Zugang zu fachgebietsübergreifendem Wissen – von > 70.000 Ärzt:innen genutzt

5 Tage kostenfrei testen
Von ärztlichem Redaktionsteam erstellt & geprüft. Disclaimer aufrufen.

Embryofetopathien durch Infektionserreger

Letzte Aktualisierung: 10.1.2023

Abstracttoggle arrow icon

Embryofetopathien sind Schädigungen des ungeborenen Kindes, die ab der 3. Entwicklungswoche entstehen können. Ursache dieser Entwicklungsstörungen sind u.a. verschiedene Infektionserreger, die während der Schwangerschaft durch vertikale Transmission auf das ungeborene Kind übertragen werden können. Kommt es bereits während der Embryogenese (3.–8. Entwicklungswoche) zu einer intrauterinen Infektion, kann dies besonders schwere Folgen (Embryopathie) für das Kind haben, da sich in diesem Zeitraum die Organe maßgeblich differenzieren (Organogenese). Infektionen während der Fetalperiode (ab der 9. Entwicklungswoche) verlaufen hingegen meist weniger schwerwiegend (Fetopathie). Zur Vermeidung von Infektionen während der Schwangerschaft und daraus resultierenden Embryofetopathien stehen Schwangeren verschiedene Präventionsmöglichkeiten zur Verfügung.

Durch vertikale Transmission eines Erregers von einer infizierten Schwangeren auf ihr ungeborenes Kind (konnatale Infektion) kann es je nach Infektionszeitpunkt zu embryonalen bzw. fetalen Schädigungen in unterschiedlichem Ausmaß kommen. Die Schädigungen können zur Fehlgeburt, Totgeburt oder Geburt eines Kindes mit vielfältigen Entwicklungsstörungen und Fehlbildungen (Embryofetopathien) führen.

STORCH“ – Akronym für die wichtigsten Erreger bzw. Infektionen, die zu Embryofetopathien führen können!

Insb. bei einer Primärinfektion während der Schwangerschaft kann es zu einer Embryofetopathie kommen, da die werdende Mutter noch keine IgG-Antikörper gebildet hat und IgM-Antikörper nicht plazentagängig sind!

Die folgenden Inhalte beziehen sich auf das ungeborene bzw. neugeborene Kind. Für Informationen zur Schwangeren siehe: Syphilis in der Schwangerschaft.

Der klinische Verlauf der konnatalen Syphilis wird in ein Frühstadium (Lues connata praecox) und ein Spätstadium (Lues connata tarda) unterteilt!

Ohne Therapie kommt es bei ca. 30–40% aller intrauterinen Infektionen mit Treponema pallidum zu einem letalen Verlauf!

Die folgenden Inhalte beziehen sich auf das ungeborene bzw. neugeborene Kind. Für Informationen zur Schwangeren siehe: Toxoplasmose in der Schwangerschaft.

Die klassische Trias der konnatalen Toxoplasmose (Chorioretinitis, intrazerebrale Verkalkung, Hydrozephalus) tritt heutzutage nur noch selten auf!

Unter „Others“ werden weitere bedeutsame Infektionen zusammengefasst, die durch diaplazentare Übertragung des Erregers zu einer Embryofetopathie führen können. Zudem werden darunter teils auch Erreger gefasst, die nach vertikaler Transmission zu einer Infektion des Neugeborenen führen können, jedoch nicht zu einer Embryofetopathie im eigentlichen Sinne (z.B. neonatale Listeriose, Hepatitis B, HIV-Infektion).

Fetales Varizellensyndrom

Bei Erstinfektion einer Schwangeren mit dem Varizella-Zoster-Virus (siehe: Windpocken in der Schwangerschaft) im 1. oder 2. Trimenon können die Viren diaplazentar auf das ungeborene Kind übertragen werden und zu einem fetalen Varizellensyndrom führen. Infiziert sich die Schwangere zu einem späteren Zeitpunkt, besteht hingegen das Risiko für eine neonatale Varizelleninfektion.

Das fetale Varizellensyndrom entsteht durch diaplazentare Übertragung von VZV im 1. oder 2. Trimenon!

Die postnatale Letalität des fetalen Varizellensyndroms beträgt ca. 30%!

Konnatale Parvovirus-B19-Infektion

Die folgenden Inhalte beziehen sich auf das ungeborene bzw. neugeborene Kind. Für Informationen zur Schwangeren siehe: Parvovirus-B19-Infektion in der Schwangerschaft.

Bei konnataler Parvovirus-B19-Infektion besteht ein erhöhtes Risiko für eine fetale Anämie, einen Hydrops fetalis und intrauterinen Fruchttod!

