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Komplementärmedizin einschließlich Naturheilkunde

Letzte Aktualisierung: 20.2.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Komplementärmedizin umfasst verschiedene Therapieverfahren, die ergänzend zur konventionellen Medizin eingesetzt werden. Sie verfolgt einen ganzheitlichen patientenzentrierten Ansatz, der die physische, psychische und soziale Gesundheit berücksichtigt. Im Vordergrund stehen die Stärkung der körpereigenen Selbstheilungskräfte und die Prävention von Krankheiten.

Ein zentrales Konzept der Komplementärmedizin sind die fünf Säulen der Naturheilkunde: Physikalische Therapie (insb. Hydrotherapie), Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und Mind-Body-Medizin (Ordnungstherapie).

Darüber hinaus enthält das Kapitel Informationen zu traditionellen Medizinsystemen, insb. zur Traditionellen Indischen und Chinesischen Medizin, sowie zu weiteren komplementärmedizinischen Verfahren.

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Physikalische Therapietoggle arrow icon

Siehe Kapitel: Physikalische Therapie

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Phytotherapietoggle arrow icon

Siehe Kapitel: Phytotherapeutika

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Ernährungstherapietoggle arrow icon

Die moderne Ernährungsmedizin hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und fokussiert sich nicht mehr primär auf die reine Gewichtsreduktion, sondern auf einen ganzheitlichen Ansatz. Heute verstehen wir die Ernährungstherapie als eine evidenzbasierte Säule der Patientenversorgung, die sowohl in der Primärprävention als auch im Management chronischer Erkrankungen eine Schlüsselrolle spielt. Ziel ist es, biochemische Prozesse im Körper durch die Nährstoffzufuhr gezielt zu beeinflussen, Entzündungswerte zu senken und die metabolische Gesundheit wiederherzustellen. Die therapeutischen Ansätze sind dabei so vielfältig wie die Krankheitsbilder selbst.

  • Spezifische Diäten: Gezielte Kostformen zur Behandlung klinischer Krankheitsbilder
  • Fasten: Therapeutisches Fasten oder zeitlich begrenztes Essen mit dem Ziel, die Autophagie („zelluläre Müllabfuhr“) zu aktivieren
  • Spezifische Ernährungsformen: Langfristige Ernährungsmuster, die die Prognose maßgeblich bestimmen

Eine erfolgreiche Ernährungstherapie ist niemals statisch, sondern erfordert eine kontinuierliche Anpassung an die individuelle Stoffwechsellage der Person und muss stets auf dem Fundament aktueller wissenschaftlicher Leitlinien stehen!

Für weitere Informationen, siehe auch: Ernährung: Grundlagen, Empfehlungen und Umweltaspekte

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Diäten und Ernährungsformentoggle arrow icon

Bircher-Benner-Diät

  • Ursprüngliche Form der Vollwerternährung (nach Kollath und Bircher-Benner )
  • Kern der Theorie: Annahme, dass durch die industrielle Verarbeitung von Lebensmittelrohstoffen der Gehalt an essenziellen Nahrungsinhaltsstoffen und somit die Wertigkeit abnimmt
  • Ziele
    • Prävention
    • Therapeutischer Nutzen u.a. bei Rheuma, Gicht, Lebererkrankungen und Verdauungsstörungen
  • Durchführung: Roh- und Vollwertkost
    • Frisches Obst, Gemüse, Nüsse und Vollkornprodukte, insb. als Bircher-Müsli
    • Zusätzlich in kleinem Umfang Milchprodukte und schonend gekochtes Gemüse
    • Meiden von Fleisch und stark verarbeiteten Lebensmitteln
    • Trinken: Möglichst nicht während, sondern zwischen den Mahlzeiten, um Verdauungssäfte nicht zu verdünnen
    • Abendmahlzeit: So einfach, so leicht und so früh wie möglich
  • Evidenz: Moderne Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind denen der Vollwerternährung sehr ähnlich

Glyx-Diät [1][2]

  • Prinzip: Bevorzugter Verzehr von Nahrungsmitteln mit niedrigem glykämischem Index
  • Glykämischer Index („Glyx“): Blutzuckerwirksamkeit verschiedener Nahrungsmittel im Vergleich zu reiner Glucose
  • Evidenz: Wissenschaftlich umstritten

Detox-Diät [3]

  • Prinzip: Ernährungsform mit dem Ziel, den Körper zu „entgiften“ oder zu „entschlacken“
  • Umsetzung: Häufig Fasten, Säfte oder spezielle Nahrungsergänzungsmittel
  • Evidenz: Konzept der „Entschlackung“ wissenschaftlich sehr umstritten und nicht evidenzbasiert
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Fastentoggle arrow icon

Definition

  • Freiwilliger Verzicht auf bestimmte oder alle Nahrungsmittel und/oder Getränke

Auswirkungen des Fastens [4][5][6][7]

  1. Autophagie
  2. Abbau von Leber- und viszeralem Fett mit Verbesserung der Insulinempfindlichkeit, bspw. HOMA-IR-Reduktion [8][9]
  3. Produktion von Ketonkörpern
  4. Verbesserung der Darmmikrobiota-Diversität [10][11][12][13][14]
  5. Antiinflammatorischer Effekt
  6. Hormesis, u.a. Mitochondrien- und Stammzellbildung [15][16]
  7. Erfahrung von Selbstwirksamkeit [17]

Indikationen u.a. [5][6][18][19]

Kontraindikationen u.a.

