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Benzodiazepine

Abstract

Benzodiazepine werden wegen ihrer breiten therapeutischen Wirkung im Rahmen mehrerer Krankheitsbilder eingesetzt. Sie verstärken über eine Bindung am GABA-A-Rezeptor die inhibitorische GABAerge Transmission und wirken dadurch anxiolytisch, hypnotisch, muskelrelaxierend und antikonvulsiv. Verwendet werden sie vorwiegend bei Angst- und Spannungszuständen sowie bei Schlafstörungen und Krampfanfällen. Wichtige Nebenwirkungen sind Amnesien sowie Atemdepressionen. Im Alltag werden Benzodiazepine jedoch wegen ihres starken Abhängigkeitspotentials gefürchtet (strenge Indikationsstellung erforderlich).

Für Informationen zu Benzodiazepinintoxikation und -abhängigkeit siehe: Sedativa (Intoxikation und Abhängigkeit)

Wirkstoffe und Dosierungshinweise

Midazolam

Wirkstoff Midazolam (z.B. Dormicum®---------)
Applikation
  • p.o.
  • i.v.
  • i.m.
Standarddosierung
Pädiatrische Dosierung
Indikationen
  • p.o.
    • Sedation in der Prämedikation vor operativen oder diagnostischen Eingriffen
    • Kurzzeittherapie von Schlafstörungen
  • i.v.
    • Basissedation bei erhaltenem Bewusstsein vor diagnostischen oder chirurgischen Eingriffen mit oder ohne Lokalanästhesie
    • Einleitung und Aufrechterhaltung der Narkose
    • Als Induktionsmittel bei Inhalationsnarkosen
    • Sedierende Komponente bei Kombinationsnarkosen einschließlich der TIVA
    • Langzeitsedation auf der Intensivpflegestation (i.v. Bolusinjektion oder Dauertropfinfusion)
    • Prämedikation zur Narkoseeinleitung
    • Akutbehandlung des Status epilepticus: siehe Midazolam-Dosierung bei Status epilepticus
Zu beachten
  • Wegen des raschen Wirkungseintritts sollte Midazolam unmittelbar vor dem Schlafengehen eingenommen werden
  • Individuelle Dosisanpassung notwendig, generell wird immer die niedrigste wirksame Dosis verwendet
  • Gefahr der Benzodiazepin-Abhängigkeit
  • Delirogenes Potential: Vorsichtige Dosierung bei älteren Patienten
  • Die Dosis sollte individuell angepasst werden; eine Dosistitration wird dringend empfohlen, damit der gewünschte Sedierungsgrad sicher und unter Berücksichtigung der klinischen Erfordernisse, des Allgemeinzustandes, des Alters und der Begleitmedikation herbeigeführt werden kann
  • CYP3A4-Metabolismus

Kontraindikationen

DANI
  • Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter, ggf. Dosisreduktion
DALI
  • Leichte bis mittlere Leberinsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter, ggf. Dosisreduktion
  • Schwere Leberinsuffizienz: Kontraindikation
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eingeschränkt verwendbar
  • Stillzeit: Die Substanz sollte in der Stillzeit nicht verwendet werden

Oxazepam

Wirkstoff Oxazepam (z.B. Adumbran®---------)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Leichte bis mittelschwere Angstzustände: Oxazepam 30–60 mg/Tag p.o., verteilt auf mehrere Einzeldosen
  • Schwere Angstzustände: Oxazepam 45–120 mg/Tag p.o., verteilt auf mehrere Einzeldosen
Indikationen
  • Symptomatische Behandlung von Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen; Zusatzbehandlung von Angstzuständen bei Depressionen
  • Bei Alkoholikern zur Behandlung akuter Entzugserscheinungen wie Tremor und Angstzustände
  • Kurzzeitbehandlung von angst- und spannungsbedingten Schlafstörungen
  • Psychogene Schlafstörungen
Zu beachten
  • Individuelle Dosisanpassung notwendig, generell wird immer die niedrigste wirksame Dosis verwendet
  • Gefahr der Benzodiazepin-Abhängigkeit
  • Delirogenes Potential: Vorsichtige Dosierung bei älteren Patienten
    • Benzodiazepine oder andere Sedativa beziehungsweise Hypnotika bei älteren Patienten sollen nicht als Mittel der ersten Wahl im Falle von Schlafstörungen, Agitation oder Delir eingesetzt werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Geriatrie)

