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Auge und Orbita

Abstract

Das Auge setzt sich zusammen aus Bulbus oculi, N. opticus, Lid- und Tränenapparat. Zudem sorgen mehrere Muskeln für eine gezielte Bewegung des Bulbus oculi und der anderen Bestandteile des Auges. Histologisch sind die verschiedenen Bereiche des Auges – angepasst an ihre jeweiligen Funktionen – sehr unterschiedlich aufgebaut. Die arterielle Versorgung des Auges wird von Abgängen der A. ophthalmica übernommen. Sowohl die sensible Innervation als auch die Bewegung des Auges durch die äußeren Augenmuskeln wird durch Hirnnerven vermittelt. Die Akkommodation mithilfe der inneren Augenmuskeln wird hingegen von Fasern des vegetativen Nervensystems gesteuert. Zum Schutz liegt das Auge in der knöchernen Orbitahöhle.

Bulbus oculi

Der fast kugelförmige Bulbus oculi (= Augapfel) liegt gut geschützt in der Orbitahöhle. Seine Hülle besteht aus drei Schichten: Der äußeren Tunica fibrosa bulbi, der mittleren Tunica vasculosa bulbi und der inneren Tunica interna bulbi. Der Innenraum des Bulbus wird in eine vordere und eine hintere Augenkammer geteilt. Er enthält außerdem den Glaskörper und die Linse. Zudem lässt sich der Bulbus funktionell in einen lichtbrechenden und einen lichtwahrnehmenden Apparat unterteilen.

Steckbrief

  • Funktion: Teil des Sehorgans
  • Lage: Orbitahöhle
  • Form: Kugelförmig
  • Durchmesser: ca. 24 mm
  • Gewicht: 6–8 g

Orientierungslinien

Zur topographischen Beschreibung existieren verschiedene Orientierungslinien.

Funktionelle Gliederung

Anhand ihrer Funktion lassen sich die Anteile des Bulbus oculi in einen dioptrischen und einen lichtwahrnehmenden Apparat unterteilen.

Bulbusstrukturen in der Übersicht

Bestandteile Funktion
Tunica fibrosa bulbi
Tunica vasculosa bulbi (= Uvea)
  • Regulation des Lichteinfalls
  • Farbgebung des Auges
Tunica interna bulbi (= Retina)
Augenlinse
  • /
Augenkammern

Wandschichten

Die Hülle des Bulbus oculi besteht aus drei konzentrisch angeordneten Schichten. Der äußeren Tunica fibrosa bulbi, der mittleren Tunica vasculosa bulbi (= Uvea) und der inneren Tunica interna bulbi (= Retina). Der histologische Bau der einzelnen Augenbestandteile variiert aufgrund ihrer unterschiedlichen Funktionen stark. Die Retina beispielsweise ist aus vielen verschiedenen Schichten aufgebaut, die unter anderem die ersten drei Neurone der Sehbahn beinhalten.

Tunica fibrosa bulbi

Die Tunica fibrosa bulbi ist die stabile äußere Schicht des Auges, die seine runde Form gewährleistet. Sie besteht im vorderen Teil aus der Cornea und im hinteren Abschnitt aus der Sclera.

Cornea (= Hornhaut)

Die Cornea ist gefäßfrei; ihre Versorgung erfolgt über die Diffusion von Tränenflüssigkeit und Kammerwasser!

Sclera (= Lederhaut)

Die Sclera ist lichtundurchlässig und macht das „Weiße“ des Auges aus. Den Übergang von der Cornea in die Sclera bezeichnet man als Limbus corneae.

Tunica vasculosa bulbi (= Uvea)

Die Tunica vasculosa bulbi besteht im vorderen Teil aus Iris und Ciliarkörper und im hinteren Teil aus der Choroidea.

Iris

Die Iris (= Regenbogenhaut) besitzt in ihrem Zentrum eine Öffnung (Pupille), deren Weite mithilfe der Irismuskulatur verändert werden kann.

