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Vorhofflimmern (VHF…)

Abstract

Das Vorhofflimmern ist eine häufige Herzrhythmusstörung, die ca. 1–2% der Bevölkerung in Deutschland betrifft und im Rahmen verschiedener kardialer oder extrakardialer Grunderkrankungen auftreten kann. Klinisch bleibt das Vorhofflimmern häufig symptomarm, es kann jedoch auch zu Palpitationen und Herzrasen führen. Bei Brady- oder Tachyarrhythmien können Synkopen auftreten, während durch die fehlende Synchronität zwischen Vorhof und Kammer auch Symptome einer Herzinsuffizienz hervorgerufen oder verschlimmert werden können. Durch Bedingungen einer turbulenten Strömung im linken Vorhof bei ineffektiver Kontraktion wird zudem eine Thrombenbildung begünstigt, was zu einem deutlich erhöhten Risiko für Thromboembolien führt.

Diagnostisch lässt sich die Erkrankung im EKG durch unregelmäßige QRS-Komplexe („Arrhythmia absoluta“) sowie fehlende P-Wellen feststellen. Intermittierend auftretende Episoden können durch das Langzeit-EKG oder den Eventrekorder diagnostiziert werden. Aufgrund des erhöhten Thromboembolie-Risikos besteht bei Patienten mit Vorhofflimmern und erhöhtem Risikoprofil ggf. die Indikation zur langfristigen oralen Antikoagulation, wobei die Kontraindikationen beachtet werden müssen. Als grundsätzliche symptomatische Therapieformen können die Frequenz- und Rhythmuskontrolle unterschieden werden. Eine Rhythmustherapie mittels Kardioversion kann vorgenommen werden, nachdem zuvor das Vorhandensein von kardialen Thromben (mittels transösophagealer Echokardiographie) ausgeschlossen oder eine Antikoagulation in den letzten vier Wochen gesichert vorgenommen worden ist.

Epidemiologie

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Valvuläres vs. nicht-valvuläres Vorhofflimmern

Es handelt sich hierbei um eine inzwischen eher historische Unterteilung.

  • Klassisches valvuläres Vorhofflimmern: Enger definiert als Vorhofflimmern bei (rheumatischer) Mitralstenose bzw. nach mechanischem Herzklappenersatz → Deutlich erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse gegenüber anderen Formen des Vorhofflimmerns
  • Pathophysiologie: Herzklappenerkrankungen, insb. eine Mitralstenose, führen zu chronischer Druck- und Volumenbelastung des linken Vorhofs und zu einer fortschreitenden Hypertrophie und Fibrose. Kreisende Erregungen auf Vorhofebene werden begünstigt.
  • Häufigkeit von Herzklappenerkrankungen: Ca. 30% der Patienten mit Vorhofflimmern haben eine echokardiographisch nachweisbare pathologische Herzklappenveränderung, nur ein kleiner Teil fällt in die engere Definition des valvulären Vorhofflimmerns

Klassifikation

Symptome/Klinik

EHRA-Score

  • Anwendung: Zur Einordnung von Symptomen, die durch das Vorhofflimmern verursacht werden
  • Ziel: Entscheidungshilfe bezüglich des angestrebten Therapieziels (Rhythmuskontrolle oder Frequenzkontrolle)
EHRA-Score zur Graduierung von Symptomen bei Vorhofflimmern
EHRA I Asymptomatisch
EHRA II Leichte Symptome, Alltagskompetenz erhalten
EHRA III Schwere Symptome, Alltagskompetenz eingeschränkt
EHRA IV Massive Symptome, keinerlei Alltagskompetenz