Kontraindikationen

DANI
  • Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter, ggf. Dosisreduktion
DALI
  • Leberinsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter, ggf. Dosisreduktion
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nicht empfohlene Substanz während der Schwangerschaft
  • Stillzeit: Die Substanz sollte in der Stillzeit nicht verwendet werden

Lormetazepam

Wirkstoff Lormetazepam (z.B. Noctamid®---------)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
Indikationen
  • Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen bei Erwachsenen
Zu beachten
  • Die Tabletten sollten unmittelbar vor dem Schlafengehen eingenommen werden
  • Individuelle Dosisanpassung notwendig, generell wird immer die niedrigste wirksame Dosis verwendet
  • Gefahr der Benzodiazepin-Abhängigkeit
  • Delirogenes Potential
    • Benzodiazepine oder andere Sedativa beziehungsweise Hypnotika bei älteren Patienten sollen nicht als Mittel der ersten Wahl im Falle von Schlafstörungen, Agitation oder Delir eingesetzt werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Geriatrie)

Kontraindikationen

DANI
  • Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter, ggf. Dosisreduktion
DALI
  • Leberinsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter, ggf. Dosisreduktion
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eingeschränkt verwendbar
  • Stillzeit: Die Substanz sollte in der Stillzeit nicht verwendet werden

Lorazepam

Wirkstoff Lorazepam (z.B. Tavor®------)
Applikation
  • i.v.
  • p.o.
Standarddosierung
  • Lorazepam 1 mg p.o. 2–3×/Tag; bei älteren Patienten: Initialdosis ggf. 0,5 mg p.o.
Indikationen
  • Symptomatische Behandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen
  • Behandlung von Angstzuständen als komplizierendem Faktor bei organischen Erkrankungen (z.B. gastrointestinale Störungen)
  • Zusatzbehandlung von Angstzuständen bei Depressionen und Schizophrenien
  • Kurzzeitbehandlung von angst- und spannungsbedingten Schlafstörungen
  • Sedierung vor diagnostischen und operativen Eingriffen
  • Therapie des Status epilepticus
Zu beachten
  • Zur akuten Behandlung stehen u.a. Tabletten zur Verfügung, die augenblicklich im Mund zergehen, z.B. Tavor®------ Expidet®--------
  • Individuelle Dosisanpassung notwendig, generell wird immer die niedrigste wirksame Dosis verwendet
  • Gefahr der Benzodiazepin-Abhängigkeit
  • Delirogenes Potential: Vorsichtige Dosierung bei älteren Patienten, eine Reduzierung der Anfangsdosis um etwa 50 % ist empfohlen
    • Benzodiazepine oder andere Sedativa beziehungsweise Hypnotika bei älteren Patienten sollen nicht als Mittel der ersten Wahl im Falle von Schlafstörungen, Agitation oder Delir eingesetzt werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Geriatrie)

Kontraindikationen

DANI
DALI
  • Leichte bis mittlere Leberinsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter, ggf. Dosisreduktion
  • Schwere Leberinsuffizienz: Kontraindikation
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nicht empfohlene Substanz während der Schwangerschaft
  • Stillzeit: Die Substanz sollte in der Stillzeit nicht verwendet werden

