet große Knöpfe
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Fremdbetreuung: Möglich (durch vertraute Person über mehrere Stunden)
    • Haushalt: Beteiligung/Mithilfe
  • Interaktion und Kommunikation
    • Spiel: Mit Gleichaltrigen, auch Rollenspiele
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Grobmotorik
      • Rennt mit Armschwung
      • Hindernisse werden umrannt, kann plötzlich Anhalten
    • Feinmotorik
      • Blättert Buchseiten einzeln um
      • 3–5-Wortsätze (Zum Vergleich, der G-BA fordert 3-Wortsätze) mit Nomen, Hilfsverben, Präposition, Adjektiv, überwiegend fehlerfreie Aussprache
    • Kognition
      • Malt und kritzelt und kommentiert, was es malt (wenn auch nicht erkennbar)
      • Konzentriertes Spiel für mind. 30 Minuten
      • Spiel mit Gleichaltrigen für mind. 10–20 Minuten inkl. verbaler Kommunikation
      • Zeigt Freude und Ärger
    • Ich-Entwicklung
      • Erkennt sich auf Fotos
      • Isst mit Löffel und Gabel

Aufklärung und Prophylaxen

  • Unfallverhütung (Verkehr, Verbrennungen, Ertrinken, Vergiftungen)
  • Sprachberatung
  • Bewegung
  • Ernährung
  • Medienkonsum
  • Verweis zur zahnärztlichen Vorsorge ab 30 Monate
  • Impfberatung
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Erziehungsstil, gewaltfreie Erziehung
    • Schnuller
    • Körperpflege, Hygiene
    • Rauchfreie Umgebung
    • UV-Schutz

U8

Zeitpunkt [1]

  • 46.–48. Lebensmonat

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Schnarchen, Sprachvermögen, Stottern
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Schlafen
    • Sauberkeitsentwicklung
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (Trotzen, häusliche Gewalt etc.)
    • Elterngesundheit
    • Kinderkontakte
    • Spezielle Förderung

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

  • Anzeichen für Rachitis
  • Urinstatus mit Urinteststreifen
  • Kieferanomalien
  • Hörtest: Tonschwellenaudiometrie
  • Augen
    • Nonverbaler Formenwiedererkennungstest (z.B. Lea-Hyvärinen-Test, Sheridan-Gardiner-Test, H-Test nach Hohmann/Haase mittels Einzeloptotypen in 3 m Abstand und mononukleare Prüfung (z.B. mit Okklusionspflaster)
    • Hornhautreflexbildchen und Stereo-Test (z.B. Lang-Test, Titmus-Test, TNO-Test), Strabismus
    • Sehschwäche, Rechts-links-Differenz

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Laufrad: Fährt sicher Laufrad oder Vergleichbares
    • Hüpfen: Hüpft über ein 20–50 cm breites Blatt
  • Feinmotorik
    • Stifthaltung: Zwischen den ersten 3 Fingern
    • Malen: Geschlossene Kreise
  • Sprache
    • 6-Wortsätze: In Kindersprache
    • Geschichten: Werden ungefähr in zeitlicher und logischer Reihenfolge aufgebaut
  • Perzeption und Kognition
    • Fragewörter: Wieso, woher, warum, wie, wo
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • An-/Ausziehen: Selbstständig
    • Eingießen: Kann Flüssigkeiten eingießen
    • Emotionen: Können meist selbst reguliert werden, toleriert leichte Enttäuschungen, Ängste, Stress und Freude
  • Interaktion und Kommunikation
    • Spiel: Mit Gleichaltrigen, Rollenspiele, hält sich an Regeln
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Grobmotorik
      • Tritt Pedale, lenkt gleichzeitig und umfährt Hindernisse
      • Treppe laufen im Wechselschritt ohne Festhalten
    • Feinmotorik
      • Malt Kopffüßler oder Männchen, Objekte wie Haus, Baum, Auto, Blume
    • Sprache
      • Größenunterschiede werden benannt (z.B. kleiner und großer Bauklotz)
    • Emotion
      • Keine anhaltende Hyperaktivität, kein auffälliges Trotzen/Verweigern, kann bei Bekannten übernachten
    • Ich-Entwicklung
      • Kennt sein Geschlecht
      • Verwendet Ich-Form
      • Sichere Blasen- und Darmkontrolle tagsüber

