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Herpesvirus-Infektionen

Letzte Aktualisierung: 4.1.2023

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Humane Herpesviren (HHV) gehören zu den DNA-Viren, die charakteristischerweise die Fähigkeit haben, nach einer Erstinfektion lebenslang im menschlichen Organismus zu verbleiben. Die meisten Herpesviren sind für bestimmte Krankheitsbilder verantwortlich und unter einem eigenen Namen bekannt (z.B. Varizella-Zoster-Virus: Windpocken und Herpes zoster; Epstein-Barr-Virus: infektiöse Mononukleose). Die Herpes-simplex-Viren (HSV-1, HSV-2) befallen vor allem die Schleimhäute. HSV-1 verursacht insbesondere die Krankheitsbilder Herpes labialis und Stomatitis aphthosa, HSV-2 den Genitalherpes. Ein Hautbefall mit Herpes-simplex-Viren kann lokalisiert (z.B. Herpes digitalis) oder flächig (Eczema herpeticatum) auftreten. Gefürchtet ist die Herpes-simplex-Enzephalitis mit hoher Letalität. Therapiert wird symptomatisch und mit verschiedenen Virostatika.

  • Alphaherpesviren: Neurotrop und schnell replizierend
  • Betaherpesviren: Lymphotrop mit langsamer Replikation
  • Gammaherpesviren: Lymphotrop mit onkogenem Potenzial
HHV -Subtyp Besonderheiten Erkrankungen
HHV-1

Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1)

HHV-2 Herpes-simplex-Virus 2 (HSV-2)
HHV-3 Varizella-Zoster-Virus (VZV)
HHV-4 Epstein-Barr-Virus (EBV)
  • Gammaherpesviren
  • Onkogenes Potenzial: Kann Wirtszellen immortalisieren und transformieren
  • Keine spezifische Therapie möglich
HHV-5 Zytomegalievirus (CMV)
HHV-6
  • Betaherpesviren
  • Sehr hohe und frühe Durchseuchung
  • Keine spezifische Therapie möglich
HHV-7
HHV-8 Kaposi-Sarkom-Virus (KSHV)

Erreger

Epidemiologie

Ätiologie [1]

Herpes labialis ist eine häufige Sekundärmanifestation einer HSV-1-Infektion (bei Reaktivierung).

Klinik

  • Bei Erstinfektion häufig klinisch inapparente Verläufe
  • Rezidivierende schmerzende Bläschen an Mund- und Lippenschleimhaut

Insb. bei immungeschwächten Menschen können HSV-Primär-, aber auch HSV-Sekundärmanifestationen schwer und ggf. disseminiert verlaufen!

Diagnostik

Therapie des Herpes labialis [2]

Therapie des Herpes labialis bei Kindern [1]

Erreger

Epidemiologie

Ätiologie

Schwerwiegende Manifestation (häufig Erstinfektion) einer Infektion mit Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1)

  • Übertragungsweg: Direkter oder indirekter Kontakt zu infektiösem Sekret
  • Infektiosität
    • Bei Primärinfektion: ca. 1–3 Wochen
    • Bei Sekundärmanifestation: I.d.R. einige Tage
  • Pathogenese: Erstmanifestation (hier: Gingivostomatitis) → Verbleiben des Virus in regionalen Ganglien → Symptomatische Reaktivierung (i.d.R. in Form von Lippenherpes) bei passagerer Immuninsuffizienz (z.B. durch Infektion, Stress, vermehrte Sonneneinstrahlung)

Klinik

  • Inkubationszeit: Etwa 3–6 Tage (Spanne 2–12 Tage, bei Neugeborenen bis zu 6 Wochen)
  • Sehr schmerzhafte Bläschen und Erosionen der gesamten Mundschleimhaut und Gingiva (betont im vorderen Mundbereich)
  • Ggf. Beteiligung der Lippen und des perioralen Bereiches
  • Zervikale Lymphknotenschwellung
  • Stark reduziertes Allgemeinbefinden mit hohem Fieber
  • Häufig Nahrungs- und Trinkverweigerung infolge der Schmerzen

Insb. bei immungeschwächten Menschen können HSV-Primär-, aber auch HSV-Sekundärmanifestationen schwer und ggf. disseminiert verlaufen!

Diagnostik

Therapie der Stomatitis aphthosa[2]

Therapie der Stomatitis aphthosa bei Kindern[1]

Erreger

Epidemiologie

  • Vor allem sexuell aktive Erwachsene
    • Durchseuchung mit HSV-1 nahezu 100% und/oder mit HSV-2 ca. 20–60%

Bei Auftreten im Kindesalter muss immer an sexuellen Missbrauch gedacht werden!

