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Kolorektales Karzinom

Letzte Aktualisierung: 11.8.2021

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Das kolorektale Karzinom umfasst Karzinome des Kolons (≥16 cm oral der Anokutanlinie) und des Rektums (<16 cm entfernt von der Anokutanlinie). Prädisponierend sind genetische Faktoren (z.B. HNPCC), Ernährungsstil und verschiedene assoziierte Erkrankungen. Da die meisten kolorektalen Karzinome aus Adenomen entstehen (95%), spielen koloskopische Vorsorgeuntersuchungen eine große Rolle in der Prävention. Klinisch zeigen sich meist nur unspezifische oder gar keine Symptome – ein rektaler Blutabgang sollte jedoch immer an die Möglichkeit eines kolorektalen Karzinoms denken lassen. Diagnostisch ist die komplette Koloskopie mit Biopsie vordergründig. Bei Karzinomnachweis sollte ein umfangreiches Staging angeschlossen werden. In der Therapie des Kolonkarzinoms steht meist die operative Resektion an erster Stelle, auf die bei R0-Resektion stadienabhängig (bei fehlenden Kontraindikationen) eine adjuvante Chemotherapie erfolgt. Das Rektumkarzinom ist im Gegensatz zum Kolonkarzinom einer neoadjuvanten Strahlentherapie zugänglich (Durchführung u.a. abhängig von Lokalisation und Stadium). Falls möglich, sollten Rektumkarzinome bevorzugt kontinenzerhaltend operiert werden.

Die Leitlinie aus dem Leitlinienprogramm Onkologie ist im Volltext als AMBOSS-Kapitel verfügbar. Sukzessive wird der direkte kontextsensitive Zugriff auf Empfehlungen der Leitlinie in diesem und anderen AMBOSS-Kapiteln angeboten.

Die Lokalisationshäufigkeit des kolorektalen Karzinoms steigt nach aboral an!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Prädisponierende Faktoren

Protektive Faktoren

  • Körperliche Aktivität
  • Schnelle Stuhlpassage
  • Ernährung: Ballaststoff-, obst- und gemüsereich, fleischarm

  • Keine auffälligen oder charakteristischen Frühsymptome!
  • Plötzliche Veränderung des Stuhlgangs
    • Obstipation oder Durchfall
    • Rektale Blutabgänge (sichtbar oder okkult)
    • „Bleistiftstühle“
    • „Falsche Freunde“ (ungewollter Stuhlabgang bei Flatus)
  • B-Symptomatik
  • Leistungsabfall, Müdigkeit
  • Tastbare Raumforderung
  • Blutungsanämie
  • Bauchschmerzen
  • Dauerhaft übel riechender Flatus
  • Spätsymptom: Ileussymptomatik

Altersbedingt haben etwa 50% der Patienten mit einem kolorektalen Karzinom gleichzeitig symptomatische Hämorrhoiden. Rektale Blutabgänge sollten daher immer an ein Karzinom denken lassen, auch bei bereits diagnostiziertem Hämorrhoidalleiden! [3]

Lokalisation und Metastasierungswege des kolorektalen Karzinoms
Karzinom Abstand von der Anokutanlinie Lymphogene Metastasierung

Hämatogene Metastasierung

Kolonkarzinom
  • ≥16 cm
Rektumkarzinom Oberes Drittel
  • 12–16 cm
Mittleres Drittel
  • 6–<12 cm
Unteres Drittel
  • <6 cm

TNM-Klassifikation des kolorektalen Karzinoms (Stand 2017) [4]