Choroidea (= Aderhaut)

Die Choroidea befindet sich zwischen Sclera und Retina. Durch sie fließt ein Großteil des Blutes, das das Auge erreicht (bis zu 80%).

  • Funktion: Versorgung der Retina
  • Aufbau: Von außen nach innen
    • Lamina suprachoroidea: Größere Gefäße, Bindegewebe, Melanozyten
    • Lamina vasculosa: Arteriolen
    • Lamina choroidocapillaris: Kapillaren
  • Bruch-Membran: Schicht aus elastischen Fasern zwischen der Lamina choroidocapillaris und der Retina

Ciliarkörper (= Strahlenkörper)

Iris, Choroidea und Ciliarkörper werden gemeinsam als Uvea bezeichnet!

Marfan-Syndrom
Das Marfan-Syndrom ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die durch eine Mutation im Fibrillin-1-Gen hervorgerufen wird. Das Fibrillin-1-Gen codiert für das Protein Fibrillin-1, das maßgeblich am Aufbau von Bindegewebe beteiligt ist. Die fehlerhafte Synthese des Bindegewebes führt zu pathologischen Veränderungen verschiedener Organsysteme - betroffen sind v.a. das Skelettsystem, das kardiovaskuläre System und die Augen. Charakteristisch ist ein Hochwuchs, eine Hyperelastizität der Gelenke sowie Fehlbildungen von Herz und Aorta (insbesondere Aneurysmata, Dissektionen). Da die Zonulafasern des Auges zum größten Teil aus Fibrillin-1 aufgebaut sind, kommt es bei den Patienten zudem häufig zu einer Linsenluxation, die sich i.d.R. durch monokulare Doppelbilder (Doppelbildern beim Sehen mit nur einem Auge) bemerkbar macht.

Tunica interna bulbi (= Retina)

Die Retina bildet die innerste Schicht des Bulbus oculi und ist für die visuelle Wahrnehmung zuständig. Sie besteht aus einer Pars optica (lichtempfindlicher Teil) und einer Pars caeca (lichtunempfindlicher Teil). Die Pars optica kleidet den hinteren Teil, die Pars caeca den vorderen Teil des Auges aus. Die Grenzen zwischen beiden Abschnitten bildet die sog. Ora serrata. Die Pars caeca kann zudem noch in eine Pars ciliaris (überzieht die Rückfläche des Ciliarkörpers) und eine Pars iridica (überzieht die Rückfläche der Iris) unterteilt werden.

Pars caeca retinae

Die Pars caeca retinae ist der vordere Teil der Retina, der lichtunempfindlich ist und ausschließlich aus Pigmentepithel besteht.

  • Pars ciliaris: Überzieht die Rückfläche des Ciliarkörpers
  • Pars iridica: Überzieht die Rückfläche der Iris

Pars optica retinae

Die Pars optica retinae ist der hintere Teil der Retina, der lichtempfindlich ist und sowohl aus Pigmentepithel als auch aus den ersten drei Neuronen der Sehbahn besteht.

Die Photorezeptoren bilden die äußerste Schicht. Das einfallende Licht muss zunächst alle anderen Schichten durchdringen, bevor es auf die Photorezeptoren trifft und von diesen wahrgenommen werden kann!

Besondere Bereiche der Retina

In der Fovea centralis kommen ausschließlich Zapfenzellen vor, in der Peripherie der Retina vorwiegend Stäbchenzellen!

Visusbestimmung
Der Visus beschreibt die Sehschärfe am Ort des schärfsten Sehens, also an der Fovea centralis. Bestimmen kann man den Visus durch die Testung mit sog. Landolt-Ringen. Dies sind Ringe, die unterschiedlich groß sind und an verschiedenen Stellen Öffnungen aufweisen, deren Ausrichtung vom Probanden erkannt werden muss. Definiert wird der Visus als V = 1/α, wobei α der Lücke entspricht, die von einer Person gerade noch erkannt werden kann (angegeben in Winkelminuten). Die Strichstärken und Öffnungen der Landolt-Ringe sind so konstruiert, dass sie unter einem Sehwinkel von einer Winkelminute erscheinen. Das bedeutet, eine normalsichtige Person kann den Sehwinkel von einer Winkelminute auflösen und hat somit einen Visus von 1 (Visus = 1/Winkelminute (α)). Muss die Lücke doppelt so breit sein, damit sie erkannt werden kann, beträgt der Visus = 0,5.

