• Klinik

Antimykotika

Abstract

Die Antimykotika sind hauptsächlich in vier Gruppen unterteilt und unterscheiden sich neben ihrer chemischen Struktur u.a. auch im spezifischen Wirkspektrum. Während i.v. Breitband-Antimykotika (wie z.B. Fluconazol oder lipidformuliertes Amphotericin B) beinahe alle bekannten Pilze einschließen, sind topische Pharmaka (wie z.B. Clotrimazol) in ihrem Wirkspektrum häufig eingeschränkter.

Azol-Antimykotika

Allgemeines [1]

  • Wirkmechanismus
    • Hemmung der Ergosterol-Synthese
    • Primär fungistatisch, teilweise auch fungizid
    • Teilweise auch Wirkung gegen Bakterien [2]
  • Unterteilung
    • Imidazole: Bei systemischer Anwendung starke Nebenwirkungen, deshalb nur zur Lokaltherapie geeignet
    • Triazole: Nebenwirkungsärmer, systemische Anwendung möglich
  • Vorteile
    • Breites Wirkspektrum
    • Liquorgängige Präparate
  • Nachteile
    • Schlechte Verträglichkeit bei systemischer Anwendung
    • Schlechte Penetration in Biofilme [3]
    • Viele Arzneimittelinteraktionen

Imidazole

Wirkstoffe Charakteristika Bevorzugte Einsatzgebiete Applikationsformen Wichtige Kontraindikationen Wichtige Nebenwirkungen
Clotrimazol
  • Breitspektrum-Antimykotika zur lokalen Anwendung
  • Lokal
  • Keine
  • Selten: Lokale Hautreaktionen
Ketoconazol
Bifonazol
  • Lokal
  • Anwendung in der Schwangerschaft nur unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung
  • Selten: Lokale Hautreaktionen

Triazole

Wirkstoffe Charakteristika Bevorzugte Einsatzgebiete Applikationsformen Wichtige Kontraindikationen Wichtige Nebenwirkungen
Fluconazol
  • Breitspektrum-Antimykotika
  • Per os
  • Intravenös
  • Kopfschmerzen
  • Gastrointestinale Beschwerden
  • Transaminasenanstieg
  • Exantheme
  • Zusätzlich bei Voriconazol:
    • Dosisabhängige, reversible Sehstörungen
    • Photosensibilisierung
Voriconazol
Itraconazol
  • Per os
Posaconazol
  • Per os

Fluconazol ist bei der Aspergillose unwirksam!

Polyen-Antimykotika

Allgemeines [1]

  • Wirkmechanismus
    • Komplexbildung mit Ergosterol in der Zellmembran von Pilzen → Erhöhung der Membrandurchlässigkeit → Fungizide Wirkung
  • Vorteile
    • Breites Wirkspektrum
    • Kaum Resistenzen
  • Nachteile
    • Sehr hohe Toxizität
      • Lipidformulierung: Senkt Nephrotoxizität deutlich
Wirkstoffe Charakteristika Bevorzugte Einsatzgebiete Applikationsformen Wichtige Kontraindikationen Wichtige Nebenwirkungen
Amphotericin B
  • Intravenös: Sehr nebenwirkungsreich
  • Nur lipidformulierte Präparate anwenden
  • Sehr breites Wirkspektrum
  • Lokal
  • Intravenös
  • Nephrotoxizität
  • Fieber, Schüttelfrost
  • Übelkeit
  • Rigor
  • Hypotonie, u.a
Nystatin
  • Nur lokale Anwendung möglich
  • Prophylaktische perorale Gabe bei Immunsuppression
  • Lokal (Haut und Schleimhaut)
  • Während Schwangerschaft und Stillzeit nur unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung
  • Gastrointestinale Beschwerden

Echinocandine

Allgemeines [1]

  • Wirkmechanismus
    • Hemmung der Beta-(1,3)-Glucan-Synthese → Störung der Zellwand → Fungizide Wirkung
  • Vorteile
    • Breites Wirkspektrum
    • Penetration in Biofilme
    • Höchste Verträglichkeit unter den systemisch anwendbaren Antimykotika
  • Nachteile
    • Nicht liquorgängig
    • Hohe Therapiekosten
    • Hepatotoxizität (insb. bei Micafungin)
Wirkstoffe Charakteristika Bevorzugte Einsatzgebiete Applikationsformen Wichtige Kontraindikationen Wichtige Nebenwirkungen
Caspofungin
  • Kaum Vergleichsdaten bzgl. der antimykotischen Wirkung von Caspofungin und Anidulafungin
  • Anidulafungin evtl. etwas besser verträglich
  • Derzeit systemische Breitbandantimykotika mit der besten Verträglichkeit
  • Intravenös
Anidulafungin
Micafungin
  • Hinweise auf stärkere Hepatotoxizität
  • Tierexperimentell V.a. kanzerogene Wirkung (Auslösung hepatozellulärer Karzinome)
  • Ähnliches Wirkspektrum wie Caspofungin, aber wegen der möglichen hepatischen Nebenwirkungen derzeit nur zurückhaltende Anwendung

Weitere Antimykotika

Wirkstoffe Charakteristika Bevorzugte Einsatzgebiete Applikationsformen Wichtige Kontraindikationen Wichtige Nebenwirkungen
Ciclopirox
  • Weit verbreitetes lokales Antimykotikum (v.a. bei Onychomykosen)
  • Lokal
  • Keine Anwendung am Auge
Terbinafin
  • Schlechte Verträglichkeit
  • Per os
  • Lokal
  • Geschmacksstörungen
  • Gastrointestinale Beschwerden
  • Exazerbation von Autoimmunerkrankungen (z.B. Lupus erythematodes)
Griseofulvin [4]
  • Per os
  • Gastrointestinale Beschwerden
Flucytosin [4]
  • Schmalspektrumantimykotikum zur systemischen Anwendung
  • Synergismus mit Amphotericin B: Kombinationsbehandlung
  • Intravenös
  • Gastrointestinale Beschwerden
  • Blutbildveränderungen möglich