  • Untergewicht
  • Essstörungen in der Anamnese
  • Einige psychiatrische Erkrankungen, abhängig vom Schweregrad

Ein therapeutisches Fasten muss bei bestehenden Vorerkrankungen ärztlich begleitet, Medikamente müssen entsprechend angepasst werden!

Bei therapeutischem Fasten müssen Diuretika i.d.R. pausiert werden, da sonst das Risiko einer schweren Hyponatriämie besteht!

Varianten

Heilfasten nach Buchinger [18][49]

Intervallfasten [4][10][18][50][51]

  • Durchführung: Anders als bei vielen anderen Fastenvarianten als dauerhafte Ernährungsform (bzw. -umstellung) gedacht
    • Tageweise
    • Stundenweise
  • Evidenz
    • Reduktion von Körpergewicht
    • Förderung der Zellerneuerung (Autophagie), Verbesserung des Darmmikrobioms und antiinflammatorische Effekte

Mayr-Kur [18]

Schroth-Kur [18]

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Bewegungstherapietoggle arrow icon

Die Bewegungstherapie ist der gezielte Einsatz von körperlicher Aktivität zur Verbesserung motorischer Fähigkeiten, Schmerzlinderung, zum Funktionserhalt und Ausgleich funktioneller Einschränkungen sowie zur Prävention. Sie spielt eine Schlüsselrolle in der physikalischen Medizin sowie Rehabilitations- und Sportmedizin.

Indikationen und klinische Anwendung

  • Bei nahezu allen Erkrankungen einsetzbar
  • Individuelle Anpassung der konkreten Ausgestaltung abhängig von
    • Erkrankungsschwere und -stadium
    • Alter und Vorerkrankungen
    • Funktionellen Einschränkungen
    • Trainingszustand und Erfahrung der Patient:innen

Kardiometabolische Erkrankungen

  • Ziele: Verbesserung von Belastbarkeit und Verringerung des kardiovaskulären Risikos
  • Empfehlung: Spazierengehen oder Radfahren, mind. 3× pro Woche ≥20 min
  • Praxisbeispiel: Periphere arterielle Durchblutungsstörung (Stadium II) [54]
    • Bei Becken-, Oberschenkel-, Unterschenkelarterienstenose: Zügiges Gehen bis zur Ermüdung
    • Bei Oberschenkelartererienstenose: Zehenstände 10–20×
    • Bei Beckenarterienstenose: Kniebeugen 8–5×
    • Unterschenkelarterienstenose: Rolle nach Ratschow ≤5×

Erkrankungen des Bewegungsapparats

  • Ziele: Schmerzlinderung, Erhalt der Gelenkfunktion und Sturzprophylaxe
  • Empfehlung: Wandern, Schwimmen, Skilanglaufen, Gymnastik, isometrisches Krafttraining, Golfen
  • Praxisbeispiel: Arthrose
    • Trainingsprinzipien: Keine Impulsbeschleunigung (Sprünge), keine Extrembewegungen (Rotation), keine abrupten Bewegungen (Schnelligkeit)
    • Empfehlenswerte Sportarten: Wandern, Skilanglaufen, Schwimmen, Radfahren, Gymnastik, Krafttraining, Golfen, Laufen
    • Ungeeignete Sportarten: Technische Disziplinen in der Leichtathletik, Fußball, Reiten, Tennis

Prävention

Regelmäßige Bewegung ist zentraler Bestandteil der Prävention! Bereits 3× pro Woche ≥20 min Spazierengehen oder Radfahren wirken nachweislich gesundheitsfördernd!

Aktive Therapieformen

  • Definition: Bewegungstherapie, bei der Patient:innen Übungen selbstständig oder mit Anleitung durchführen

Aerobe Bewegungstherapie

  • Definition: Bewegungstherapie mit gezielter Intensitätssteuerung und Belastungskontrolle , um eine Sauerstoffschuld zu vermeiden und die aerobe Energieversorgung aufrechtzuerhalten
  • Parameter
    • Pulsfrequenz: Altersabhängige empfohlene Bereiche, z.B. 100–130 Schläge/min für 50-Jährige
    • BORG-Skala: Bewertung subjektiver Anstrengung auf einer 15-stufigen Skala (optimal: 11–13)
    • MET-Werte: Ermöglichen eine standardisierte Bewertung von Aktivitäten (z.B. Wandern bergauf ≈ 7 MET, Joggen 14 km/h ≈ 14 MET)

Die aerobe Bewegungstherapie bildet die Grundlage vieler bewegungstherapeutischer Interventionen, da sie kreislaufstabilisierend wirkt und in der Prävention, Rehabilitation und Bewältigung chronischer Krankheiten breit einsetzbar ist!

