Zusammenfassung
Das kolorektale Karzinom (KRK) umfasst Karzinome des Kolons und des Rektums. Prädisponierend sind neben zunehmendem Lebensalter insb. genetische Faktoren (bspw. HNPCC) sowie modifizierbare Faktoren wie Übergewicht, Rauchen, Alkoholkonsum und eine fleischreiche, ballaststoffarme Ernährung. Klinisch zeigen sich meist nur unspezifische oder gar keine Symptome, wobei bei rektalem Blutabgang immer an die Möglichkeit eines kolorektalen Karzinoms gedacht werden sollte. Da KRKs über die Adenom-Karzinom-Sequenz meist langsam über Jahre entstehen, ist eine regelmäßige Vorsorge ab einem Alter von 50 Jahren besonders wirksam. Geeignete Verfahren sind die Koloskopie, die Sigmoidoskopie und der immunologische Stuhlbluttest. Die Diagnose wird mittels kompletter Koloskopie mit Biopsie gesichert. Bei Karzinomnachweis sollte ein umfangreiches Staging inkl. molekularpathologischer Untersuchung des Biopsats angeschlossen werden. In der Therapie des Kolonkarzinoms steht die operative Resektion an erster Stelle, je nach Stadium gefolgt von einer adjuvanten Chemotherapie. Bei einem Rektumkarzinom des oberen Drittels wird primär oder nach neoadjuvanter Therapie immer eine operative Resektion durchgeführt. Bei einem Rektumkarzinom des mittleren und unteren Drittels rückt der Organerhalt zunehmend in den Fokus: Bei gutem Therapieansprechen und (nahezu) kompletter Remission durch eine neoadjuvante Therapie kann hier auf eine Operation verzichtet werden (Watchful Waiting).
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Epidemiologie
Ätiologie
Lebensstilassoziierte Risikofaktoren
- Bewegungsmangel
- Rauchen, Alkohol
- Adipositas
- Fettreiche, ballaststoffarme Nahrung
- Viel rotes oder verarbeitetes Fleisch
Prädisponierende genetische und familiäre Faktoren
- Familiäre Belastung
- Kolorektales Karzinom bei Verwandten 1. Grades
- Kolonpolypen bei Verwandten 1. Grades <40 Jahren
- Monogen erbliche Tumorsyndrome
Prädisponierende Grunderkrankungen
Symptomatik
- Keine auffälligen oder charakteristischen Frühsymptome!
- Plötzliche Veränderung des Stuhlgangs
- Obstipation oder Durchfall
- Rektale Blutabgänge (sichtbar oder okkult)
- „Bleistiftstühle“
- „Falsche Freunde“ (ungewollter Stuhlabgang bei Flatus)
- B-Symptomatik
- Leistungsabfall, Müdigkeit
- Tastbare Raumforderung
- Blutungsanämie
- Bauchschmerzen
- Dauerhaft übel riechender Flatus
- Spätsymptom: Ileussymptomatik
Altersbedingt haben etwa 50% der Patienten mit einem kolorektalen Karzinom gleichzeitig symptomatische Hämorrhoiden. Rektale Blutabgänge sollten daher immer an ein Karzinom denken lassen, auch bei bereits diagnostiziertem Hämorrhoidalleiden! [2]
Lokalisation und Metastasierungswege
| Lokalisation und Metastasierungswege des kolorektalen Karzinoms | ||||
|---|---|---|---|---|
| Karzinom | Abstand von der Anokutanlinie | Lymphogene Metastasierung | Hämatogene Metastasierung | |
| Kolonkarzinom |
|
|
| |
| Rektumkarzinom | Oberes Drittel |
|
|
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| Mittleres Drittel |
|
|
| |
| Unteres Drittel |
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| ||
- Bei ¼ der Patienten finden sich zum Diagnosezeitpunkt bereits Lebermetastasen!
- Weitere hämatogene Metastasierungsziele: Insb. Skelett und Gehirn
- Metastasierung auch per continuitatem: Infiltration des umgebenden Binde-/Fettgewebes, ggf. der Nachbarorgane (Harnblase, Dünndarm etc.)
