ambossIconambossIcon

Akutes Querschnittsyndrom - AMBOSS-SOP

Letzte Aktualisierung: 23.7.2026

Grundlagentoggle arrow icon

Ziele der AMBOSS-SOP akutes Querschnittsyndrom

  • Eingrenzung der möglichen Ursachen und Differenzialdiagnosen anhand der klinischen Präsentation vor Auswahl der geeigneten Bildgebung
  • Durchführung der Bildgebung, ggf. Erweiterung der Diagnostik und schnellstmögliche Einleitung einer spezifischen Akuttherapie
  • Für das Vorgehen bei eindeutig traumatischer Ursache des Querschnittssyndroms oder bei Polytrauma siehe: Wirbelsäulenverletzungen oder Polytrauma

Definition

Wichtige Differenzialdiagnosen, die eine Rückenmarksschädigung imitieren können

1 - Basismaßnahmentoggle arrow icon

Jedes akute Querschnittsyndrom ist ein Notfall, der eine umgehende differenzialdiagnostische Abklärung erfordert! Auch einer vermeintlich milden klinischen Ausprägung (bspw. rein sensibles Querschnittsyndrom) kann eine dynamische Grunderkrankung zugrunde liegen, die unbehandelt zu dauerhafter schwerer Behinderung führen kann!

Traumapatient:innen mit einem Querschnittsyndrom müssen in ein qualifiziertes Traumazentrum gebracht werden!

2 - Klinische Befunderhebungtoggle arrow icon

Anamnese und Inspektion

  • Bei eindeutiger traumatischer Rückenmarksläsion: Sofort Neurochirurgie und/oder Traumatologie hinzuziehen!
  • Anamnese bei nicht-traumatischem Querschnittsyndrom
    • Seit wann besteht die Störung?
    • Mit welcher Dynamik hat sich die Störung entwickelt?
    • Bestehen Schmerzen oder Luftnot?
    • Liegen vorangegangene Symptome vor?
    • Welche Vorerkrankungen sind bekannt?
    • Vorbehandlung des Patienten?

Neurologische Untersuchung

Orientierende Höhenlokalisation anhand segmentaler Kennmuskeln
Kennmuskel - Parese Reflex
C3/4 -
C5 -
C6
C7
C8/Th1
L2/3
L4
L5
S1

Herz-Kreislauf-Untersuchung

3 - Bildgebung und Vorgehentoggle arrow icon

Der Goldstandard der Bildgebung zum Erkennen einer spinalen Läsion beim (akuten) Querschnittsyndrom ist die notfallmäßige MRT der Wirbelsäule (entweder HWS + BWS oder BWS + LWS aufgrund jeweils unterschiedlicher technischer Anforderungen). Die klinische Höhenlokalisation vor Bildgebung ist deshalb enorm wichtig!

Akutes Querschnittsyndrom - Auswahl der Bildgebung und Vorgehen
Syndromatische Zuordnung Klinische Symptome Erforderliche Notfallbildgebung Vorgehen
Verdacht auf Hirnstammschädigung
  • CT des Kopfes + supraaortale CT-A
A.-spinalis-anterior-Syndrom
  1. CT-A der gesamten Aorta
  2. Nach Ausschluss einer akuten Pathologie der Aorta oder bei fehlender akuter OP-Indikation: MRT der Wirbelsäule
Leriche-Syndrom
Eindeutig traumatische Ursache
  • Abhängig von Lokalisation und Ausmaß
  • Anamnese eines Wirbelsäulentraumas
  • CT des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts oder Polytrauma-CT und
  • MRT des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts
Alle anderen Querschnittsyndrome
  • Abhängig von Lokalisation und Ausmaß
  • Bei Nachweis einer kompressiven Rückenmarksläsion oder einer Spondylodiszitis: Sofortige Weiterversorgung durch Neurochirurgie und/oder Traumatologie
- Spezialfall: Brown-Séquard-Syndrom
- Spezialfall: Konus-Kauda-Syndrom

Indikation einer Intensivbehandlung

4 - Erweiterte Diagnostiktoggle arrow icon

Akutes Querschnittsyndrom - Erweiterte Diagnostik
Konstellation nach erster Bildgebung Anschließende Diagnostik
  • Unauffällige Erstbildgebung und verbleibende Möglichkeit einer spinalen Läsion im Randbereich der Bildgebung
  • Unauffällige Erstbildgebung und verbleibende Möglichkeit eines bilateralen Mantelkantensyndroms
  • MRT des Kopfs
  • Unauffällige Bildbefunde

Die weitere spezifische, insb. nicht-chirurgische, Therapie richtet sich nach der Zusammenschau aller bildgebenden sowie vollständigen Labor-, Liquor- sowie ggf. Erreger- und Antikörperbefunden!

Insb. die Elektrolyte sollten engmaschig kontrolliert werden, da eine Hyponatriämie in der Akutphase eines Querschnittsyndroms häufig ist!

Mögliche Ursachen

Icon of a lockNur noch 3 Kapitel ohne AMBOSS-Zugang verfügbar

Mit einem AMBOSS-Zugang hast du unbegrenzten Zugriff auf alle Inhalte.
 Evidenzbasiertes Medizin- und Pflegewissen von unserer Fachredaktion auf den Punkt gebracht. Disclaimer aufrufen.