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Pertussis (Keuchhusten)

Abstract

Keuchhusten (Pertussis) ist eine durch das gramnegative Bakterium Bordetella pertussis ausgelöste Infektionskrankheit, die zu heftigen Hustenattacken führt und durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Typisch sind häufige, in Serie auftretende starke stakkatoartige Hustenanfälle mit vorgestreckter Zunge und einhergehender Zyanose, gefolgt von einem langen stridorösen Einatmen. Oft wird im Anschluss an einen Hustenanfall zäher Schleim erbrochen. Insb. bei Säuglingen kommt es zu Zyanose und Apnoen - in einem solchen Fall ist eine stationäre Aufnahme unumgänglich. Unbehandelt zieht sich die Erkrankung über Wochen hin, durch eine frühzeitig begonnene antibiotische Therapie (z.B. mit Makroliden) hingegen wird der Verlauf verkürzt und die Kontagiosität unterbrochen. Eine Impfung gegen Pertussis ist im Rahmen der Grundimmunisierung frühzeitig im ersten Lebensjahr empfohlen und erfordert weitere Auffrischimpfungen im Verlauf. Weder eine Infektion noch eine Impfung führt zur dauerhaften Immunität, wiederholtes Auftreten von Keuchhusten ist daher möglich. Ungeimpfte Kontaktpersonen sollten bei Exposition eine antibiotische Chemoprophylaxe erhalten.

Epidemiologie

  • Auftreten bereits im Neugeborenenalter möglich!Kein Nestschutz
  • Erkrankung des Kindesalters, Rückgang der Inzidenz durch Impfung
  • Zunehmend ältere Patienten betroffen

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

  • Erreger: Bordetella pertussis, gramnegatives obligat aerobes Stäbchen
  • Infektionsweg: Tröpfcheninfektion
  • Kontagiosität
    • Unbehandelt 4–6 Wochen, bei antibiotischer Therapie nach etwa 5 Tagen aufgehoben
    • Beginnt zum Ende der Inkubationszeit, im Stadium catarrhale sehr hoch, im Stadium convulsivum allmählich abklingend
    • Hoher Manifestationsindex

Pathophysiologie

Bordetella pertussis vermehrt sich auf zilientragendem Epithel der Atemwegsschleimhäute → Bildung von Toxinen und Virulenzfaktoren → Lokale Zerstörung des Flimmerepithels → Zudem Beeinträchtigung des Immunsystems

Stadien

  • Inkubationszeit: 5–20 Tage

Stadium catarrhale (1–2 Wochen)

  • Unspezifische Erkältungssymptomatik
  • Ggf. Konjunktivitis
  • Kein oder nur leichtes Fieber

Stadium convulsivum (4–6 Wochen) [1]

  • Markante, häufig nächtliche Hustenanfälle (Stakkatohusten) mit einer darauffolgenden tiefen und lauten Inspiration („whoop“)
  • Anschließendes Auswürgen von Schleim oder ErbrechenExsikkose droht
  • Mögliche Blutung der Konjunktiven, Petechien und Einflussstauung
  • Weiterhin typischerweise kein Fieber
  • Bei Säuglingen: Gefahr von Apnoephasen, daher zwingend stationäre Aufnahme mit Monitorüberwachung!

Stadium decrementi (10–12 Wochen)

  • Allmähliches Abklingen der Symptomatik
  • Hustenanfälle können über Wochen und Monate bestehen bleiben

Bei jungen Säuglingen und Erwachsenen ist der Krankheitsverlauf nach Stadien häufig nicht sichtbar!

Diagnostik

  • Klinik mit passender Anamnese
    • Hinweisend: Durch Larynxreizung können Hustenanfälle ausgelöst werden
  • Blutbild: Leukozytose (bis >30.000/μl) mit Lymphozytose
  • Indikation zur spezifischen Labordiagnostik [1]
    • Kontaktpersonen von Pertussis-Erkrankten mit Husten (unabhängig von der Dauer)
    • Klassische Symptome
    • Persis­tierender Husten >14 Tage

Eine vorliegende Impfung ist kein(!) Ausschlussgrund für das Vorliegen einer Pertussis-Infektion!

  • Art der Labor­diagnostik (abhängig vom Krankheits­stadium) [1]
    • Erste 2–3 Wochen: PCR oder Kultur aus tiefen Naso­pharynx-Abstrichen oder Sekret aus tiefen Absaugungen
    • Ab 3 Wochen nach Erkrankungsbeginn: Serologie möglich
      • Enzyme Linked Immunosorbent Assays (ELISA) zum Nachweis von IgG-Anti­körpern gegen Bordetella pertussis
      • Grenzwerte in Deutschland
        • PT-IgG-Antikörper ≥100 IU/mL → Hinweis auf kürzlich erfolgten Erreger­kontakt
        • PT-IgG-Antikörper <40 IU/mLKein Hinweis auf kürzlich erfolgten Erreger­kontakt
        • PT-IgG-Antikörper ≥40–<100 IU/mL → Untersuchung einer zweiten Probe oder Bestimmen der PT-IgA-Antikörper (Titer >12 IU/mL weisen auf Erregerkontakt hin)
    • Bei Säuglingen immer Direkt­nachweis, nur im Ausnahmefall Serologie