TNM-Klassifikation des kolorektalen Karzinoms
TNM Ausdehnung
TX Primärtumor kann nicht beurteilt werden
T0 Kein Anhalt für Primärtumor
Tis Carcinoma in situ
T1 Infiltration der Submukosa
T2 Infiltration der Muscularis propria
T3 Infiltration der Subserosa (intraperitoneale Anteile), Infiltration des perikolischen, perirektalen Fettgewebes (sekundär retroperitoneale Anteile)
T4 Perforation des viszeralen Peritoneums (T4a) oder Infiltration anderer Organe/Strukturen (T4b)
NX Regionäre Lymphknoten können nicht beurteilt werden
N0 Keine regionären Lymphknotenmetastasen
N1 1–3 regionäre Lymphknoten
N2a 4–6 regionäre Lymphknoten
N2b ≥7 regionäre Lymphknoten
M0 Keine Fernmetastasen
M1a Fernmetastasen: Nur ein Organ betroffen
M1b Fernmetastasen: Mehr als ein Organ betroffen
M1c Fernmetastasen im Peritoneum, mit oder ohne Befall anderer Organe
  • Veraltet: Dukes-Klassifikation (Stadium A–D), wird zunehmend verlassen

Stadieneinteilung der UICC (Union for International Cancer Control)

Vereinfachte Darstellung

Vereinfachte Stadieneinteilung des kolorektalen Karzinoms der UICC
UICC-Stadium TNM
0 Tis (Carcinoma in situ)
I Bis T2, N0, M0
II Ab T3, N0, M0
III Jedes T, N1/N2, M0
IV Jedes T, jedes N, M1

Detaillierte Darstellung

Stadieneinteilung des kolorektalen Karzinoms der UICC
KRK-UICC-Stadium TNM
0 Tis (Carcinoma in situ)
I Bis T2, N0, M0
II IIA T3, N0, M0
IIB T4a, N0, M0
IIC T4b, N0, M0
III IIIA Bis T2, N1, M0 oder T1, N2a, M0
IIIB T3/T4, N1, M0 oder T2/T3, N2a, M0 oder T1/T2, N2b, M0
IIIC T4a, N2a, M0 oder T3/T4a, N2b, M0 oder T4b, N1/N2, M0
IV IVA Jedes T, jedes N, M1a
IVB Jedes T, jedes N, M1b
IVC Jedes T, jedes N, M1c

Zum Screening siehe: Prävention des kolorektalen Karzinoms.

Basis-Staging bei allen kolorektalen Karzinomen [2]

  • Digital-rektale Untersuchung [5]
  • Komplette Koloskopie mit Biopsie [2]
    • Goldstandard zur Detektion kolorektaler Polypen und Karzinome
    • Zum Vorgehen beim Auffinden suspekter Läsionen siehe: Therapie bei Kolonpolypen
    • Bei unklarem Befund bzw. OP-Indikation: Markierung der Läsion mittels Clip (bei zeitnaher OP) oder Tusche (nicht direkt in die Läsion, sondern nah daneben ) [2]
    • Bei inkompletter Koloskopie, bspw. wegen Stenose
      • Präoperativ zusätzlich CT- oder MR-Kolonografie möglich
      • Postoperativ komplette Koloskopie durchführen (3–6 Monate nach Operation)
  • Bildgebung
  • Tumormarker
    • CEA-Bestimmung als Ausgangswert vor Therapiebeginn
    • Andere Tumormarker wie CA 19-9 werden aktuell nicht empfohlen [2]

Adenokarzinome treten in bis zu 5% der Fälle multipel auf → Suche nach weiteren Tumoren!

Zusätzliche Bildgebung bei unklaren Befunden, Fernmetastasen- oder Infiltrationsverdacht

Spezielles Staging bei Rektumkarzinom

  • Bei allen nachgewiesenen Rektumkarzinomen
    • Starre Rektoskopie
    • MRT des Beckens (alternativ CT des Beckens): Ermittlung des Abstandes vom Tumor zur mesorektalen Faszie
  • Bei lokal begrenztem Tumor : Rektale Endosonografie zur Bestimmung der Infiltrationstiefe (T-Stadium) [2]
  • Bei V.a. Übergriff auf Vagina/Adnexe/Uterus bzw. Blase: Gynäkologisches bzw. urologisches Konsil