Ätiologie [1]

Primär- oder Sekundärmanifestation einer HSV-Infektion

  • Übertragungsweg: Fast ausschließlich über Geschlechtsverkehr (direkter Kontakt zu infektiösem Sekret), theoretisch auch indirekter Kontakt möglich
  • Infektiosität
    • Bei Primärinfektion: ca. 1–3 Wochen
    • Bei Sekundärmanifestation: I.d.R. einige Tage
  • Pathogenese: Asymptomatische Erstinfektion oder symptomatische genitale Infektion → Verbleiben des Virus in regionalen Ganglien → Symptomatische Reaktivierung bei passagerer Immuninsuffizienz (z.B. Infektion, Stress, vermehrte Sonneneinstrahlung)

Klinik

  • Primärinfektion
    • Inkubationszeit: Etwa 3–6 Tage (Spanne 2–12 Tage, bei Neugeborenen bis zu 6 Wochen)
    • Rötung und Schwellung der Genitalien, Spannungsgefühl, Juckreiz und Brennen, ggf. glasiger Ausfluss
    • Schmerzhafte Lymphadenopathie in der Leiste
    • Nach einigen Tagen: Auftreten von disseminierten, erodierenden Bläschen im Genitalbereich, die später schmerzhaft oberflächlich ulzerieren
  • Reaktivierung
    • Wiederauftreten bei Stress bzw. passagerer Immunsuppression: Disseminierte, erodierende Bläschen (s.o.)

Insb. bei immungeschwächten Menschen können HSV-Primär-, aber auch HSV-Sekundärmanifestationen schwer und ggf. disseminiert verlaufen!

Diagnostik

Therapie des Herpes genitalis

Allgemeine Maßnahmen

  • Beratung
    • Übertragungswege und Hygienemaßnahmen
    • Bis zur Abheilung sollte auf sexuelle Kontakte verzichtet werden
    • Verwendung von Kondomen ist sinnvoll, bietet aber keinen garantierten Schutz
    • Benachrichtigung und Untersuchung des Sexualpartners
    • Besondere Vorsicht in der Schwangerschaft (s.u.)
    • Diaplazentare Infektionen sind selten, aber schwerwiegend
  • Indikationen zur stationären Therapie: I.d.R. ambulantes Prozedere ausreichend, stationäre Aufnahme bei
    • Notwendigkeit einer i.v. Therapie
    • Notwendigkeit einer Dauerkatheteranlage
    • Mitbeteiligung des ZNS

Medikamentöse Therapie

Antivirale Therapie des Herpes genitalis bei Erwachsenen

Vorgehen bei Schwangeren

Antivirale Therapie des Herpes genitalis im Kindesalter [1][4]

Komplikationen

Prävention

  • Safer Sex, insb. Verwendung von Kondomen
  • Aufklärung: Häufig inapparenter Verlauf und damit Risiko für Verbreitung
  • Konsequente Schwangerenvorsorge

Erreger

Epidemiologie

  • Sehr seltene Erkrankung

Ätiologie

Primär- oder Sekundärmanifestation einer HSV-Infektion

  • Übertragungsweg: Direkter oder indirekter Kontakt zu infektiösem Sekret
  • Infektiosität
    • Bei Primärinfektion: ca. 1–3 Wochen
    • Bei Sekundärmanifestation: I.d.R. einige Tage
  • Risikogruppen: Patienten mit ekzematös vorgeschädigter Haut

Klinik

  • Inkubationszeit: Etwa 3–6 Tage (Spanne 2–12 Tage, bei Neugeborenen bis zu 6 Wochen)
  • Allgemeinsymptome mit Fieber
  • Flächenhafte Infektion der Haut mit ausgedehnter und schmerzhafter Bläschenbildung
    • Multiple runde, wie ausgestanzt wirkende, zu großem Beet konfluierende Vesiculae (Bläschen)
    • Oft Gesicht und Hals betroffen

Insb. bei immungeschwächten Menschen können HSV-Primär-, aber auch HSV-Sekundärmanifestationen schwer und ggf. disseminiert verlaufen!

Diagnostik

Therapie des Eczema herpeticatum [2]

Antivirale Therapie des Eczema herpeticatum bei Kindern [1]

Komplikationen

Das Eczema herpeticatum stellt eine schwere und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung dar, weshalb Diagnosestellung und Therapieeinleitung möglichst frühzeitig erfolgen sollten!

Erreger

Epidemiologie

  • I.d.R. Auftreten bei Kindern

Ätiologie

  • Übertragungsweg: Meist direkter Kontakt zu infektiösem Sekret, häufig Sekundärinfektion nach Erstinfektion anderer Körperstellen
  • Infektiosität
    • Bei Primärinfektion: ca. 1–3 Wochen
    • Bei Sekundärmanifestation: I.d.R. einige Tage
  • Risikogruppen
    • Kinder
    • Im Gesundheitswesen tätige Personen mit Schleimhautkontakt (z.B. Zahnärzte, HNO-Ärzte)

Klinik

  • Inkubationszeit: Etwa 3–6 Tage (Spanne 2–12 Tage, bei Neugeborenen bis zu 6 Wochen)
  • Initial: Spannungsgefühl, Juckreiz und Schmerzen im Bereich eines oder mehrerer Finger
  • Im Verlauf: Gruppierte Bläschenbildung und kleine Epitheldefekte

Insb. bei immungeschwächten Menschen können HSV-Primär-, aber auch HSV-Sekundärmanifestationen schwer und ggf. disseminiert verlaufen!