Klassifikation
TNM-Klassifikation
| TNM-Klassifikation des kolorektalen Karzinoms (Stand 2025) | |
|---|---|
| TNM | Ausdehnung |
| TX |
|
| T0 |
|
| Tis | |
| T1 |
|
| T2 |
|
| T3 |
|
| T4 |
|
| NX |
|
| N0 |
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| N1 |
|
| N2a |
|
| N2b |
|
| M0 |
|
| M1a |
|
| M1b |
|
| M1c |
|
- Veraltet: Dukes-Klassifikation (Stadium A–D), wird zunehmend verlassen
- A: Tumorausbreitung bis max. Muscularis propria
- B: Infiltration des perirektalen Gewebes (über Muscularis propria hinaus)
- C: Lymphknotenmetastasen
- D: Fernmetastasen
Stadieneinteilung der UICC
Vereinfachte Darstellung
| Vereinfachte Stadieneinteilung des kolorektalen Karzinoms der UICC | |
|---|---|
| UICC-Stadium | TNM |
| 0 | Tis (Carcinoma in situ) |
| I | Bis T2 N0 M0 |
| II | Ab T3 N0 M0 |
| III | Jedes T, N1–2 M0 |
| IV | Jedes T, jedes N, M1 |
Detaillierte Darstellung
| Stadieneinteilung des kolorektalen Karzinoms der UICC | ||
|---|---|---|
| KRK-UICC-Stadium | TNM | |
| 0 | Tis (Carcinoma in situ) | |
| I | T1–2 N0 M0 | |
| II | IIA | T3 N0 M0 |
| IIB | T4a N0 M0 | |
| IIC | T4b N0 M0 | |
| III | IIIA | T1–2 N1 M0 oder T1 N2a M0 |
| IIIB | T3–4a N1 M0 oder T2–3 N2a M0 oder T1–2 N2b M0 | |
| IIIC | T4a N2a M0 oder T3–4a N2b M0 oder T4b N1–2 M0 | |
| IV | IVA | Jedes T, jedes N, M1a |
| IVB | Jedes T, jedes N, M1b | |
| IVC | Jedes T, jedes N, M1c | |
Diagnostik
Basis-Staging bei allen kolorektalen Karzinomen
- Digital-rektale Untersuchung
- Komplette Koloskopie mit Biopsie
- Goldstandard zur Detektion kolorektaler Polypen und Karzinome
- Zum Vorgehen beim Auffinden suspekter Läsionen siehe: Therapie bei Kolonpolypen
- Bei unklarem Befund bzw. OP-Indikation: Markierung der Läsion mittels submukosaler Tuscheinjektion
- Bei inkompletter Koloskopie, bspw. wegen Stenose
- Präoperativ zusätzlich CT- oder MR-Kolonografie möglich
- Postoperativ komplette Koloskopie durchführen (3–6 Monate nach Operation)
- CT-Thorax/Abdomen/Becken
- Bei unklarer Situation nach CT
- Abdomensonografie mit Kontrastmittel
- Alternativ: MRT mit leberspezifischem Kontrastmittel
- FDG-PET-CT
- Bei unklarer Situation nach CT
- Tumormarker CEA, nicht bei T1-Tumoren
- Molekularpathologische Diagnostik
- Mikrosatellitenstatus (primär Immunhistochemie des Tumorgewebes zum Nachweis einer Mikrosatelliteninstabilität über dMMR)
- Bei Metastasen: RAS- und BRAF-Status
Adenokarzinome treten in bis zu 5% der Fälle multipel auf, weshalb nach weiteren Tumoren gesucht werden sollte!
Spezielles Staging bei Rektumkarzinom
- Starre Rektoskopie
- Ermöglicht genaue Bestimmung des Abstandes vom Karzinom zur Anokutanlinie
- Entscheidend für die Therapieplanung und den Kontinenzerhalt
- Koloskopische Untersuchung mit flexiblem Endoskop kann keine exakte Höhenangabe liefern!
- Siehe auch: Lokalisation und Metastasierungswege beim KRK
- MRT des Beckens: Abstand des Tumors zu mesorektaler Faszie ermitteln, Angabe von
- Tumorgröße und Infiltrationstiefe (T-Stadium), Befall lokaler und pelviner Lymphknoten (N-Stadium)
- Beteiligung der mesorektalen Faszie (MRF): mrCRM+, bei radialer Entfernung ≤1 mm
- Infiltration extramuraler Gefäße (EMVI): EMVI+ bei Infiltration
- Rektale Endosonografie: Bei lokal begrenztem Tumor Infiltrationstiefe (T-Stadium) bestimmen
- Ggf. gynäkologisches/urologisches Konsil: Bei Übergriff auf Vagina, Adnexe, Uterus oder Blase
Pathologie
- Meist Adenokarzinom [5][6]
- Ca. 90% der kolorektalen Karzinome entstehen aus Adenomen
- Häufigkeit des Adenomtyps: Tubulär > tubulovillös > villös
- Entartungsrisiko des Adenoms abhängig von dessen [7]
- Größe (>1 cm)
- Dysplasiegrad [6]
- Histologischer Typ: Villös > tubulovillös > tubulär [8][9]
- Anzahl der Adenome ≥3
- Lebensalter
- Tumorgenese [7]
- Insb. über Adenom-Karzinom-Sequenz
- Weitere: Serratierter Karzinogeneseweg, „Mischtyp“
- Sonderformen [5]
- Muzinöses (schleimbildendes) Adenokarzinom („Gallertkarzinom“)
- Siegelringzellkarzinom
- Kleinzelliges Karzinom
- Plattenepithelkarzinom
- Undifferenziertes Karzinom
- Adenosquamöses Karzinom (Rarität)
90% aller Kolonkarzinome sind Adenokarzinome!
„Je villöser, desto böser!“
Zum Vergleich: Normalbefunde
Differenzialdiagnosen
Dünndarmtumoren
- Epidemiologie
- Inzidenz: Ca. 6/100.000 Einwohner pro Jahr (Stand 2016) [10]
- Mehrheitlich benigne
- Maligne Dünndarmtumoren (ca. 1–3% aller malignen gastrointestinalen Tumoren)
- 50% Neuroendokrine Neoplasien (NEN) [10]
- 10% Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) [10]
- Weitere bspw. Adenokarzinome, maligne Lymphome
- Komplikationen
- Blutung
- Ileus
- Metastasierung
- Ggf. Karzinoid-Syndrom bei neuroendokrinem Dünndarmtumor
- Diagnostik: Sonografie, Hydro-MRT, Videokapselendoskopie
- Therapie: Dünndarmresektion, bei R1-Resektion additive Chemotherapie wie beim Kolonkarzinom
- Prognose bei Malignität: 5-Jahres-Überlebensrate von ca. 20%
AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Therapie
Erstlinientherapie des kolorektalen Karzinoms
- Vor Behandlungsbeginn: Beurteilung der Situation und des Therapieziels
- Entscheidung über Erstlinientherapie abhängig von 3 Faktoren
- Allgemeinzustand
- Lokalisation und Ausdehnung des Tumors
- Kuratives Therapieziel bei (potenziell) resektabler Erkrankung
- Eher palliative Therapie bei disseminierter oder wahrscheinlich nicht-resektabler Erkrankung, Oligometastasierung
- Molekularbiologie des Tumors
- Interdisziplinäre Tumorkonferenz
- Vorstellung nach Abschluss der Erstlinientherapie immer empfohlen
- Prätherapeutische Vorstellung bei
- Allen Rektumkarzinomen
- Kolonkarzinomen im Stadium IV
- Lokalrezidiven
- Metachroner Metastasierung
- Geplantem lokalablativen Verfahren
- Weitere onkologische Aspekte
- Adäquate Schmerztherapie und Ernährung sicherstellen, supportive Therapie optimieren
- Psychosoziale und psychoonkologische Angebote anbieten
Jedes Rektumkarzinom sollte prätherapeutisch in einer Tumorkonferenz vorgestellt werden!