Therapeutische Bewegungskonzepte

  • Trainingstherapie: Ziel ist die individuelle Anpassung der sportlichen Aktivität
  • Physiotherapie: Rehabilitation bspw. nach Verletzung oder Operation
  • Ergotherapie: Bewegungsförderung zur Bewältigung des Alltags
  • Funktionelle Bewegungstherapie: Förderung natürlicher Bewegungsmuster

Ganzheitliche und kreative Konzepte

  • Tanz- und Bewegungstherapie: Körperliche Bewegung als Ausdrucks- und Interventionsmedium
  • Traditionelle Bewegungsformen, z.B. Yoga, Tai-Chi und Qigong
  • Heileurythmie: Anthroposophische Bewegungstherapie, die durch gezielte, rhythmische Bewegungen physiologische und psychische Prozesse beeinflussen und zur Unterstützung therapeutischer Behandlungen beitragen soll
  • Wassergymnastik: Gelenkschonende Übungen im Wasser

Passive Therapieformen

  • Definition: Bewegungstherapie, bei der Therapeut:innen die Bewegung der Körperteile übernehmen
  • Beispiele
    • Manuelle Mobilisation: Therapeutische Technik, bei der Therapeut:innen Gelenke oder Weichteile gezielt bewegen, um Schmerzen zu lindern, Beweglichkeit zu verbessern und Funktionsstörungen zu behandeln
    • Dehntechniken: Methoden zur Verlängerung von Muskeln und Faszien, um die Beweglichkeit zu verbessern, Muskelverspannungen zu lösen und Verletzungen vorzubeugen, bspw. mit der Faszienrolle
    • Lagerungstherapie: Pflegerische und therapeutische Maßnahme, bei der der Körper gezielt positioniert wird, um Schmerzen zu lindern, die Atmung zu verbessern, Druckstellen zu vermeiden und Heilungsprozesse zu fördern
    • Klassische Massage: Manuelle Therapieform, bei der durch gezielte Grifftechniken Muskeln und Gewebe bearbeitet werden, um Verspannungen zu lösen, die Durchblutung zu fördern und Schmerzen zu lindern

Kombinierte Therapieformen

  • Definition: Bewegungstherapie aus aktiven und passiven Elementen
  • Beispiele
    • Frührehabilitation: Frühzeitige, gezielte Wiederherstellung körperlicher, geistiger und sozialer Funktionen direkt nach einer schweren Erkrankung oder Operation
    • Motorisches Lernen: Prozess, bei dem durch Übung motorische Fertigkeiten erlernt, verbessert und automatisiert werden
    • Training von Bewegungsvorgängen: Gezieltes angeleitetes Üben bestimmter Bewegungsabläufe

Bewegungstherapie ist mehr als Sport – sie ist eine individualisierte medizinische Intervention, die präventiv und therapeutisch die motorische Funktion, Lebensqualität und Krankheitsbewältigung verbessert!

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Mind-Body-Medizin (MBM)toggle arrow icon

Die Mind-Body-Medizin (MBM) unterstützt einen gesundheitsförderlichen Lebensstil und aktiviert Selbstheilungskräfte. Im Mittelpunkt stehen Bewegung, Entspannung, Ernährung, Stressbewältigung sowie soziale, psychoemotionale und spirituelle Aspekte, eingebettet in den Rahmen einer kooperativen Beziehung zwischen Ärzt:innen und Patient:innen. [55]

Indikationen [56][57]

Salutogenese-Konzept

  • Prinzip: Gesundheit und Krankheit als dynamisches Kontinuum, Beeinflussung durch generalisierte Widerstandsressourcen
  • Ressourcenorientierung: Stärkung der Selbstbestimmung und des Wohlbefindens durch die Entwicklung individueller Strategien auf Basis persönlicher Stärken
  • Achtsamkeit: Bewusstes Wahrnehmen des gegenwärtigen Moments ohne Bewertung durch achtsamkeitsbasierte Praktiken → Stressabbau und Selbstwahrnehmung
    • Body Scan
    • Sitzmeditation
    • Gehmeditation
  • Verhaltensänderung: Unterstützung durch motivations- und willensstärkende Strategien, z.B. transtheoretisches Modell nach Prochaska [58] und Di Clemente [55]
  • Grundprinzipien zur nachhaltigen Lebensstiländerung
    • Verstehbarkeit
    • Handhabbarkeit
    • Sinnhaftigkeit [55]

Gesundheitsförderliche Lebensstilmodifikation nach MBM (Auswahl)

Stressmanagement

Entspannung und Meditation [55]

  • Physiologische Wirkmechanismen [71][72][73][74]
  • Meditation: Mentale Übung, bei der die Aufmerksamkeit bewusst auf Atem, Gedanken, Gefühle oder ein Objekt gelenkt wird
    • Achtsamkeitsmeditation: Fokussierung auf den gegenwärtigen Moment ohne Bewertung mit dem Ziel einer Schmerzlinderung und besseren Emotionskontrolle
    • Konzentrative Meditation: Fokussierung auf ein Objekt (z.B. Trataka ), ein Wort (z.B. Mantra ) oder eine Bewegung zur Förderung der Aufmerksamkeit und kognitiven Kontrolle
    • Bewegte Meditation: Kombination aus Bewegung und Atmung zur Förderung von Körperbewusstsein, z.B. Yoga, Tai-Chi oder Qigong
    • Geführte Entspannung: Methoden zur Reduktion von Stress und Muskelverspannungen, z.B. autogenes Training, progressive Muskelrelaxation (PMR), ressourcenstärkende Techniken und Selbsthypnose

Praktische Übung: „5-4-3-2-1-Technik zur Achtsamkeit“ – Konzentriere dich auf 5 Dinge, die du sehen kannst, 4 Dinge, die du fühlen kannst, 3 Dinge, die du hören kannst, 2 Dinge, die du riechen kannst, und 1 Sache, die du schmecken kannst.