Innenraum

Abgesehen von den verschiedenen Wandschichten zählen noch die Augenlinse und die Augenkammern zu den Bestandteilen des Bulbus oculi. Während die Linse für die Lichtbrechung und Akkommodation zuständig ist, sorgen die vordere und hintere Augenkammer v.a. für die Aufnahme und Weiterleitung des Kammerwassers. Der Glaskörperraum, der ebenfalls zu den Augenkammern zählt, liegt hinter der vorderen und hinteren Augenkammer und besteht fast zu 99% aus Wasser. Seiner Aufgabe ist es, die runde Form des Bulbus oculi aufrecht zu erhalten.

Augenlinse (= Lens)

Die Augenlinse wird teilweise von der Iris bedeckt; sie liegt mit ihrem zentralen Teil direkt hinter der Pupille (Aussparung der Iris).

Die Augenlinse ist – wie die Cornea – gefäßfrei; ihre Versorgung erfolgt durch Diffusion aus dem Kammerwasser!

Presbyopie
Die Linse ist elastisch und kehrt bei entspannten Zonulafasern eigenständig in ihre kugelige Ausgangsform zurück. Diese Verformung dient der Erhöhung der Brechkraft zur Nahakkommodation. Im Laufe des Lebens kommt es zu einer Wasserabgabe vor allem der älteren Linsenfasern im Kern, der sich dadurch verhärtet und häufig auch gelblich verfärbt. Die Linse verliert stark an Elastizität und kehrt nicht mehr in ihre kugelige Ausgangsform zurück. Dadurch verringert sich die Akkommodationsbreite und der Nahpunkt verschiebt sich weiter in die Ferne. Es entsteht eine altersbedingte Weitsichtigkeit (Altersweitsichtigkeit/Presbyopie), die sich bspw. beim Lesen zeigt.

Katarakt
Die Linse ist durch ihren hohen Gehalt an speziell löslichen Proteinen (Crystallinproteinen) und einem speziell definierten Wassergehalt transparent. Wenn sich im Alter der Stoffwechsel innerhalb der Linse verlangsamt, kann das Gleichgewicht an Proteinen und Wasser gestört werden, wodurch die Linse ihre Transparenz verliert und eine Trübung (Katarakt) entsteht. Die Patienten leiden unter einer Sehverschlechterung („nebliges Sehen“) und einer Blendungsempfindlichkeit. Eine Katarakt kann sehr selten auch angeboren vorkommen, z.B. bei einer Rötelnerkrankung der Mutter während der Schwangerschaft.

Augenkammern

Kammerwasser

Das Kammerwasser versorgt zum einen die gefäßfreie Augenlinse und Cornea und hält zum anderen den intraokulären Druck aufrecht. Es wird vom nicht-pigmentierten Epithel der Processus ciliares des Ciliarkörpers gebildet und fließt über den Schlemm-Kanal des Kammerwinkels durch ein Trabekelwerk in die episcleralen Venen ab.

Kammerwasserproduktion

Kammerwinkel

Das Kammerwasser wird vor allem für die Versorgung von Cornea und Augenlinse benötigt, da diese Gewebe selbst keine Blutgefäße besitzen und auf eine Versorgung über Diffusion angewiesen sind!

