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Perikardtamponade - AMBOSS-SOP

Grundlagen

  • Definition: Lebensbedrohliche Kompression des Herzens aufgrund eines erhöhten intraperikardialen Drucks
  • Therapieprinzipien der AMBOSS-SOP Perikardtamponade
    • Hämodynamisch instabile Patienten: Notfallmäßige Entlastung
    • Hämodynamisch stabile Patienten: Ggf. verzögerte Entlastung innerhalb von 12–48 h, um optimale Bedingungen zu schaffen
    • Nach Stabilisierung: Möglichst gezielte Behandlung der Ursache des Perikardergusses

Bei hämodynamischer Beeinträchtigung ist eine schnellstmögliche Entlastung erforderlich!

Ein Spannungspneumothorax kann sehr ähnliche Symptome wie eine Perikardtamponade verursachen!

Initiales Vorgehen

Akutmaßnahmen

Anamnese und Untersuchung

Weiteres Prozedere

Diagnostik

Die notfallmäßige Entlastung einer Perikardtamponade bei hämodynamischer Beeinträchtigung sollte nicht durch (verzichtbare) Diagnostik verzögert werden!

Echokardiographie

  • Bedeutung
    • Methode der 1. Wahl
    • Diagnostisches Verfahren mit der höchsten Sensitivität
    • Sonographische Führung bei Ergusspunktion
  • Durchführung
  • Interpretation

Invasive Kreislaufdiagnostik

Weiterführende Diagnostik

Siehe auch: Diagnostik des Perikardergusses

Therapie

Perikardpunktion im Notfall

Operative Therapie

  • Indikationen: Wenn durch Punktion keine suffiziente Blutstillung zu erwarten ist , insb. bei
  • Zugang: Je nach Befund Re-Sternotomie/-Thorakotomie, subxiphoidaler oder links-anteriorer Zugang
  • Verfahren: Offen-chirurgische Blutstillung/Nahtversorgung
    • Beschreibung: Individuelles Vorgehen mit Absaugung des Ergusses, Defektversorgung und ggf. Drainageeinlage

Ätiologie

Ätiologie der Perikardtamponade
Kategorie Mögliche Diagnosen Diagnostische Hinweise Therapeutische Besonderheiten
Akute Perikardtamponade
Traumatisch
  • Klinisch (Thoraxverletzung/Prellmarken, Anamnese des Verletzungsmechanismus)
Iatrogen
  • Postoperativ nach Herzchirurgie
  • Klinisch (Verschlechterung kurzzeitig postoperativ)
  • Echokardiographie (ggf. transösophageal)
  • Notfall-Resternotomie/Thorakotomie
  • Zweite Wahl: Überbrückende Perikardpunktion
  • Invasive kardiale Maßnahmen (PCI, Katheterablation, Elektrodenimplantation, zentralvenöse Katheteranlage)
  • Klinisch (Komplikation während der invasiven Maßnahme)
  • Notfallmäßige operative Therapie
  • Zweite Wahl: Überbrückende Perikardpunktion
Ventrikelruptur nach Myokardinfarkt
  • Notfallmäßige operative Therapie
  • Zweite Wahl: Überbrückende Perikardpunktion
Aortendissektion
  • Notfallmäßige operative Therapie
  • Zweite Wahl: Überbrückende Perikardpunktion
Subakute Perikardtamponade
Maligne
  • Ergussanalyse/Perikardbiopsat ggf. einschließlich Tumormarkern
  • Primär Perikardiozentese
  • Bei geringer Symptomatik ggf. primär kausale Therapie anstreben
  • Im Verlauf: Prophylaxe/Behandlung rezidivierender Perikardergüsse
Infektiös
Idiopathisch
  • Ausschlussdiagnose
Seltene Ursachen
  • Klinisch
  • Labordiagnostik (Nieren- und Schilddrüsenfunktion, Autoantikörper)
  • Ergussanalyse
  • Zusätzliche Behandlung abhängig von der Grunderkrankung

Differentialdiagnostik

Differentialdiagnostik der Perikardtamponade
Kategorie Mögliche Diagnosen Überschneidung mit Perikardtamponade Diagnostische Hinweise Therapie
Obstruktiver Schock Spannungspneumothorax
Lungenarterienembolie
Systemisch Schwere Hypovolämie
Kardial Pericarditis constrictiva
Rechtsherzversagen anderer Genese, z.B. Myokardinfarkt
  • Schwere Fälle: Schock bis hin zum Kreislaufstillstand!
  • Klinik
    • Tachykardie
    • ZVD-Erhöhung mit Einflussstauung
Restriktive Kardiomyopathie
  • Schwere Fälle: Schock bis hin zum Kreislaufstillstand!
  • Klinik
    • Tachykardie
    • Einflussstauung
Pulmonal

Ausgedehnter Pleuraerguss

Schwerer Asthmaanfall, exazerbierte COPD