• Klinik

Reaktive Arthritis (Postinfektiöse Arthritis)

Abstract

Die reaktive Arthritis ist eine entzündliche Zweiterkrankung der Gelenke wenige Tage bis mehrere Wochen nach bakterieller Erkrankung des Magendarmtraktes oder der Harnröhre. Die Erreger sind in der Gelenkflüssigkeit jedoch nicht zu finden. Meist sind nur wenige Gelenke der unteren Extremität betroffen. Kommen eine Entzündung der Augenbindehaut und der Harnröhre hinzu, wird auch vom urethro‐okulo‐synovialen Syndrom gesprochen (früher: „Reiter-Syndrom“). In den meisten Fällen heilt die Erkrankung spontan aus.

Die Bezeichnungen „Morbus Reiter“ bzw. „Reiter-Syndrom“ werden in AMBOSS nicht mehr verwendet. Der deutsche Bakteriologe und Hygieniker Hans Reiter (1881–1969) hat sich während der Zeit des Nationalsozialismus als Präsident des Reichsgesundheitsamts an den Verbrechen des Holocaust und der systematischen Ermordung von Menschen mit psychischer oder körperlicher Behinderung (sog. „Euthanasie“ ) schuldig gemacht.

Epidemiologie

  • Genetische Prädisposition mit Assoziation zu HLA-B27 (→ Seronegative Spondylarthritis)
  • Das urethro‐okulo‐synoviale Syndrom betrifft vor allem junge Männer

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Symptome/Klinik

Can't see, can't pee, can't climb a tree.

Diagnostik

Therapie

Prognose

  • In etwa 80% der Fälle selbstlimitierender Verlauf innerhalb eines Jahres
  • Übergang in eine chronische rheumatische Erkrankung ist möglich
  • Erhöhtes Risiko für einen längeren oder chronischen Verlauf bei HLA-B27-positiven Patienten [1]

Geschichte der Namensgebung

Der Namensgeber des früher verwendeten Begriffs „Reiter-Syndrom“, der deutsche Bakteriologe und Hygieniker Hans Reiter (1881–1969), war während der Zeit des Nationalsozialismus u.a. Präsident des Reichsgesundheitsamts (1933–1945) und Mitglied des Sachverständigenbeirats für Bevölkerungs- und Rassenpolitik im Reichsinnenministerium. Er war bspw. an der Planung von Typhusexperimenten an Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald beteiligt. [2][3]

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2020

  • M02.-: Reaktive Arthritiden
  • M03.-*: Postinfektiöse und reaktive Arthritiden bei anderenorts klassifizierten Krankheiten

Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2020, DIMDI.