Glaukom
Ein gut funktionierendes Zusammenspiel aus Kammerwasserproduktion und -resorption ist wichtig, um einen konstanten Druck von 14–20 mmHg zu gewährleisten. Bei einer Abflussstörung des Kammerwassers kann es zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks kommen, was ein Glaukom (grüner Star) zur Folge haben kann. Es werden abhängig von den verschiedenen Abflussbehinderungen drei Arten unterschieden: das Offenwinkelglaukom (92% aller Glaukome), das Winkelblockglaukom (7% aller Glaukome) und das kindliche Glaukom (1% aller Glaukome). Sowohl beim Winkelblockglaukom als auch beim kindlichen Glaukom (persistierendes embryonales Gewebe im Kammerwinkel) liegt eine Verlegung des Kammerwinkels vor. Beim Offenwinkelglaukom wiederum liegt die Abflussstörung nicht im Kammerwinkel, sondern an anderer Stelle (z.B. im Trabekelwerk). Durch den erhöhten Augeninnendruck kann es zu Schäden des N. opticus kommen, weshalb das Glaukom die zweithäufigste Erblindungsursache (nach der Makuladegeneration) ist. Bei einem Glaukomanfall kommt es zu einem geröteten, schmerzenden Auge, häufig begleitet von Übelkeit und Erbrechen; sogar ein plötzlicher Sehverlust ist möglich.

Carboanhydrasehemmer
Die Carboanhydrase ist ein Enzym, das u.a. in den pigmentierten Epithelzellen des Ciliarkörpers vorkommt und dort die Bildung von HCO3 und H+ aus H2O und CO2 katalysiert. Im Austausch gegen die entstandenen H+-Ionen gelangen Na+-Ionen und im Austausch gegen HCO3 gelangen Cl-Ionen zunächst in die pigmentierten Epithelzellen und über Gap Junctions direkt weiter in die nicht-pigmentierten Epithelzellen. Von dort aus erreichen die Ionen als Bestandteil des Kammerwassers die hintere Augenkammer. Ist der Augeninnendruck aufgrund einer Abflussbehinderung im Kammerwinkel (sog. Winkelblockglaukom) zu hoch, kann mithilfe von Carboanhydrasehemmern die Kammerwasserproduktion gedrosselt und somit der Augeninnendruck gesenkt werden.

Bindehaut

Die Bindehaut (= Conjunctiva) verbindet die Augenlider mit dem Bulbus oculi.

Abschnitte der Bindehaut Aufbau Lage Funktion

Conjunctiva tarsi

Conjunctiva bulbi
  • Überzieht den vorderen Bereich der Sclera
Fornix conjunctivae superior und inferior

Tränenapparat

Der Tränenapparat besteht aus der Tränendrüse (= Glandula lacrimalis) am oberen äußeren Lidwinkel, den Meibom-Drüsen des inneren Lidblatts und den Becherzellen der Bindehaut. Die Tränenflüssigkeit selbst ist dreischichtig aufgebaut und dient v.a. der Spülung und Desinfektion des Auges.

Bestandteile

Tränenflüssigkeit

Augenlider

Die Augenlider bilden die vordere Begrenzung der Orbita und dienen v.a. dem mechanischen Schutz des Bulbus oculi. Zudem sind in ihnen einige Drüsen eingelagert, deren Funktion die Befeuchtung und Benetzung des Auges ist.

Aufbau

Bei den Augenlidern unterscheidet man ein Ober- und ein Unterlid (Palpebra superior und Palpebra inferior); zudem wird ein äußeres von einem inneren Lidblatt abgegrenzt.

Äußeres Lidblatt

Inneres Lidblatt

Funktionen

  • Mechanischer Schutz
  • Lichtschutz
  • Schutz vor Austrocknung des Auges

Lidschlussreflex
Die Cornea wird sensibel vom N. ophthalmicus versorgt. Bei einer Reizung der Cornea wird der M. orbicularis oculi (Lidschluss) aktiviert und der M. levator palpebrae superioris (Lidheber) gehemmt. Gleichzeitig kommt es zu einer Drehung des Auges nach oben außen („Bell-Phänomen“). Dieser Reflex wird Lidschlussreflex genannt und kann durch Berührung der Cornea von temporal kommend, beispielsweise mit einem Wattetupfer, ausgelöst werden. Der Lidschlussreflex schützt den Bulbus oculi.