  • Meist Adenokarzinom [2][6]
    • Ca. 90% der kolorektalen Karzinome entstehen aus Adenomen
    • Häufigkeit des Adenomtyps: Tubulär > tubulovillös > villös
    • Entartungsrisiko des Adenoms abhängig von dessen [7]
      • Größe (>1 cm)
      • Dysplasiegrad [2]
      • Histologischer Typ: Villös > tubulovillös > tubulär [8][9]
      • Anzahl der Adenome ≥3
      • Lebensalter
    • Tumorgenese [7]
  • Sonderformen [6]
    • Muzinöses (schleimbildendes) Adenokarzinom („Gallertkarzinom“)
    • Siegelringzellkarzinom
    • Kleinzelliges Karzinom
    • Plattenepithelkarzinom
    • Undifferenziertes Karzinom
    • Adenosquamöses Karzinom (Rarität)

90% aller Kolonkarzinome sind Adenokarzinome!

„Je villöser, desto böser!“

Zum Vergleich: Normalbefunde

Dünndarmtumoren

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Erstlinientherapie des kolorektalen Karzinoms

  • Vor Behandlungsbeginn: Beurteilung der Situation und des Therapieziels
  • Entscheidung über Erstlinientherapie abhängig von 3 Faktoren
    1. Allgemeinzustand
    2. Lokalisation und Ausdehnung des Tumors
    3. Molekularbiologie des Tumors
  • Interdisziplinäre Tumorkonferenz [2]
    • Vorstellung nach Abschluss der Erstlinientherapie immer empfohlen
    • Prätherapeutische Vorstellung bei
      • Allen Rektumkarzinomen
      • Kolonkarzinomen im Stadium IV
      • Lokalrezidiven
      • Metachroner Metastasierung
      • Geplantem lokalablativen Verfahren
  • Weitere onkologische Aspekte
    • Adäquate Schmerztherapie und Ernährung sicherstellen, supportive Therapie optimieren
    • Psychosoziale und psychoonkologische Angebote anbieten

Jedes Rektumkarzinom sollte prätherapeutisch in einer Tumorkonferenz vorgestellt werden!

Stadiengerechte Therapie des Kolonkarzinoms [2]

KRK-UICC-Stadium TNM Leitliniengerechte Therapieempfehlung
0–I Tis bis T1
  • Endoskopische Resektion
  • Weiteres Vorgehen abhängig von Histopathologie [2]
    • Low-Risk-Situation und
      • Komplette Resektion (R0): Keine Nachresektion
      • Inkomplette Resektion: Komplette endoskopische/lokale chirurgische Nachresektion
    • High-Risk-Situation : Radikale chirurgische Resektion
  • Keine adjuvante Chemotherapie [2]
T2, N0, M0
II Bis T4, N0, M0
III Jedes T, N1, M0
IV Jedes T, jedes N, M1
  • Individuelles Vorgehen je nach Befund [2]

Stadiengerechte Therapie des Rektumkarzinoms [2]

KRK-UICC-Stadium

TNM Leitliniengerechte Therapieempfehlung
0–I Tis bis T1
T2, N0, M0
II Bis T4, N0, M0
III Jedes T, N1, M0
IV Jedes T, jedes N, M1
  • Individuelles Vorgehen je nach Befund [2]

Rektumkarzinome des oberen Drittels werden i.d.R. wie Kolonkarzinome behandelt: Primäre Operation, adjuvante Chemotherapie!

