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Bakterielle Durchfallerkrankungen

Abstract

Bei anhaltenden Durchfällen, insbesondere mit Fiebersymptomatik, ist eine Infektion mit bakteriellen (oder parasitären) Erregern in Betracht zu ziehen. Eine Reiseanamnese ist dabei sehr wichtig, da die Infektion häufig in Endemiegebieten mit geringen hygienischen Standards stattfindet. Weitere mögliche Ursachen sind Lebensmittelinfektionen wie der Verzehr von kontaminiertem Ei, Geflügel oder ungewaschenem Obst und Gemüse. In der Regel bringt eine Stuhlprobe den direkten Erregernachweis. Meistens ist eine symptomatische Therapie ausreichend, kausal wird in der Regel nur bei schweren Verläufen und immunsupprimierten Patienten (zumeist als kalkulierte antibiotische Therapie mit Metronidazol und Ciprofloxacin) behandelt.

Übersicht

  • Ätiologie: Infektionsquellen sind v.a. kontaminierte Lebensmittel

Vereinfachte Charakteristik

Inkubationszeit Art des Durchfalls Besonderheit
Campylobacter Tage wässrig
Salmonellose Stunden wässrig
  • Zweithäufigster bakterieller Durchfallerreger in Deutschland [1]
  • Sepsis bei Immunsuppression
Shigellose Tage blutig
Cholera Stunden wässrig
  • Massiver Flüssigkeitsverlust möglich
  • Impfstoff verfügbar
Yersinien Tage wässrig

Campylobacter-Enterokolitis (Campylobacter-Enteritis)

  • Epidemiologie [3]
    • Inzidenz in Deutschland: ca. 80/100.000 Personen im Jahr
    • Häufigster bakterieller Durchfallerreger in Deutschland [1][4]
  • Erreger: Campylobacter jejuni, gramnegative Spirillen
    • Reservoir: Menschen, Geflügel, Schweine, Rinder, Katzen, Hunde
  • Infektionsweg: Fäkal-oral als Kontakt- und Schmierinfektion
    • Insb. indirekt über kontaminierte Lebensmittel (Geflügelfleisch, Milch, Trinkwasser, rohes Hackfleisch)
    • Oder direkt von Mensch zu Mensch oder Tier zu Mensch
    • Ggf. über das Baden in kontaminierten Gewässern
  • Infektiosität: Hoch
    • Ansteckungsrisiko bis Ausscheidung sistiert (i.d.R. 2–4 Wochen), selten finden sich Dauerausscheider
  • Inkubationszeit: 2–5 Tage, im Einzelfall 1–10 Tage
  • Klinik
    • Frühphase: Grippeähnliche Symptome
    • Akutphase: Meist wässrige, aber auch blutige Diarrhö mit kolikartigen Unterbauchschmerzen (exsudativ-entzündliche Diarrhö), Fieber und Abgeschlagenheit
    • Dauer ca. 1 Woche
  • Diagnostik
    • Stuhlprobe zum direkten Erregernachweis mittels Kultur
      • Antigennachweis mittels ELISA und PCR in Erprobung
    • In Einzelfällen: Histologie [5]
      • Alle Darmabschnitte betroffen
      • Entzündliche Infiltration der Mukosa mit Granulozyten
      • Ggf. Erosionen, Ulzerationen
      • Kryptenabszesse
  • Therapie
  • Komplikationen
  • Prävention
    • Hände- und Oberflächenhygiene
    • Durchgaren von Lebensmitteln, insb. Geflügel, und Abkochen von Rohmilch
      • Verzicht auf rohe Tierprodukte, insb. für Kleinkinder, alte und immungeschwächte Menschen
  • Meldepflicht
    • Arztmeldepflicht nach IfSGMeldeVO (nur in Sachsen ): Namentliche Meldepflicht bei Krankheits- und Todesfällen sowie bei persistierender Ausscheidung von Campylobacter spp. mit dem Stuhl
    • Labormeldepflicht nach § 7 IfSG: Namentliche Meldepflicht bei Erregernachweis von darmpathogenen Campylobacter spp.

Salmonellose (Salmonellengastroenteritis)

  • Erreger
    • Salmonella enterica, Subspezies: Salmonella enteritidis, Salmonella typhimurium
    • Gramnegatives Stäbchen, fakultativ anaerob
    • Salmonellen werden nach White-Kauffmann-Le-Minor-Schema aufgrund unterschiedlicher Oberflächenantigene (H, O und K) in unterschiedliche Subspezies, sog. Serovare, eingeteilt
  • Infektionsweg: Peroral über kontaminierte Lebensmittel (v.a. Geflügel, Eier, Milch)
    • Salmonellen sind resistent gegen Einfrieren, nur das ausreichende Erhitzen der Nahrung schützt vor Infektion
    • Geringe Keimzahlen führen nicht zur Erkrankung, erst hohe Infektdosen führen zu Durchfällen
  • Inkubationszeit: Wenige Stunden bis mehrere Tage
    • Die Inkubationszeit ist abhängig von der Infektdosis
  • Klinik
    • Meist wässrige, manchmal auch blutige Diarrhö und grippeähnliche Symptome
    • Immunsuppression (z.B. HIV Stadium C): Septische lebensbedrohliche Verlaufsform bei Immunsupprimierung möglich
  • Kausale Therapie
  • Prävention
    • Eine sichere Abtötung der Salmonellen wird bei Temperaturen über 70°C mit mind. zehn Minuten Garzeit erreicht
    • Rohe Fleisch- und Wurstwaren, Schlachtgeflügel, Seetiere, Eier, Cremes, Salate und Mayonnaisen mit Rohei sowie Speiseeis sind nach dem Einkauf stets im Kühlschrank aufzubewahren[6]
  • Meldepflicht

