Die aufgeführten Informationen richten sich an Studierende sowie Angehörige eines Heilberufes und ersetzen keinen Arztbesuch. Disclaimer aufrufen.

banner image

amboss

Fachwissen für Mediziner im ärztlichen Alltag und Studium

Kostenfrei testen

Untersuchungsmethoden in der Kardiologie

Last updated: 22.12.2020

Abstract

Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Untersuchungsmethoden (körperliche Untersuchung und apparative Diagnostik) in der Kardiologie.

Körperliche Untersuchung in der Kardiologie

Allgemeines

Vor JEDER apparativen Diagnostik sollte eine körperliche Untersuchung erfolgen!

Palpation des Herzens

Auskultation des Herzens

Wie in der Vorklinik: "Anton Pulmann trinkt Milch um 22:45 Uhr."

Auskultationsbefunde nach Lokalisation des Herzgeräusches Befund Mögliche Ursachen
Betroffene Struktur Geräusch

Erb-Punkt

Der Erb-Punkt liegt ventral über dem Herzen. Seine Auskultation hat die Funktion, zunächst ganz allgemein festzustellen, ob überhaupt ein (pathologisches) Herzgeräusch vorhanden ist. Mit Hilfe einer gleichzeitigen Pulsmessung kann zudem ein Herzgeräusch in Systolikum und Diastolikum eingeteilt werden. Ein Rückschluss vom Herzgeräusch auf die verursachende Herzklappe ist am Erb-Punkt jedoch nur begrenzt möglich.

Linksventrikuläre Ausflussbahn und/oder Mitralklappe

Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (HOCM)

2. ICR rechts parasternal

Aortenklappe

Aortenstenose

Aorteninsuffizienz

5. ICR links medioklavikulär Mitralklappe Mitralinsuffizienz
  • Systolikum: Spätsystolisches Crescendo
  • Ggf. hochfrequenter, mittelsystolischer Klick
Mitralklappenprolaps
Mitralstenose

2. ICR links parasternal

Pulmonalklappe Pulmonalstenose
Pulmonalinsuffizienz
Ductus arteriosus Botalli Persistierender Ductus arteriosus Botalli (PDA)
3./4. ICR links parasternal Ventrikelseptum

Ventrikelseptumdefekt

4. ICR rechts parasternal

Trikuspidalklappe Trikuspidalinsuffizienz
Trikuspidalstenose
siehe auch: Klappenvitien und ihre Auskultationsbefunde

Grundlagen: Herztöne und -geräusche

Siehe auch: Allgemeine Hinweise zur Auskultation

Veraltet: Sechstel-Klassifikation der Lautheit

Lautstärke des Geräusches

Interpretation
1/6 Sehr leises, vom Geübten noch wahrnehmbares Geräusch
2/6 Leises, jedoch gut erkennbares Geräusch
3/6 Mittellautes Geräusch, durch die aufgelegte Hand hindurch auskultierbar
4/6 Lautes Geräusch mit Schwirren, noch proximal des Handrückens auskultierbar
5/6 Sehr lautes Geräusch, von der aufgelegten Hand bis zum Unterarm fortgeleitet
6/6 Distanzgeräusch, auch ohne direktes Aufsetzen des Stethoskops hörbar

Herzgeräusche bei Kindern

Bei Kindern können die Herzgeräusche nach ihrer Ursache in drei Kategorien eingeteilt werden:

Ein Herzgeräusch sollte bei Erstdiagnose stets eine Abklärung mit Echokardiographie oder anderen geeigneten kinderkardiologischen Methoden initiieren!

Apparative Diagnostik in der Kardiologie

  • Echokardiographie: Durchführung je nach Indikation als TTE oder TEE, siehe auch Aortenklappenstenose
    • Klappendiagnostik → Ermöglicht Einstufung der Schwere eines Vitiums (gering-, mittel-, hochgradig)
      • Bestimmung des mittleren Druckgradienten
        • Physiologisch: Bei gesunden Herzklappen ist der Druckgradient annähernd null
        • Pathologisch: Bei Stenosen oder künstlichen Herzklappen ist der Druckgradient erhöht
      • Bestimmung der Klappenöffnungsfläche: Vermindert bei einer Klappenstenose
      • Bestimmung des Refluxes im Farbduplex: Erhöht bei einer Klappeninsuffizienz
    • Beurteilung der Pumpfunktion
    • Nachweis und Beurteilung weiterer Auffälligkeiten (Septumdefekt, Aneurysma, Thrombus, u.a.)
  • Kardio-MRT-/CT
  • Myokardszintigraphie (eher bei ischämischer Herzkrankheit)

Invasive Diagnostik

Quellen

  1. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  2. Le, Bhushan: First Aid for the USMLE Step 1 2013. McGraw Hill Professional 2012, ISBN: 978-0-071-80232-1 .
  3. Erdmann: Klinische Kardiologie. 8. Auflage Springer 2011, ISBN: 978-3-642-16480-4 .
  4. Füeßl, Middeke: Anamnese und klinische Untersuchung. 4. Auflage Thieme 2010, ISBN: 978-3-131-26884-6 .