Grundsätze der chirurgischen Therapie

  • Resektionsausmaß abhängig von Tumorlokalisation und Gefäßversorgung des betroffenen Darmabschnitts
  • En-bloc-Resektion: Betroffener Darmabschnitt wird als Ganzes entfernt inkl. mitbetroffener benachbarter Strukturen
  • Lymphadenektomie
  • OP-Verfahren: Offenes und laparoskopisches Verfahren gleichermaßen möglich
  • Intraoperatives Staging der Leber
    • Inspektion, bei offener OP zusätzlich Palpation
    • Nadelbiopsie bei unklarer Läsion
  • Sonderfall kolorektale Mehrfachkarzinome [2][2]
    • Vorkommen: Mehrere synchrone Tumoren vorhanden in bis zu 5% der Fälle!
    • Behandlung richtet sich nach den einzelnen Karzinomen
    • Keine routinemäßige Kolektomie
    • Ggf. Anlage mehrerer Anastomosen nötig
  • Für weitere allgemeine Informationen siehe auch: Generelle Prinzipien bei darmchirurgischen Eingriffen

Operative Therapie

OP-Verfahren abhängig von der Tumorlokalisation

OP-Verfahren bei nicht-metastasierten Kolonkarzinomen abhängig von der Tumorlokalisation
Tumorlokalisation OP-Verfahren
Zäkum Hemikolektomie rechts
Colon ascendens
Colon transversum Rechte Flexur Erweiterte Hemikolektomie rechts
Mittleres Colon transversum Transversumresektion
Linke Flexur Erweiterte Hemikolektomie links
Colon descendens Hemikolektomie links, ggf. radikuläre Sigmaresektion

Colon sigmoideum

Für tiefergehende Informationen zu den einzelnen OP-Verfahren siehe: Kolorektale Eingriffe!

Adjuvante Chemotherapie bei nicht-metastasiertem Kolonkarzinom

Keine Radiatio am Kolon! Kolonkarzinome sind relativ strahlenunempfindlich.

Operative Therapie

OP-Verfahren abhängig von der Tumorlokalisation

OP-Verfahren bei nicht-metastasierten Rektumkarzinomen abhängig von der Tumorlokalisation
Tumorlokalisation OP-Verfahren
Oberes Rektumdrittel
Mittleres Rektumdrittel
Unteres Rektumdrittel

Unteres Rektumdrittel, tiefsitzendes Rektumkarzinom

Sicherheitsabstände bei mesorektaler Exzision

  • Oberes Rektumdrittel
    • Partielle mesorektale Exzision (PME)
    • Distaler Sicherheitsabstand von mind. 5 cm
  • Mittleres Rektumdrittel: Totale mesorektale Exzision (TME)
  • Unteres Rektumdrittel
    • Totale mesorektale Exzision (TME)
    • Distaler Sicherheitsabstand von mind. 1–2 cm (bei Low-Grade-Tumor) bzw. 5 cm (bei High-Grade-Tumor)
    • Nach neoadjuvanter Radiochemotherapie kann ein Sicherheitsabstand von 0,5 cm ausreichen

Neoadjuvante Therapie bei nicht-metastasiertem Rektumkarzinom [2]

  • UICC-Stadium I: Keine neoadjuvante Therapie empfohlen
  • UICC-Stadium II und III
    • Tumoren des unteren und mittleren Rektumdrittels: Neoadjuvante Radiochemotherapie oder Radiotherapie als Kurzzeitbestrahlung empfohlen
      • Ausnahmen: Primäre Operation ohne neoadjuvante Therapie möglich, falls folgende Kriterien zutreffen
        • cT1/2-Tumoren im unteren und mittleren Drittel mit radiologisch fraglichem LK-Befall
        • cT3a/b-Tumoren im mittleren Drittel mit lediglich limitierter Infiltration ins perirektale Fettgewebe in der MRT-Diagnostik sowie ohne V.a. LK-Metastasen oder extramurale Gefäßinvasion
    • Tumorlokalisation im oberen Drittel mit hohem Risiko für Lokalrezidive: Neoadjuvante Radio-/Radiochemotherapie erwägen
  • Durchführung: Zwei Schemata möglich
    • Radiotherapie als Kurzzeitbestrahlung (5×5 Gy)
      • Gefolgt von Operation innerhalb von 10 Tagen (insb. bei Alter ≥75 Jahre sinnvoll) oder
      • Mit verlängertem Intervall bis zur Operation
        • Intervall 4–8 Wochen: Wenn Downsizing notwendig und Chemotherapie kontraindiziert ist (als Alternative zur konventionell fraktionierten Radiochemotherapie)
        • Intervall bis zu 12 Wochen: Wenn Downsizing angestrebt wird, Kombination mit oder ohne Chemotherapie möglich
    • Konventionell fraktionierte Radiochemotherapie, Operation nach 6–8 Wochen
      • 45–50,4 Gy Gesamtdosis
      • 5-FU i.v. oder Capecitabin p.o.
      • Insb. wenn ein Downsizing angestrebt wird, d.h. bei
        • T4-Tumoren
        • Tiefliegenden Tumoren mit geplantem Sphinktererhalt
        • <1–2 mm Tumorabstand zur mesorektalen Faszie
    • Im Anschluss OP-Verfahren wählen

