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Geburtsablauf

Last updated: 15.12.2020

Abstract

Der Geburtsablauf stellt eine interdisziplinäre Herausforderung für Hebammen, ärztliches und pflegerisches Personal dar. Eine regelrechte Geburt verläuft in drei Phasen und beginnt mit den Eröffnungswehen, die die Eröffnungsperiode der Geburt einleiten. Die vollständige Eröffnung des Muttermundes markiert den Beginn der zweiten Phase, der sog. Austreibungsperiode der Geburt, die mit der Geburt des Kindes endet. Die Nachgeburtsperiode schließt den Geburtsvorgang ab und endet mit der vollständigen Geburt der Nachgeburt (Plazenta). Mütterliche oder fetale Indikationen können eine künstliche Einleitung der Geburt notwendig machen. Ausführliche Informationen dazu finden sich im Kapitel Geburtseinleitung.

Zur Beurteilung des regulären Geburtsfortschritts sind die Beobachtung der Wehen und vaginale geburtshilfliche Tastuntersuchungen essentiell. Während Senkwehen und Vorwehen eine beginnende Geburt ankündigen, gehören die Eröffnungswehen bereits zu den Geburtswehen, ebenso wie die nachfolgenden Austreibungswehen. Nach Geburt des Kindes führen die Nachgeburtswehen zur Geburt der Plazenta.

Das Management im Kreißsaal umfasst neben der Versorgung der Mutter auch die Überwachung des Kindes unter der Geburt, bspw. mittels CTG oder Mikroblutuntersuchung. Unter der Geburt auftretende Komplikationen können Maßnahmen zur Geburtsunterstützung oder -beendigung erforderlich machen. Detaillierte Inhalte dazu, inkl. Ablauf der Sectio caesarea, finden sich im Kapitel Operative Geburtshilfe.

Nach der Geburt verbleiben Mutter und Neugeborenes noch für eine gewisse Zeit im Kreißsaal, wo auch mögliche Geburtsverletzungen versorgt werden und i.d.R. die Kindervorsorgeuntersuchung U1 erfolgt. Informationen zur weiteren Betreuung von Mutter und Kind nach der Geburt werden im Kapitel Wochenbett abgehandelt.

Regelrechter Geburtsablauf

Der Geburtsablauf wird in drei Phasen unterteilt:

  1. Eröffnungsperiode
  2. Austreibungsperiode
  3. Nachgeburtsperiode

Eröffnungsperiode (Geburt) [1]

Austreibungsperiode (Geburt) [1][2]

  • Definition: Zeitraum zwischen vollständiger Eröffnung des Muttermundes (MM) und vollständiger Geburt des Kindes
  • Dauer: I.d.R. 20–60 min, abhängig von der Anzahl früherer Geburten, dem fetalen Gewicht und einer ggf. liegenden PDA [3]
  • Wehen: Austreibungswehen
  • Vaginaler Befund: Vollständig eröffneter Muttermund
    • Einschneiden: Erscheinen des Kopfes in der Vulva während einer Austreibungswehe
    • Durchschneiden: Verbleiben des Kopfes in der Vulva während einer Wehenpause

Nachgeburtsperiode [1]

  • Definition: Zeitraum zwischen der Geburt des Kindes und der vollständigen Geburt der Plazenta
  • Dauer: Max. 30 min
  • Wehen: Nachgeburtswehen
  • Blutverlust
  • Plazentabeurteilung: Prüfung immer auf folgende Aspekte
    • Vollständigkeit: Eine unregelmäßige Oberfläche der Dezidua spricht für Plazentareste im Uterus
    • Nebenplazenta: Große Gefäße, die von der Plazenta zu den Eihäuten verlaufen, sprechen für eine im Uterus verbliebene Zweitplazenta
    • Weitere Nabelschnurgefäße

Besteht der V.a. eine unvollständige Plazenta oder eine Nebenplazenta, muss manuell nachgetastet und im Verlauf kürettiert werden!

