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Embryofetopathien durch Infektionserreger

Letzte Aktualisierung: 27.8.2021

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Mit dem Begriff Embryopathie werden alle Fehlbildungen des ungeborenen Kindes bezeichnet, die bis zur 12. Schwangerschaftswoche auftreten können. Da sich in diesem Zeitraum die Organe maßgeblich differenzieren (Organogenese), können Infektionen in diesem Zeitraum der Schwangerschaft besonders schwere Folgen haben. Störungen ab der 13. Schwangerschaftswoche werden als Fetopathien bezeichnet und verlaufen meist weniger schwerwiegend.

Wichtig ist eine konsequente Prophylaxe. Jede Schwangere sollte gegen Röteln und Varizellen geimpft sein und sich durch entsprechendes Verhalten vor dem Kontakt mit den Erregern schützen.

STORCH

Primärinfektion der Mutter in der Schwangerschaft → Mütterliche IgM-Antikörper sind nicht plazentagängig (und IgG-Antikörper noch nicht gebildet) → Diaplazentäre Infektion des Kindes! Allgemein gilt: Je früher die Infektion in der Schwangerschaft, desto schwerwiegender die Folgen!

Impfungen mit Lebendimpfstoffen (Röteln, Masern, Varizellen, Mumps) sind in der Schwangerschaft grundsätzlich kontraindiziert! Nach Impfung mit Lebendimpfstoffen sollte mindestens 3 Monate lang die Konzeption vermieden werden!

  • Ätiologie
    • Bei florider Syphilis der Mutter: Übertragung auf das Kind sehr wahrscheinlich
      • Transmissionsrisiko:
        • Nahezu 100% im 1. Jahr nach mütterlicher Infektion
        • < 5% wenn die Infektion 4 Jahre zurückliegt
    • Frühe Infektion der Mutter führt zum Abort
  • Diagnostik
  • Klinik nach Stadien
    1. Lues connata praecox (Symptome nach Geburt bis Ende des 2. Lebensjahres)
      • Blutiger Schnupfen („Koryza“)
      • Blasenbildung an Plantae und Palmae („Syphilitisches Pemphigoid“)
      • Epiphysenlösung („Osteochondritis syphilitica“)
      • Hepatosplenomegalie
    2. Rezidivperiode (vom 2. bis 4. Lebensjahr)
      • Symptome wie bei erworbener Lues
    3. Lues connata tarda (Symptomatik im Schul- und Jugendalter)
  • Therapie
  • Prävention

  • Hintergrund
    • Pathologische Relevanz hat ausschließlich die Primärinfektion mit Toxoplasmose
    • Die Infektionsgefahr/-rate nimmt mit Ausreifung der Plazenta und demnach von Trimenon zu Trimenon zu
  • Klinik
  • Diagnostik
  • Therapie
    • Präpartal bei Schwangeren
      • Bis 16. SSW: Spiramycin
      • Ab der 16. SSW: Kombination aus Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folinsäure
    • Postnatal beim Kind: Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folinsäure für mindestens 1 Monat
  • Prävention: (Bei negativem Titer)
    • Kein Verzehr von rohem Fleisch
    • Besondere Regeln beim Umgang mit Katzen
      • Tägliche Leerung und Reinigung der Katzentoilette durch eine andere Person
      • Ernähren der Katze mit Dosen- oder Trockenfutter
    • Ausübung von Garten- bzw. Erdarbeiten mit Handschuhen
    • Gründliches Händewaschen vor jedem Essen und nach Garten- bzw. Erdarbeit oder Kontakt mit Sandspielplätzen
    • Gründliches Reinigen von rohem Gemüse und Obst
  • Sonstiges: Nicht-namentliche Meldepflicht bei Erregernachweis

Die klassische Trias der konnatalen Toxoplasmose besteht aus Hydrozephalus, intrazerebraler Verkalkung und Chorioretinitis!

Die klassische Gregg-Trias besteht aus Innenohrtaubheit, Katarakt und Herzfehler!

  • Klinik
    • Nur ca. 25% der infizierten Schwangeren entwickeln Symptome
      • Ca. 90% der symptomatisch Infizierten überleben, 90% davon entwickeln Spätfolgen
      • Ca. 99% der asymptomatisch Infizierten überleben, 5-15% davon entwickeln Spätfolgen
    • Vielfältige Symptome
    • Spätfolgen
      • Hörschäden
      • Sehschäden
      • Psychomotorische Retardierung
      • Lernschwierigkeiten (Intelligenzdefizite)
      • Zahndefekte
  • Diagnostik
  • Therapie
    • Bei sehr schweren Verläufen: (Experimenteller) Versuch einer Therapie des Kindes mit Ganciclovir (off-label!)

Die konnatale Toxoplasmose kann zu sehr ähnlichen Symptomen wie die konnatale CMV-Infektion führen und ist eine wichtige Differentialdiagnose!

Infektionen, die für die Perinatalperiode spezifisch sind (P35-P39)

P35.-: Angeborene Viruskrankheiten

P37.-: Sonstige angeborene infektiöse und parasitäre Krankheiten

A50.-: Syphilis connata

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Sitzmann: Duale Reihe Pädiatrie. 3. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-25332-3 .
  2. Hoffmann: Crashkurs Pädiatrie. 2. Auflage Urban & Fischer 2003, ISBN: 978-3-437-43200-2 .
  3. Reinhardt et al.: Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. 8. Auflage Springer 2007, ISBN: 3-540-71898-2 .
  4. Muntau: Intensivkurs Pädiatrie. 3. Auflage Urban & Fischer 2003, ISBN: 3-437-43390-3 .
  5. Kliegman et al.: Nelson Textbook of Pediatrics. 19. Auflage Elsevier 2011, ISBN: 978-1-437-70755-7 .
  6. Jorch, Hübler: Neonatologie. 1. Auflage Thieme 2010, ISBN: 978-3-131-46071-4 .
  7. Hoffmann et al.: Pädiatrie: Grundlagen und Praxis. 4. Auflage Springer 2014, ISBN: 3-642-41865-1 .
  8. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Syphilis. Stand: 1. Juli 2014. Abgerufen am: 6. Dezember 2016.