Adjuvante Therapie bei nicht-metastasiertem Rektumkarzinom [2]

Molekularbiologische Diagnostik

  • Zeitpunkt: Durchführung möglichst vor Beginn der Erstlinientherapie
  • RAS-Mutationsstatus
    • Durchführung: Analyse von Gewebe des Primärtumors oder der Metastasen, alternativ aus Tumor-DNA im Blut
    • Häufigkeit: KRAS- oder NRAS-Mutation bei ca. 50% der metastasierten kolorektalen Karzinome vorhanden
    • Therapeutische Konsequenz: Keine Anti-EGFR-Therapie bei Vorliegen einer RAS-Mutation durchführen
  • BRAF-Mutationsstatus
    • Durchführung: Als Stufendiagnostik nach Ausschluss einer RAS-Mutation oder als Panel-Diagnostik
    • Häufigkeit: BRAF-V600-Mutation bei ca. 10% der metastasierten kolorektalen Karzinome vorhanden
    • Therapeutische Konsequenz: BRAF-V600-Mutation bedingt ungünstigere Prognose → Ggf. frühzeitig intensive Chemotherapie anstreben (bspw. mit FOLFOXIRI + Bevacizumab)
  • Pharmakogenetische Diagnostik
    • Durchführung: Ggf. Dihydropyrimidin-Dehydrogenase analysieren vor Beginn einer Fluoropyrimidin-Therapie (Ziel: Prädiktion der Toxizität)
    • Therapeutische Konsequenz: Dosisreduktion empfohlen bei Mangel an Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (bspw. DPYD*2A-Polymorphismus)
  • Mikrosatellitenstatus
    • Durchführung: Insb. bei V.a. familiären Darmkrebs empfohlen
    • Therapeutische Konsequenz: Kein Einfluss auf Erstlinientherapie, jedoch ggf. auf Zweitlinientherapie
  • HER2/neu-Status
    • Therapeutische Konsequenz: HER2/neu Überexpression ggf. mit Resistenz gegen Anti-EGFR verbunden

Erstlinientherapie [2]

Insb. der Allgemeinzustand entscheidet über die Erstlinientherapie. Ein hohes Lebensalter alleine rechtfertigt keine Festlegung der geeigneten Behandlungsstrategie!

Behandlungsstrategie bei gutem Allgemeinzustand [2]