Wehen

Wehen: Übersicht
Wehenform Zeitpunkt Charakteristika
Schwangerschaftswehen Alvarez-Wellen
  • Physiologisch ab 20. SSW
  • Geringe Intensität, hohe Frequenz
Braxton-Hicks-Kontraktionen (Übungswehen)
  • Physiologisch ab 20. SSW
  • Höhere Intensität, tetanisch, ganzer Bauch hart, max. 1 min
Senkwehen
  • 3–4 Wochen vor Geburt
  • Unkoordinierte Wehen mittlerer Intensität, die das Kind positionieren
Vorwehen
  • 3–4 Tage vor Geburt
  • Unregelmäßige Wehen hoher Intensität, kurz vor der Eröffnungsperiode alle 5–10 min; stellen den Kopf des Kindes im Becken richtig ein
Geburtswehen Eröffnungswehen
  • Definieren die Eröffnungsperiode
  • Koordinierte, regelmäßige, rhythmische Wehen hoher Intensität, zunächst alle 10 min, kurz vor Eröffnung alle 2–3 min; eröffnen den Muttermund
Austreibungswehen
  • Nach vollständiger Muttermundseröffnung
  • Koordinierte regelmäßige Wehen von hoher Intensität, zunächst alle 4–10 min; dienen dem Austreiben des Kindes
  • In der letzten Phase häufiger (alle 2–3 min) und verstärkt (Drücke von bis zu 200 mmHg) = Presswehen
Nachgeburtswehen
  • Minuten nach Geburt des Kindes
  • Unregelmäßige Kontraktionen niedriger Intensität, die innerhalb von 30 min zur Austreibung der Plazenta führen
Nachwehen
  • Bis einige Tage nach Geburt

Blasensprung

Formen des Blasensprungs

Diagnostik des Blasensprungs [2]

  • Vaginale Untersuchung bzw. Spekulumeinstellung: Objektivierung des Blasensprungs
  • Nachweis von Fruchtwasser bei unklarem Befund
    • Lackmusprobe: Teststreifen, der durch den aufgetragenen Farbstoff Lackmus als pH-Indikator dient
    • Nachweis von IGF-bindendem Protein (IGFBP): Nachweis von im Fruchtwasser vorkommendem IGFBP in der Zervix mittels Schnelltest
      • Spezifität und Sensitivität: >90%
      • Verunreinigung mit mütterlichem Blut vermeiden, da IGFBP auch dort vorkommt und so der Test verfälscht werden kann
    • Nachweis von plazentarem α-Mikroglobulin (PAMG-1): Amnisure®
  • Weitere Beurteilung, bspw. Farbveränderungen des Fruchtwassers

Management im Kreißsaal

Vorstellung der Patientin mit fraglichem Geburtsbeginn [1][2]

Vorgehen unter Geburt

Die regelmäßige Reevaluation und Zusammenschau der Befunde hilft, mögliche Komplikationen unter der Geburt und Kontraindikationen für eine vaginale Geburt früh zu erkennen!

Vaginale geburtshilfliche Tastuntersuchung (VU)

  • Vorbereitung
    • Einverständnis der Patientin einholen
    • Patientin entspannt in Rückenlage mit angewinkelten Beinen
    • Ggf. Entleerung der Blase
    • Händedesinfektion
    • Anlegen steriler Handschuhe
  • Durchführung: Einführen von zwei Fingern in die Vagina und Beurteilung von
  • Dokumentation der Befunde im Partogramm

Eine tastbare Nabelschnur (Nabelschnurvorfall) gilt als akuter Notfall mit Indikation zur notfallmäßigen Sectio caesarea!

Bishop-Score

Bishop-Score [1]
0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte 3 Punkte
Lage der Portio Sakral Mediosakral Zentral
Konsistenz der Portio Derb Mittel Weich
Länge der Portio (in cm) 2 1 0,5 0
Weite des Muttermundes (in cm) Geschlossen 1 2 3
Höhenstand des vorangehenden Kindsteils in Bezug zur Interspinalebene (in cm) 2 cm oberhalb der Interspinalebene 1 cm oberhalb der Interspinalebene 1 cm unterhalb der Interspinalebene

Subpartale antibiotische Therapie

Mikroblutuntersuchung (MBU) des Kindes [1]

