• Klinik

Embryofetopathien durch Infektionserreger

Abstract

Mit dem Begriff Embryopathie werden alle Fehlbildungen des ungeborenen Kindes bezeichnet, die bis zur 8. Schwangerschaftswoche auftreten können. Da sich in diesem Zeitraum (15.–60. Schwangerschaftstag) die Organe maßgeblich differenzieren (Organogenese), können Infektionen in diesem Zeitraum der Schwangerschaft besonders schwere Folgen haben. Infektionen ab der 9. Schwangerschaftswoche werden als Fetopathien bezeichnet und verlaufen meist weniger schwerwiegend.

Wichtig ist eine konsequente Prophylaxe! Jede Schwangere sollte gegen Röteln und Varizellen geimpft sein und sich durch entsprechendes Verhalten vor dem Kontakt mit den Erregern schützen.

Allgemein

STORCH

Primärinfektion der Mutter in der Schwangerschaft → Mütterliche IgM-Antikörper sind nicht plazentagängig (und IgG-Antikörper noch nicht gebildet) → Diaplazentäre Infektion des Kindes! Allgemein gilt: Je früher die Infektion in der Schwangerschaft, desto schwerwiegender die Folgen!

Impfungen mit Lebendimpfstoffen (Röteln, Masern, Varizellen, Mumps) sind in der Schwangerschaft grundsätzlich kontraindiziert! Nach Impfung mit Lebendimpfstoffen sollte mindestens 3 Monate lang die Konzeption vermieden werden!

Konnatale Lues

  • Ätiologie
    • Bei florider Syphilis der Mutter: Übertragung auf das Kind sehr wahrscheinlich
    • Frühe Infektion der Mütter führt zum Abort
  • Klinik nach Stadien
    1. Lues connata praecox (Symptome nach Geburt bis Ende des 2. Lebensjahres)
      • Blutiger Schnupfen ("Koryza")
      • Blasenbildung an Plantae und Palmae ("Syphilitisches Pemphigoid")
      • Epiphysenlösung ("Osteochondritis syphilitica")
      • Hepatosplenomegalie
    2. Sogenannte Rezidivperiode (vom 2. bis 4. Lebensjahr)
      • Symptome wie bei erworbener Lues
    3. Lues connata tarda (Symptomatik im Schul- und Jugendalter)

Toxoplasmose in der Schwangerschaft und konnatale Toxoplasmose

  • Hintergrund
    • Pathologische Relevanz hat ausschließlich die Primärinfektion mit Toxoplasmose
    • Die Infektionsgefahr/-rate nimmt mit Ausreifung der Plazenta und demnach von Trimenon zu Trimenon zu
  • Klinik
  • Therapie
    • Präpartal bei Schwangeren
      • Bis 16. SSW: Spiramycin
      • Ab der 16. SSW: Kombination aus Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folinsäure
    • Postnatal beim Kind: Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folinsäure für mindestens 1 Monat
  • Prävention: Kein Verzehr von rohem Fleisch und Vermeidung von Katzenkontakt (bei negativem Titer)
  • Sonstiges: Nicht-namentliche Meldepflicht bei Erregernachweis

Die klassische Trias der konnatalen Toxoplasmose besteht aus Hydrocephalus, intrazerebraler Verkalkung und Chorioretinitis!

Listeriose während der Schwangerschaft und konnatale Listeriose

Varizellen-Infektion während der Schwangerschaft und konnatales Varizellensyndrom

Parvovirus-B19-Infektion während der Schwangerschaft

  • Pathogenese
    • Meist asymptomatische Infektion der Mutter in der Schwangerschaft → Nachweis erschwert
    • Befall erythropoetischer Zellen des Kindes→ Schwere Anämie → Evtl. Hydrops fetalis → Abortrate↑
    • Bei komplikationslosem Verlauf keine Spätschäden bzw. Embryopathien zu befürchten
  • Klinik
    • Hydrops fetalis
  • Diagnostik
  • Therapie: Intrauterine Bluttransfusionen, ggf. Immunglobulingabe
  • Komplikation: Intrauteriner Fruchttod oder Spontanabort (Risiko im 1. und 2. Trimenon am höchsten)

Konnatale Röteln

Die klassische Gregg-Trias besteht aus Innenohrtaubheit, Katarakt und Herzfehler!

Konnatale CMV-Infektion

  • Klinik
    • Nur in 5-10% symptomatisch (90-95% asymptomatisch)
      • Ca. 90% der symptomatisch Infizierten überleben, 90% davon entwickeln Spätfolgen
      • Ca. 99% der asymptomatisch Infizierten überleben, 5-15% davon entwickeln Spätfolgen
    • Vielfältige Symptome
    • Spätfolgen
      • Hörschäden
      • Sehschäden
      • Psychomotorische Retardierung
      • Lernschwierigkeiten (Intelligenzdefizite)
      • Zahndefekte
  • Diagnostik
  • Therapie
    • Bei sehr schweren Verläufen: (Experimenteller) Versuch mit Ganciclovir (keine Zulassung!)

Die konnatale Toxoplasmose kann zu sehr ähnlichen Symptomen wie die konnatale CMV-Infektion führen und ist eine wichtige Differentialdiagnose!

Konnatale Herpes-simplex-Infektion

  • Erreger: Meist HHV-2, seltener HHV-1
  • Klinik
    • Transplazentäre Übertragung (5%): Hypotrophie, Mikrozephalie und -ophthalmie, intrazerebrale Verkalkungen
    • Intrapartale (85%) und postpartale Übertragung (10%)
  • Diagnostik
    • Direkter Virusnachweis aus Herpesbläschen
    • PCR
  • Therapie: Aciclovir i.v.
    • Behandlung der Mutter bei Primärinfektion
    • Behandlung des Neugeborenen bereits bei Verdacht (bis negative Serologie vorliegt)
  • Prophylaxe
    • Sectio bei floridem, genitalem Herpesbefall der Mutter

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2019

Infektionen, die für die Perinatalperiode spezifisch sind (P35-P39)

P35.-: Angeborene Viruskrankheiten

P37.-: Sonstige angeborene infektiöse und parasitäre Krankheiten

A50.-: Syphilis connata

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2019, DIMDI.