  • Therapieziel: Maximale Tumorreduktion
  • Durchführung
    • Gute Prognose und resektable Metastasierung : Primäre Metastasenresektion
    • Ungünstige Prognose und resektable Metastasierung: Primär systemische Therapie erwägen
      • Möglichst effektive Chemotherapie durchführen
      • Dynamik der Erkrankung unter Chemotherapie beobachten → Ermöglicht Entscheidung über weiteres Vorgehen
      • Bei erfolgreicher Stabilisierung: Zügige Resektion innerhalb von 2–3 Monaten anstreben
      • Sehr kleine Metastasen: Primäre Entfernung von Metastasen (≤1 cm) erwägen
    • Nicht-resektable Metastasierung: Primär systemische Therapie
      • Möglichst effektive Chemotherapie durchführen
      • Sekundäre Resektabilität bzw. lokalablative Verfahren in regelmäßigen Abständen von ca. 2–3 Monaten reevaluieren
      • Ausnahme: Bei stenosierendem Tumor bzw. Hb-relevanter Blutung ggf. Entfernung des Primärtumors [2][2]
    • Oligometastasierung: Lokalablative Verfahren oder lokoregionäre Verfahren erwägen
  • Kriterien für Resektabilität von Lebermetastasen
  • Prognose-Einschätzung bei Lebermetastasen: Fong-Score
    • Risikofaktoren
      • Lymphknotenpositiver Primärtumor
      • Krankheitsfreier Zeitraum zwischen Primärtumorresektion und Nachweis einer Lebermetastase <12 Monate
      • Größe der Metastase >5 cm
      • Metastasenanzahl >1
      • Präoperatives CEA >200 ng/mL
    • Beurteilung
      • 0 Risikofaktoren: Niedrigrisikogruppe
      • 1–2 Risikofaktoren: Intermediäre Risikogruppe
      • 3–5 Risikofaktoren: Hochrisikogruppe
  • Mögliche Schemata zur intensiven Chemotherapie
  • Therapieregime molekularpathologischer Subgruppen
    • RAS-Wildtyp: Chemotherapie-Doublette und
      • Linksseitiger Tumor: Mit oder ohne Bevacizumab und mit Anti-EGFR-Therapie
      • Rechtsseitiger Tumor: Mit oder ohne Bevacizumab
    • RAS-Mutation: Chemotherapie-Doublette mit oder ohne Bevacizumab
    • BRAF-Mutation: Bspw. Chemotherapie-Triplette mit oder ohne Bevacizumab
Erstlinientherapie bei gutem Allgemeinzustand: Therapieregime molekularpathologischer Subgruppen
Linksseitiges Karzinom Rechtsseitiges Karzinom
RAS-Wildtyp
RAS-Mutation
BRAF-Mutation
Mikrosatelliteninstabilität
  • Je nach RAS-Mutationsstatus
HER2/neu-Überexpression
  • Je nach RAS- oder BRAF-Mutationsstatus

Bei RAS-Wildtyp-Tumoren beeinflusst die Tumorlokalisation die Wahl des geeigneten Therapieregimes!

Bei (potenziell) resektablen Metastasen kann eine kurative Behandlung des metastasierten kolorektalen Karzinoms gelingen! [2]

Behandlungsstrategie bei reduziertem Allgemeinzustand [2]

  • Primär resektable Erkrankung
    • Therapieziel: Therapiefähigkeit wiederherstellen
    • Durchführung
      • Nebenwirkungsarme Bridging-Therapien, bspw.
      • Operabilität/Resektabilität in regelmäßigen Abständen von ca. 8 Wochen reevaluieren
  • Primär nicht-resektable Erkrankung
  • Sonderfall: Reduzierter Allgemeinzustand aufgrund der Tumorerkrankung
    • Intensive Therapie erwägen, wenn der schlechte Allgemeinzustand (ECOG >1) v.a. durch die maligne Erkrankung bedingt ist
    • Risiken hierbei gegeneinander abwägen

Behandlungsstrategie bei schlechtem Allgemeinzustand

Zweitlinientherapie und spätere Therapielinien

  • Entscheidung über Zweitlinientherapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms abhängig von 3 Faktoren
    • Molekularbiologie des Tumors
    • Lokalisation und Ausdehnung des Tumors
    • Wahl, Ansprechen und Toxizität der Erstlinientherapie
  • Erneute molekularbiologische Diagnostik
    • RAS- und BRAF-Mutationsstatus erneut bestimmen bei RAS-/BRAF-Wildtyp
    • Voraussetzung: Erstlinientherapie enthielt keine Anti-EGFR-Therapie

Lokalablative Verfahren [2][2]

Lokoregionäre Verfahren [2]

Therapie der Peritonealkarzinose [2]

Klinikeigene Standards sind zu beachten!