Bewegung [52]

  • Empfehlung für Erwachsene (18–64 J.)
    • Mind. 150–300 min moderate körperliche Intensität pro Woche
    • Oder 75–150 min hohe körperliche Intensität plus Kräftigungsübungen an ≥2 Tagen pro Woche
  • Empfehlung für ältere Erwachsene (≥65 J.)
    • Mind. 150–300 min moderate körperliche Intensität pro Woche
    • Oder 75–150 min hohe körperliche Intensität plus Kräftigungsübungen an ≥2 Tagen pro Woche
    • Zusätzlich Gleichgewichts- und Koordinationstraining mehrmals pro Woche zur Sturzprävention

Kognitive Kompetenzen [55]

  • Fähigkeit, eigene Denkmuster bewusst wahrzunehmen, zu hinterfragen und gezielt zu verändern

Soziale Kompetenzen[55]

  • Fähigkeit, soziale Beziehungen aktiv und konstruktiv zu gestalten, gesundheitsfördernde Unterstützung einzuholen sowie wirksam und situationsangemessen zu kommunizieren

Ernährung [55]

  • Reflexion individueller Essgewohnheiten
  • Erkennen automatisierter Muster (z.B. Snacken bei Stress)
  • Achtsames Essen und Kauen
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Chronobiologietoggle arrow icon

Die Chronobiologie befasst sich mit der sog. „inneren Uhr“, dem körpereigenen Zeitmesssystem, das biologische Rhythmen wie den Schlaf-Wach-Zyklus, die Hormonsekretion und Stoffwechselprozesse mit der Umwelt synchronisiert. Diese regelmäßig wiederkehrenden Veränderungen physiologischer Prozesse werden im Wesentlichen durch den Nucleus suprachiasmaticus im Hypothalamus gesteuert, der insb. auf Lichtreize reagiert und u.a. die Ausschüttung von Melatonin reguliert. [75][76]

Chronotypen

  • Unterteilung nach der Tageszeit mit der höchsten Leistungsfähigkeit
    • Morgentypen („Lerche“): Früher Schlaf- und Aktivitätsbeginn, höchste Leistungsfähigkeit am Vormittag, besser angepasst an Frühschichten [77][78]
    • Abendtypen („Eule“): Später Schlaf- und Aktivitätsbeginn, höchste Leistungsfähigkeit am späten Nachmittag oder Abend, besser angepasst an Nachtarbeit [77][78]
  • Beurteilungsinstrumente
    • Morningness-Eveningness Questionnaire (D-MEQ)
    • Munich Chronotype Questionnaire (MCTQ) [79]

Einfluss des modernen Lebensstils [80][81][82][83]

Klinische Relevanz und Anwendungen

  • Schlafmedizin [84][85]
  • Chronotherapie: Zeitlich abgestimmte Medikation, z.B. bessere Verträglichkeit von Cortison am Morgen [86][87][88]
    • Anwendungsbeispiel aus der Onkologie: Applikation von Wirkstoffen in Übereinstimmung mit Zellzyklus oder Stoffwechselaktivität → Reduktion von Toxizität und Verbesserung der Wirksamkeit [89][90][91]

Chronobiologische Prinzipien sind klinisch relevant! Sie beeinflussen Schlafqualität, psychische Gesundheit, Stoffwechsel, Medikamentenwirksamkeit und Leistungsfähigkeit – und sollten zunehmend in Prävention und Therapie berücksichtigt werden!

Die Auswirkungen von Schichtarbeit zu berücksichtigen, ist ein wichtiger Faktor der gesundheitlichen Vorsorge!

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Traditionelle Medizinsystemetoggle arrow icon

Traditionelle Medizinsysteme sind kulturell überlieferte ganzheitliche Gesundheitskonzepte, bestehend aus Diagnostik, Therapie und umfassenden Gesundheitsbegriffen, die auf historischen, philosophischen und spirituellen Grundlagen beruhen. Zu ihnen zählen u.a. die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die Traditionellen Indischen Heil- und Lebenssysteme sowie viele weitere Heiltraditionen aus der ganzen Welt. [92]

Merkmale eines traditionellen Medizinsystems [93]