Muskeln des Auges

Die Bewegung des Bulbus oculi wird vermittelt durch vier gerade und zwei schräge Augenmuskeln, die an verschiedenen Stellen am Bulbus oculi ansetzen und somit eine unterschiedliche Drehung ermöglichen. Sie werden ausschließlich von Hirnnerven gesteuert. Das Augenlid besitzt sowohl willkürlich gesteuerte Muskulatur für grobe als auch vegetativ gesteuerte Muskulatur für feine Bewegungen. Die inneren Augenmuskeln werden hingegen ausschließlich vom vegetativen Nervensystem innerviert und sind für die Einstellung der Linse zuständig.

Äußere Augenmuskeln

Bei den äußeren Augenmuskeln handelt es sich um quergestreifte Muskulatur, die durch die Hirnnerven III, IV und VI gesteuert wird. Sie sind für die Augenbewegungen zuständig und werden in gerade und schräge Augenmuskeln eingeteilt.

  • Grundsätzliches
    • Innen- und Außenrotation: Rotation um die sagittale Achse
    • Abduktion und Adduktion: Bewegung in der vertikalen Achse
    • Elevation und Depression (Bewegung): Bewegung in der transversalen Achse
Typ Name Ursprung Ansatz Funktion am Bulbus [1] Innervation Grundsätzliches
Gerade Augenmuskeln M. rectus superior Anulus tendineus

Oben (mittig) am Bulbus oculi (vor dem Äquator)

N. oculomotorius (III): R. superior Die beiden Muskeln sind am wirksamsten, wenn das Auge abduziert ist
M. rectus inferior Anulus tendineus

Unten (mittig) am Bulbus oculi (vor dem Äquator)

N. oculomotorius (III): R. inferior
M. rectus medialis Anulus tendineus

Nasal am Bulbus oculi (vor dem Äquator)

  • Adduktion
N. oculomotorius (III): R. inferior Die beiden Muskeln funktionieren synergistisch (wirken beim Blick zur Seite als Paar)
M. rectus lateralis Anulus tendineus

Temporal am Bulbus oculi (vor dem Äquator)

N. abducens (VI)
Schräge Augenmuskeln M. obliquus superior Anulus tendineus und Os sphenoidale Oben im hinteren lateralen Quadranten am Bulbus oculi (hinter dem Äquator) N. trochlearis (IV) Die beiden Muskeln sind am wirksamsten, wenn das Auge adduziert ist
M. obliquus inferior Mediale Orbitawand in der Nähe der Fossa lacrimalis Unten im hinteren lateralen Quadranten am Bulbus oculi (hinter dem Äquator) N. oculomotorius (III): R. inferior

Der M. obliquus superior zieht nicht direkt zum Bulbus oculi sondern nutzt die Trochlea musculi obliqui superioris am medialen Orbitarand als Hypomochlion und wird dort umgelenkt; der innervierende Hirnnerv heißt entsprechend N. trochlearis!

Innere Augenmuskeln

Die inneren Augenmuskeln bestehen aus glatter Muskulatur und sind für die Pupillenweite sowie für die Akkommodation (Auge) zuständig. Gesteuert werden sie vom vegetativen Nervensystem.