Präoperatives Management

Postoperatives Management

UICC-Stadium I [2]

  • Nach R0-Resektion: Lediglich koloskopische Nachsorge
    • Zeitpunkt: Innerhalb von 6–12 Monaten postoperativ, danach alle 5 Jahre

UICC-Stadien II und III (bei kurativem Ansatz)

Nachsorge des kolorektalen Karzinoms im UICC-Stadium II und III

Maßnahmen Nach 3 Monaten Nach 6 Monaten Nach 1 Jahr Nach 18 Monaten Nach 2 Jahren Nach 3, 4 und 5 Jahren
Rektum- und Kolonkarzinom Anamnese, körperliche Untersuchung, CEA, Abdomensonografie
Koloskopie Innerhalb von 6–12 Monaten postoperativ, danach alle 5 Jahre
Nur Rektumkarzinom CT
Ggf. Sigmoidoskopie (siehe oben)
Röntgen-Thorax

80% der Rezidive treten in den ersten beiden Jahren nach Behandlung auf!

Die Qualität der operativen Versorgung beeinflusst die Prognose maßgeblich! [2]

Darmkrebsvorsorge [2][2]

Laut der S3-Leitlinie „Kolorektales Karzinom“ (Vorsorge/Früherkennung asymptomatische Bevölkerung - Leitlinienprogramm Onkologie S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom) stehen drei Optionen zur Früherkennung kolorektaler Karzinome (Sekundärprävention) bei Gesunden ab 50 Jahren ohne erhöhtes Risiko zur Auswahl.

Nachsorge nach Polypektomie (Stand Leitlinie DGVS 2019) [2]
Histologie des/der entfernten Polypen Empfohlenes Intervall bis zur Kontroll-Koloskopie
  • 5–10 Jahre
  • 3 Jahre
  • 6 Monate
  • Großes Adenom, das in Piece-meal-Technik abgetragen wurde
  • 2–6 Monate
  • <3 Jahre

Die Koloskopie bei Nicht-Risikopatienten wird bei Männern ab 50 Jahren, bei Frauen ab 55 Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Bei Risikopatienten können früher Koloskopien durchgeführt werden!

Bei Personen, die an der Koloskopie-Vorsorge/Früherkennung entsprechend der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie (KFE-R) teilnehmen, sollte keine zusätzliche Untersuchung auf fäkales okkultes Blut (FOBT) erfolgen. (DGIM - Klug entscheiden in der Gastroenterologie)

Allgemeines [2]

  • FOBT = Fäkaler okkulter Bluttest = Blut-im-Stuhl-Test
  • Prinzip
  • Varianten
    • gFOBT = Guajakbasierte FOBT bzw. Guajak-Tests (z.B. Haemoccult-Test®)
    • iFOBT = Immunologischer FOBT
  • Zu beachten bei allen FOBT: Falsch-positive Befunde bei Schlucken von eigenem Blut (z.B. bei Zahnfleischbluten oder Epistaxis)
  • Indikation
  • Konsequenz: Nach aktueller Leitlinie besteht bei jedem positiven Testergebnis die Indikation für eine komplette Koloskopie (siehe auch: Darmkrebsvorsorge)

Bei jedem positiven Testergebnis wird aktuell eine endoskopische Untersuchung des gesamten Dickdarms empfohlen! (DGVS-KRK-Statement 4.7)

gFOBT = Guajakbasierte FOBT bzw. Guajak-Tests (z.B. Haemoccult-Test®)