Diazepam

Wirkstoff Diazepam (z.B. Faustan®--------, Valium®-------)
Applikation
  • p.o.
  • i.v.
Standarddosierung
  • Diazepam 5–20 mg/Tag p.o. (Einzeldosis max. 10 mg) , bei älteren Patienten max. 5 mg/Tag p.o.
  • Diazepam 10–20 mg i.v. als langsame intravenöse Injektion , Wiederholung bei Bedarf möglich
Pädiatrische Dosierung
Indikationen
  • p.o.
    • Psychische Spannungszustände, akute Ängste
    • Akute Erregungszustände
  • i.v.
    • Prämedikation bei Operationen
    • Beruhigung vor psychisch belastenden diagnostischen und therapeutischen Eingriffen
    • Behandlung von Erregung bei akuten Angstzuständen, Panikanfällen und psychotischer Alkoholreaktion
    • Akutbehandlung des Status epilepticus und anderer Krampfzustände: siehe Diazepam-Standarddosierung bei Status epilepticus
    • Bei Kindern und Jugendlichen: Fieberkrampf
Zu beachten
  • Individuelle Dosisanpassung notwendig, generell wird immer die niedrigste wirksame Dosis verwendet
  • Gefahr der Benzodiazepin-Abhängigkeit
  • Delirogenes Potential: Vorsichtige Dosierung bei älteren Patienten, max. 5 mg/Tag
    • Benzodiazepine oder andere Sedativa beziehungsweise Hypnotika bei älteren Patienten sollen nicht als Mittel der ersten Wahl im Falle von Schlafstörungen, Agitation oder Delir eingesetzt werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Geriatrie)
Kontraindikationen
DANI
DALI
  • Leichte bis mittlere Leberinsuffizienz: Evtl. Dosisreduktion

Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nicht empfohlene Substanz während der Schwangerschaft
  • Stillzeit: Die Substanz sollte in der Stillzeit nicht verwendet werden

Flunitrazepam

Wirkstoff Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®---------)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
Indikationen
  • Kurzzeittherapie von Schlafstörungen (Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen und zu frühes Erwachen am Morgen)
Zu beachten
  • Individuelle Dosisanpassung notwendig, generell wird immer die niedrigste wirksame Dosis verwendet
  • Gefahr der Benzodiazepin-Abhängigkeit
  • Delirogenes Potential: Vorsichtige Dosierung bei älteren Patienten, max. 0,5 mg/Tag

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Siehe: Kontraindikationen Benzodiazepine
  • Schlaflosigkeit bei Kindern und Jugendlichen
  • Schwere Leberinsuffizienz
DANI
DALI
  • Leichte bis mittelschwere Leberinsuffizienz: Dosisreduktion
  • Schwere Leberinsuffizienz: Kontraindikation
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nicht empfohlene Substanz während der Schwangerschaft
  • Stillzeit: Die Substanz sollte in der Stillzeit nicht verwendet werden

Temazepam

Wirkstoff Temazepam (z.B. Planum®-------)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
Indikationen
  • Kurzzeittherapie von Schlafstörungen
Zu beachten
  • Individuelle Dosisanpassung notwendig, generell wird immer die niedrigste wirksame Dosis verwendet
  • Gefahr der Benzodiazepin-Abhängigkeit
  • Delirogenes Potential: Vorsichtige Dosierung bei älteren Patienten

Kontraindikationen

DANI
DALI
  • Dosisreduktion und vorsichtige Anwendung (und kritische Indikationsstellung), insb. bei schwerer Leberinsuffizienz
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nicht empfohlene Substanz während der Schwangerschaft
  • Stillzeit: Die Substanz sollte in der Stillzeit nicht verwendet werden

Keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Die Angaben erfolgen nach sorgfältigster redaktioneller Recherche. Insbesondere aktuelle Warnhinweise und veränderte Empfehlungen müssen beachtet werden. Soweit nicht anders genannt, beziehen sich die genannten Empfehlungen auf Erwachsene.