Diagnostik

  • Anamnese und klinische Untersuchung
    • Beginn des Vorhofflimmerns – sicher oder unsicher?
    • Mögliche Auslöser des Vorhofflimmerns erfragen: Körperliche Belastung, Alkohol, Infektionen
    • Hinweise auf stattgehabte Embolien: Hirninfarkte/TIA, Niereninfarkte, Milzinfarkte, Mesenterialinfarkte
    • Palpation des Pulses: Unregelmäßige Herzaktion
    • Pulsdefizit: Differenz zwischen peripher tastbarer Pulsfrequenz und „hörbarer“ bzw. im EKG angegebener Herzfrequenz
    • Wechselnde Lautstärke des 1. Herztons
    • Erfragen von Risikofaktoren und Vorerkrankungen (siehe: Epidemiologie & Ätiologie)
  • Labordiagnostik
  • EKG
  • Langzeit-EKG
    • Detektion eines (vermuteten) Vorhofflimmerns bzw. einer Rhythmusinstabilität
    • Erfassung des Herzfrequenzprofils
  • Event-Recorder: Erlaubt bei fortbestehendem Verdacht und bisher nicht nachweisbarem Vorhofflimmern eine längere EKG-Aufzeichnung
  • Echokardiographie
    • Untersuchung auf strukturelle Herzerkrankungen bei Erstdiagnose
    • Verlaufsuntersuchungen bei bekanntem Vorhofflimmern, insb. bei Veränderung und Dynamik der Symptomatik

Differentialdiagnosen

Vorhofflattern

  • Definition
    • Vorhofflattern ist eine Form der supraventrikulären Tachykardie mit gleichförmiger Vorhoffrequenz (i.d.R. 250–450/min)
    • Vorhofflimmern und Vorhofflattern können auch ineinander übergehen
  • Diagnostik: Typisches kontinuierliches „Sägezahnmuster“ in II, III , avF anstelle von P-Wellen, meist rhythmisch im Gegensatz zum i.d.R. absolut arrhythmischen Vorhofflimmern im Ruhe-EKG, Kammerfrequenz i.d.R. ca. 140/min
    • Überleitung: Der AV-Knoten filtert die hohen Frequenzen und schützt vor einer schnellen Überleitung (1:1) auf den Ventrikel
      • Rhythmische Kammeraktion: 2:1-, 3:1- und 4:1-Überleitungen zwischen Vorhof und Kammer, es zeigt sich eine rhythmische Kammeraktion
      • Typische Kammerfrequenz bei ca. 140/min
      • Arrhythmische Kammeraktion: Variable Überleitungsraten; es resultieren arrhythmische Kammeraktionen
    • Valsalva-Manöver oder Adenosin: Können bei Problemen der Diagnosestellung unterstützend genutzt werden, um die Flatterwellenmorphologie zu demaskieren
  • Formen: Im Gegensatz zu Vorhofflimmern besteht zumindest bei der typischen Form des Vorhofflatterns eine definierte elektrophysiologische Leitungsbildung und -ausbreitung
    • Typisches Vorhofflattern (ca. 85%): Die arrhythmogene Erregungsausbreitung erfolgt als Makro-Reentry-Kreislauf entlang des cavotrikuspidalen Isthmus des rechten Vorhofs. Nach Richtungsverlauf der Erregungsausbreitung werden zwei Unterformen unterschieden
      • Counter-Clockwise type: Negative Flatterwellen in II, III, avF und positive Flatterwellen in V1, die Erregungsausbreitung verläuft gegen den Uhrzeigersinn
      • Clockwise type: Positive Flatterwellen in II, III, avF und negative Flatterwellen in V1, die Erregungsausbreitung verläuft im Uhrzeigersinn
    • Atypisches Vorhofflattern (ca. 15%): Sägezahnmorphologie der Vorhofaktivität, die nicht in das Polaritätenmuster des typischen Vorhofflatterns passt
  • Therapie: Medikamentös wie beim Vorhofflimmern , bei typischem Vorhofflattern ist jedoch eine Katheterablation (Isthmusablation) zur Rhythmuskontrolle erfolgversprechend

Weitere

  • Supraventrikuläre Tachykardien inkl. Präexzitationssyndromen
  • Ventrikuläre Tachykardie, insb. bei Patienten mit einem Schenkelblockbild

Bei bekanntem oder vermutetem Präexzitationssyndrom und zusätzlichem Vorhofflimmern oder Vorhofflattern keine negativ chronotrope Therapie mit Wirkung auf den AV-Knoten (Digitalisglykoside, Verapamil, Beta-Blocker) verabreichen, sondern elektrisch kardiovertieren – ansonsten droht die Induktion von Kammerflimmern!

