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Arterielle Blutentnahme

Abstract

Die arterielle Blutgasanalyse (BGA) stellt den Goldstandard zur Bestimmung des Oxygenierungsstatus des Blutes dar und liefert zudem Aussagen über den Säure-Basen-Haushalt. Zur Gewinnung arteriellen Blutes kann eine Arterie punktiert oder ein bereits liegender arterieller Katheter genutzt werden. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern bietet sich auch die Entnahme von arterialisiertem Kapillarblut an.

Diese Lernkarte soll einen Überblick über die Gewinnung arteriellen Blutes für eine Blutgasanalyse geben. Zur Interpretation der Blutgasanalyse → siehe arterielle Blutgasanalyse.

Indikation

Kontraindikation

Es werden die wichtigsten Kontraindikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Vorbereitung

Auswahl der Entnahmestelle

  • Zur Auswahl stehen grundsätzlich drei Möglichkeiten
    1. Direkte Punktion von Arterien
      • A. radialis
        • Einfach zugänglich, nach Punktion gut komprimierbar
        • Bevorzugte Punktionsstelle
        • Nicht-dominante Hand des Patienten wählen
      • A. femoralis
        • Aufgrund größeren Durchmessers besser als A. radialis punktierbar
        • Keine Rasur notwendig
        • Nachblutungen können leichter übersehen werden
        • Für Patienten psychologisch ggf. problematisch
      • Selten: A. ulnaris und A. brachialis
    2. Entnahme aus einem arteriellen Zugang
    3. Entnahme von arterialisiertem Kapillarblut aus Ohrläppchen, Ferse, Großzehe, Fingerbeere
  • Vorteile der arteriellen gegenüber einer kapillären BGA
    • Genaueres Ergebnis
    • Auch bei zentralisiertem Kreislauf valide Ergebnisse

Bei Zentralisation des Kreislaufs liefert die Entnahme von arterialisiertem Kapillarblut keine validen Ergebnisse!

Material zur Durchführung

  • Desinfektionsmittel
  • Untersuchungshandschuhe
  • Keimarme Tupfer
  • Abwurf
  • Patientenidentifikation z.B. in Form eines Patientenetiketts

Weitere Materialien (je nach Entnahmestelle)

Arterielle Punktion

Entnahme aus einem arteriellen Zugang

Entnahme von arterialisiertem Kapillarblut
  • BGA-Röhrchen (Heparinisiertes Blutentnahmeröhrchen)
    • Alternativ: Heparinisierte 2-mL-Spritze
  • Neue Verschlusskappe für Dreiwegehahn
  • Für die lokale Wärmeapplikation
    • Hyperämisierende Salbe (z.B. Finalgon®---------)
    • Warmes Tuch etc.
  • Lanzette
  • Heparinisierte Kapillare

Ablauf/Durchführung

Jede Blutentnahme stellt im juristischen Sinne eine Körperverletzung dar und darf (außer in Notfällen oder nach richterlicher Anordnung) nur mit entsprechender Aufklärung sowie Einwilligung des Patienten erfolgen!

Zur Interpretation der Blutgaswerte → siehe arterielle Blutgasanalyse!

Punktion der A. radialis

  1. Allen-Test durchführen
  2. Lagerung
    • Sitzend oder in Rückenlage
    • Arm ist nach außen rotiert und liegt komplett auf einer Unterlage auf
    • Handgelenk in Dorsalextension fixieren
  3. Auffinden einer Punktionsstelle
  4. Aseptisches Arbeiten
    • Hygienische Händedesinfektion
    • Einmalhandschuhe benutzen
    • Punktionsstelle desinfizieren Einwirkzeiten des verwendeten Hautdesinfektionsmittels beachten. Danach keine erneute Palpation der Punktionsstelle!
  5. Punktion im 30–60° Winkel nach proximal
    • Markierung des Arterienverlaufs und Spannen der Haut mithilfe der nicht-dominanten Hand
    • Nadelschliff zeigt nach oben
    • Dem Patienten die Punktion ankündigen
    • Rasches Durchstechen der Haut
    • Zwei Punktionstechniken
      1. "Langsames Herantasten"
      2. "Durchstechungstechnik"
  6. Aspiration von Blut
    • Hellrotes Blut gelangt aktiv und pulsatil in das BGA-Röhrchen
    • Ca. 0,5ml Blut aspirieren
  7. Entfernung und Sicherung der Kanüle
    • Je nach Nadelsystem: Direkte Entsorgung im Abwurf oder zunächst Schutz auf Nadel klappen
  8. Kompression der Punktionsstelle für 3–5 Minuten
  9. BGA-Röhrchen entlüften und verschließen
    • Es sollte keine Restluft in der Spritze verbleiben!
  10. Sofortiger Probentransport und Analyse
  11. Interpretation: → siehe arterielle Blutgasanalyse

Die Blutprobe muss so schnell wie möglich analysiert werden. Es darf zudem keine Restluft in der Spritze sein!

Punktion der A. femoralis

  1. Lagerung des Patienten
    • Auf dem Rücken liegend
    • Bein gestreckt und Oberschenkel leicht nach außen rotiert
    • Bei Behaarung keine Rasur erforderlich
  2. Palpation der A. femoralis
  3. Schritte 4–11 analog zur Punktion der A. radialis
  4. Ausreichende Kompression der Punktionsstelle
    • Manuell mind. 5 Minuten komprimieren
    • Ggf. Druckverband oder Sandsack verwenden

Entnahme von Blut aus einem arteriellen Zugang

  1. Aseptisches Arbeiten
  2. Alarm am Monitor pausieren
  3. Blutentnahme
    1. Tupfer unter den Dreiwegehahn legen
    2. Einige Milliliter Blut aspirieren und verwerfen
    3. BGA-Röhrchen anschließen und befüllen
  4. Spülen des Dreiwegehahns
  5. Dreiwegehahn desinfizieren und mit neuer Verschlusskappe verschließen
  6. Alarmpause am Monitor beenden
  7. Sofortiger Probentransport und Analyse

Entnahme von arterialisiertem Kapillarblut

  1. Ggf. Hyperämisierung der Punktionsstelle
  2. Lagerung des Patienten
    • Gewählte Punktionsstelle sollte gut erreichbar sein (z.B. Ohrläppchen, Ferse, Großzehe, Fingerbeere)
    • Möglichst bequem für Patienten
  3. Desinfektion der Punktionsstelle
  4. Punktionstechnik
    • Tiefer Einstich mit einer Lanzette
    • Ersten Bluttropfen verwerfen
    • Quetschen des umliegenden Gewebes vermeiden
  5. Aspiration von Blut in eine heparinisierte Kapillare
  6. Lanzette im Abwurf entsorgen
  7. Verschluss beider Enden der Kapillare mit Plastikstopfen
  8. Sofortiger Probentransport und Analyse
  9. Interpretation: → siehe arterielle Blutgasanalyse

Komplikationen

Komplikationen einer arteriellen Punktion

Besonders bei sehr traumatischen (z.B. Anwendung der "Durchstechungstechnik") und wiederholten Punktionen entsteht eine erhöhte Gefahr für Komplikationen!

Komplikationen einer Blutentnahme aus einem arteriellen Zugang

  • Mangelndes Durchspülen → Gerinnselbildung im Schlauchsystem
  • Unzureichende Hygiene → Infektionen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.