  • Definition: Entnahme kleiner Blutmenge aus dem kindlichen Skalp zur venösen Blutgasanalyse (Fetalblut)
  • Voraussetzung: Erfolgter Blasensprung bzw. Amniotomie
  • Indikation: Suspektes oder pathologisches Kardiotokogramm unter Geburt
  • Kontraindikationen
  • Vorbereitung und Durchführung
    • Steriles Material
      • Lanzette
      • Zwei Kornzangen
      • Amnioskop
      • Kleine und große Tupfer
      • Handschuhe
    • Unsteriles Material
      • Paraffinöl
      • Kapillarröhrchen
    • Vorbereitung
      • Aufbau des notwendigen sterilen Materials auf einem kleinen Tisch neben dem Kreißbett
      • Positionierung der OP-Leuchte
      • Nach Möglichkeit Lagerung der Patientin in Steinschnittlage im Kreißbett
      • Aufklärung der Patientin über die bevorstehende Untersuchung, Vorführen des Amnioskops
    • Durchführung
      • Vaginale Tastuntersuchung zur Beurteilung der Muttermundöffnung
      • Vorsichtiges Einführen des Amnioskops bis zum kindlichen Kopf
      • Öffnen des Amnioskops durch Entfernen des Innenteils, Überprüfung der Sicht auf den kindlichen Kopf
      • Reinigung des Kopfes mit in Kornzange eingespanntem, großem Tupfer
      • Auftragen von Paraffinöl auf den kindlichen Kopf mit in Kornzange eingespanntem, kleinem Tupfer
      • Vorsichtige Stichinzision der Kopfhaut mittels Lanzette (neben der Geburtsgeschwulst!)
      • Auffangen des Bluttropfens mittels in Kornzange eingespanntem Kapillarröhrchen
      • Durchführung einer Blutgasanalyse
  • Fehlerquellen
Beurteilung und Konsequenzen einer Mikroblutuntersuchung [1][4]
pH-Wert Interpretation Weiteres Vorgehen
≥7,30
  • Normal
  • Bei Persistenz der CTG-Abweichung: Kontrolle nach 30 min
7,25–7,29
  • In der Eröffnungsperiode grenzwertig
  • Anleitung zum tiefen und regelmäßigen Atmen, ggf. O2-Gabe
  • Bei Persistenz der CTG-Abweichung: Erneute Kontrolle nach 30 min
7,21–7,24
  • Präazidose
  • Atmen unter Anleitung, ggf. O2-Gabe
  • Kontrolle nach 30 min, bei deutlicher Verschlechterung Geburt beenden
≤7,20

Vorgehen postpartal

Mögliche Komplikationen unter der Geburt

Der Geburtsablauf ist komplex und Komplikationen können in jeder Phase der Geburt unter Umständen auch unerwartet auftreten. Die folgenden Inhalte können demnach nur einen Überblick über mögliche Komplikationen bieten. Der klinische Blick und die interdisziplinäre Zusammenarbeit sind dabei unerlässlich!

Mütterliche Komplikationen

Protrahierte Geburt

  • Definition: Verzögerung des Geburtsverlaufes, mögliche zeitliche Definition [2]
    • Eröffnung des Muttermundes (MM) <1 cm/h in der Eröffnungsperiode
    • Tiefertreten des vorangehenden Kindsteils <1 cm/h in der Austreibungsperiode
  • Prozedere
    • Abhängig von Ursache, Geburtsfortschritt, fetalem und maternalem Zustand
    • Vergleichbar mit Diagnostik und Prozedere bei Geburtsstillstand

Geburtsstillstand

Die Maßnahmen bei einer protrahierten Geburt bzw. einem Geburtsstillstand richten sich nach der Ursache, dem fetalen und maternalen Zustand sowie dem Geburtsfortschritt!

Blutungen unter der Geburt

Fetale Komplikationen

Analgesie unter der Geburt

Nicht-medikamentöse Maßnahmen [6]

  • Richtige Atmung
  • Entspannungsübungen
  • Massage
  • Hypnose
  • Aromatherapie
  • Badewanne, Wärme

