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Polyneuropathie

Letzte Aktualisierung: 9.6.2021

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Bei der Polyneuropathie handelt es sich um eine Erkrankung, bei der mehrere, meist periphere Nerven unterschiedlicher Qualitäten durch eine systemische Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Klinisch äußert sich die Polyneuropathie in den meisten Fällen als distal betonte, symmetrische Form. Therapeutisch muss die Grunderkrankung behandelt werden.

Allgemein

Die Ursachen sind vielfältig. In westlichen Ländern stellen Diabetes mellitus und Alkoholkonsum die häufigsten Ursachen für die Polyneuropathie dar.

Speziell

Toxisch

Entzündlich

Infektiös

Paraneoplastisch [1]

Allgemeine Einteilung

Symmetrisches Verteilungsmuster

Asymmetrisches Verteilungsmuster

Vegetativ

Betrachtung spezieller Polyneuropathien

Diabetische Polyneuropathie

Alkoholische Polyneuropathie

Hereditäre Polyneuropathien

Hereditäre motorisch-sensible Neuropathien (HMSN I–VII)

Lösungsmittel-bedingte Polyneuropathie

  • Bezüglich einzelner Stoffe siehe Erkrankungen durch organische Lösungsmittel
  • Typisch ist die symmetrische, distal betonte, sensomotorische Polyneuropathie
  • Bei einem anderen Verteilungsmuster sind Lösungsmittel als Ursache unwahrscheinlich
  • Auftreten von Beschwerden in zeitlichem Zusammenhang zu der Exposition

Manifestation nach Beendigung der Exposition spricht gegen Zusammenhang!

Critical-Illness-Polyneuropathie

Neurologische Untersuchung

Labordiagnostik

Apparative Diagnostik

  • Neurophysiologische Untersuchung [2][3][4][5]
Schädigungsart Elektroneurographie (ENG) Elektromyographie (EMG)

Axonal

Bspw. bei alkoholtoxischer oder asymmetrischer diabetischer PNP

  • Reduzierte Amplitude der Muskelsummenaktionspotentiale (MSAP) und der sensiblen Nervenaktionspotentiale (SNAP)
  • Mitunter leicht reduzierte Nervenleitgeschwindigkeit

Demyelinisierend

Bspw. bei Guillain-Barré-Syndrom und symmetrischer diabetischer PNP

  • Reduzierte Nervenleitgeschwindigkeit (NLG)
  • Fast unveränderte Amplitude der Muskelsummenaktionspotentiale (MSAP), reduzierte Amplitude der sensiblen Nervenaktionspotentiale (SNAP)
  • Meist unauffälliger Befund
  • Weitere mögliche Diagnostik
    • Ggf. Nerven-Muskelbiopsie oder molekulargenetische Diagnostik
    • Ggf. Hautbiopsie: Typischerweise bei Verdacht auf Small-Fiber-PNP indiziert

Die Nervenleitgeschwindigkeitsmessung im Rahmen der Elektroneurographie erfolgt an der unteren Extremität am N. suralis und am N. peroneus superficialis, an der oberen Extremität am N. medianus und am N. ulnaris. Diese Nerven sind i.d.R. früh betroffen und leicht zugänglich.

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Kurativ

  • Behandlung der Grunderkrankung!

Symptomatisch

Die (Un‑)Wirksamkeit eines Wirkstoffes sollte erst nach 2 bis 4 Wochen beurteilt werden! Völlige Schmerzfreiheit lässt sich allerdings in der Regel nicht mehr erreichen, Ziel ist daher oftmals eine Linderung mit tolerablem Schmerzniveau!

Auslassversuche einer medikamentösen Therapie werden nach etwa einem Jahr und/oder Erfolgen in der Behandlung der Grunderkrankung (z.B. optimale Blutzuckereinstellung bei diabetischer Neuropathie) empfohlen!

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2022, DIMDI.

  1. Voltz: Paraneoplastische neurologische Autoimmunerkrankungen In: Der Nervenarzt. Band: 73, Nummer: 10, 2002, doi: 10.1007/s00115-002-1407-z . | Open in Read by QxMD p. 909-929.
  2. Hacke: Neurologie. 13. Auflage. Auflage Springer 2010, ISBN: 978-3-642-12382-5 .
  3. Berlit: Klinische Neurologie. 2. Auflage Springer 2006, ISBN: 978-3-540-01982-4 .
  4. S1-Leitlinie Diagnostik bei Polyneuropathien. Stand: 1. September 2012. Abgerufen am: 7. November 2017.
  5. Bischoff et al. (Hrsg.): EMG - NLG . 3. Auflage Thieme 2014, ISBN: 978-3-131-35663-5 .
  6. Hacke (Hrsg.): Neurologie. 14. Auflage Springer 2016, ISBN: 978-3-662-46891-3 .
  7. Berlit: Klinische Neurologie. 3. Auflage Springer 2011, ISBN: 978-3-642-16920-5 .
  8. Berlit: Basiswissen Neurologie. Springer 2013, ISBN: 978-3-642-37784-6 .
  9. Nationale Versorgungs-Leitlinie Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter. Stand: 1. Juli 2016. Abgerufen am: 6. November 2017.