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Therapiegrundsätze und Ziele

  1. Verhinderung thromboembolischer EreignisseThromboembolieprophylaxe
  2. Verhinderung zu hoher KammerfrequenzenFrequenzkontrolle
  3. Wiederherstellung des Sinusrhythmus bei geeigneten PatientenRhythmuskontrolle
  4. „Upstream-Therapie“ → Behandlung ätiologisch zugrundeliegender Faktoren (z.B. Behandlung einer arteriellen Hypertonie)

Maßnahmen zur Thromboembolieprophylaxe und zur basalen Frequenzkontrolle sind initial vorrangige Therapieziele bei Vorhofflimmern, die weiteren Schritte müssen nach vollständiger diagnostischer Evaluation geplant und ggf. eingeleitet werden!

Thromboembolieprophylaxe bei Vorhofflimmern

Bei Patienten mit Vorhofflimmern und dadurch erhöhtem Schlaganfallrisiko (CHA2DS2VASc-Score Frauen ≥3, Männer ≥2) soll eine unbefristete Blutverdünnung (orale Antikoagulation) durchgeführt werden . (DGIM - Klug entscheiden in der Kardiologie)

Bei Patienten mit Vorhofflimmern und dennoch nur geringem Schlaganfall-Risiko (CHA2DS2VASc-Score = 0) soll eine Blutverdünnung nicht durchgeführt werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Kardiologie)

Vorhofohrverschluss

  • Indikation: Möglichkeit einer Thromboembolie-Prophylaxe für Patienten, bei denen eine Antikoagulationsbehandlung langfristig nicht möglich ist oder abgelehnt wird
  • Therapieprinzip: Ausschaltung des Vorhofohres am linken Vorhof („Left Atrial Appendage“, LAA), das in den meisten Fällen Bildungsort eines Vorhofthrombus ist
    • Interventioneller Vorhofohrverschluss: Einbringen eines Okklusionssystems im linken Vorhofohr, dadurch zirkuliert in diesem Bereich kein Blut mehr
    • Operative Vorhofohrresektion: Patienten, denen eine kardiochirurgische Operation bevorsteht, können von einer Resektion des linken Vorhofohres profitieren.
  • Bewertung
    • Anwendungshäufigkeit: Behandlungszentren mit Erfahrung in der Anwendung sind nicht weit verbreitet. Beim interventionellen Vorhofohrverschluss ist ein klarer Zusammenhang zwischen der Erfahrung des behandelnden interventionellen Kardiologen und der Komplikationsrate gegeben.
    • Evidenz: Die Datenlage ist uneinheitlich; weitere Untersuchungen, insb. zum Stellenwert eines epikardialen Vorhofohrverschlusses, fehlen.
    • ASS nach Intervention: Beim konventionellen interventionellen Verschluss ist eine fortwährende ASS-Therapie notwendig, die auch mit einem Blutungsrisiko einhergeht.

Frequenzkontrolle

Calciumantagonisten vom Verapamil-Typ dürfen nicht mit Beta-Blockern kombiniert werden, da AV-Blockierungen und eine Abnahme der Auswurfleistung zu befürchten sind!