Diagnostik

Differenzialdiagnosen

Therapie des Herpes digitalis

Antivirale Therapie des Herpes digitalis bei Kindern [1]

Eine initial negative PCR schließt eine Infektion NICHT aus!

Wirkstoffe

Abhängig vom Virus und der Schwere der Infektion stehen lokale und systemische (orale und intravenöse) Virostatika zur Verfügung. Die Wirkstoffe hemmen als Antimetabolit die virale DNA-Polymerase und verhindern die wirtsvermittelte Replikation.

Ein möglichst früher Beginn ist bei einer Herpestherapie entscheidend, da die Viren nur in der Replikationsphase gehemmt werden!

Herpesvirus-Infektionen - Therapievorschläge

Impfung

Hygienische Maßnahmen

Für alle Herpes-simplex-Infektionen gilt: Kontakt der Effloreszenzen bzw. des Bläscheninhalts mit dem Neugeborenen bzw. Immungeschwächten verhindern!

Herpes-simplex-Infektion in der Schwangerschaft

Herpesvirus-Infektionen bei Schwangeren gleichen im Wesentlichen den Erkrankungen bei nicht-schwangeren Frauen, gehen allerdings insb. bei Herpes genitalis mit der Gefahr einer vertikalen Transmission auf das Kind einher (konnatale Herpes-simplex-Infektion, neonatale Herpes-simplex-Infektion). Im Folgenden wird lediglich auf besondere Aspekte während der Schwangerschaft eingegangen.

Diagnostik [5]

  • In Deutschland kein Screening im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge
  • Bestimmung des Immunstatus bei
    • Anamnestischen Hinweisen auf Herpes genitalis (bei der Schwangeren oder ihrem Partner / ihrer Partnerin)
    • Rezidivierendem Herpes labialis des Partners / der Partnerin und/oder negativer Anamnese für frühere Herpes-Episoden
  • Bei V.a. Herpes genitalis: Direkter Erregernachweis (PCR oder Kultur) aus Bläscheninhalt, Blut oder Genitalabstrich
    • Zur Unterscheidung zwischen Primärinfektion und Reaktivierung: Zusätzlich Serologie
  • Bei nachgewiesener Primärinfektion während der Frühschwangerschaft: Regelmäßige fetale Sonografie, bei Auffälligkeiten ggf. Amniozentese

Therapie

Prävention

Vertikale Transmission [6]

Bei floridem Herpes genitalis und vaginaler Entbindung besteht während der Geburt ein hohes Risiko für eine vertikale Transmission mit neonataler Herpes-simplex-Infektion!

Neonatale Herpes-simplex-Infektion [6]

Eine neonatale Herpes-simplex-Infektion entsteht durch Virusübertragung kurz vor, während oder nach der Geburt. Kommt es bereits zu einem früheren Zeitpunkt der Schwangerschaft zu einer Transmission, kann es zum klinischen Bild einer konnatalen Herpes-simplex-Infektion kommen.

Erreger

Übertragung

  • Kurz vor oder während der Geburt: Aufsteigend oder durch Kontaktinfektion
  • Nach der Geburt: Kontaktinfektion

Klinisches Bild

Diagnostik

Therapie

  • Frühzeitiger Beginn innerhalb von 24 h entscheidend für die Prognose
  • Bei klinischem Verdacht und/oder positivem Erregernachweis: Aciclovir i.v. [6]
    • Bei lokalisierter Infektion: Gabe für 14 Tage
    • Bei ZNS- und/oder systemischer Infektion: Gabe für 21 Tage
  • Bei fehlendem Nestschutz und Exposition : Ggf. Aciclovir i.v. [6] für 5–7 Tage

Prävention

Aufgrund der schlechten Prognose einer neonatalen HSV-Infektion sollte jede unklare Neugeboreneninfektion mit Bläschenbildung innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn mit Aciclovir i.v. behandelt werden!

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Herpes simplex (HSV-1, HSV-2)

Zytomegalievirus (CMV)

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Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2023, DIMDI.

  1. Antiinfektiva, Leitlinien für die Therapie und Prophylaxe. Stand: 1. Juli 2009. Abgerufen am: 17. Januar 2017.
  2. S2k-Leitlinie Opportunistische Infektionen bei erwachsenen HIV-infizierten Patienten, Therapie und Prophylaxe. Stand: 12. September 2014. Abgerufen am: 17. Januar 2019.
  3. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 6 . Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2013, ISBN: 978-3-131-44716-6 .
  4. European guideline for the management of genital herpes. Stand: 3. Dezember 2010. Abgerufen am: 20. März 2017.
  5. Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. Stand: 1. Oktober 2021. Abgerufen am: 21. Juli 2022.
  6. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 7. Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2018, ISBN: 978-3-132-40790-9 .
  7. Hof, Dörries: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. 3. Auflage Thieme 2004, ISBN: 3-131-25313-4 .
  8. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2015, ISBN: 978-3-981-46605-8 .
  9. Fritsch: Dermatologie und Venerologie: Lehrbuch und Atlas. Springer , ISBN: 978-3-662-21771-9 .