• Klinik

Erkrankungen durch Metalle (Berufskrankheiten durch Metalle und Metalloide)

Abstract

Schwermetalle wie Quecksilber, Blei, Chrom oder Cadmium können bei Aufnahme in den menschlichen Organismus zu verschiedensten Schädigungen führen - zu unterscheiden sind dabei meist akute Symptome (z.B. lokale Reizung, Gastroenteritis, Pneumonie) von langfristigen Folgen (z.B. Terato- oder Kanzerogenität, ZNS- oder Nierenschädigung). Viele Metalle finden Verwendung in der Industrie und besitzen so einen Stellenwert als Ursache von Berufskrankheiten, können aber auch über das Trinkwasser (z.B. Arsen, Blei) oder über die Aufnahme kontaminierter Nahrungsmittel (Quecksilber in Fischen) in den Körper gelangen.

Allgemein

  • Schwermetalle: Eine chronische Belastung mit Schwermetallen führt generell häufig zu Nerven- und Nierenschädigungen
  • Metalldampffieber (Gießfieber)
    • Akute Beschwerden durch Inhalation von metallhaltigen Aerosolen (v.a. Kupfer und Zink)
    • Grippeartige Symptome
    • Folgenloses Abklingen
  • Therapie: D-Penicillamin kann als Chelatbildner Metalle binden und daher bei einigen Metall-Vergiftungen eingesetzt werden. Alternativ bietet sich der Chelatbildner Dimercaptopropansulfonsäure (DMPS) an
  • Chronische Erkrankungen durch Inhalation von metallischen Stäuben: Siehe Pneumokoniosen

Übersicht über die wichtigsten Erkrankungen durch Metalle

Stigmata Diagnostik Weitere wichtige Fakten
Arsen
  • Nachweis im Urin
  • Arsenwasserstoff → Nach Knoblauch riechendes Gas
Blei
  • Blauschwarzer Zahnfleischsaum sowie blasse, graugelbe Verfärbung der Haut ("Bleikolorit")
Cadmium
  • Gelbliche Zahnhälse
Chrom
  • Kontaktekzeme
  • Nachweis im Urin oder Blut
Quecksilber
  • Blauviolette Verfärbung des Zahnfleischrandes
Thallium
  • Nachweis im Urin oder Blut
Vanadium
  • Grünschwarze Verfärbung der Zunge
  • Nachweis im Urin oder Blut

Arsen (Halbmetall)

  • Vorkommen: Erzbergbau, Halbleiterherstellung, Metall-, Farb- und Glasindustrie, Trinkwasser (v.a. in Entwicklungsländern)
    • Besondere Verbindung: Arsenwasserstoff (Arsin, Arsenhydrid) → Nach Knoblauch riechendes Gas
  • Wirkung: Reizend für Haut und Schleimhaut, Störung wichtiger biochemischer Prozesse (z.B. DNA-Reparatur)
  • Akute Exposition
    • Ulzera (Nasenseptumperforation)
    • Inhalation von ArsenwasserstoffIntravasale Hämolyse mit Hämoglobinurie (dunkelbrauner Urin)
    • Dosen ≥200mg sind binnen Stunden tödlich
  • Chronische Exposition
  • Diagnostik: Urin
  • Therapie
    • Magenspülung, Aktivkohle bei akuter Intoxikation
    • Antidot: Dimercaptopropansulfonsäure (DMPS)

Blei

  • Vorkommen
    • Batterieherstellung, Metalllegierung, Rostschutz
    • Verwendung von bleihaltigen Keramiken und Gläsern, Trinkwasser (bei bleihaltigen Wasserrohren )
  • Wirkung: Störung der Häm-Synthese durch Inhibition der Aminolävulinsäure-Dehydratase
  • Klinik
    • Klassische Trias: Darmkoliken, Anämie, N. radialis-Lähmung
    • Obstipation, Abgeschlagenheit
    • Stigmata: Blauschwarzer Zahnfleischsaum sowie Verfärbung der Haut ("Bleikolorit")
  • Diagnostik
  • Therapie
  • Folgen
    • Knochen: Ablagerungen im Knochen (größtes Gewebedepot, HWZ hier 10-15 Jahre)
    • Neurologisch
      • Polyneuropathie (Neurotoxizität)
      • Mentale Retardierung und Wachstumsstörungen bei Kindern von bleibelasteten Frauen und bei chronischer Exposition im Kleinkindesalter
        • Grenzwerte für Blei im Vollblut sind für Frauen und Kinder unter 12 Jahren strenger als bei Männern
    • Niere: Blei-Nephropathie, Nierenzellkarzinom

"ABCDEF - Anämie, Basophile Tüpfelung, Colorit, Darmkolik, Enzephalopathie (Neurotoxisch), Fallhand (Radialis-Lähmung)"

Cadmium

Chrom

  • Vorkommen: Galvanotechnik ("Verchromen"), Farbstoffherstellung, Glasindustrie, Gerberei (Lederherstellung) , Baustoffe (Kaliumdichromat in Zement → "Maurerkrätze")
  • Wirkung: Ätzend, allergen
  • Klinik
  • Diagnostik: Urin oder Blut
  • Folgen chronischer Exposition

Mangan

Nickel

Platin

  • Vorkommen: Schmuck, Fahrzeugkatalysatoren
  • Folgen

Quecksilber

Thallium

Vanadium (Vanadiumpentoxid)

Aluminium

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • T56.-: Toxische Wirkung von Metallen
    • Inklusive: Metalle jeder Herkunft, ausgenommen medizinische Substanzen, Metallrauch und -dämpfe
    • Exklusive: Arsen und dessen Verbindungen (T57.0) Mangan und dessen Verbindungen (T57.2)
    • T56.0: Blei und dessen Verbindungen
    • T56.1: Quecksilber und dessen Verbindungen
    • T56.2: Chrom und dessen Verbindungen
    • T56.3: Kadmium und dessen Verbindungen
    • T56.4: Kupfer und dessen Verbindungen
    • T56.5: Zink und dessen Verbindungen
    • T56.6: Zinn und dessen Verbindungen
    • T56.7: Beryllium und dessen Verbindungen
    • T56.8: Sonstige Metalle
    • T56.9: Metall, nicht näher bezeichnet
  • T57.-: Toxische Wirkung von sonstigen anorganischen Substanzen

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.