  • Ganzheitlicher Gesundheitsbegriff: Gesundheit umfasst körperliche, seelische und geistige Aspekte
  • Kulturelle Verwurzelung: Wissen und Praktiken sind Teil der jeweiligen Gesellschafts- oder Volksmedizin, meist mündlich oder in klassischen Texten überliefert
  • Ressourcenorientierung: Nutzung natürlicher Heilmittel zur körperlichen und geistigen Stärkung
  • Individualisierte Therapieansätze: Behandlung nach Konstitution, Lebensumfeld und subjektivem Befinden
  • Prävention durch Selbstregulation: Förderung von Resilienz, gesunder Lebensführung und Eigenverantwortung
  • Erfahrungsgestütztes Wissen: Anwendung basierend auf Tradition, Beobachtung und praktischer Umsetzung

Globale Bedeutung [93]

  • Gujarat Declaration der WHO: Betonung der globalen Relevanz traditioneller Medizinsysteme als komplementäre Ergänzung
    • Anerkennung traditioneller Heilverfahren unabhängig von kulturellem oder geografischem Ursprung
    • Aufruf zur Förderung von Evidenzbasierung, Qualitätssicherung und Integration in die weltweite Gesundheitsversorgung
    • Stärkung interkultureller Zusammenarbeit im Bereich traditioneller Heilmethoden
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Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)toggle arrow icon

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) betrachtet den Menschen als komplexes, dynamisches System, das gesund ist, wenn sich innere und äußere Kräfte im Gleichgewicht befinden. Sie stützt sich auf 5 Säulen: Chinesische Arzneimitteltherapie, chinesische Diätetik, Akupunktur (und Akupressur), Tuina sowie Qigong/Tai-Chi.

Grundprinzipien

  • Yin und Yang .
    • Yin: Ruhig, dunkel, kühl, innen, absteigend, sammelnd, speichernd
    • Yang: Aktiv, hell, warm, außen, steigend, dynamisch, entfaltend
  • Tag-Nacht-Zyklus: Symbol für Yin und Yang
    • Sonnenaufgang: Zunahme des Yang
    • Mittag: Yang-Höhepunkt
    • Sonnenuntergang: Zunahme des Yin
    • Mitternacht: Yin-Höhepunkt

Chinesische Arzneimitteltherapie

  • Ziel: Prävention und Therapie durch pflanzliche, mineralische und tierische Substanzen
  • Klassifikation: Nach Geschmacksrichtungen (sauer, bitter, süß, scharf, salzig), Temperaturverhalten (heiß, warm, neutral, kühl, kalt) und Wirkrichtung (aufsteigend, absteigend, neutral)
  • Risiken: Unzureichende Arzneimittelqualität, Interaktionen mit westlicher Medikation , selten Lebertoxizität [96]
  • Evidenz: Wachsende Studienlage zur Wirksamkeit einzelner Arzneimittel und Rezepturen

TCM-Arzneimittel aus deutschen Apotheken unterliegen strengen gesetzlichen Qualitätskontrollen inkl. Prüfungen auf Reinheit und Schadstoffe sowie Rückverfolgbarkeit und Herstellung nach GMP-Standards!

Chinesische Diätetik

  • Ganzheitliches Ernährungssystem zur Vorbeugung und Behandlung von Erkrankungen
  • Grundprinzipien: Regelmäßige Mahlzeiten, bevorzugt warm und gekocht

Akupunktur [97]

Feine Nadeln werden an spezifischen Punkten des Körpers gesetzt. In der TCM beruht die Wirkung auf der Stimulation von Körperregionen entlang der Leitbahnen, durch die das Qi fließt. Die moderne Forschung liefert ergänzend neurophysiologische Erklärungsmodelle.

Wirkmechanismen

Indikationen und Evidenz [110]

Kontraindikationen und Nebenwirkungen

  • Kontraindikationen u.a.
    • Akute lebensbedrohliche Erkrankungen
    • Punktlokalisation in verletzten oder entzündeten Bereichen
    • Einnahme blutverdünnender Medikamente (relativ)
    • Akute psychische Störungen (relativ)
    • Schwangerschaft (relativ) [144]
  • Nebenwirkungen [145][146][147]u.a.
    • Gelegentlich (≥1/1.000–<1/100): Kleine Blutungen, Hämatome, lokale Schmerzen oder Entzündungen an der Einstichstelle, leichte Muskelschmerzen
    • Seltener (≥1/10.000–<1/1.000): Vegetative Reaktionen
    • Sehr selten: Organverletzungen (z.B. Herz, Lunge)

Bei sachgerechter Durchführung ist Akupunktur ein sehr nebenwirkungsarmes Verfahren mit hoher Patientenakzeptanz!

Kostenübernahme

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Akupunktur nur bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder bei Gonarthrose!

