• Klinik

Verbrennung

Abstract

Verbrennungen sind Gewebeschäden aufgrund von Hitzeeinwirkung. Je nach Tiefe der Schädigung werden Verbrennungen in vier Grade eingeteilt. Das Ausmaß der Verbrennung kann über die Neunerregel oder die Handflächenbestimmung abgeschätzt werden.

Durch die Entwicklung eines Kapillarlecks und die fehlende Barrierefunktion der Haut kann es zu großen Flüssigkeits- und Eiweißverlusten sowie zu Volumenmangelschock und SIRS/Sepsis kommen. Neben der lokalen Therapie ist daher eine intensive Flüssigkeitssubstitution sehr wichtig. Je nach Ausmaß der Verbrennung kann ein chirurgisches Vorgehen mit Nekrosenabtragung, Hautspaltung und sogar Hauttransplantation notwendig sein.

Definition

  • Gewebeschädigung durch Hitze

Ätiologie

  • Übermäßige Hitzeeinwirkung, z.B. bei Brandverletzungen
  • Im weiteren Sinne auch Strahlenschäden, Verbrühungen, Verätzungen oder Starkstromschäden

Pathophysiologie

Hitzeeinwirkung → Nekrose der HautSchädigung von Kapillaren → Erhöhte Permeabilität (Kapillarleck) → Flüssigkeits- und Eiweißverlust mit Ödembildung → Mikrozirkulationstörung, Herzminutenvolumen↓, metabolische AzidoseVolumenmangelschock → Flüssigkeits- und Eiweißsubstitution!

Symptome/Klinik

Lokal

Die Symptome und Schädigungen hängen von der Tiefe der Verbrennung ab und reichen von Rötung, Schmerzen, Blasenbildung bis hin zur Verkohlung. Die Einteilung erfolgt über die Sensibilitätsprüfung und den klinischen Aspekt und ist in vier Grade eingeteilt (siehe Tabelle).

Das Schmerzempfinden nimmt bei tiefen Verletzungen bis hin zur Analgesie ab, da die Oberflächensensibilität verloren geht!

Verbrennungsgrad

Symptome

Schädigung

1. Grades

2. Grades (2a)

2. Grades (2b)

  • Tiefe Schichten der Dermis mitbetroffen
  • Abheilung mit Narben

3. Grades

  • Keine Schmerzen (Verlust der Oberflächensensibilität)
  • Nekrose
  • Schwarze, weiße oder graue lederartige Haut

4. Grades

  • Verkohlung
  • Tiefer liegende Schichten mitbetroffen (z.B. Muskeln, Fett, Faszien, Knochen)

Ausmaß der Verbrennung (Oberflächenbestimmung)

Neunerregel nach Wallace

Zur Einschätzung des Ausmaßes der Verbrennung beim Erwachsenen (abweichende Zahlen für Kopf und untere Extremität bei Kindern)

Körperoberfläche
Körperteil Erwachsene Kleinkind Säugling
Kopf 9% 16% 18%
Rumpf 36% (4×9%)
Arme 18% (2×9%)
Oberschenkel 18% (2×9%) 14,5% 13,5%
Unterschenkel & Fuß 18% (2×9%) 14,5% 13,5%
Genitalregion 1%
Die Berechnung der Körperoberfläche kann nach verschiedenen Formeln mithilfe der Größe und des Körpergewichts erfolgen. Bei einem Erwachsenen beträgt sie ca. 1,5–2 m2.

Körperoberfläche (Rechner)

Handflächenregel

  • Die Handfläche des Patienten beträgt 1% seiner Körperoberfläche
  • Genauere Oberflächenbestimmung des Verbrennungsareals als mithilfe der Neunerregel

Die letale Grenze bei Verbrennungen liegt bei Erwachsenen ab ca. 50–70%, bei Kindern ab ca. 60–80% der Körperoberfläche. Zur Ausbildung einer Verbrennungskrankheit und eines Schocks reichen bei Erwachsenen jedoch bereits >15%, beim Kind >10% der Körperoberfläche!

Systemisch

Schocksymptomatik durch Flüssigkeits- und Proteinverlust

Diagnostik

Therapie

Akut

  • Lokal
    • Entfernung von verbrannter Kleidung
    • Kühlung mit kaltem Wasser (15–20 °C) → Nicht bei großflächigen Verbrennungen >30%, aufgrund der Gefahr des Auskühlens
    • Steriles Abdecken der Verbrennungen mit metallbeschichtetem Verbandtuch

Eine Hypothermie verschlechtert die Prognose bei Verbrennungsopfern!

  • Systemisch
    • Sicherung der Vitalfunktionen, evtl. Intubation (frühe Indikation) und Sauerstoffzufuhr (auch über Atemmaske) insb. bei Inhalationstrauma
    • Legen mehrerer großlumiger venöser Zugänge
    • Volumensubstitution
    • Analgesie

Ab einer Verbrennung von 30–40% der Körperoberfläche ist eine Intubation indiziert!

Transport

  • Transport in ein Verbrennungszentrum indiziert bei:
    • Verbrennung 2. Grades >20%, Verbrennung 3. Grades >10% (Kleinkinder und Menschen >50 Jahre auch bei geringeren Verbrennungen)
    • Inhalationstrauma
    • Verbrennungen spezieller Körperteile (Hände, Füße, Gesicht, Genital)
  • Falls Transport in Verbrennungszentrum nicht möglichTransport in das nächstgelegene Akutkrankenhaus

Im Krankenhaus

Kleine Verbrennungsareale bis einschließlich Grad IIa können ambulant und konservativ mit Fettgaze, antiseptischer Salbe und Analgetikagabe behandelt werden!

Komplikationen

  • Wundinfektion und Sepsis
  • Verbrennungskrankheit: Schock, Multiorganversagen
  • Verbrennungen Grad 1 und 2a: Keine Narbenbildung, jedoch Hyper- und Hypopigmentierung möglich
  • Keloidbildung, Kontrakturen
  • Inhalationstrauma und -intoxikation
    • Gefahr der Ausbildung eines toxischen Ödems der Lunge und der oberen Atemwege
    • Diagnostischer Nachweis mittels Fiberbronchoskopie: Rußspuren, Rötung, graue/weißliche Verfärbung der Atemwege
    • Therapie
      • Frühzeitige Intubation und lungenschonende, kontrollierte Beatmung (24–48 Stunden mit FiO2 von 1,0)
      • Kontrollbronchoskopie

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • Im ICD-10-GM sind werden Verbrennungen Kapitel XIX abgehandelt:
  • Aufgrund des großen Umfangs verweisen wir auf die Seite des DIMDI für weitere Angaben zur Kodierung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.