Name Verlauf Funktion Innervation
M. sphincter pupillae Umkreist die Pupille im Bindegewebe der Iris Miosis

Parasympathicus (über den N. oculomotorius)

M. dilatator pupillae Verläuft als Teil des Irisepithels um die Pupille herum Mydriasis

Sympathicus

M. ciliaris Verbindet Zonulafasern mit Sclera und Choroidea Nahakkommodation: Kontrahiert der M. ciliaris, werden die Zonulafasern entspannt → die Linsenkrümmung (und damit die Brechkraft) nimmt zuNahakkommodation Parasympathische Fasern des N. oculomotorius (III)

Pharmakologische Beeinflussung der Pupillenweite
Die Pupillenweite kann zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken mithilfe von Medikamenten verändert werden. Soll die Pupille verengt werden (Miosis), bspw. zur Begünstigung des Kammerwasserabflusses im Rahmen eines Glaukoms, so können u.a. Cholinesterasehemmer eingesetzt werden. Durch die Erhöhung der Acetylcholinkonzentration im synaptischen Spalt kommt zu einer stärkeren Aktivierung der parasympathischen muscarinergen Acetylcholinrezeptoren am M. sphincter pupillae, was zu einer Miosis führt. Eine Erweiterung der Pupille (Mydriasis) – bspw. für ophthalmologische Untersuchungen – kann durch die Gabe von Atropin(-derivaten) erreicht werden. Diese wirken als Antagonisten an den parasympathischen muscarinergen Acetylcholinrezeptoren des M. sphincter pupillae. Durch das Überwiegen des Sympathicus am M. dilatator pupillae kommt es zu einer Mydriasis.

Muskeln des Augenlids

Quergestreifte Muskulatur

Name Ursprung Ansatz Funktion Innervation
M. orbicularis oculi (gehört zur mimischen Muskulatur) Pars orbitalis

Medialer Augenwinkel

Umschließt das Auge
  • Lidschluss
  • Zukneifen der Augen
N. facialis (VII)
Pars palpebralis Haut des Lids
Pars lacrimalis Lidränder
  • Auspressen des Tränensacks
M. levator palpebrae superioris Ala minor des Os sphenoidale
  • Lidheber
N. oculomotorius (III): R. superior

Glatte Muskulatur

Name Ursprung Ansatz Funktion Innervation
M. tarsalis superior Faszie des M. levator palpebrae superioris Obere Lidplatte
  • Anhebung des oberen Lids
  • Einstellung der Lidspaltenweite
Sympathische Fasern des oberen Halsganglions
M. tarsalis inferior Fornix conjunctivae inferior Untere Lidplatte
  • Leichte Anhebung des unteren Lids
  • Einstellung der Lidspaltenweite
Sympathische Fasern des oberen Halsganglions

Sakkaden und Nystagmus
Der Bulbus ist über die sechs äußeren Augenmuskeln beweglich. Bewegen sich beide Augen gemeinsam mit gleicher Geschwindigkeit in eine Richtung, nennt man das konjugierte Augenbewegung. Bewegen sich Objekte langsam, werden sie kontinuierlich durch gleitende konjugierte Augenfolgebewegungen auf der Fovea abgebildet. Schnelle Objekte werden durch ruckartige Augenbewegungen, sog. Sakkaden, verfolgt und punktuell fixiert. Nur an den Fixationspunkten entsteht ein Bild auf der Retina, während einer Sakkade ist das Sehen unterdrückt. Sakkaden können willentlich nicht unterbrochen werden. Sie treffen ihr Ziel meist nicht exakt und werden daraufhin reflexartig korrigiert. Der Wechsel aus langsamen und schnellen Augenbewegungen wird „Nystagmus“ genannt, wobei die Richtung des Nystagmus immer nach den schnellen Sakkaden benannt wird.

Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus)
Durch verschiedene Störungen (z.B. Hirnnervensyndrome) oder Verletzungen können einzelne Muskeln des Auges ausfallen, was zunächst als „Augenmuskelparese“ (= Augenmuskellähmung) bezeichnet wird. Das Leitsymptom einer Augenmuskelparese ist das Sehen von Doppelbildern (= Diplopie), ausgelöst durch Schielen. Die Doppelbilder sind am stärksten ausgeprägt, wenn der Patient in Richtung des gelähmten Muskels blickt. Hält man das betroffene oder auch das gesunde Auge zu, verschwinden die Doppelbilder (binokulare Doppelbilder). Zu den häufigsten Ursachen von Augenmuskelparesen gehören Diabetes mellitus, Aneurysmen oder Hirntumoren. Sofern die Ursache des Symptoms noch nicht bekannt ist, sollte der Untersucher daher weitere diagnostische Abklärungen veranlassen.

