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Pertussis

Letzte Aktualisierung: 11.6.2021

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Keuchhusten (Pertussis) ist eine durch das gramnegative Bakterium Bordetella pertussis ausgelöste Infektionskrankheit, die zu heftigen Hustenattacken führt und durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Typisch sind häufige, in Serie auftretende starke stakkatoartige Hustenanfälle mit vorgestreckter Zunge und einhergehender Zyanose, gefolgt von einem langen stridorösen Einatmen. Oft wird im Anschluss an einen Hustenanfall zäher Schleim erbrochen. Insb. bei Säuglingen kommt es zu Zyanose und Apnoen - in einem solchen Fall ist eine stationäre Aufnahme unumgänglich. Unbehandelt zieht sich die Erkrankung über Wochen hin, durch eine frühzeitig begonnene antibiotische Therapie (z.B. mit Makroliden) hingegen wird der Verlauf verkürzt und die Kontagiosität unterbrochen. Eine Impfung gegen Pertussis ist im Rahmen der Grundimmunisierung frühzeitig im ersten Lebensjahr empfohlen und erfordert weitere Auffrischungsimpfungen im Verlauf. Weder eine Infektion noch eine Impfung führt zur dauerhaften Immunität, wiederholtes Auftreten von Keuchhusten ist daher möglich. Ungeimpfte Kontaktpersonen sollten bei Exposition eine antibiotische Chemoprophylaxe erhalten.

  • Auftreten bereits im Neugeborenenalter möglich!Kein Nestschutz
  • Erkrankung des Kindesalters, Rückgang der Inzidenz durch Impfung
  • Zunehmend ältere Patienten betroffen

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Bordetella pertussis vermehrt sich auf zilientragendem Epithel der Atemwegsschleimhäute → Bildung von Toxinen und Virulenzfaktoren → Lokale Zerstörung des Flimmerepithels → Zudem Beeinträchtigung des Immunsystems

Stadium catarrhale (1–2 Wochen)

Stadium convulsivum (4–6 Wochen) [1]

  • Markante, häufig nächtliche Hustenanfälle (Stakkatohusten) mit einer darauffolgenden tiefen und lauten Inspiration („whoop“)
  • Anschließendes Auswürgen von Schleim oder ErbrechenExsikkose droht
  • Mögliche subkonjunktivale Blutung, Epistaxis, Petechien und Einflussstauung [2]
  • Weiterhin typischerweise kein Fieber
  • Bei Säuglingen: Gefahr von Apnoephasen, daher zwingend stationäre Aufnahme mit Monitorüberwachung!

Stadium decrementi (10–12 Wochen)

  • Allmähliches Abklingen der Symptomatik
  • Hustenanfälle können über Wochen und Monate bestehen bleiben

Bei jungen Säuglingen und Erwachsenen ist der Krankheitsverlauf nach Stadien häufig nicht sichtbar!

  • Klinik mit passender Anamnese
    • Hinweisend: Durch Larynxreizung können Hustenanfälle ausgelöst werden
  • Blutbild: Leukozytose (bis >30.000/μl) mit Lymphozytose
  • Indikation zur spezifischen Labordiagnostik [1]
    • Kontaktpersonen von Pertussis-Erkrankten mit Husten (unabhängig von der Dauer)
    • Klassische Symptome
    • Persis­tierender Husten >14 Tage

Eine vorliegende Impfung ist kein(!) Ausschlussgrund für das Vorliegen einer Pertussis-Infektion!

  • Art der Labor­diagnostik (abhängig vom Krankheits­stadium) [1]
    • Erste 2–3 Wochen: PCR oder Kultur aus tiefen Naso­pharynx-Abstrichen oder Sekret aus tiefen Absaugungen
    • Ab 3 Wochen nach Erkrankungsbeginn: Serologie möglich
      • Enzyme Linked Immunosorbent Assays (ELISA) zum Nachweis von IgG-Anti­körpern gegen Bordetella pertussis
      • Grenzwerte in Deutschland
        • PT-IgG-Antikörper ≥100 IU/mL → Hinweis auf kürzlich erfolgten Erreger­kontakt
        • PT-IgG-Antikörper <40 IU/mLKein Hinweis auf kürzlich erfolgten Erreger­kontakt
        • PT-IgG-Antikörper ≥40–<100 IU/mL → Untersuchung einer zweiten Probe oder Bestimmen der PT-IgA-Antikörper (Titer >12 IU/mL weisen auf Erregerkontakt hin)
    • Bei Säuglingen immer Direkt­nachweis, nur im Ausnahmefall Serologie