Wirkung

Wirkung und Indikation

Wirkmechanismus

  • Mechanismus: GABA ist ein inhibitorischer ZNS-Transmitter → Die α-Untereinheit des GABA-A-Rezeptors wird von den Benzodiazepinen gebunden → GABA-Wirkung↑ → Öffnungsfrequenz von Chlorid-Kanälen↑ → Inhibitorische GABAerge Wirkung↑ → Reduktion der neuronalen Erregbarkeit
  • Folge: Demnach können Benzodiazepine vereinfacht als indirekte GABA-A-Agonisten bezeichnet werden
Wirkungen Indikationen
Anxiolytisch
Hypnotisch Sedierend
Amnestisch
Zentral muskelrelaxierend
Antikonvulsiv
  • Epileptische Anfälle (Akutbehandlung)
    • Wegen Sedation, Abhängigkeit und Toleranzentwicklung (antikonvulsiver Wirkverlust) kein Einsatz in der Dauertherapie
Wirkdauer Wirkstoff Indikationen

Abhängigkeitspotential

Kurz
  • Sehr hoch
Mittellang
  • Ein-/Durchschlafstörungen
  • Angstzustände
  • Hoch bis sehr hoch
Lang
  • Hoch

Verschreibung von Bezodiazepinen

  • Strenge Indikationsstellung, insb. bei Vorhandensein zusätzlicher komorbider Abhängigkeitserkrankungen
  • Zeitlich begrenzte Verordnungsdauer
  • Feste Einnahmeschemata statt Einnahme bei Bedarf
  • Wenn notwendig Ausschleichschema beim Absetzen
  • Aufklärung der Patienten über Suchtpotential

4Ks: Klare Indikation, Korrekte Dosierung, Kurze Anwendung, Kein abruptes Absetzen

Im Prinzip gibt es keine Indikation für eine langfristige Therapie mit Benzodiazepinen. Über einen längeren Zeitraum sollten sie nur in Ausnahmefällen und nach individueller Abwägung der Risiken verordnet werden!

Nebenwirkung

  • Affektabflachung
  • Hang-over am Folgetag
  • Atemdepression
  • Muskelschwäche
  • Amnesie
  • Sturzrisiko bei älteren Patienten erhöht
  • Paradoxe Erregung
  • Appetitsteigerung
  • Libidoverlust

Bereits nach wenigen Wochen kann es zu einer Benzodiazepin-Abhängigkeit kommen, sodass jede Indikation streng gestellt werden muss!

Benzodiazepine oder andere Sedativa beziehungsweise Hypnotika bei älteren Patienten sollen nicht als Mittel der ersten Wahl im Falle von Schlafstörungen, Agitation oder Delir eingesetzt werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Geriatrie)

Für Informationen zu Intoxikation und Abhängigkeit siehe: Benzodiazepin-Intoxikation und Benzodiazepin-Abhängigkeit im Kapitel Sedativa (Intoxikation und Abhängigkeit).

Es werden die wichtigsten Nebenwirkungen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Benzodiazepin-ähnliche Substanzen

Benzodiazepin-ähnliche Substanzen besitzen andere strukturchemische Eigenschaften als Benzodiazepine, binden jedoch an eine vergleichbare Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABAA-Rezeptors und vermitteln so Benzodiazepin-ähnliche Wirkungen. Aufgrund der ausgeprägten sedativen Wirkung bei geringerem Abhängigkeitspotential werden sie bei Schlafstörungen bevorzugt eingesetzt.

  • Substanzen
  • Wirkung
    • Sedativ-hypnotisch
    • Geringere antikonvulsive und anxiolytische Wirkung als Benzodiazepine
  • Indikation
    • Schlafstörungen (insb. Einschlafstörungen)
  • Nebenwirkungen
    • Toleranz- und Abhängigkeitsentwicklung
    • Seltener Hang-over-Effekte und Rebound-Phänomene als bei Benzodiazepinen
  • Kontraindikation

Kontraindikation

Es werden die wichtigsten Kontraindikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.