Medikamentöse Maßnahmen

  • Spasmolytika , z.B. Buscopan® (Off-Label Use)
    • Vorteile: Entspannung des Muttermundes, Spasmolyse
    • Nachteil: Ggf. systemische Auswirkung auf den Fötus [7]
  • Lachgas als Gemisch aus 50% Distickstoffmonoxid und 50% O2 [8][9]
    • Kontraindikationen: Herzinsuffizienz, Emphysem, Pneumothorax, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel
    • Vorteile: Schmerzlindernde Wirkung, keine Beeinflussung der Uteruskontraktion
    • Nachteile: Wird von manchen Patientinnen nicht toleriert, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen
    • Beachte: Bei der Anwendung kann es zu Atemwegskomplikationen kommen
  • Meptazinol als starkes Opioid-Analgetikum
    • Vorteile: Gute Analgesie, gut steuerbar, geringe Sedierung, außer Unverträglichkeit keine Kontraindikationen
    • Nachteile: Übelkeit, Erbrechen, Gefahr der Atemdepression bei Mutter und Kind, ggf. zu starke Sedierung der Mutter, CTG-Veränderungen (herabgesetzte Oszillationsfrequenz im CTG)
  • Pethidin
    • Kontraindikationen: Schwere respiratorische Insuffizienz, Einnahme von MAO-Hemmern innerhalb der letzten 14 Tage
    • Vorteile: Gute Analgesie und Spasmolyse
    • Nachteile: Gefahr der Atemdepression bei Mutter und Kind, Sedierung der Mutter, CTG-Veränderungen (herabgesetzte Oszillationsfrequenz im CTG)

Regionalanästhesie in der Geburtshilfe [10]

Für allgemeine Informationen siehe auch: Regionalanästhesie

Periduralanästhesie (PDA) [11]

Pudendusblockade

  • Definition: Leitungsanästhesie durch Blockade des N. pudendus → Ausschaltung des Geburtsschmerzes im Bereich von Introitus vaginae, Labien und Damm
    • Ausschaltung des Geburtsschmerzes
  • Indikation: Analgesie unter der Geburt, insb. in der Austreibungsperiode oder bei vaginal operativer Entbindung
  • Durchführung bei der Frau
    • Mit Zeigefinger und Mittelfinger Palpation der Spina ischiadica von vaginal
    • Einführen der Injektionsnadel über eine Führungskanüle
    • Punktionsstelle 1 cm kaudal, medial der Spina ischiadica
    • Aspirationskontrolle zum Ausschluss der intravasalen Lage
    • Infiltration von 10 mL Lokalanästhetikum (z.B. Scandicain 1%) auf jeder Seite
  • Vorteile
    • Pressdrang bleibt unbeeinflusst
    • Kaum systemische Nebenwirkungen
  • Nachteile
    • Wehenschmerz wird nicht ausgeschaltet
    • Singleshot-Verfahren (begrenzte Wirkdauer)

Handgriffe zur Unterstützung der Geburt

  • Kristeller-Handgriff: Umfassen des Fundus mit den Händen und Ausüben stetigen Drucks nach unten während der Wehe [13]
  • Ritgen-Handgriff: Bei verzögerter Kopfgeburt Greifen und Hochdrücken des kindlichen Kinns durch das Gewebe des Hinterdamms (zwischen Anus und Steiß)
  • Operative Methoden der Geburtsunterstützung (bspw. Zangenextraktion und Vakuumextraktion) werden im Kapitel Operative Geburtshilfe abgehandelt

Geburtsverletzungen

Verletzungen von Labien, Zervix oder Scheide

  • Einteilung
    • Labienriss
    • Zervixriss: Insb. durch Pressen gegen den nicht vollständig eröffneten Muttermund
    • Scheidenriss: Insb. bei Zangenentbindung
    • Klitorisverletzung (ca. 3%)
  • Therapie: Bei starker Blutung operative Versorgung unter adäquater Anlage (siehe auch: Versorgung von Geburtsverletzungen)

Dammriss

Da der Damm bei der Geburt unter starker Spannung steht, gehört der Dammriss zu den häufigsten Geburtsverletzungen; dabei kommt es je nach Ausprägung zum Einreißen der Damm- und Scheidenhaut, der Beckenbodenmuskulatur sowie des M. sphincter ani externus. Ein Dammriss tritt bei bis zu 30% aller vaginalen Geburten auf.