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • I.d.R. folgenloses Ausheilen
  • Letale Verläufe: Insb. bei ungeimpften Säuglingen unter 6 Monaten

Pertussis-Impfung [1][4]

Weitere Präventivmaßnahmen [1]

Maßnahmen bei Einzelerkrankungen (auch bei Krankheitsverdacht)

  • Vorgehen im Krankenhaus: Isolierung (Einzelzimmer bzw. räumliche Trennung, eigene Toilette)
    • Ohne Antibiotikatherapie: Über 3 Wochen nach Krankheitsbeginn
    • Unter Antibiotikatherapie: Über 5 Tage ab Therapiebeginn
  • Ausschluss aus Gemeinschaftseinrichtungen
    • Wiederzulassung von Erkrankten
      • Unter Antibiotikatherapie: Frühestens 5 Tage nach Therapiebeginn
      • Ohne Antibiotikatherapie: Frühestens 3 Wochen nach Krankheitsbeginn
      • Ein schriftliches ärztliches Attest ist nicht erforderlich
    • Wiederzulassung von Krankheits­verdächtigen
      • Nach negativem PCR-Befund, wenn der behandelnde Arzt keine Einwände hat

Maßnahmen bei Kontaktpersonen

  • Postexpositionsprophylaxe bei Pertussis: Chemoprophylaxe mit Makroliden (siehe auch: Antibiotikatherapie der Pertussis)
    • Bei B. pertussis-Infektionen
      • Enge Kontaktpersonen von Erkrankten (so früh wie möglich)
        • Bei fehlendem oder unvollständigem Impfschutz: Immer
        • Bei vollständigem Impfschutz: Bei Kontakt zu Hochrisiko-Personen (Säuglinge, Schwangere im letzten Trimester, Personen mit Grunderkrankungen von Herz oder Lunge)
    • Bei B. parapertussis-Infektionen
      • Enge Kontaktpersonen von Erkrankten (so früh wie möglich)
        • Säuglinge <6 Monate
        • Kontaktpersonen von Säuglingen <6 Monate
        • Personal im Gesundheitswesen mit Kontakt zu Säuglingen <6 Monate
        • Ggf. gefährdete Personen (mit respiratorischer Grunderkrankung oder Immunschwäche)
    • PCR bei asymptomatischen Kontaktpersonen zur Entscheidungsfindung nicht empfohlen
  • Ausschluss aus Gemeinschaftseinrichtungen
    • Nur bei Auftreten von Husten; dann umgehend PCR zur Sicherung bzw. zum Ausschluss von Pertussis indiziert (s.o.)

Maßnahmen bei Ausbrüchen

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir ein Video zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du im Kapitel Meditricks.

  • A37.-: Keuchhusten
    • A37.0: Keuchhusten durch Bordetella pertussis
    • A37.1: Keuchhusten durch Bordetella parapertussis
    • A37.8: Keuchhusten durch sonstige Bordetella-Spezies
    • A37.9: Keuchhusten, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Keuchhusten (Pertussis), RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 27. November 2017. Abgerufen am: 29. Dezember 2017.
  2. Pertussis. Stand: 21. November 2020. Abgerufen am: 26. November 2020.
  3. Cochrane Acute Respiratory Infections Group: Symptomatic treatment of the cough in whooping cough In: Cochrane Library. 2014, doi: 10.1002/14651858.CD003257.pub5 . | Open in Read by QxMD .
  4. Epidemiologisches Bulletin 34/2020. Stand: 20. August 2020. Abgerufen am: 14. September 2020.
  5. Epidemiologisches Bulletin 13/2020. Stand: 26. März 2020. Abgerufen am: 28. September 2020.
  6. Sitzmann: Duale Reihe Pädiatrie. 3. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-25332-3 .
  7. Hoffmann: Crashkurs Pädiatrie. 2. Auflage Urban & Fischer 2003, ISBN: 978-3-437-43200-2 .
  8. Koletzko: Pädiatrie. 13. Auflage Springer 2007, ISBN: 978-3-540-48632-9 .
  9. Scholz et al.: DGPI Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 4. Auflage futuramed 2003, ISBN: 3-923-59990-0 .
  10. Speer, Gahr: Pädiatrie. 3. Auflage Springer 2009, ISBN: 978-3-540-69479-3 .
  11. Impfkalender (Standardimpfungen) für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Stand: 23. August 2018. Abgerufen am: 30. Oktober 2018.