Akupressur

  • Definition: Manuelle Stimulation von Akupunkturpunkten durch gezielten Druck
  • Durchführung [148]
    • Häufigkeit: 1–3× täglich über mehrere Tage oder Wochen
    • Dauer pro Punkt: 1–5 min
    • Technik: Gleichmäßig kreisend oder intermittierend, je nach Indikation
    • Druck: Fest, aber nicht schmerzhaft
    • Beispiel: Perikard 6 (PC 6) : Druckpunkt auf der Innenseite des Unterarms, 3 Finger proximal zur Handgelenksfalte, zwischen den Sehnen von M. palmaris longus und M. flexor carpi radialis
  • Indikationen und Evidenz

Tuina

  • Definition: Manuelle Therapieform der TCM, die Massage-, Druck-, Mobilisations- und Grifftechniken kombiniert
  • Wirkung: Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung
  • Evidenz

Qigong und Tai-Chi

  • Definition: Traditionelle Gesundheitsübungen, die Atemführung, sanfte Bewegung und Meditation kombinieren
  • Wirkung: Förderung von Körperwahrnehmung, Beweglichkeit, Ausdauer und Selbstwirksamkeit
  • Evidenz
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Traditionelle Indische Heil- und Lebenssystemetoggle arrow icon

Die traditionellen indischen Heil- und Lebenssysteme umfassen mehrere eigenständige medizinische und philosophische Ansätze, die seit Jahrtausenden in Indien praktiziert werden. Die wichtigsten sind Ayurveda, Yoga und Siddha.

Ayurveda[166][167][168]

  • Definition: Traditionelles indisches Medizinsystem mit ganzheitlichem Anspruch, das individuelle therapeutische und präventive Maßnahmen auf physischer, psychischer und konstitutioneller Ebene umfasst, darunter Ernährung, Lebensstil, Phytotherapie, Ausleitungsverfahren und manuelle Anwendungen
  • Grundlagen
    • Lehre der 3 Doshas (Vata, Pitta, Kapha)
      • Doshas
        • Grundlegende Funktionsprinzipien von Körper und Geist
        • Entstehen aus den 5 Elementen (Raum, Luft, Feuer, Wasser, Erde)
        • Wirken bei jedem Menschen in unterschiedlicher Mischung
        • Sind sie im Gleichgewicht, ist der Mensch gesund
    • Agni-Prinzip: Steuert sämtliche Verdauungs- und Stoffwechselprozesse
    • Drei Säulen des Lebens
      • Ausgewogene Ernährung
      • Angemessener Schlaf
      • Sinnes- und Emotionskontrolle
  • Allgemeine Empfehlungen:
    • Tägliche Routinen (Dinacharya)
    • Gesunde Lebensweise nach Jahreszeiten (Ritucharya)
    • Ethische Lebensführung (Sadvṛtta)
  • Evidenz: Bisher keine großangelegten, randomisierten Studien

Yoga

  • Ursprung: Spirituelle Praxis mit philosophischem Hintergrund, entstanden im alten Indien (ca. 1.500 v. Chr.), systematisiert durch die Yoga-Sutras des Patanjali
  • Kernprinzip: Kombination aus Körperhaltungen (Asana), Atemtechniken (Pranayama) und Meditation (Dhyana) mit dem Ziel, „Körper und Geist in Einklang zu bringen“ – eingebettet in eine ethische Grundhaltung (der „achtgliedrige Pfad“)
  • Yogatherapie: Gezielte Anwendung von Yogapraktiken zur Prävention und Behandlung körperlicher und psychischer Erkrankungen [169]

Elemente der Yogapraxis

  • Körperhaltungen (Asana): Gezielte Bewegung und Dehnung mit Fokus auf Haltung, Stabilität und Flexibilität
  • Atemtechniken (Pranayama): Regulation des Atems zur Beeinflussung des vegetativen Nervensystems
  • Meditation und Achtsamkeit (Dhyana): Geistige Übung zur Förderung von Aufmerksamkeit, Präsenz und emotionaler Regulation
  • Entspannungstechniken: Förderung körperlicher und mentaler Regeneration sowie innerer Ruhe

Stilrichtungen (Auswahl)

  • Vinyasa-Yoga: Dynamisch, kraftvoll, fließende Bewegungsabfolgen
  • Yin-Yoga: Ruhig, passiv, lang gehaltene Positionen
  • Iyengar-Yoga: Häufig mit Hilfsmitteln
  • Yoga Nidra: Tiefenentspannung im Liegen, Förderung mentaler Erholung

Indikationen und Evidenz

Yoga wird in der S3-Leitlinie zur Fatigue bei Krebserkrankungen als empfohlene nicht-medikamentöse Intervention genannt – insb. zur Verringerung von Erschöpfung sowie Verbesserung von Stimmung und Lebensqualität!

Kontraindikationen [190][191]

Siddha [192]

  • Definition: Südindisches traditionelles Medizinsystem mit ganzheitlichem Ansatz
  • Grundprinzip: Gesundheit als Gleichgewicht der 5 Elemente (Aimpootham) und 3 Grundkräfte (Mukkuttram)
  • Diagnostik: 8 Untersuchungsmethoden (Envakai Thervukal) zur Erfassung körperlicher und energetischer Zustände
  • Therapie
    • Einsatz pflanzlicher, mineralischer und tierischer Arzneimittel
    • Lebensstilmodifikationen, z.B. Ernährung, Bewegung, Verhalten
  • Evidenz: Randomisierte klinische Studien fehlen

Das Siddha-System betrachtet Krankheit als Ausdruck eines gestörten Gleichgewichts von Elementen und Lebenskräften – Ziel ist die „Wiederherstellung von Harmonie und innerem Gleichgewicht“!