Aufklärung und Prophylaxen

  • Unfallverhütung (Verkehr, Haushalt, Tiere)
  • Sprachberatung
  • Bewegung
  • Ernährung
  • Medienkonsum
  • Verweis zur zahnärztlichen Vorsorge
  • Impfberatung
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Erziehungsstil, gewaltfreie Erziehung
    • Schnuller
    • Rauchfreie Umgebung
    • UV-Schutz

U9

Zeitpunkt [1]

  • 60.–64. Lebensmonat

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Hör- und Sprachentwicklung, Stottern
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Sauberkeitsentwicklung
    • Allergien
    • Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung (Trotzen, häusliche Gewalt etc.)
    • Elterngesundheit
    • Familiensituation (getrennt, Patchwork)
    • Kinderkontakte
    • Spezielle Förderung

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

  • Augen
    • Hornhautreflexbildchen und Stereo-Test (z.B. Lang-Test, Titmus-Test, TNO-Test), Strabismus
    • Nonverbaler Formenwiedererkennungstest (z.B. Lea-Hyvärinen-Test, Sheridan-Gardiner-Test, H-Test nach Hohmann/Haase, E-Haken, Landolt-Ringe mittels Einzeloptotypen in 3 m Abstand) und monokulare Prüfung (z.B. mit Okklusionspflaster)
    • Sehschwäche, Rechts-links-Differenz

Entwicklungsbeurteilung

  • Grobmotorik
    • Einbeinhüpfen: Auf jeder Seite und kurzer Einbeinstand
    • Ball: Ein größerer Ball kann aufgefangen werden
    • Treppen: Auf und ab im Erwachsenenschritt ohne Festhalten
  • Feinmotorik
    • Nachmalen: Kreis, Dreieck, Quadrat
    • Stifthaltung: Wie Erwachsene
    • Schere: Schneidet mit Kinderschere eine gerade Linie entlang
  • Sprache
    • Fehlerfreie Sprache: Vereinzelte Laute können noch fehlerhaft sein
    • Erzählungen: Sind zeitlich und logisch korrekt, in einfachen Sätzen
  • Perzeption und Kognition
    • Farben: Mind. 3 Farben werden erkannt und benannt
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Spiel: Wechselt sich mit anderen Kindern gut ab
    • Teilen: Ist bereit zu teilen
    • Emotionen: Können meist selbst reguliert werden, toleriert leichte Enttäuschungen
  • Interaktion und Kommunikation
    • Andere Kinder: Lädt selbst andere Kinder ein und wird eingeladen
    • Rollenspiele: Verkleiden, Verwandlung in Tiere/Vorbilder auch mit anderen Kindern
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Sprache und Kognition
      • Einzelne Buchstaben, Zahlen oder Namen werden in Großbuchstaben geschrieben (ggf. seitenverkehrt)
      • Korrekte Grammatik (mit einfachen Sätzen)
      • Kennt und benennt Oberbegriffe (Fahrzeuge, Jahreszeiten, Tiere, Pflanze, Nahrungsmittel)
      • Alle Grundfarben inkl. schwarz und weiß werden erkannt/benannt (zum Vergleich fordert der G-BA nur 3 Farben)
    • Interaktion und Emotion
      • Sucht noch engen Körperkontakt zur Bezugsperson bei Kummer, Müdigkeit, Stress o.ä.
      • Kann über unerfreuliche/beschämende Ereignisse berichten
    • Ich-Entwicklung
      • Kennt und identifiziert sich mit seinem Geschlecht
      • Selbstbewusstsein: Telefoniert gerne, erzählt gerne von sich, verteidigt seine Meinung
      • Selbstständigkeit: Vollständige Blasen- und Darmkontrolle, selbstständiger Toilettengang, sicherer Umgang mit Besteck, bereitet sich Brote o.ä. selbst zu

Aufklärung und Prophylaxen

  • Unfallverhütung (Verkehr, Sport, Haushalt, Ertrinken)
  • Sprachberatung
  • Bewegung und Adipositas
  • Ernährung
  • Medienkonsum
  • Sucht
  • Verweis zur zahnärztlichen Vorsorge
  • Kariesprophylaxe mit Fluorid überprüfen
  • Impfberatung
  • Zusätzlich empfiehlt der BVKJ [22]
    • Vorausschauende Beratung bzgl.
      • Erziehungsstil, gewaltfreie Erziehung
      • Körperpflege, Hygiene
      • Rauchfreie Umgebung
      • UV-Schutz

Mit der U9 endet das gelbe Untersuchungsheft. Die nächste verpflichtende Kindervorsorgeuntersuchung ist die J1. Zwischen der U9 und der J1 bieten manche Krankenkassen die U10 (7–8 Jahre) und U11 (9–10 Jahre) an. Außerdem wird auch eine J2 (16–17 Jahre) angeboten.