Gefäßversorgung

Sämtliche das Auge versorgenden Arterien stammen aus der A. ophthalmica, welche kurz über dem Sinus cavernosus aus der A. carotis interna abzweigt und dann mit dem N. opticus durch den Canalis opticus in die Orbita eintritt. Der venöse Abfluss wiederum erfolgt über verschiedene Zuflüsse in die V. ophthalmica superior und die V. ophthalmica inferior, welche dann in den Sinus durae matris des Gehirns münden. Innerviert wird das Auge durch sensible, parasympathische und sympathische Fasern.

Gefäßversorgung
Arteriell
Venös
Innervation
Sensibel

Sympathisch

Parasympathisch

Motorisch

Retina, Augenlinse, Glaskörper und Choroidea sind nicht sensibel innerviert!

Die Vv. ophthalmicae haben über die V. angularis eine Verbindung zur V. facialis. Dadurch liegt eine Anastomose zwischen extra- und intrakraniellen Venen vor!

Sinus-cavernosus-Thrombose
Durch die Anastomose zwischen der V. facialis und der V. ophthalmica, die in den Sinus cavernosus drainiert, können bakterielle Entzündungen mit Fokus auf Gesichtshaut oder Mittelohr embolisch nach intrakraniell verschleppt werden und so beispielsweise eine Sinus-cavernosus-Thrombose auslösen. Besondere Vorsicht ist im Bereich des sog. „Danger Triangle“ des Gesichts geboten; hierbei handelt es sich um den dreieckigen Bereich zwischen den Mundwinkeln und der Nasenwurzel. Die Sinus-cavernosus-Thrombose ist eine Ursache für das Sinus-cavernosus-Syndrom, welches durch den teilweisen oder kompletten Ausfall der in der Wand des Sinus cavernosus verlaufenden Hirnnerven charakterisiert ist.

Orbita

Das Auge liegt zum Schutz eingebettet in der knöchernen Orbita. Diese ist ausgefüllt mit Fett- und Bindegewebe, welches um den Bulbus oculi herum eine feste Kapsel (= Vagina bulbi oder „Tenon-Kapsel“) bildet. Die Orbita ist pyramidenförmig aufgebaut und besteht aus sieben verschiedenen Knochen. Dementsprechend grenzt sie direkt an diverse Nachbarstrukturen. In der Orbita befinden sich – neben dem Bulbus oculi und der Vagina bulbi – der N. opticus, die sechs Augenmuskeln, die Tränendrüse, Gefäße und Leitungsbahnen. Für den Ein- und Austritt dieser Strukturen in die Höhle gibt es mehrere knöcherne Öffnungen.

Wichtige Begriffe

Knöcherne Begrenzungen

Sieben verschiedene Knochen sind an der Begrenzung der Orbita beteiligt: Os frontale, Os sphenoidale, Os ethmoidale, Os lacrimale, Os palatinum, Os zygomaticum und Maxilla.

Kranial (= „Orbitadach“)

Kaudal (= „Orbitaboden“)

Medial

Lateral

Dorsal

Knochen der Orbita: „Ziegen fressen Löwenzahn, eher selten pure Marmelade.“ (Os zygomaticum, Os frontale, Os lacrimale, Os ethmoidale, Os sphenoidale, Os palatinum, Maxilla)

Orbitabodenfraktur
Die knöchernen Wände der Orbita sind an vielen Stellen extrem dünn. Besonders der Orbitaboden besteht nur aus dünnen Knochenlamellen, weshalb dort durch ein Trauma sehr leicht Frakturen entstehen können. Durch den Bruch wird Orbitainhalt aus dem Frakturspalt in die Kieferhöhle gepresst, weshalb auch der Name „Blow-Out-Fraktur“ gängig ist. Die Patienten klagen häufig über Parästhesien, also unspezifische Missempfindungen, im Bereich des N. maxillaris, Doppelbilder, und eine Bewegungseinschränkung des Auges beim Blick nach oben. Zudem kann sich ein Monokelhämatom (periorbitales Hämatom auf dem Ober- und Unterlid) zeigen.