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Ausleitende Verfahrentoggle arrow icon

Schröpfen[193][194][195][196]

  • Prinzip: Aufsetzen von Schröpfgläsern auf die Haut → Unterdruck, der das Gewebe ansaugt → Lokale Steigerung von Durchblutung, Mikrozirkulation und Stoffwechsel
  • Indikationen: Unter anderem Muskelverspannungen und -schmerzen, insb. Rückenschmerzen
  • Evidenz
    • Heterogene Studienlage: Gering bis moderat
    • Kurzfristig sehr gute Effekte beschrieben

Blutegeltherapie[197][198][199][200][201]

  • Prinzip: Medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) entnehmen Blut durch Bisse und geben dabei Speichel mit bioaktiven Substanzen ab
  • Wichtige Inhaltsstoffe des Speichels
    • Hirudin: Hemmt die Blutgerinnung
    • Calin: Verlängert die Nachblutung und fördert die Durchblutung
    • Hyaluronidase: Verbessert die Gewebedurchlässigkeit
    • Weitere Komponenten mit antiinflammatorischer und analgetischer Wirkung
  • Wirkungen
  • Indikationen, u.a.
    • Venöse Stauungen, z.B. nach plastisch-rekonstruktiven Eingriffen [197]
    • Chronische, schlecht heilende Wunden
    • Hauterkrankungen, z.B. Ekzeme
    • Kniearthrose
  • Sicherheit
    • Akzeptabel bei sachgerechter Anwendung und antibiotischer Prophylaxe (v.a. gegen Aeromonas spp.)
    • Mögliche Komplikationen: Infektionen, Blutungen, allergische Reaktionen [197][198]
    • Anwendung nur unter hygienischen Bedingungen und klarer Indikationsstellung
  • Evidenz
    • Wirksamkeit belegt bei venöser Stauung im Rahmen plastisch-rekonstruktiver Eingriffe (Erfolgsrate ca. 78%) [197]
    • Positive Effekte bei Arthrose und chronischen Wunden
    • Insgesamt begrenzte Evidenz durch kleine oder unkontrollierte Studien [199][200]

Die Blutegeltherapie wirkt über eine Kombination antikoagulatorischer, durchblutungsfördernder und entzündungshemmender Mechanismen. Sie ist für bestimmte Indikationen wirksam, aber nur unter kontrollierten Bedingungen sicher anzuwenden!

Aderlass [202][203][204][205]

  • Historischer Hintergrund
    • Früher: Breite Anwendung bei vielen Erkrankungen ohne wissenschaftliche Basis
    • Heute: Streng evidenzbasiert, nur bei wenigen Indikationen
  • Prinzip: Gezielte Entnahme einer definierten Blutmenge aus dem venösen System
  • Ziel: Beeinflussung pathophysiologischer Zustände, die mit einer Überladung oder toxischen Wirkung von Blutbestandteilen einhergehen
  • Indikationen
  • Therapiesteuerung: Menge und Frequenz nach Laborwerten (Ferritin, Hämatokrit) und klinischem Verlauf
  • Evidenz: Gute Datenlage für Hämochromatose und Polycythaemia vera

Der Aderlass ist heute eine evidenzbasierte Therapie bei Hämochromatose und Polycythaemia vera – historische Anwendungen sind wissenschaftlich nicht gestützt!

Cantharidenpflaster

  • Wirkstoff: Cantharidin
  • Wirkweise: Blasenziehendes Mittel
    • Entzug von Gewebsflüssigkeit (Lymphflüssigkeit und Mediatorsubstanzen)
    • Durchblutungsförderung: Lokale Hyperämie
    • Gegenirritation
  • Anwendungsgebiete, u.a.
  • Komplikationen, u.a.
    • Akute Infektionen
    • Persistierende Hyperpigmentierungen und ggf. Narben der Haut im Bereich der Brandblase
  • Kontraindikationen, u.a.
    • Erkrankungen der ableitenden Harnwege und der Nieren
    • Durchblutungsstörungen
    • Immunsuppression
    • Offene Wunden im Anwendungsgebiet
    • Akute Gelenkentzündungen
    • Allergien gegen den Wirkstoff
  • Evidenz: Kein Vorteil gegenüber Placebo
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Natur- und Kreativtherapietoggle arrow icon

Nicht-pharmakologische, präventive und therapeutische Maßnahmen für psychische und kardiovaskuläre Gesundheit

Naturtherapie

  • Grundprinzip: Achtsame Aufenthalte in der Natur
  • Waldtherapie [206][207][208][209][210][211][212]
    • Varianten: Selbstgeführte Waldtherapie vs. geführte Waldtherapieprogramme
    • Bestandteile
      • Achtsames Gehen
      • Bewusstes Wahrnehmen von Sinneseindrücken
      • Entspannungsübungen
      • Soziale Interaktion
      • Selbstreflexion
    • Evidenz: Signifikante Reduktion von
  • Gartenbautherapie [213][214][215][216][217]
    • Definition: Strukturierte, therapeutisch geleitete Intervention, bei der gezielte gärtnerische Aktivitäten zur Förderung der physischen und psychischen Gesundheit eingesetzt werden
    • Bestandteile
      • Pflanzen, Pflegen und Ernten von Obst und Gemüse
      • Gärtnerische Kunst
      • Sensorische Stimulation
      • Soziale Interaktion
    • Evidenz: Signifikante Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit, des Body-Mass-Index (BMI) und der Lebensqualität