Stadiengerechte Therapie des Kolonkarzinoms
| Behandlungsalternativen beim Kolonkarzinom | ||
|---|---|---|
| KRK-UICC-Stadium | TNM | Leitliniengerechte Therapieempfehlungen* |
| 0–I | Tis bis T1 |
|
| T2 |
| |
| II | Bis T4 |
|
| III | Jedes T, N1 |
|
| IV | Jedes T, jedes N, M1 |
|
| * Zur Durchführung siehe: Therapie des nicht-metastasierten Kolonkarzinoms und Therapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms | ||
Stadiengerechte Therapie des Rektumkarzinoms
| Behandlungsalternativen beim Rektumkarzinom | ||
|---|---|---|
| Tumorlokalisation | TNM | Übersicht leitliniengerechter Therapieoptionen * |
| Oberes Drittel | Jedes T, jedes N M0 |
|
| Mittleres und unteres Drittel | T1 N0 | |
| T2 N0 |
| |
| T1–2 N1–2 oder T3 –4 N0–2 |
| |
| Alle Drittel | Jedes T, jedes N M1 |
|
| * Für Details und zur Durchführung siehe Therapie des nicht-metastasierten Rektumkarzinoms und Therapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms | ||
Rektumkarzinome können häufig organerhaltend und somit kontinenzerhaltend behandelt werden!
Grundsätze der chirurgischen Therapie
- Resektionsausmaß abhängig von Tumorlokalisation und Gefäßversorgung des betroffenen Darmabschnitts
- En-bloc-Resektion: Betroffener Darmabschnitt wird als Ganzes entfernt inkl. mitbetroffener benachbarter Strukturen
-
Lymphadenektomie
- Resektion der Lymphknoten im Lymphabflussgebiet des Tumors
- Histologische Untersuchung von ≥12 Lymphknoten notwendig zur sicheren Beurteilung des Lymphknotenstatus (N-Klassifikation)
- OP-Verfahren: Bevorzugt minimalinvasiv (laparoskopisch oder roboterassistiert)
- Intraoperatives Staging der Leber
- Inspektion, ggf. intraoperative Sonografie, bei offener OP zusätzlich Palpation
- Schnellschnitt: Nur bei Metastasenverdacht mit unmittelbarer operativer Konsequenz
- Sonderfall kolorektale Mehrfachkarzinome
- Vorkommen: Mehrere synchrone Tumoren vorhanden in bis zu 5% der Fälle!
- Behandlung richtet sich nach den einzelnen Karzinomen
- Keine routinemäßige Kolektomie
- Ggf. Anlage mehrerer Anastomosen nötig
- Für weitere allgemeine Informationen siehe auch: Generelle Prinzipien bei darmchirurgischen Eingriffen
Nicht-metastasiertes Kolonkarzinom
Neoadjuvante Therapie
- Indikation: MSI-positive Kolonkarzinome UICC II–III
- Durchführung: Bspw. Nivolumab + Ipilimumab
Operative Therapie
- Therapieziel: Primäre Resektion mit kurativer Intention
- Lokal inoperable Tumoren: Anlage eines endständigen Stomas oder eines Bypasses als Umgehungsweg (bspw. Ileotransversostomie) zur Erhaltung der Darmpassage
- Durchführung: Kombination mit kompletter mesokolischer Exzision (CME)
- Prinzip: Komplette operative Entfernung des viszeralen mesokolischen Fettgewebes
- Ziel: Erhalt der mesokolischen Schichten bei maximaler lokaler Radikalität mit maximaler LK-Entfernung
- Für tiefergehende Informationen zu den einzelnen OP-Verfahren siehe: Kolorektale Eingriffe
OP-Verfahren abhängig von der Tumorlokalisation
| OP-Verfahren bei nicht-metastasierten Kolonkarzinomen abhängig von der Tumorlokalisation | ||
|---|---|---|
| Tumorlokalisation | OP-Verfahren | |
| Zäkum | Hemikolektomie rechts | |
| Colon ascendens | ||
| Colon transversum | Rechte Flexur | Erweiterte Hemikolektomie rechts |
| Mittleres Colon transversum | Transversumresektion | |
| Linke Flexur | Erweiterte Hemikolektomie links | |
| Colon descendens | Hemikolektomie links, ggf. radikuläre Sigmaresektion | |
| Colon sigmoideum | ||
Adjuvante Chemotherapie bei nicht-metastasiertem Kolonkarzinom
- UICC-Stadium I: Keine adjuvante Chemotherapie empfohlen