Entwicklung

Das Auge ist entwicklungsgeschichtlich als Teil des Gehirns anzusehen. Diese Tatsache macht sich u.a. dadurch bemerkbar, dass die Nervenzellen des Auges (insbes. des N. opticus und der Retina) von den sog. Oligodendrozyten ummantelt werden. Die Oligodendrozyten kommen nur im zentralen Nervensystem vor; in allen Teilen des peripheren Nervensystems hingegen erfolgt die Myelinisierung der Nerven durch die sog. Schwann-Zellen. Das Auge bildet sich aus dem Ektoderm und dem Mesoderm. Die Entwicklung verläuft in verschiedenen Stadien, angefangen bei einer einfachen Furche, über ein Bläschen und ein becherförmiges Gebilde bis hin zum ausdifferenzierten Auge.

Allgemeines

Entwicklungsschritte

Die Augenlider sind nach ihrer Entstehung noch miteinander verwachsen und lösen sich erst im 6.–7. Monat voneinander!

Kolobom
Normalerweise schließt sich die Augenbecherspalte in der 7. Entwicklungswoche. Geschieht dies nicht oder nur fehlerhaft, zieht eine komplette oder partielle Spalte durch Iris, Linse, Choroidea und N. opticus. Diese Spalte wird als „Kolobom“ bezeichnet. Ein Kolobom beruht auf einer genetischen Störung und kann sporadisch auftreten oder autosomal dominant vererbt werden .

Anophthalmie
Ein komplettes Fehlen eines oder beider Bulbi mit dem dazugehörigen N. opticus nennt man Anophthalmie. Diese seltene Entwicklungsstörung kann Folge einer fehlenden Entwicklung des Augenbläschens (primäre Anophthalmie) oder einer intrauterinen Schädigung (sekundäre Anophthalmie) sein.

Wiederholungsfragen zum Kapitel Auge und Orbita

Bulbus oculi

Was ist der sog. blinde Fleck und auf welcher Höhe des Gesichtsfelds befindet er sich?

Was versteht man unter dem Visus und welchen Visus hat eine normalsichtige Person?

Woraus besteht die Substantia propria der Cornea hauptsächlich?

Aus welcher Struktur sind die Zonulafasern der Linse aufgebaut und bei welcher Erkrankung macht sich das bemerkbar?

Was sind die Bestandteile der mittleren Augenhaut (Tunica vasculosa bulbi)?

Aus welchen zwei Schichten besteht die Pars optica der Retina und wie sind diese aufgebaut?

Durch welche Struktur des Auges wird das Kammerwasser gebildet?

Durch welche Zellen wird das Kammerwasser sezerniert?

Welche Funktion hat der Schlemm-Kanal?

Die Hemmung welchen Enzyms führt zu einer Abnahme der Kammerwasser-Produktion?

An welche Strukturen grenzt der Glaskörper?

Tränenapparat

Über welche Stationen gelangt die Tränenflüssigkeit vom Lacus lacrimalis in den Meatus nasi inferior?

Wie lässt sich die Lage der Tränendrüse (Glandula lacrimalis) beschreiben?

Augenlider

Aus welchen Bestandteilen ist das Augenlid aufgebaut?

Um welche Art von Drüse handelt es sich bei der Meibom-Drüse des Augenlids und was ist ihre Funktion?

Woraus besteht der Tarsus des Augenlids?

Muskeln des Auges

Welche Funktionen haben Kontraktion und Erschlaffung des M. ciliaris und wie wird er innerviert?

Welcher Augenmuskel entspringt als einziger nicht vom