Kreativtherapien: Kunst-, Musik-, Tanz- und Theatertherapie [218][219][220][221][222][223][224][225]

  • Grundprinzip: Durch kreative, schöpferische Methoden werden Affektregulation, Selbstwertgefühl und soziale Kompetenz gefördert
  • Indikationen, u.a.
  • Kontraindikationen: Unter anderem akutpsychotische Phasen
  • Evidenz: Im Rahmen eines Behandlungskonzepts oft signifikante Verbesserungen, insb. bei stressassoziierten Erkrankungen
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Weitere komplementärmedizinische Verfahrentoggle arrow icon

Neuraltherapie nach Huneke

Heilwasser (zum Trinken) [230][231]

  • Definition: Natürliches Grundwasser, das aufgrund seiner besonderen Zusammensetzung therapeutisch eingesetzt werden kann
  • Ursprung: Stammt (wie Mineralwasser) aus einer unterirdischen Quelle
  • Zulassung: Vor Bezeichnung als Heilwasser muss Nachweis einer vorbeugenden, lindernden oder heilenden Wirkung erbracht werden
    • Heilwasser gilt nach § 2 des Arzneimittelgesetzes als Arznei, daher staatliche Zulassung nach gültigem Arzneimittelrecht nötig
  • Evidenz: Studienlage heterogen und limitiert

Anthroposophische Medizin [232][233][234][235][236][237]

  • Definition: Integratives medizinisches System, das Körper, „Seele“ und „Geist“ als Einheit betrachtet
  • Grundprinzip: Individuelle und multimodale Therapie, oft in Kombination mit konventioneller Medizin, mit Fokus auf empathische Beziehung zwischen Ärzt:innen und Patient:innen, Ganzheitlichkeit und Förderung der Selbstheilungskräfte
  • Anwendung: In verschiedenen medizinischen Fachbereichen, insb. in der Onkologie und bei chronischen Erkrankungen
  • Bestandteile
    • Spezielle Arzneimittel , insb.
      • Misteltherapie
        • Supportiver Einsatz bei der Krebstherapie
        • Studienlage zeigt bislang keinen eindeutigen Vorteil hinsichtlich Überleben, aber eine Verbesserung der Stimmungslage und Lebensqualität [238][239]
    • Künstlerische Therapien: Bspw. Musiktherapie, Malen
    • Bewegungstherapien: Eurythmie, rhythmische Massagen
    • Beratung und psychotherapeutische Ansätze
  • Evidenz: Evidenzlage variiert je nach Indikation und Therapieform

Orthomolekulare Therapie [240][241]

  • Grundprinzip: Hochdosierte Gabe von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zur Prävention oder Behandlung von Erkrankungen
  • Evidenz: Kein evidenzbasierter Wirksamkeitsnachweis

Eine Überdosierung verschiedener Vitamine kann lebensgefährlich sein! Daher ist eine Vitaminsubstitution idealerweise unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen!

Homöopathie [242][243][244][245]

  • Grundprinzip: „Similia similibus curentur“ → „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“
  • Präparate
    • Zahlreiche verschiedene Präparate für verschiedene Indikationen als Globuli („kleine Kügelchen“) oder Tropfen
    • Wirkstoffe in starker Verdünnung, i.d.R. 1:1.000.000 oder 1:1.000.000.000.000
    • Präparate sind so weit verdünnt, dass sie oft keine Moleküle des Ausgangsstoffes mehr enthalten
  • Evidenz: Kein Vorteil gegenüber Placebo

Nach den Prinzipien der Chemie und Pharmakologie ist eine spezifische pharmakologische Wirkung ohne nachweisbare Wirkstoffmoleküle nicht plausibel!

Schüßler-Salze [246]

  • Grundprinzip: Mineralstoffe in homöopathischer Dosierung
  • Inhaltsstoffe: Unter anderem Natriumchlorid, Natriumphosphat, Kaliumphosphat, Natriumsulfat, Kaliumsulfat, Calciumfluorid und andere anorganische Salze, i.d.R. als Verdünnung 1:1.000.000 oder 1:1.000.000.000.000 (Potenzierung D6 oder D12)
  • Evidenz: Kein evidenzbasierter Wirksamkeitsnachweis

Bach-Blüten [247][248]

  • Grundprinzip: Bestimmte Lösungen aus Blütenextrakten zur Harmonisierung von emotionalem Ungleichgewicht
  • Evidenz: Kein Vorteil gegenüber Placebo

Bei komplementärmedizinischen Verfahren ohne Wirksamkeitsnachweis über Placebo hinaus, besteht für Patient:innen die Gefahr der Verzögerung evidenzbasierter (teilweise lebensnotwendiger) Therapien!

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