- UICC-Stadium II: Je nach Risikofaktoren und Mikrosatellitenstatus empfohlen („Kann-Situation“)
- Bei Mikrosatelliteninstabilität (MSI) keine adjuvante Chemotherapie
- Bei Risikofaktoren : Chemotherapie erwägen
- Ohne Risikofaktoren: Einzelfallentscheidung
- UICC-Stadium III: Immer empfohlen
- Voraussetzung: R0-Resektion des Primärtumors
- Kontraindikationen
- Schlechter Allgemeinzustand (ECOG >2), schwere Infektion, eingeschränkte Lebenserwartung durch Komorbiditäten
- Leberzirrhose (Child B oder C)
- Schwere KHK oder Herzinsuffizienz (NYHA III oder IV)
- Fortgeschrittene chronische Nierenkrankheit, Nierenversagen
- Blutbildungsstörung
- Unvermögen, an regelmäßigen Kontrolluntersuchungen teilzunehmen
- Durchführung
- Beginn: Postoperativ baldmöglichst (meistens innerhalb von 8 Wochen)
- Dauer: Abhängig vom Rezidivrisiko
- UICC-Stadium II: Monotherapie mit Fluoropyrimidinen
- UICC-Stadium III: Kombitherapie mit Oxaliplatin
- FOLFOX: Folinsäure + 5-Fluorouracil + Oxaliplatin
- CAPOX: Capecitabin + Oxaliplatin
- Patienten >70 Jahre: Indikation für eine Oxaliplatin-haltige Therapie nur nach gründlicher Risiko-Nutzen-Abwägung stellen
- Bei Kontraindikationen gegen Oxaliplatin sollte eine Monotherapie mit Fluoropyrimidinen erfolgen
Nicht-metastasiertes Rektumkarzinom
Neoadjuvante und organerhaltende Therapie [1][11][12]
Organerhaltende Intention
- Therapieziel: (Nahezu) komplette Remission ohne radikale chirurgische Resektion [13]
- Indikationen
- Mittleres und unteres Drittel: (Nahezu) komplette Remission nach neoadjuvanter Therapie
- Alle Drittel: T1 low-risk R0
- Durchführung: Initiale Therapie ohne radikale chirurgische Resektion, anschließend Beurteilung des Therapieansprechens
- (Nahezu) komplette Remission
- Lokale Exzision
- Oder Watchful Waiting (im 1.–2. Jahr vierteljährlich, im 3.–5. Jahr halbjährlich) mit
- Digital-rektaler Untersuchung
- Rektoskopie
- MRT des Beckens mit Diffusionsgewichtung
- Oder Watchful Waiting (im 1.–2. Jahr vierteljährlich, im 3.–5. Jahr halbjährlich) mit
- Lokale Exzision
- Ungenügende Remission: Kein Organerhalt möglich, radikale chirurgische Resektion
- (Nahezu) komplette Remission
Chemotherapie
- Indikationen: Lokal fortgeschrittene Karzinome
- Oberes Drittel
- T3 N0–1
- T1–2 N1–2
- mrCRM+
- T4
- Mittleres und unteres Drittel
- T2 N1 mrCRM-
- T3 N0–1 mrCRM-
- Oberes Drittel
- Durchführung: FOLFOX oder CAPOX
Radiotherapie als Kurzzeitbestrahlung
- Indikationen: Lokalisierte und lokal fortgeschrittene Karzinome im mittleren und unteren Drittel
- T1 (high-risk ) N0
- T2–3 N0–1
- Durchführung: 5 Gy an 5 Tagen in Folge (Operation direkt im Anschluss oder im Intervall nach 4–8 Wochen)
Konventionell fraktionierte Radiochemotherapie
- Indikation: Lokalisierte und lokal fortgeschrittene Karzinome im mittleren und unteren Drittel
- T1 N0
- T2–3 N0–1
- Durchführung
- 45–50,4 Gy Gesamtdosis in Einzeldosen von 1,8–2,0 Gy
- Pyrimidin-Antagonist (5-Fluorouracil oder Capecitabin)
- Ggf. plus Brachytherapie
- 45–50,4 Gy Gesamtdosis in Einzeldosen von 1,8–2,0 Gy
Totale neoadjuvante Therapie (TNT)
- Indikationen: Karzinome mit erhöhtem Risiko für Lokalrezidive und Metastasierung sowie lokal fortgeschrittene Karzinome im mittleren und unteren Drittel
- Oberes Drittel
- T4b
- mrCRM+
- Mittleres und unteres Drittel
- T2 N1
- T3 N0–1
- T4
- N2
- mrCRM+
- EMVI+
- Befall lateraler Lymphknoten
- Unteres Drittel: T3a–b N0–1
- Oberes Drittel
- Durchführung [11][12]
-
Goldstandard: Radio(chemo)therapie plus Konsolidierungschemotherapie
- Zuerst Strahlentherapie: Radiotherapie (5×5 Gy) oder Radiochemotherapie
- Dann Chemotherapie: CAPOX oder FOLFOX über 3–4,5 Monate
