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Notfallmanagement - Circulation

Definition

Der Buchstabe „C“ des cABCDE-Schemas steht für „Circulation“ und umfasst die Untersuchung der Kreislauffunktion und die Suche nach Hinweisen auf eine innere oder äußere Blutung. Es besteht häufig eine pathophysiologische Überschneidung mit anderen Aspekten des cABCDE-Schemas, sodass eine scharfe Abgrenzung nicht immer sinnvoll möglich ist.

  • Definition
    • Störung der Kreislauffunktion, durch die eine ausreichende Organ- und Gewebedurchblutung nicht mehr gewährleistet ist
    • Meist bedingt durch Herzfunktionsstörungen oder ein (relatives) Volumendefizit
  • Liegt als Ursache eine kritische Blutung vor, siehe: Hämorrhagischer Schock - AMBOSS-SOP, bzw. bei äußerer Blutung siehe: Notfallmanagement - Critical Bleeding

Für die grundlegenden Prinzipien der Notfallbehandlung siehe: Notfallmanagement - Grundlegende Prinzipien

Basisdiagnostik und -maßnahmen

Patientenbeurteilung und Erstmaßnahmen

Hinweise für ein C-Problem
Inspektionsbefund Erstmaßnahmen
  • C-Problem wahrscheinlich
  • Überwachung
  • Kapilläre Füllungszeit messen: >2 s pathologisch
  • Akute äußere Blutung (traumatisch)

Weichenstellung

Vorgehen bei Schock

Allgemeines Vorgehen

Hypovolämischer oder hämorrhagischer Schock (absoluter Volumenmangel)

Befunde

  • Untersuchung
    • Hinweise auf Blutung?
    • Hypotonie (RR syst. <100 mmHg)
    • Sinustachykardie (>100/min)
    • Zeichen einer Exsikkose
    • Verbrennungen
  • Echokardiographie
    • Normale bis hyperkinetische Ventrikelfunktion
    • Ventrikelfüllung erniedrigt → Hinweis auf absoluten Volumenmangel

Basismaßnahmen

Ätiologie und weiteres Vorgehen

Distributiver Schock (relativer Volumenmangel)

Befunde

  • Untersuchung
    • Keine Hinweise auf Blutung
    • Hypotonie (RR syst. <100 mmHg)
    • Sinustachykardie (>100/min)
  • Echokardiographie
    • Normale bis hyperkinetische Ventrikelfunktion
    • Ventrikelfüllung normal oder erhöht → Hinweis auf relativen Volumenmangel

Basismaßnahmen

Ätiologie und weiteres Vorgehen

Gestörte kardiale Funktion (kardiogener Schock oder obstruktiver Schock)

Befunde

Basismaßnahmen

Ätiologie und weiteres Vorgehen

Bei unbekannter Ursache für eine Schocksymptomatik immer an die Möglichkeit einer spinalen Schädigung sowie an Blutungen (insb. aufgrund von Frakturen) denken!

Vorgehen bei Herzrhythmusstörungen

Befunde

  • Ausgeprägte Tachykardie (>150/min)
    • Keine Sinustachykardie!
  • Ausgeprägte Bradykardie (<40/min)
  • Hypotonie (RR syst. <100 mmHg)
  • Brustschmerzen
  • Halsvenenstauung

Basismaßnahmen

  • Überwachung: Vitalparameter, EKG, Pulsoxymetrie, Defibrillatorelektroden anschließen, Urinbilanzierung
  • Legen mehrerer großlumiger i.v. Zugänge
  • Sauerstoffgabe
  • BGA
  • Bei instabiler tachykarder Rhythmusstörung

Weitere Maßnahmen

Differentialdiagnostik

  • Viele verschiedene Ätiologien
  • Abhängig von der Art der Kreislaufinsuffizienz (siehe auch: Erkennen der Schockform)

Differentialdiagnostik bei Volumenmangelschock

Differentialdiagnostik bei distributivem Schock

Differentialdiagnostik eines distributiven Schocks
Verdachtsdiagnose Symptome bzw. Hinweise Maßnahmen
Anaphylaktischer Schock
Septischer Schock
Neurogener Schock
  • Bekanntes/sichtbares Trauma
  • Schmerzen/Druckempfindlichkeit an der Wirbelsäule
  • Wirbelkörperfehlstellung
  • Tastbare Krepitation
  • Bewegungseinschränkung: Paralyse, Parese, pathologische Reflexe
  • Sensibilitätsstörungen, Kribbelparästhesien
  • Unkontrollierter Harn- und Stuhlabgang
  • Priapismus
  • Ggf. Dyspnoe

Differentialdiagnostik bei kardial bedingtem Schock

  • Kardiogener, rhythmogener und obstruktiver Schock sind symptomatisch schwer differenzierbar und daher hier zusammen aufgeführt

Ursachen für einen kardiogenen Schock, rhythmogenen oder obstruktiven Schock

Verdachtsdiagnose Symptome bzw. Hinweise Spezifische Maßnahmen
Kardiogen Akutes Koronarsyndrom/ Myokardinfarkt
Akut dekompensierte chronische Herzinsuffizienz
  • Anamnese: Im Allgemeinen lange kardiale Vorgeschichte
  • Echo: Je nach Ätiologie, bspw. stark reduzierte LVEF oder Hypertrophie
Klappenvitien
Myokarditis
  • Unspezifisch, Abgrenzung zur Ischämie häufig schwierig
  • Anamnese
  • EKG
    • ST-Streckenveränderungen ohne Bezug zu einem Versorgungsgebiet
    • Aber häufig nur unspezifische Veränderungen
    • Sinustachykardie, aber auch Rhythmusstörungen möglich
  • Echo
    • Generalisierte oder lokalisierte Wandbewegungsstörungen
    • Ggf. Perikarderguss
Rhythmogen Tachykardie
Bradykardie
Obstruktiv Lungenarterienembolie
Spannungspneumothorax
  • Hypotonie
  • Sinustachykardie
  • Unilateral fehlendes Atemgeräusch und hypersonorer Klopfschall
  • Halsvenenstauung
  • Sinustachykardie
Perikardtamponade
  • Halsvenenstauung
  • Gedämpfte Herztöne
  • Sinustachykardie