Einteilung

Schweregrad des Dammrisses Beschreibung
Riss von Kutis und Subkutis ohne Beteiligung der Dammmuskulatur
II° Riss der Dammmuskulatur ohne Beteiligung des M. sphincter ani externus

III°

IIIa°

M. sphincter ani externus <50% durchtrennt

IIIb° M. sphincter ani externus >50% durchtrennt
IIIc° M. sphincter ani externus komplett durchtrennt
IV° Zusätzliche Beteiligung des Rektums

Risikofaktoren für höhergradige Dammrisse (III° und IV°)

Therapie

Episiotomie

Als Episiotomie bezeichnet man die operative Erweiterung des Geburtskanals. Die Indikation ist individuell zu stellen und wird heutzutage restriktiver gestellt als noch vor einigen Jahren .

Indikationen

Durchführung

Mögliche Schnittführungen

Die Durchführung des Schnittes kann in drei unterschiedliche Richtungen erfolgen.

Reißt der Schnitt nach einer medianen Schnittführung weiter, geschieht dies in Richtung Anus. Dadurch kann es zu Verletzungen von Sphinkter und Darm kommen!

Versorgung von Geburtsverletzungen

Zeitpunkt und Setting

  • Nach Geburt der Plazenta
  • I.d.R. im Kreißsaal

Vorbereitung

Indikationen

Durchführung

Bei der Naht der Geburtsverletzung ist im Sinne einer optimalen Wundheilung darauf zu achten, möglichst wenig Nahtmaterial und Knoten zu verwenden. Sind mehrere Strukturen verletzt, erfolgt i.d.R. zunächst die Naht der Scheide, gefolgt von der Dammnaht und der Versorgung der Labien und Klitoris. Bei höhergradigen Dammrissen werden vorher die betroffenen Strukturen des Rektums und ggf. Zervixrisse versorgt.

Naht der Scheide

Wichtig ist die Darstellung und exakte Adaptation des Hymenalsaums und Introitus, um die korrekte Rekonstruktion des Damms und der Scheide zu ermöglichen.

  • Nahtmaterial: Vicryl 3-0
  • Durchführung
    • Darstellung des kranialen Wundendes durch Einführen und Spreizen der Finger oder mithilfe eines Spekulums
    • Anfang der Naht oberhalb des kranialen Wundwinkels
    • Abstand zwischen den Stichen ca. 1 cm
    • Fortlaufende Naht bis zum Hymenalsaum und Abschluss mittels chirurgischem Knoten

Naht des Damms

  • Nahtmaterial: Vicryl 3-0
  • Durchführung: Ggf. mehrschichtiges Vorgehen notwendig; 1. Schicht: Muskulatur, 2. Schicht: Haut
    • Naht der Dammmuskulatur
      • Fortlaufende Naht vom Introitus Richtung dorsal
      • Insb. im Bereich des Centrum tendineum, direkt unterhalb des Introitus, nach lateral ausladend stechen
    • Hautnaht
      • Intrakutane Hautnaht zurück zum Introitus mit demselben Faden
      • Tiefes Unterstechen des Hymenalsaums
      • Querstich und chirurgischer Knoten hinter dem Hymenalsaum

Naht von Labien und Klitoris

Naht der Rektumvorderwand und des Sphinkters

Ein Dammriss III° und IV° sollte aus forensischen Gründen durch einen Arzt auf Facharztniveau versorgt werden.

  • Nahtmaterial: Vicryl 3-0 oder 4-0
  • Durchführung
    • Antibiotikaprophylaxe
    • Naht der Rektumvorderwand
      • Großzügiges Greifen des perirektalen Bindegewebes, der Muskularis und der Submukosa von proximal nach distal bzw. von innen nach außen unter Aussparung oder Miterfassen der Rektumschleimhaut
      • Einzelknopfnähte oder fortlaufende Naht
      • Abstand zwischen den Stichen ca. 0,5 cm
      • Abschluss am äußeren Rand der Analhaut
    • Überprüfung der Naht durch digital-rektale Tastuntersuchung
    • Handschuhwechsel
    • Naht des Sphinkters
    • Weiteres Vorgehen: Naht von Scheide, Dammmuskulatur und Haut (s.o.)