- Zuerst Strahlentherapie: Radiotherapie (5×5 Gy) oder Radiochemotherapie
- Alternative: Induktionschemotherapie plus Radio(chemo)therapie
- Zuerst Chemotherapie: CAPOX oder FOLFOX über 3–4,5 Monate oder FOLFIRINOX
- Dann Strahlentherapie: Radiotherapie (5×5 Gy) oder Radiochemotherapie
- RAPIDO-Schema: Kurzzeitradiotherapie (5×5 Gy) plus Chemotherapie (CAPOX)
- Zuerst Chemotherapie: CAPOX oder FOLFOX über 3–4,5 Monate oder FOLFIRINOX
-
Goldstandard: Radio(chemo)therapie plus Konsolidierungschemotherapie
Immuntherapie
- Indikation: MSI-positive Karzinome
- Mittleres und unteres Drittel
- T2 N1
- T3 N0–1
- Alle Drittel: M1
- Mittleres und unteres Drittel
- Durchführung: PD1-Inhibitor Dostarlimab über 6 Monate
Operative Therapie
Lokale Exzision
- Indikation: T1 (endokopisch) ≤8 cm von der Anokutanlinie, Durchmesser <3 cm und <30% in der Zirkumferenz
- Durchführung: Transanale chirurgische Vollwandexzision
- Weiteres Vorgehen
- Bei R0-Resektion und Low-Risk-Situation : Watchful Waiting
- Bei R0-Resektion und High-Risk-Situation : Komplettierende radikale chirurgische Resektion oder Radiochemotherapie
- Bei R1-Resektion: Komplettierende radikale chirurgische Resektion
Chirurgische Resektion
- Therapieziel: Resektion mit kurativer Intention
- Indikationen: Alle Karzinome, bei denen kein Organerhalt möglich ist
- Oberes Drittel: Alle Stadien ohne Metastasierung
- Mittleres und unteres Drittel
- T1 high-risk N0
- T2–3 N0–1
- T4
- N2
- mrCRM+
- EMVI+
- Befall lateraler Lymphknoten
- Durchführung
- 3 OP-Verfahren zur Auswahl
- Kontinenzerhaltend, ggf. mit passagerer Anlage eines Deviationsstomas
- Nicht-kontinenzerhaltend: Abdominoperineale Rektumexstirpation
- Kombination mit partieller oder totaler mesorektaler Exzision entlang der mesorektalen Faszie
- Partielle mesorektale Exzision (PME) bei Karzinomen des oberen Rektumdrittels
- Totale mesorektale Exzision (TME) bei Karzinomen des mittleren bzw. unteren Rektumdrittels
- Technik: Minimalinvasiv oder offen
- Lymphadenektomie
- Regionäre Lymphadenektomie
- Keine systematische Dissektion lateraler Lymphknoten entlang von A. iliaca interna und ihren Ästen
- Entfernung des regionären Lymphabflussgebiets mit Absetzung der A. mesenterica inferior
- 3 OP-Verfahren zur Auswahl
OP-Verfahren abhängig von der Tumorlokalisation
| OP-Verfahren bei nicht-metastasierten Rektumkarzinomen abhängig von der Tumorlokalisation | ||
|---|---|---|
| Tumorlokalisation | OP-Verfahren | |
| Oberes Rektumdrittel | ||
| Mittleres und unteres Rektumdrittel | ||
| Unteres Rektumdrittel, Analkanal infiltriert | ||
| ||
Multiviszerale Resektion
- Indikation: Rektumkarzinom im Stadium T4b mit Adhärenz des Tumors an Nachbarorganen
- Durchführung: Multiviszerale En-bloc-Resektion des Rektums
- Keine Biopsien und Schnellschnittuntersuchungen
- En-bloc-Entfernung der befallenen Organe, ggf. totale Beckenexenteration
Metastasiertes kolorektales Karzinom
Erstlinientherapie
- Erstlinientherapie des kolorektalen Karzinoms in interdisziplinärer Tumorkonferenz festlegen
- Partizipative Entscheidungsfindung unter Einbeziehung des Patientenwillens
- Komplementäre bzw. unkonventionelle Behandlungsansätze erfragen
- Einschätzung der Therapiefähigkeit anhand des Allgemeinzustands
- Guter Allgemeinzustand (ECOG 0–1): Intensive Chemotherapie möglich
- Reduzierter Allgemeinzustand (ECOG ≥2): Chemotherapie eingeschränkt möglich
- Schlechter Allgemeinzustand: Keine Chemotherapie möglich
Insb. der Allgemeinzustand entscheidet über die Erstlinientherapie. Ein hohes Lebensalter alleine rechtfertigt keine Festlegung der geeigneten Behandlungsstrategie!