Schuleingangsuntersuchung

  • Schulärztliche Aufgabe des Gesundheitsamtes, landesspezifisch geregelt [23]
  • Jedes Kind wird vor Einschulung (meist zwischen 5 und 6 Jahren) auf Schulbereitschaft und -fähigkeit untersucht
  • In manchen Bundesländern ist in Absprache mit dem Gesundheitsamt und der Schule eine frühere Einschulung oder Rückstellung möglich
  • Das Gelbe Untersuchungsheft und der Impfausweis werden gesichtet

Untersuchungsinhalt

  • Elternfragebogen
  • Körpermaße und körperliche Untersuchung (bzw. Überprüfung der U9 im Gelben Untersuchungsheft)
  • Sehtest
  • Hörtest: Tonschwellenaudiometrie
  • Impfberatung
  • Motorik-, Koordinations- und Bewegungstest
  • Gesundheitsvorgeschichte, chronische Erkrankungen, Entwicklungsauffälligkeiten
  • Ggf. Empfehlung von Fördermaßnahmen oder weitere Abklärung

Voraussetzungen für die Schulreife

  • Körperliche Belastbarkeit
  • Grob- und Feinmotorik
  • Sprache
  • Hör- und Sehfähigkeit
  • Konzentrationsfähigkeit und Wahrnehmung, logisch-analytisches Denken, Gedächtnis
  • Soziale und emotionale Reife (kontaktfreudig, Bereitschaft, sich in Gruppen einzufügen, Trennung von Bezugspersonen, kann kleinere Rückschläge verkraften)
  • Allgemein altersgerechte Entwicklung
  • Interesse an Lernen und Schule

U10

Keine verpflichtende Vorsorgeuntersuchung des G-BA. Der BVKJ (Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte) hat ein Versorgungskonzept mit ergänzenden Untersuchungen zu denen des G-BA erstellt. Für die U10, U11 und J2 gibt es Selektivverträge mit einigen Krankenkassen. [24][22]

Zeitpunkt

  • 7.–8. Lebensjahr

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Ernährung
  • Bewegung
  • Allergien
  • Schlafstörungen
  • Harn-/Stuhlverhalt, Obstipation
  • Außerfamiliäre Betreuung
  • Kinderkontakte
  • Freizeitgestaltung
  • Risikofaktoren für Misshandlung/häusliche Gewalt
  • Familiensituation
  • Spezielle Förderung

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

Entwicklungsbeurteilung

  • Perzeption und Kognition
    • Hinweis auf Lern- oder Rechenstörung, Lese-Rechtschreib-Schwäche (LSR)
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Ängste, Depression
    • Schule: Geht gerne zur Schule, Schüler-Lehrer-Beziehung, Schulweg, Mobbing
    • Abgrenzung: Kann sich wehren und vor Gewalt schützen
    • Beziehung: Zu Eltern ist unproblematisch, hat Freunde, keine Rückzugstendenz
  • Interaktion und Kommunikation
    • Konzentration und Aufmerksamkeit
    • Impulsivität und oppositionelles Verhalten

Aufklärung und Prophylaxen

  • Gesunde Ernährung
  • Unfallprävention (Verkehr, Sport)
  • Erziehungsstil
  • Karies
  • Rauchfreie Umgebung
  • Medienkonsum
  • Gewaltprävention
  • UV-Schutz
  • Impfberatung

U11

Keine verpflichtende Vorsorgeuntersuchung des G-BA. Der BVKJ (Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte) hat ein Versorgungskonzept mit ergänzenden Untersuchungen zu denen des G-BA erstellt. Für die U10, U11 und J2 gibt es Selektivverträge mit einigen Krankenkassen. [24][22]