Bradyarrhythmia absoluta

Rhythmuskontrolle (Kardioversion)

Voraussetzungen für eine Kardioversion

  • Berücksichtigung des Thromboembolie-Risikos
    • Jedes Konversionsereignis von Vorhofflimmern in den Sinusrhythmus stellt ein Triggerereignis für eine Thromboembolie dar
    • Antikoagulation: Eine therapeutische Antikoagulation sollte bei geplanter Kardioversion bereits etabliert bzw. ausreichend lange erfolgt sein – während und nach einer Kardioversion fortgeführt werden und im Rahmen einer langfristigen Rhythmuskontrolle aufrecht erhalten werden sofern das Schlaganfallrisiko erhöht ist (CHA2DS2VASc-Score)
  • TEE zum Thrombenausschluss: Im Zweifel muss vor jeder rhythmuskontrollierenden therapeutischen Intervention eine transösophageale Echokardiographie zum Ausschluss eines Vorhofthrombus erfolgen.
    • Vorhofflimmern <48 Stunden: Eine Rhythmuskontrolle kann i.d.R. ohne TEE erfolgen
    • Vorhofflimmern >48 Stunden: Immer TEE vor Rhythmuskontrolle!
      • Ausnahme: Vorbestehende und glaubhaft dokumentierte therapeutische Antikoagulation für mindestens 4 Wochen vor dem Auftreten des Vorhofflimmerns
    • Bei Vorhofthrombus-Nachweis: Einleitung einer therapeutischen Antikoagulation für 4 Wochen
  • Nach der Rhythmuskontrolle: Fortführung der therapeutischen Antikoagulation für mindestens 4–6 Wochen

Therapeutische Optionen

Frequenzkontrolle - klinische Anwendung

Stufenweise Eskalation einer Frequenzkontrolle
Basistherapie
Eskalation Stufe I
Eskalation Stufe II

Amiodaron nicht(!) zur Frequenzkontrolle einsetzen, wenn ein Vorhofthrombus besteht, da durch eine unbeabsichtigte Rhythmisierung thromboembolische Komplikationen ausgelöst werden können!

Je intensiver eine Frequenzkontrolle erfolgt, desto höher ist das Risiko einer symptomatischen Bradykardie mit der Notwendigkeit einer Herzschrittmacher-Implantation!

Akute Frequenzkontrolle bei Tachyarrhythmia absoluta

Sonderfall Präexzitationssyndrom

Präexzitationssyndrome sind Störungen der Herzerregung, die durch eine vorzeitige Überleitung auf das Kammermyokard gekennzeichnet sind. Die Ursache sind akzessorische Leitungsbahnen, bekanntester Vertreter ist das Wolff-Parkinson-White-Syndrom. Bei Vorhofflimmern dient der AV-Knoten normalerweise als Filter, sodass die übergeleitete Frequenz begrenzt wird. Die zusätzliche Leitungsbahn bei Präexzitationssyndromen leitet aber häufig ungefiltert, sodass die Kombination aus Präexzitationssyndrom und Vorhofflimmern zu lebensgefährlichen Kammertachykardien führen kann.

Vorhofflimmern ist bei gleichzeitigem Vorliegen eines Präexzitationssyndroms als lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung zu bewerten!

  • Gefahr: Paradoxe Beschleunigung unter frequenzkontrollierender Medikation, z.B.
    1. Beta-Blocker, Adenosin, Verapamil und Digitalis-Präparate verlangsamen/blockieren die Überleitung im AV-Knoten, beeinflussen aber die akzessorische Leitungsbahn nicht
    2. Dadurch erfolgt die Überleitung unter Umständen hauptsächlich über die akzessorische Leitungsbahn, die keine Frequenzfilterfunktion besitzt
    3. Eine beschleunigte Überleitung mit der Entwicklung lebensbedrohlicher Kammertachykardien ist möglich
  • Therapie

Bei Vorhofflimmern kann ein Präexzitationssyndrom im normalen EKG nicht diagnostiziert werden. Kommt es nach Gabe von frequenzkontrollierender Medikation zu einem Frequenzanstieg, sollte man an eine akzessorische Leitungsbahn denken!

Bei bekanntem Präexzitationssyndrom und Vorhofflimmern sind Adenosin, Beta-Blocker, Verapamil und Digitalis kontraindiziert!