Behandlungsstrategie bei gutem Allgemeinzustand
- Therapieziel: Maximale Tumorreduktion
- Durchführung
-
Gute Prognose und resektable Metastasierung : Primäre Metastasenresektion
- Keine adjuvante oder additive Therapie nach Resektion von Lebermetastasen durchführen
- Ungünstige Prognose und resektable Metastasierung: Primär systemische Therapie erwägen
- Möglichst effektive Chemotherapie durchführen
- Dynamik der Erkrankung unter Chemotherapie beobachten → Ermöglicht Entscheidung über weiteres Vorgehen
- Bei erfolgreicher Stabilisierung: Zügige Resektion innerhalb von 2–3 Monaten anstreben
- Sehr kleine Metastasen: Primäre Entfernung von Metastasen (≤1 cm) erwägen
-
Nicht-resektable Metastasierung: Primär systemische Therapie
- Möglichst effektive Chemotherapie durchführen
- Sekundäre Resektabilität bzw. lokalablative Verfahren in regelmäßigen Abständen von ca. 2–3 Monaten reevaluieren
- Ausnahme: Bei stenosierendem Tumor bzw. Hb-relevanter Blutung ggf. Entfernung des Primärtumors
- Oligometastasiertes kolorektales Karzinom: Lokalablative Verfahren oder lokoregionäre Verfahren erwägen
- Dauer
- 4–6 Monate, bei gutem Ansprechen ggf. verlängern
- Bedarfsadaptiert pausieren oder deeskalieren
- Sonderfall Immuntherapie: Bis zum Progress der Erkrankung bzw. max. 2 Jahre
-
Gute Prognose und resektable Metastasierung : Primäre Metastasenresektion
- Kriterien für die Resektabilität von Metastasen
- Nicht-resezierbare Metastasen außerhalb der Leber oder der Lunge ausgeschlossen
- Vollständige Resektion technisch möglich
- Ausgeprägte Komorbidität ausgeschlossen
- ECOG 0–2
- Bei Lungenmetastasen: Postoperativ ausreichend Residualvolumen erhalten
- Bei Lebermetastasen
- Postoperativ >30% gesundes Lebergewebe erhalten
- Sicherer Abstand zu wichtigen Lebergefäßen
- Ausreichende Leberfunktion, keine Leberzirrhose Child B oder Child C
- Fong-Score zu Einschätzung der Prognose bei Lebermetastasen
- Risikofaktoren
- Lymphknotenpositiver Primärtumor
- Krankheitsfreier Zeitraum zwischen Primärtumorresektion und Nachweis einer Lebermetastase <12 Monate
- Größe der Metastase >5 cm
- Metastasenanzahl >1
- Präoperatives CEA >200 ng/mL
- Beurteilung
- 0 Risikofaktoren: Niedrigrisikogruppe
- 1–2 Risikofaktoren: Intermediäre Risikogruppe
- 3–5 Risikofaktoren: Hochrisikogruppe
- Risikofaktoren
| Erstlinientherapie bei gutem Allgemeinzustand: Therapieregime molekularpathologischer Subgruppen | ||
|---|---|---|
| Linksseitiges Karzinom | Rechtsseitiges Karzinom | |
| RAS-Wildtyp und BRAF-Wildtyp |
|
|
| RAS-Mutation |
| |
| BRAF-Mutation | ||
| MSI-positiv | ||
Bei RAS- und BRAF-Wildtyp-Tumoren beeinflusst die Tumorlokalisation die Wahl des geeigneten Therapieregimes!
Bei (potenziell) resektablen Metastasen kann eine kurative Behandlung des metastasierten kolorektalen Karzinoms gelingen!
Behandlungsstrategie bei reduziertem Allgemeinzustand
- Komorbiditäten ursächlich für reduzierten Allgemeinzustand: Primär palliative Therapie
- Tumorerkrankung ursächlich für reduzierten Allgemeinzustand: Intensive medikamentöse Therapie erwägen
- Fluoropyrimidine mit oder ohne VEGF-Inhibitor (Bevacizumab)
- Bei RAS-Wildtyp: EGFR-Inhibitor
- Dosisreduzierte Chemotherapie (mit FOLFOX, FOLFIRI oder CAPOX)
- Supportive Therapie („Best Supportive Care“), siehe auch: Supportive Therapie bei onkologischen Erkrankungen
Zweitlinientherapie und spätere Therapielinien
- Entscheidung über Zweitlinientherapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms abhängig von
- Molekularbiologie des Tumors: Molekularpathologische Diagnostik wiederholen
- Wahl, Ansprechen und Toxizität der Erstlinientherapie
| Weitere Therapielinien bei metastasiertem kolorektalen Karzinom | |||
|---|---|---|---|
| Vortherapie / Molekularpathologie | Zweitlinientherapie | Drittlinientherapie | Viertlinientherapie |
| FOLFOX oder CAPOX +/- EGFR-Inhibitor oder VEGF-Inhibitor |
|
| |
| FOLFIRI +/- EGFR-Inhibitor oder VEGF-Inhibitor | |||
| MSI-positiv |
|
| |
Lokalablative Verfahren
- Allgemein: Einsatz nach Entscheidung der Tumorkonferenz
- Lebermetastasen
- Thermoablation (Radiofrequenzablation, Mikrowellenablation)
- Indikation: Nicht-resektable und resektable Metastasierung, Inoperabilität aufgrund eines schlechten Allgemeinzustandes
- Einsatz insb. nach bereits erfolgter Leberresektion oder in Kombination mit Leberresektion
- Weitere Verfahren mit geringer Evidenz: Strahlentherapie, Brachytherapie, laserinduzierte interstitielle Thermotherapie (LITT)
- Thermoablation (Radiofrequenzablation, Mikrowellenablation)
- Lungenmetastasen
- Thermoablation (Radiofrequenzablation, Mikrowellenablation)
- Weitere Verfahren mit geringer Evidenz: Strahlentherapie
Lokoregionäre Verfahren
- Transarterielle Radioembolisation: Bei disseminierten Lebermetastasen ohne andere Therapieoptionen
- Transarterielle Chemoembolisation
- Weitere Verfahren mit geringer Evidenz: Hepatische intraarterielle Chemotherapie (HIA)
Therapie der Peritonealkarzinose [1]
- Indikation: Isolierte, limitierte Peritonealkarzinose
- Therapieziel: Makroskopische Tumorfreiheit
- Durchführung
- Zytoreduktive Chirurgie
- HIPEC: Nicht routinemäßig empfohlen
Perioperatives Management
Klinikeigene Standards sind zu beachten!
Präoperatives Management
- Besonderheiten
- Labordiagnostik
- Blutgruppe, Bereitstellung (Einkreuzen) von Blutkonserven
- CEA-Bestimmung
- Ggf. Stomaanzeichnung
- Rektumkarzinom: Anlage eines (ggf. passageren) Stomas als fester Bestandteil der Operation
- Abdominoperianale Rektumexstirpation: Aufklärung über permanente Kolostomie!