  • Prinzip und Durchführung
    • Stuhlproben werden auf mit Guajakharz imprägniertes Filterpapier gestrichen und mit Wasserstoffperoxid versetzt
    • Bei Vorhandensein von Blut: Blauer Farbumschlag des Filterpapiers
  • Vorteile: Günstig, relativ einfache Handhabung
  • Nachteile: Es wird nicht spezifisch Hämoglobin nachgewiesen!
    • Falsch-positive Ergebnisse z.B. bei Verzehr von rotem Fleisch (Myoglobin)
    • Falsch-negative Ergebnisse z.B. bei Aufnahme von Antioxidantien wie Ascorbinsäure

Unbedingt Fachinformation des jeweiligen Präparates beachten! Bei nicht ausreichender Einweisung des Patienten bzw. unsachgemäßer Durchführung sinkt die Sensitivität und Spezifität deutlich!

iFOBT = Immunologischer FOBT

  • Prinzip und Durchführung
    • Stuhlprobe wird mittels Auffangvorrichtung in ein spezielles Probenröhrchen gefüllt und laborchemisch untersucht, i.d.R. ist eine einmalige Probenentnahme ausreichend
    • Nachweis eines spezifisch humanen Hämoglobins
  • Vorteile gegenüber Guajak-Test
  • Eine Studienanalyse verschiedener randomisierter Studien zur ASS-Kardioprotektion konnte einen protektiven Effekt einer Langzeittherapie mit Acetylsalicylsäure (≥75 mg/Tag) für Ösophagus-, Pankreas-, Lungen-, Magen-, Prostata- und das kolorektale Karzinom belegen
  • Neuere Ergebnisse hinterfragen diese Studien [13]
  • Laut aktueller Leitlinie sollen ASS, COX-2 Hemmer oder Statine nicht zur Prophylaxe des kolorektalen Karzinoms eingenommen werden [2]

Acetylsalicylsäure beziehungsweise COX-2-Hemmer sollen nicht zur Primärprävention des kolorektalen Karzinoms in der asymptomatischen Bevölkerung eingenommen werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Gastroenterologie)

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Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. Stand: 1. Januar 2019. Abgerufen am: 3. Juli 2019.
  2. Krebs in Deutschland für 2015/2016 .
  3. Herold et al.: Innere Medizin 2020. Herold 2020, ISBN: 978-3-981-46609-6 .
  4. Wittekind: TNM - Klassifikation maligner Tumoren. 8. Auflage VCH 2017, ISBN: 978-3-527-34280-8 .
  5. Gelbe Liste Online - Darmkrebs. Stand: 5. Februar 2019. Abgerufen am: 20. Dezember 2019.
  6. Rosien, Layer: Facharztwissen Gastroenterologie. Elsevier 2018, ISBN: 978-3-437-21251-2 .
  7. Tannapfel et al.: The Origins of Colorectal Carcinoma In: Deutsches Aerzteblatt Online. 2010, doi: 10.3238/arztebl.2010.0760 . | Open in Read by QxMD .
  8. Schubert: Gastroenterologische Zytopathologie. de Gruyter 2016, ISBN: 978-3-110-43820-8 .
  9. Braun, Dormann: Klinikleitfaden Innere Medizin. 14. Auflage Elsevier 2018, ISBN: 978-3-437-18360-7 .
  10. Leitlinie Kolonkarzinom. Stand: 1. August 2017. Abgerufen am: 26. April 2018.
  11. Leitlinie Rektumkarzinom. . Abgerufen am: 30. Januar 2020.
  12. Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme und eine Änderung der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie .
  13. McNeil et al.: Effect of Aspirin on All-Cause Mortality in the Healthy Elderly In: New England Journal of Medicine. Band: 379, Nummer: 16, 2018, doi: 10.1056/nejmoa1803955 . | Open in Read by QxMD p. 1519-1528.
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  15. Holmer, Kreis: Darmkrebs – das Neueste in Diagnostik und Therapie In: MMW - Fortschritte der Medizin. Band: 159, Nummer: 16, 2017, doi: 10.1007/s15006-017-9592-7 . | Open in Read by QxMD .
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