Langfristige Frequenzkontrolle bei Tachyarrhythmia absoluta

Akute Frequenzkontrolle bei Bradyarrhythmia absoluta

Meistens tritt bei Vorhofflimmern eine Tachykardie auf. Es kann jedoch auch zu bedrohlichen Bradykardien kommen, insb. bei vorbestehenden Störungen der Erregungsausbreitung oder unter frequenzsenkender Medikation.

  • Ursachen beheben
  • Intravenöse Therapie mit Atropin
  • Eskalation: Intravenöse Therapie Orciprenalin
  • Temporärer Schrittmacher
    • Zur Überbrückung bis zu einer definitiven Schrittmacherversorgung oder bis zur Behebung der Ursache kann ein temporärer Schrittmacher eingesetzt werden
  • Ggf. Planung einer definitiven Schrittmacherversorgung
    • Wenn keine behandelbare Ursache vorliegt, ist eine symptomatische Bradykardie unter Vorhofflimmern im Allgemeinen eine Indikation für eine Schrittmacherversorgung
  • Bei hämodynamischer Instabilität: Kardioversion
    • Falls diese erfolglos bleibt, kann als Ultima ratio eine externe Schrittmacherstimulation durchgeführt werden

Chronotrope Insuffizienz unter Frequenzkontrolle

Rhythmuskontrolle - klinische Anwendung

Akute Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern

  • In der Akutsituation
  • Medikamentöse Optionen: Die Auswahl des Medikaments richtet sich nach dem Ausmaß vorbestehender Herzerkrankungen

Langfristige Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern

  • Leitsätze zur langfristigen Rhythmuskontrolle
    • Realismus: Die Effektivität aller Wirkstoffe ist begrenzt; langfristiges Ziel ist daher eher die Reduktion der Anzahl und der Frequenz symptomatischer Rezidive eines Vorhofflimmerns.
    • Risikoadaptation: Jedes Antiarrhythmikum hat proarrhythmogenes Potential, sodass die Kontraindikationen streng zu beachten sind.
    • Reevaluation: Regelmäßig sollte eine begonnene Therapie bezüglich ihrer Effektivität und dem Auftreten von Nebenwirkungen geprüft werden, ggf. ist die Fortführung einer Therapie kritisch zu hinterfragen.
  • Pill-in-the-Pocket: Flecainid oder Propafenon
Medikamentöse Optionen zur langfristigen Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern
Wirkstoff Dosierung und Tipps Sicherheitshinweise
Flecainid
  • Flecainid
  • Einmalgabe bei Pill-in-the-pocket möglich
  • Kontraindikation: Strukturelle Herzerkrankung, insb. bei KHK (proarrhythmogen)
  • Kann Vorhofflattern und Schenkelblockbilder induzieren
  • Kann AV-Blockbilder induzieren
Propafenon
  • Propafenon
  • Einmalgabe bei Pill-in-the-pocket möglich
Amiodaron
  • Amiodaron
  • Aufdosierung intravenös oder per os
Dronedaron
  • Nur bei KHK ohne eingeschränkte Pumpfunktion zugelassen!
  • Weniger potent als Amiodaron
  • Interaktionen wie bei Amiodaron zu beachten; jedoch keine Schilddrüsenfunktionsstörung, da kein Jodgehalt
Sotalol
Therapiestart
  • EKG-Kontrollen: Zu Therapiebeginn im stationären Umfeld täglich, insb. auf Anstiege der QT-Zeit achten
  • Strukturelle Herzerkrankungen erfassen und Status dokumentieren
  • Ggf. je nach Medikament Kontrolluntersuchungen planen und dem Patienten mitteilen