- Labordiagnostik
- Für allgemeine Hinweise zum präoperativen Management siehe
- Für darmchirurgische Besonderheiten siehe
Postoperatives Management
- Besonderheiten
- Häufiger Einsatz eines PDK bzw. von Schmerzpumpen
- Perioperative Thromboseprophylaxe über 4 Wochen fortführen
- Für allgemeine Hinweise zum postoperativen Management siehe: Postoperatives Management
- Für darmchirurgische Besonderheiten siehe
Nachsorge
- UICC-Stadium I–III nach R0-Resektion: 5 Jahre
- Anamnese, körperliche Untersuchung
- Alle 6 Monate für 2 Jahre
- Alle 12 Monate für weitere 3 Jahre
- Komplette Koloskopie
- Wenn präoperativ nicht erfolgt: Innerhalb von 6 Monaten postoperativ
- Nach 1 Jahr
- Nach 5 Jahren
- Bei Polypennachweis siehe: Nachsorge nach Polypektomie
- Abdomensonografie: Alle 12 Monate für 5 Jahre
- Alternativ: CT von Thorax und Abdomen [14][15]
- CEA-Bestimmung: Kann bei prätherapeutisch erhöhten Werten erwogen werden
- Anamnese, körperliche Untersuchung
- Nach kurativer Metastasentherapie
| Nachsorge des kolorektalen Karzinoms im UICC-Stadium I–III [14][15] | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Maßnahmen | Nach 6 Monaten | Nach 1 Jahr | Nach 18 Monaten | Nach 2 Jahren | Nach 3 Jahren | Nach 4 Jahren | Nach 5 Jahren |
| Anamnese, körperliche Untersuchung | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
| Koloskopie | (✓) | ✓ | — | — | — | — | ✓ |
| Abdomensonografie | — | ✓ | — | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
Das Risiko für Rezidive liegt in den ersten 5 Jahren bei 15–20%. Davon treten 90% innerhalb der ersten 3 Jahre auf!
AMBOSS-Pflegewissen: Kolorektales Karzinom
- Für weiterführende Informationen siehe auch
Beobachten/Überwachen
- Ernährungszustand: Häufig Appetit- und Gewichtsverlust
- Screening auf Mangelernährung
- Siehe auch AMBOSS-Pflegewissen: Mangelernährung
- Ausscheidungen, insb.
- Blutbeimengungen in Stuhlgang und Teerstuhl
- „Bleistiftstuhl“
- Ungewollter Stuhlabgang bei Flatulenz
- Obstipation
- Diarrhö
- Schmerzen: Bspw. Bauchschmerzen, siehe auch AMBOSS-Pflegewissen: Schmerz und Schmerzmanagement
- Weitere Symptome: Bspw. B-Symptomatik, Blutungsanämie
- Mögliche Folgen der Tumortherapie: Bspw. Anämie, Neutropenie (Infektanfälligkeit↑), Thrombozytopenie (Blutungsneigung↑)
- Psychische Verfassung: Auf Anzeichen psychischer Belastung achten
Medikamentöse Therapie
- Ggf. Zytostatikatherapie, siehe auch: Pflege bei Chemotherapie
- Ggf. Strahlentherapie, siehe auch: Pflege bei Strahlentherapie
Hygiene
- Patientenschutz: Insb. bei Immunsuppression oder erhöhter Infektanfälligkeit
- Schutz der Patient:innen durch spezielle Hygienemaßnahmen
- Siehe auch: Pflege bei Infektanfälligkeit
Ernährung
- Ausgewogene Ernährung
- Möglichst auf Alkohol verzichten
- 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag
- Wenig rotes und verarbeitetes Fleisch
- 30 g Ballaststoffe pro Tag [16]
- Milchprodukte [17]
Spezielle präoperative Pflege
- Allgemeine Maßnahmen
- Präoperative Darmvorbereitung und Nahrungskarenz: Nach ärztlicher Anordnung oder hausinternen Standards
- Abhängig vom betroffenen Darmabschnitt und Kontraindikationen
- I.d.R. ballaststoffarme Kost
- Ggf. parenterale Ernährung
- Ernährung
- Screening auf Mangelernährung
- Ggf. Ausgleich der Malnutrition
- Ggf. Glucosedrink
- I.d.R. ballaststoffarme Kost
- Screening auf Mangelernährung
- Perioperative Antibiose : Durchführung der Antibiotikatherapie nach ärztlicher Anordnung
- Bei geplanter Stomaanlage, siehe auch: AMBOSS-Pflegewissen: Grundaspekte der Stomapflege
- Kontakt zu Stomatherapeut:in herstellen
- Betroffene zum Umgang mit Stoma anleiten
- Stomagebiet wird i.d.R. von ärztlichem Personal angezeichnet
- Siehe auch: AMBOSS-Pflegewissen: Präoperative Pflege
Spezielle postoperative Pflege
- Regelmäßige Kontrollen
- Vitalparameter: Keine rektale Temperaturkontrolle nach Operationen am Rektum
- Verbände: Insb. Nachblutungen
- Liegende Drainagen, siehe auch AMBOSS-Pflegewissen: Drainagen
- Flüssigkeitsbilanzierung: Insb. bei Ileostoma
- Ausscheidungen
- 1. Stuhlgang nach 4–7 Tagen
- Blasenkatheter verbleibt i.d.R. 1–2 Tage, nach Rektumoperation 3–6 Tage, nach Rektumexstirpation mind. 7 Tage
- Benachrichtigung des ärztlichen Personals, insb. bei Komplikationszeichen
- Stark blutiges Sekret
- Anzeichen einer Anastomoseninsuffizienz
- Blasenentleerungsstörung
- Ileus
- Obstipation
- Aufgeblähter Bauch, Aufstoßen bis hin zum Erbrechen
- Fehlende Darmgeräusche