Naht der Zervix

  • Nahtmaterial: Vicryl rapid 1 CT-1
  • Durchführung
    • Spekulumeinstellung der Zervix und des Muttermundes
    • Fassen der Muttermundslippe mit atraumatischen Klemmen zur besseren Darstellbarkeit
    • Naht mittels Einzelknopfnähten
      • Erste Naht: Im Sinne einer Haltenaht an der Zirkumferenz des Muttermundes, Fäden mithilfe einer Klemme auf Zug halten
      • Zweite Naht: Knapp oberhalb des kranialen Wundwinkels
      • Weitere Einzelknöpfe dazwischen (von kranial nach kaudal)
    • Entfernen der Haltenaht

Nachbereitung

  • Digital-rektale Tastuntersuchung
    • Zum Ausschluss übersehener rektaler Verletzungen
    • Zur Kontrolle des Sphinkters
    • Zum Ausschluss der Durchstechung des Rektums von vaginal
  • Weitere Maßnahmen
    • Ab Dammriss III° weiche Kost, stuhlaufweichende Maßnahmen (z.B. Lactulose)
    • Antiphlogistika, bspw. Ibuprofen
    • Lokale Kühlung zur Abschwellung

Patienteninformationen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2021

O34.-: Betreuung der Mutter bei festgestellter oder vermuteter Anomalie der Beckenorgane

Entbindung

  • O80: Spontangeburt eines Einlings
    • Inklusive
      • Keine oder minimale geburtshilfliche Maßnahmen
      • Normale Entbindung
      • Spontangeburt aus Schädellage
      • Spontane Vaginalgeburt eines Einlings
  • O81: Geburt eines Einlings durch Zangen- oder Vakuumextraktion
  • O82: Geburt eines Einlings durch Schnittentbindung [Sectio caesarea]

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

Quellen

  1. Leitlinie zum Management von Dammrissen III. und IV. Grades nach vaginaler Geburt. Stand: 1. Oktober 2014. Abgerufen am: 7. Februar 2019.
  2. Hebammengemeinschaftshilfe e.V: Geburtsarbeit. Georg Thieme Verlag 2013, ISBN: 978-3-830-45542-4 .
  3. Embryotox - Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit. . Abgerufen am: 25. November 2016.
  4. Jan Wallenborn: Analgesie und Anästhesie in der Geburtshilfe - Neues und Standards In: Anasthesiologie und Intensivmedizin. Band: 58, 2017, p. 66-84.
  5. Becke: Pro & Kontra – Lachgas als Schmerztherapie während der Geburt In: Die Hebamme. Band: 29, Nummer: 02, 2016, doi: 10.1055/s-0042-104526 . | Open in Read by QxMD p. 76-78.
  6. Friebe-Hoffmann, Beck: Medikamentöse Analgesie in der Geburtshilfe In: Der Gynäkologe. Band: 40, Nummer: 3, 2007, doi: 10.1007/s00129-007-1950-6 . | Open in Read by QxMD p. 190-193.
  7. S1-Leitlinie Die geburtshilfliche Analgesie und Anästhesie. Stand: 2. März 2020. Abgerufen am: 30. November 2020.
  8. Fischer, Peuker: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie. Haug 2011, ISBN: 978-3-830-47382-4 .
  9. Uhl: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Georg Thieme Verlag 2018, ISBN: 978-3-131-07346-4 .
  10. Kainer et al.: Facharztwissen Geburtsmedizin. Urban & Fischer 2016, ISBN: 978-3-437-23752-2 .
  11. Caughey et al.: Safe Prevention of the Primary Cesarean Delivery In: Obstetrical & Gynecological Survey. Band: 69, Nummer: 7, 2014, doi: 10.1097/ogx.0000000000000083 . | Open in Read by QxMD p. 381-383.
  12. Strauss et al.: Geburtshilfe Basics 2006. Springer 2006, ISBN: 978-3-540-25668-7 .
  13. S3-Leitlinie Sectio caesarea. Stand: 25. Juni 2020. Abgerufen am: 12. August 2020.
  14. Organization: WHO Recommendations on Intrapartum Care for a Positive Childbirth Experience. World Health Organization 2018, ISBN: 978-9-241-55021-5 .
  15. Goerke et al.: Klinikleitfaden Gynäkologie, Geburtshilfe. 7. Auflage Urban & Fischer 2010, ISBN: 3-437-22213-9 .
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  30. Leitlinie Absolute und relative Indikationen zur Sectio caesarea 2010. Stand: 1. Januar 2010. Abgerufen am: 18. Dezember 2018.
  31. Dammverletzungen und deren Versorgung. Stand: 21. Dezember 2015. Abgerufen am: 18. Dezember 2018.