Elektrische Kardioversion - klinische Anwendung

Vorbereitung

  • TEE: Ausschluss eines Vorhofthrombus, wenn erforderlich (siehe: Therapie)
  • Labor
  • Antikoagulation: Prüfen, ob eine wirksame Antikoagulation etabliert ist
  • Patientenvorbereitung
    • Aufklärung und schriftliche Einverständniserklärung über Kardioversion und Analgosedierung
    • Nüchterngebot 6 h vor der Kardioversion
    • Ggf. Rasur bei starker Behaarung an Brust und Rücken
    • Flügelhemd anziehen lassen
    • Patienten die Blase entleeren lassen
    • Zahnprothesen, Brille und andere Accessoires ablegen lassen
  • Material & Monitoring
    • Kontinuierliches EKG-Monitoring (Pulston laut stellen) und Pulsoxymetrie
    • Blutdruckmanschette mit einstellbarem automatischen Messprotokoll nach Bedarf
    • Defibrillator mit Klebestreifen oder Defibrillationspads
    • Absauggerät, Laryngoskop (Funktion prüfen!) und Intubationsutensilien bereithalten
    • Sauerstoffbrille zur nasalen Insufflation
    • Beatmungsbeutel und geeignete Maske
    • Mindestens ein venöser Zugang

Sedierung

  • Analgosedierung: Der Patient wird sedativ und analgetisch behandelt, dabei ist die Spontanatmung zu erhalten
  • Durchführung: In Intubationsbereitschaft
    • Infusion: Vollelektrolytlösung 500–1.000 mL über den Zugang laufen lassen, Medikamente zur Sedierung über einen Drei-Wege-Hahn applizieren
    • Standard: Fentanyl und Propofol
    • Alternative: Etomidat

Kardioversion

  • Defibrillator
    • EKG-Elektroden des Defibrillators zur Aufzeichnung anbringen
    • Synchronisierten Betriebsmodus einstellen
  • Paddles und Elektroden
    • Paddles: Verwendung mit reichlich leitendem Gel oder spezieller Defibrillations-Pads (z.B. Defib-Pads®-----) unter fester Auflage und ausreichendem Druck
    • Klebeelektroden: Aufkleben auf unbehaarte bzw. rasierte Haut, Nutzen der vollen Kontaktfläche der Klebeelektroden, die Klebeflächen sollten keine Aufwerfungen zeigen
  • Elektrodenposition: Grundsätzlich soll der Stromfluss zwischen den Elektroden das Herz und bei der Kardioversion insb. den linken Vorhof erfassen
    • Anteroposteriore Variante (effektiver): Frontale Elektrode rechts parasternal im 3. ICR in der Medioklavikularlinie, dorsale Elektrode links infraskapulär
    • Anterolaterale Variante: Rechts parasternal im 3. ICR in der Medioklavikularlinie und links über der Herzspitze im 5. ICR in der vorderen Axillarlinie
    • Schrittmacherpatienten: Bei Patienten mit Schrittmacher und/oder ICD-System sollte die anteroposteriore Variante bevorzugt und ein Abstand von >8 cm zum Aggregat eingehalten werden
  • Energiewahl:
    • 1. Versuch: 120–150 J biphasisch
    • 2. Versuch: 150–200 J biphasisch
    • 3. Versuch: 200 J biphasisch
  • Stromabgabe
    • Laden: Vor dem Laden alle Anwesenden vom Bett wegtreten lassen, laute Ansage „Laden“
    • Schocken: Abgabe durch Betätigen der Auslösetaste, laute Ansage „Strom“
    • Checken: Patienten und EKG-Monitor beobachten und Effekt prüfen
  • Amiodaron-Gabe: Optional kann bei frustraner Kardioversion nach der Gabe von Amiodaron erneut eine Kardioversion versucht werden

Überwachung

  • Intensiviertes Monitoring und personelle Zuwendung bis der Patient wach, ansprechbar und kreislaufstabil ist
  • EKG-Monitoring für mindestens weitere 3 Stunden
  • Ggf. Schrittmacherkontrolle nach Kardioversion und Terminvereinbarung zur erneuten Kontrolle