Differentialdiagnosen

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

  • Allgemeine Maßnahmen
    • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
    • Häufigere, kleinere Mahlzeiten
    • Stationäre Aufnahme von Säuglingen sowie bei schwerem Verlauf: Monitorüberwachung
    • Sauerstoffvorlage mit Anfeuchtung der Atemluft
    • Ggf. Sedierung und Beatmung bei schweren Verläufen notwendig
  • Symptomatische Therapie [2]
    • Salbutamol
      • Siehe auch: Inhalative kurzwirksame bronchienerweiternde Medikamente im Kindes- und Jugendalter
    • Ggf. Glucocorticoide (bei schwerem Verlauf)
  • Antibiotikatherapie der Pertussis: Beeinflusst nur bei Gabe im frühen Erkrankungsstadium den Krankheitsverlauf günstig, ist aber zur Durchbrechung der Kontagiosität auch in späteren Erkrankungsstadien sinnvoll [1]

Komplikationen

  • Pneumonie, meist durch Superinfektionen mit Pneumokokken oder Hib
  • Otitis media oder Sinusitis
  • Inkontinenz, Hernien, Rippen­frakturen sowie subkon­junktivale oder zerebrale Blutungen, bedingt durch den starken Husten
  • Insb. bei Säuglingen
    • Zerebrale Krampfanfälle und Enzephalo­pathien mit möglichen bleibenden Schäden (selten)
    • Tod durch schwere Hypoxämie und pulmonale Hypertension infolge einer massiven Hyper­leukozytose

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Prognose

  • I.d.R. folgenloses Ausheilen
  • Letale Verläufe: Insb. bei ungeimpften Säuglingen unter 6 Monaten

Prävention

Pertussis-Impfung [1]

Die STIKO empfiehlt im Impfkalender allen Menschen die Impfung gegen Pertussis mittels eines 6-Fachimpfstoffs im Rahmen der Grundimmunisierung.

Weitere Präventivmaßnahmen [1]

Maßnahmen bei Einzelerkrankungen (auch bei Krankheitsverdacht)

  • Vorgehen im Krankenhaus: Isolierung (Einzelzimmer bzw. räumliche Trennung, eigene Toilette)
    • Ohne Antibiotikatherapie: Über 3 Wochen nach Krankheits­beginn
    • Unter Antibiotikatherapie: Über 5 Tage ab Therapiebeginn
  • Ausschluss aus Gemeinschaftseinrichtungen
    • Wiederzulassung von Erkrankten
      • Unter Antibiotikatherapie: Frühestens 5 Tage nach Therapiebeginn
      • Ohne Antibiotikatherapie: Frühestens 3 Wochen nach Krankheits­beginn
      • Ein schriftliches ärztliches Attest ist nicht erforderlich
    • Wiederzulassung von Krankheits­verdächtigen
      • Nach negativem PCR-Befund, wenn der behandelnde Arzt keine Einwände hat

Maßnahmen bei Kontaktpersonen

  • Postexpositionsprophylaxe bei Pertussis: Chemo­pro­phylaxe mit Makroliden (siehe: Antibiotikatherapie der Pertussis)
    • Bei B. pertussis-Infektionen
      • Enge Kontakt­personen von Erkrankten (so früh wie möglich)
        • Bei fehlendem oder unvollständigem Impfschutz: Immer
        • Bei vollständigem Impfschutz: Bei Kontakt zu Hochrisiko-Personen (Säuglinge, Schwangere im letzten Trimester, Personen mit Grunderkrankungen von Herz oder Lunge)
    • Bei B. parapertussis-Infektionen
      • Enge Kontakt­personen von Erkrankten (so früh wie möglich)
        • Säuglinge <6 Monate
        • Kontakt­personen von Säuglingen <6 Monate
        • Personal im Gesundheits­wesen mit Kontakt zu Säuglingen <6 Monate
        • Ggf. gefährdete Personen (mit respira­torischer Grund­erkrankung oder Immun­schwäche)
    • PCR bei asympto­matischen Kontakt­personen zur Entscheidungsfindung nicht empfohlen
  • Ausschluss aus Gemein­schafts­einrichtungen
    • Nur bei Auftreten von Husten; dann umgehend PCR zur Sicherung bzw. zum Ausschluss von Pertussis indiziert (s.o.)

Maßnahmen bei Ausbrüchen

  • Meldung von Erkrankungs­häufungen an das Gesundheits­amt
  • Ggf. Auffrischungsimpfung, wenn die letzte Impfung vor >5 Jahren erfolgte
    • Bei (auch vollständig geimpften) Kindern und Jugend­lichen mit engem Kontakt zu Erkrankten

Meldepflicht

Meditricks

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.