• Klinik

Aneurysma

Abstract

Ein Aneurysma ist eine Aussackung bzw. ein Defekt der Gefäßwand, wobei unterschiedliche Schichten betroffen sein können. Meist handelt es sich um arterielle Aneurysmen. Je nach Defekt wird unterschieden in Aneurysma verum (Aussackung aller Schichten), Aneurysma spurium/falsum (Perforation der Gefäßwand mit Bildung eines extravasalen Hämatoms) und Aneurysma dissecans (Einriss der Intima und Spaltung der Gefäßwand mit Ausbildung eines zweiten Lumens). Ursächlich sind häufig Arteriosklerose, arterielle Hypertonie oder Traumen. Die Klinik der Aneurysmen reicht von asymptomatischen Befunden bis hin zu hoch akuten Erkrankungen mit Vernichtungsschmerz und akuter Lebensbedrohung, z.B. bei Ruptur eines Aortenaneurysmas. Neben Aneurysmen der Gefäße gibt es auch Herzaneurysmen, wir beschränken uns im Folgenden jedoch auf die vaskulären Formen.

Dieses Übersichtskapitel beleuchtet lediglich die Charakteristika der unterschiedlichen Aneurysmaformen, detailliertere Informationen sind in separaten Kapiteln zu finden (siehe z.B.: Aortenaneurysma, Aortendissektion).

Aneurysma-Formen

Aneurysma verum[1]

Aneurysma dissecans [3][4]

  • Definition
    • Auseinanderreißen der Media mit nachfolgender Trennung der vaskulären Wandschichten und Ausbildung eines zweiten (Pseudo‑)Lumens
    • Streng genommen kein Aneurysma [5]
  • Ätiologie
  • Pathophysiologie: Häufig Einriss der IntimaBlut strömt zwischen Schichten der Media (im Sinne einer Wühlblutung) → Entwicklung eines zweiten (Pseudo‑)Lumens → Ggf. weiterer (distaler) Intimaeinriss mit Ausbildung eines „Reentries“

Aneurysma spurium [7]

  • Synonyme: Aneurysma falsum, Pseudoaneurysma
  • Definition: Nach Perforation der Gefäßwand entstehende Einblutung ins umliegende Gewebe mit bindegewebiger Organisation des Hämatoms und persistierender Verbindung zum Gefäßlumen
  • Ätiologie
    • Meist iatrogen: Insb. nach Gefäßpunktion bei arteriellen Katheteruntersuchungen, nach gefäßchirurgischen Eingriffen (Bypass-Anlage)
    • Weitere: Traumatisch, infektbedingt
    • Risikofaktoren: U.a. weibliches Geschlecht, Alter >65 Jahre, arterieller Hypertonus, Thrombozytenaggregationshemmung, gleichzeitige arterielle und venöse Intervention
  • Pathophysiologie: Perforation der Gefäßwand mit Blutung ins umliegende Gewebe → Bildung eines extravasalen Hämatoms → Begrenzung der Hämatomausdehnung durch umgebende Strukturen → Bindegewebige Organisation des Hämatoms → Bildung einer falschen GefäßwandFalsches Aneurysma
  • Therapie
    • Bei kleinem, symptomarmem Aneurysma spurium: Konservativer Therapieversuch
    • Meist operative Ausräumung notwendig

Typische Lokalisationen

Aorta

Siehe: Abdominelles Aortenaneurysma und Thorakales Aortenaneurysma

Arterien der Hirnbasis

Extremitätenarterien

Aneurysma der A. poplitea [8][9]

  • Besonderheiten
    • Häufigstes peripheres Aneurysma, gehäuftes Auftreten bei älteren Männern
    • In 50–60% der Fälle beidseitig
    • In 50% der Fälle gleichzeitiges Vorliegen eines abdominellen Aortenaneurysmas [10]
    • Risiko der Thrombosierung
  • Diagnostik: Farbcodierte Duplexsonographie, CT-Angiographie (alternativ: MR-Angio) zur präinterventionellen Planung
  • Therapie
    • Indikation zur Gefäßrekonstruktion
      • Symptomatische Aneurysmen: Bspw. Kniebeschwerden, Ischämiezeichen oder
      • Durchmesser >2 cm oder Nachweis eines Thrombussaums
    • Therapieoptionen
      • Operative Anlage eines autologen Venenbypasses oder -Interponats und Ligatur des Aneurysmas
      • Endovaskuläre Versorgung mit Einlage eines Stents

Weitere mögliche Lokalisationen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2020

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2020, DIMDI.