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Herzkatheteruntersuchung

Abstract

Die Herzkatheteruntersuchung wird meist diagnostisch zum Nachweis oder Ausschluss einer koronaren Herzerkrankung (KHK) durchgeführt. Da zusätzlich u.a. die Möglichkeit einer interventionellen Aufdehnung der Koronarien (perkutane koronare Intervention = PCI) mit Stenteinlage besteht, ist die Herzkatheterintervention auch wichtiger Bestandteil in der Diagnostik und Therapie des akuten Koronarsyndroms.

Technisch erfolgt nach Einführen von Kathetern über einen geeigneten Gefäßzugang (zumeist A. femoralis) eine kontrastmittelgestützte Darstellung der Herzkranzgefäße (Koronarangiographie) und der Herzhöhlen (Ventrikulographie) mittels Röntgenstrahlen. Im Falle einer Stentimplantation kann zwischen unbeschichteten (BMS) und beschichteten (DES) Stents unterschieden werden, wobei auf eine jeweils unterschiedliche Dauer der Thrombozytenaggregationshemmung geachtet werden muss. Alternativ kann z.B. bei höhergradigen Stenosen oder 3-Gefäßerkrankungen ein koronarchirurgischer Eingriff ("Bypass") dank besserer Prognose indiziert sein.

Neben der häufigen Untersuchung von linkem Vorhof und Kammer kann auch ein Rechtsherzkatheter zur Beurteilung der Druckverhältnisse und Auswirkungen von Herzfehlern und Klappenvitien durchgeführt werden. Zuletzt sollen noch elektrophysiologische Untersuchungen erwähnt werden: Bei therapierefraktären Herzrhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern) kann analog zur Herzkatheteruntersuchung die Herzkammer aufgesucht werden, wo dann akzessorische Leitungsbahnen dargestellt und gegebenenfalls abladiert werden.

Indikation

Indikation zur Herzkatheteruntersuchung

Die Koronarangiographie ist keine "Screening"-Methode für eine KHK bei asymptomatischen Patienten!

Bei asymptomatischen Personen mit niedrigem Risiko für das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit soll keine „Vorsorge“-Computertomographie der Herzkranzgefäße (Koronar-CTA) durchgeführt werden! (DGIM - Klug entscheiden in der Kardiologie)

Kontraindikation

  • Fehlende Bereitschaft des Patienten zu einer revaskularisierenden Therapie (PCI+Stentimplantation oder Bypass-Operation)
  • Patienten mit Komorbiditäten, bei denen das Risiko der Koronarangiographie größer ist als der Nutzen durch Sicherung der Diagnose

Keine Diagnostik ohne therapeutische Konsequenz!

Es werden die wichtigsten Kontraindikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Ablauf/Durchführung

Standardablauf einer Linksherzkatheteruntersuchung

Bei Patienten mit akutem Herzinfarkt soll nach perkutaner Koronarintervention (PCI) für 12 Monate neben ASS einer der beiden Thrombozyten-ADP-Rezeptorantagonisten (Prasugrel oder Ticagrelor) verordnet werden, falls nicht ein exzessives Blutungsrisiko vorliegt! (DGIM - Klug entscheiden in der Kardiologie)

Nach unkomplizierter perkutaner Koronarintervention (PCI) soll keine routinemäßige „Kontroll-Koronarangiographie“ durchgeführt werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Kardiologie)

Elektrophysiologische Untersuchung (EPU)

  • Indikation: Verschiedene, häufig therapierefraktäre Herzrhythmusstörungen
  • Durchführung: Darstellung und Ablation akzessorischer Leitungsbahnen

Rechtsherzkatheteruntersuchung

Interpretation/Befund

Herzkranzgefäß

Betroffener Abgang bzw. Höhe der Stenose Infarkt-Lokalisation Infarktzeichen im EKG
A. coronaria sinistra Ramus interventricularis anterior (RIVA, LAD = engl. "left anterior descending") Proximaler RIVA Großer Vorderwandinfarkt I, aVL, V1-6
Peripherer RIVA + R. septalis anterior Anteroseptalinfarkt I, aVL, V1-4
Peripherer RIVA Apikaler Vorderwandinfarkt I, aVL, V3-5
Ramus diagonalis Seitenwandinfarkt (Anterolateralinfarkt) I, aVL, V5-6/7
Ramus circumflexus (RCX) Proximaler RCX Posteriorer Hinterwandinfarkt III, aVF, V7-9
Ramus posterolateralis sinistra Seitenwandinfarkt (Posterolateralinfarkt) II, III, aVF, V5-7 (ggf. I, aVL )
A. coronaria dextra Proximale RCA Inferiorer Hinterwandinfarkt II, III, aVF
In ca. 20% zusätzlich Infarkt des rechten Ventrikels Zusätzlich V1 und V3r-6r
Ramus interventricularis posterior Posteriorer Hinterwandinfarkt V7-9, invers in V1-2

Einfache Faustformel: "Infarkte der Vorderwand entstehen infolge eines Verschlusses des RIVA bzw. seiner Äste und zeigen sich je nach Ausbreitung in I, aVL und den Vorderwandableitungen (V1-6). Infarkte der Hinterwand entstehen infolge eines Verschlusses des RCX oder der RCA bzw. seiner/ihrer Äste und manifestieren sich in II, III und aVF."

Komplikationen

Akute Komplikationen

Komplikationen im Verlauf

  • Häufigste Komplikation: Restenosierung (nach alleiniger Ballondilatation bis 40%, nach Stentimplantation <30%, bei Einsatz von DES nur <10%)
  • Lokale Gefäßkomplikationen
  • Stentthrombose (0,5–5%)

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Alternative Methoden

Aortokoronare Bypass-Operation

  • Indikation
    • Hochgradige und langstreckige Stenosen der Koronararterien
    • Symptomatische 3-Gefäßerkrankung

Fahrtauglichkeit nach Herzkatheteruntersuchung

  • Kriterien zur Einschätzung [1]
    • Postinterventionelles Ergebnis
    • Profil des Fahrers (privat, beruflich)
Postinterventionelles Ergebnis Private Fahrer Berufskraftfahrer
Gut Keine Einschränkung
  • Fahruntauglichkeit für 4 Wochen
  • Jährliche kardiologische Kontrolluntersuchungen

Schlecht

Fahruntauglichkeit Fahruntauglichkeit

Patienteninformationen