- Positionierung und Mobilisation
- Positionierung mit leicht erhöhtem Oberkörper
- Ggf. weiches Kissen unter Gesäß
- Mobilisation je nach Zustand ab 1. postoperativen Tag
- Ernährung: Oraler Kostaufbau i.d.R. ab 4 h nach OP möglich
- Spezielle Prophylaxen: Ggf. Ileusprophylaxe nach ärztlicher Anordnung [18]
- Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) zur Schmerzbehandlung
- Laxanzien
- Ggf. Vermittlung weiterführender Angebote
- Selbsthilfegruppen
- Psychotherapeutische Stellen
- Palliative Pflege / Hospiz
- Siehe auch: AMBOSS-Pflegewissen: Postoperative Pflege
Prognose
- Relative 5-Jahres-Überlebensrate bei kolorektalem Karzinom: Insg. ca. 62% in Deutschland (Stand 2015/2016) [10][19]
- Kolonkarzinom: Adjuvante Chemotherapie verbessert 5-Jahres-Überlebensrate im Stadium III signifikant [6]
- Rektumkarzinom: Neoadjuvante Therapie senkt die Lokalrezidivrate [20]
Die Qualität der operativen Versorgung beeinflusst die Prognose maßgeblich! [6]
Prävention
Protektive Faktoren
- Ernährung
- Reich an Ballaststoffen (insb. in Obst und Gemüse), Vollkorn- und Milchprodukten
- Wenig rotes Fleisch und hochverarbeitete Lebensmittel
- Körperliche Aktivität
- Beenden von / Verzicht auf Rauchen
- Reduktion des Alkoholkonsums
- Nicht empfohlen: ASS, COX2-Hemmer, Statine oder Hormone
ASS und COX2-Hemmer senken zwar das Karzinomrisiko, sind aber aufgrund heterogener Studiendaten und schwerer Nebenwirkungen nicht zur Prävention empfohlen!
Darmkrebsvorsorge in der Regelvorsorge
- Startalter: 50 Jahre
- Geeignete Verfahren
- Koloskopie: Alle 10 Jahre [21][22][23]
- Intervall nach Polypenentfernung je nach Anzahl, Größe und Histologie
- Siehe: Nachsorge nach Polypektomie
- Immunologischer fäkaler Okkultbluttest (iFOBT): Alle 1–2 Jahre [21]
- Sigmoidoskopie: Alle 5 Jahre
- Koloskopie: Alle 10 Jahre [21][22][23]
- Wahl des Verfahrens: Patientenwunsch
| Vergleich der empfohlenen Verfahren zur Darmkrebsvorsorge | ||
|---|---|---|
| Verfahren | Vorteile | Nachteile |
| Koloskopie |
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| Sigmoidoskopie |
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| iFOBT |
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Entscheidend für die Senkung der darmkrebsbedingten Sterblichkeit ist die Inanspruchnahme einer geeigneten Früherkennungsmaßnahme – unabhängig vom gewählten Verfahren!
Die Vorsorgekoloskopie bei Nicht-Risikopersonen wird ab 50 Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen getragen!
Vorgehen nach Polypenentfernung im Rahmen der Darmkrebsvorsorge in der Regelversorgung
| Nachsorge nach Polypektomie [1] | ||
|---|---|---|
| Histologie des/der entfernten Polypen | Empfohlenes Intervall bis zur Kontroll-Koloskopie | |
| Adenome |
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| Sessile serratierte Läsionen |
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| Besondere Resektion |
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Darmkrebsvorsorge bei Risikopersonen
- Familiäre Belastung
- Startalter: 10 Jahre vor dem Alterszeitpunkt des Adenom- oder Karzinomnachweises bei der Indexperson, bei KRK spätestens im Alter von 40 Jahren
- Geeignete Verfahren
- Koloskopie: Bei unauffälligem Befund alle 10 Jahre
- iFOBT: Alle 1–2 Jahre
- Bei prädisponierenden genetischen oder familiären Faktoren sowie Grunderkrankungen gelten individuelle Vorsorgeempfehlungen [1]
Meditricks
In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.
Kolorektales Karzinom
Kolorektales Karzinom – Teil 1
Kolorektales Karzinom – Teil 2
Kolorektales Karzinom – Teil 3
Kolorektales Karzinom – Teil 4
Kolorektales Karzinom – Teil 5
Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).
Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026
- C18.-: Bösartige Neubildung des Kolons
- C18.0: Zäkum
- Ileozäkalklappe [Bauhin]
- C18.1: Appendix vermiformis
- C18.2: Colon ascendens
- C18.3: Flexura coli dextra [hepatica]
- C18.4: Colon transversum
- C18.5: Flexura coli sinistra [lienalis]
- C18.6: Colon descendens
- C18.7: Colon sigmoideum
- Sigma (Flexur)
- Exklusive: Rektosigmoid, Übergang (C19)
- C18.8: Kolon, mehrere Teilbereiche überlappend
- C18.9: Kolon, nicht näher bezeichnet
- Dickdarm o.n.A.
- C18.0: Zäkum
- C19: Bösartige Neubildung am Rektosigmoid, Übergang
- Inklusive: Kolon mit Rektum, Übergang vom Rektum zum Colon sigmoideum
- C20: Bösartige Neubildung des Rektums
- Inklusive: Ampulla recti
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.