Schrittmacherpatienten

  • Vor der Kardioversion
    • Prüfung der Impedanzen, der Batteriespannung und der Reizschwellen; ggf. sollte bei schrittmacherabhängigen Patienten die Stimulationsamplitude gesteigert werden (mind. doppelt so hoch wie die Reizschwellen), um bei einer Schädigung der Elektroden eine Funktionalität zu erhalten.
    • Bei implantierten Kardiovertern und Defibrillatoren kann ggf. eine interne, synchronisierte Stromabgabe zur Kardioversion genutzt werden.
  • Während der Kardioversion
    • Programmiergerät hochgefahren am Patientenbett, aber nicht den Magneten auflegen
    • >8 cm Abstand der Elektrodenpositionen zum Aggregat
    • Ggf. bedarfsweise Steigerung der Stimulationsamplitude bei (passagerer) Schrittmacherdysfunktion
  • Nach der Kardioversion
    • Schrittmacherkontrolle mit Abfrage aller Funktionsparameter; selten kommt es zu einem Reset der zuvor eingestellten Programmierungen, dann wird eine erneute Programmierung der Schrittmacherfunktionen auf die Patientenbedürfnisse erforderlich
    • Ca. eine Woche später erneute Schrittmacherkontrolle

Das Vorhandensein eines Herzschrittmachers ist eine relative Kontraindikation für die elektrische Kardioversion. I.d.R. kann aber bei Beachtung der Sicherheitsregeln eine Schädigung von Gerät und Elektroden verhindert werden!

Komplikationen

Thromboembolie

Die drei wichtigsten Embolieorgane sind Gehirn, Niere und Milz!

CHA2DS2VASc-Score (Akronym) [1]

Akronym Risikofaktor Punkte
C Chronische Herzinsuffizienz* oder linksventrikuläre Dysfunktion 1
H Hypertonus (arterielle Hypertonie) 1
A2 Alter ≥75 Jahre 2
D Diabetes mellitus 1
S2 Schlaganfall/TIA/Thromboembolie 2
V Vaskuläre Vorerkrankung, KHK, periphere arterielle Verschlusskrankheit oder Aortenplaque 1
A Alter 65–74 Jahre 1
Sc

Sex Category: Weibliches Geschlecht

1

*Auch Mitralklappenvitien stellen eine Indikation zur Antikoagulation dar

CHA2DS2VASc-Score (Rechner)

Thromboembolie-Risiko ohne Antikoagulation

CHA2DS2VASc-Score Schlaganfallrisiko/Jahr
1 ca. 1%
2 ca. 2%
3 ca. 3%
4 ca. 4%
5 ca. 7%
6 ca. 10%

Blutungsrisiko nach HAS-BLED-Score [2]

HAS-BLED Kriterium Punktwert
H Hypertonus 1
A Abnorme Funktion von Niere (1 Punkt) oder Leber (1 Punkt) 1–2
S Schlaganfall 1
B Blutungsneigung (z.B. bekannte Hämophilie) 1
L Labile INR-Werte (unter Therapie mit Vitamin-K-Antagonist) 1
E Elderly, Alter >65 Jahre 1
D Drugs, Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern, NSAR (1 Punkt) oder Alkoholabusus (1 Punkt) 1–2
Auswertung
  • Score ≤2: Niedriges bis moderates Blutungsrisiko
  • Score >2: Hohes Blutungsrisiko

Ein hoher HAS-BLED-Score schließt die Möglichkeit einer Antikoagulation nicht aus – Patienten mit einem hohen Score erfordern jedoch bei Einstellung und Überwachung einer Antikoagulation besondere Sorgfalt!

HAS-BLED-Score (Rechner)

Weitere Komplikationen

Insb. durch eine unkontrollierte Tachyarrhythmia absoluta bei Vorhofflimmern kann die Herzleistung kurz- oder langfristig eingeschränkt sein – es resultiert die Klinik einer Herzinsuffizienz.

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Patienteninformationen

Fahrtauglichkeit bei Vorhofflimmern und Vorhofflattern

Siehe: Fahrtauglichkeit bei supraventrikulären Herzrhythmusstörungen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.