Zeitpunkt

  • 9.–10. Lebensjahr

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

  • Psychische Entwicklung
  • Akzeptanz des eigenen Körpers, ist über bevorstehende Pubertät aufgeklärt
  • Ernährung
  • Bewegung
  • Allergien
  • Schlafstörungen
  • Harn-/Stuhlverhalt, Obstipation
  • Außerfamiliäre Betreuung
  • Kinderkontakte
  • Risikofaktoren für Misshandlung/häusliche Gewalt
  • Familiensituation
  • Spezielle Förderung

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

Entwicklungsbeurteilung

  • Perzeption und Kognition
    • Hinweis auf Lern- oder Rechenstörung, Lese-Rechtschreib-Schwäche (LSR)
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Ängste, Depression
    • Schule: Geht gerne zur Schule, Schüler-Lehrer-Beziehung, Schulweg, Mobbing
    • Abgrenzung: Kann sich wehren und vor Gewalt schützen
    • Beziehung: Zu Eltern ist unproblematisch, hat Freunde, keine Rückzugstendenz
  • Interaktion und Kommunikation
    • Konzentration und Aufmerksamkeit
    • Impulsivität und oppositionelles Verhalten

Aufklärung und Prophylaxen

  • Gesunde Ernährung
  • Unfallprävention (Verkehr, Sport)
  • Erziehungsstil
  • Karies
  • Rauchfreie Umgebung
  • Sucht
  • Medienkonsum
  • Gewaltprävention
  • UV-Schutz
  • Impfberatung

J1

Die J1 und J2 werden auch Jugendgesundheitsuntersuchung genannt. [25][24][22]

Zeitpunkt

  • 14. Lebensjahr

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

Entwicklungsbeurteilung

  • Perzeption und Kognition
    • Schulleistungen
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Ängste, Depression
    • Soziales und Autonomie: Geht gerne zur Schule, Mobbing, kann sich wehren, Schulweg
    • Medienkonsum
    • Beziehung zu Eltern unproblematisch, hat Freunde, keine Rückzugstendenz
  • Interaktion und Kommunikation
    • Oppositionelles Verhalten

Aufklärung und Prophylaxen

  • Iodzufuhr (Iodsalz mit/ohne Fluorid und Folsäure)
  • Ernährung
  • Bewegung und Adipositas
  • Unfallverhütung (Verkehr, Sport)
  • Erziehungsstil
  • Kariesprophylaxe
  • Rauchfreie Umgebung
  • Medienkonsum
  • Sucht
  • Gewaltprävention
  • UV-Schutz
  • Sexualität, Kontrazeption, Infektionsschutz
  • Impfberatung

J2

Keine verpflichtende Vorsorgeuntersuchung des G-BA. Der BVKJ (Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte) hat ein Versorgungskonzept mit ergänzenden Untersuchungen zu denen des G-BA erstellt. Für die U10, U11 und J2 gibt es Selektivverträge mit einigen Krankenkassen. [24][22]

Die J1 und J2 werden auch Jugendgesundheitsuntersuchung genannt.

Zeitpunkt

  • 16.–17. Lebensjahr

Anamnese

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine Anamnese, außerdem

Körperliche Untersuchung

Siehe: Kindervorsorgeuntersuchungen - Allgemeine körperliche Untersuchung, außerdem

Entwicklungsbeurteilung

  • Perzeption und Kognition
    • Schulleistungen/Ausbildungsweg
  • Soziale und emotionale Kompetenz
    • Oppositionelles oder aggressives Verhalten
    • Ängste, Depression, psychische Stabilität
    • Soziales und Autonomie: Geht gerne zur Schule/Ausbildung/Arbeit, Beziehung zu Lehrern/Ausbildern/Arbeitgeber/Kollegen, Mobbing, kann sich wehren, keine Probleme auf dem Schulweg
    • Medienkonsum
    • Beziehung zu Eltern unproblematisch, hat Freunde, keine Rückzugstendenz

Aufklärung und Prophylaxen

  • Ernährung
  • Bewegung und Adipositas
  • Unfallverhütung (Verkehr, Sport)
  • Erziehungsstil
  • Kariesprophylaxe
  • Rauchfreie Umgebung
  • Medienkonsum
  • Sucht
  • Gewaltprävention
  • UV-Schutz
  • Sexualität, Kontrazeption, Infektionsschutz
  • Impfberatung
  • Transition: Überleitung in die Erwachsenenmedizin, Hinweis auf Eigenverantwortung