Shigellose (Shigellenruhr)

  • Synonym: Bakterielle Ruhr
  • Erreger
  • Infektionsweg: Kontaminiertes Wasser und Nahrungsmittel (v.a. Milchprodukte und rohes, nicht gewaschenes Gemüse)
    • Seuchenerkrankung: Mangelnde Hygiene und verunreinigtes Wasser in Flüchtlingslagern und Kriegsgebieten führen nicht selten zu Shigellenepidemien
  • Inkubationszeit: 1–4 Tage
  • Klinik
    • Leichter Verlauf: Wässrige Diarrhö und grippeähnliche Symptome
    • Schwerer Verlauf: Blutig-schleimige Diarrhö, Tenesmen und hohes Fieber (Exsudativ-entzündliche Diarrhö)
  • Kausale Therapie: Aufgrund hoher Infektiosität sollte immer antibiotisch behandelt werden; möglich sind Azithromycin , Fluorchinolone oder Ceftriaxon [2]
  • Komplikationen
  • Meldepflicht
    • Arztmeldepflicht nach IfSGMeldeVO (nur in Sachsen ): Namentliche Meldepflicht bei Krankheits- und Todesfällen sowie bei persistierender Ausscheidung von Shigella spp. mit dem Stuhl
    • Labormeldepflicht nach § 7 IfSG: Namentliche Meldepflicht bei Erregernachweis von Shigella spp.

Cholera

  • Erreger: Vibrio cholerae (Serogruppe O1 und O139)
  • Infektionsweg
    • Meist über fäkal kontaminierte Nahrung oder Wasser
    • Seltener fäkal-oral von Mensch zu Mensch
    • Nach abgelaufener Infektion können die Erreger noch über Wochen ausgeschieden werden, selten finden sich Dauerausscheider
  • Pathophysiologie: Choleratoxin aktiviert als Enterotoxin im Darmepithel die Adenylatzyklase → cAMP-Bildung↑ → Aktivierung der Proteinkinase A↑ → Phosphorylierung des Chloridkanals CFTR → Chloridsekretion↑ → Sekundär Ausscheidung u.a. von Wasser in das Darmlumen → Diarrhö
  • Epidemiologie: In Deutschland sehr selten, vereinzelt Erkrankungen nach Infektion in Endemiegebieten (insb. Asien)[4]
    • Endemiegebiete: Hauptsächlich Südostasien, Südamerika, West- und Zentralafrika in Zusammenhang mit mangelhaften hygienischen Zuständen
  • Inkubationszeit: Wenige Stunden bis 5 Tage (i.d.R. 2–3 Tage)
  • Klinik
    • Leichte Form (>90% der Fälle): Mäßige Diarrhö oder symptomloser Verlauf
    • Schwere Form: Wässrige Stühle mit Schleimbeimengung (sog. „Reiswasserstühle“) mit einer Frequenz von 20–30 pro Tag, nicht hämorrhagisch
    • Zusätzliche Symptome: Erbrechen, Bauchschmerzen, kein Fieber
    • Komplikationen (ggf. letal): Hypovolämischer Schock, Elektrolytverluste, Nierenversagen
  • Diagnostik: Direkter Erregernachweis mittels Mikroskopie und Stuhlkultur
  • Therapie
  • Prävention
    • Hygienische Maßnahmen
      • Bereitstellen von sauberem Trinkwasser und Nahrungsmitteln
      • Sanitärhygiene
    • Expositionsprophylaxe (insb. für Reisende)
      • Zum Trinken und Zähneputzen nur abgekochtes Wasser oder Mineralwasser verwenden
      • Ungekochte Nahrungsmittel vermeiden, bspw. Meeresfrüchte und Salate sowie Früchte, die man nicht schälen kann
    • Cholera-Impfung
      • Indikation
        • Keine generelle Impfempfehlung
        • Schutz vor Cholerainfektionen in Endemiegebieten
      • Reiseimpfung
        • Bei hohem Expositionsrisiko in Endemiegebieten insb. bei längeren Aufenthalten ohne gesicherte medizinische Versorgung
        • Bei erhöhtem Risiko schwerer Verläufe einer Cholera im Rahmen von best. Grunderkrankungen
      • Impfstoff: Totimpfstoff zur Schluckimpfung - siehe auch: Choleraimpfstoff
        • Partieller Schutz für einige Monate
      • Grundimmunisierung
        • Kinder 2–6 J.: 3 Impfdosen im Abstand von jeweils 1–6 Wochen
        • Erwachsene und Kinder ≥6 J.: 2 Impfdosen im Abstand von 1–6 Wochen
      • Auffrischimpfung: 1 Impfdosis nach 6 Monaten (Kinder 2–6 J.) bzw. 2 Jahren (Kinder >6 J. und Erwachsene)
  • Prognose
  • Meldepflicht

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Yersiniose

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Campylobacter (Campylobacter-Enterokolitis)

Salmonellose

Shigellose

Cholera

Yersiniose

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Patienteninformationen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2019

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2019, DIMDI.