Bei komplikationslosem Verlauf oder erfolgreicher intrauteriner Therapie sind postnatal i.d.R. keine Spätfolgen einer konnatalen Parvovirus-B19-Infektion zu erwarten!

Konnatales Zika-Virus-Syndrom

Eine intrauterine Zika-Virus-Infektion kann zu einer Mikrozephalie und schweren zerebralen Anomalien führen!

Die folgenden Inhalte beziehen sich auf das ungeborene bzw. neugeborene Kind. Für Informationen zur Schwangeren siehe: Röteln in der Schwangerschaft.

Die klassische Gregg-Trias besteht aus Innenohrtaubheit, Katarakt und Herzfehler!

Je früher die intrauterine Infektion, umso höher das Risiko für ein konnatales Rötelnsyndrom!

Die folgenden Inhalte beziehen sich auf das ungeborene bzw. neugeborene Kind. Für Informationen zur Schwangeren siehe: CMV-Infektion in der Schwangerschaft.

Bei V.a. eine konnatale CMV-Infektion sollte die Diagnose innerhalb der ersten 2 Lebenswochen mittels PCR aus Urin oder Speichel des Neugeborenen gestellt werden!

Erkrankt eine werdende Mutter während der Schwangerschaft an einer Herpes-simplex-Infektion (siehe: Herpes-Infektion in der Schwangerschaft), können die Viren diaplazentar auf das ungeborene Kind übertragen werden und zum Bild einer konnatalen Herpes-simplex-Infektion führen. Eine Übertragung kurz vor, während oder kurz nach der Geburt führt hingegen zum Bild einer akuten neonatalen Herpes-simplex-Infektion.

Eine konnatale HSV-Infektion durch diaplazentare Übertragung ist selten. Häufiger ist eine akute neonatale HSV-Infektion, die durch eine Übertragung kurz vor, während oder nach der Geburt entsteht!

Aufgrund der schlechten Prognose einer neonatalen HSV-Infektion sollte jede unklare Neugeboreneninfektion mit Bläschenbildung innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn mit Aciclovir i.v. behandelt werden!

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir Videos zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

Konnatale Syphilis

Toxoplasmose

Listeriose

Varizellen

Ringelröteln

Röteln

CMV

HSV

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

Infektionen, die für die Perinatalperiode spezifisch sind (P35-P39)

P35.-: Angeborene Viruskrankheiten

P37.-: Sonstige angeborene infektiöse und parasitäre Krankheiten

A50.-: Syphilis connata

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2023, DIMDI.

  1. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 7. Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2018, ISBN: 978-3-132-40790-9 .
  2. Toxoplasmose, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 18. Oktober 2018. Abgerufen am: 11. Juli 2022.
  3. Pleyer et al.: Toxoplasmosis in Germany: Epidemiology, Diagnosis, Risk Factors, and Treatment In: Deutsches Ärzteblatt international. 2019, doi: 10.3238/arztebl.2019.0435 . | Open in Read by QxMD .
  4. Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. Stand: 1. Oktober 2021. Abgerufen am: 21. Juli 2022.
  5. Röteln, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 5. August 2021. Abgerufen am: 14. Juli 2022.
  6. Syphilis, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 12. November 2020. Abgerufen am: 8. Juli 2022.
  7. Aktualisierung S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Syphilis. Stand: 1. Juni 2021. Abgerufen am: 8. Juli 2022.
  8. Speer et al.: Pädiatrie. 5. Auflage Springer 2018, ISBN: 978-3-662-57294-8 , p. 879.
  9. Windpocken, Herpes zoster (Gürtelrose), RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 29. August 2017. Abgerufen am: 22. März 2017.
  10. Reinhardt et al.: Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. 8. Auflage Springer 2007, ISBN: 3-540-71898-2 .
  11. Muntau: Intensivkurs Pädiatrie. 3. Auflage Urban & Fischer 2003, ISBN: 3-437-43390-3 .
  12. Kliegman et al.: Nelson Textbook of Pediatrics. 19. Auflage Elsevier 2011, ISBN: 978-1-437-70755-7 .
  13. Jorch, Hübler: Neonatologie. 1. Auflage Thieme 2010, ISBN: 978-3-131-46071-4 .
  14. Hoffmann et al.: Pädiatrie: Grundlagen und Praxis. 4. Auflage Springer 2014, ISBN: 3-642-41865-1 .
  15. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Syphilis. Stand: 1. Juli 2014. Abgerufen am: 6. Dezember 2016.