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Anästhesie bei seltenen Stoffwechselerkrankungen

Letzte Aktualisierung: 10.4.2026

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Seltene hereditäre Stoffwechselerkrankungen umfassen eine äußerst heterogene Gruppe genetisch bedingter Erkrankungen, die häufig mehrere Organsysteme betreffen und oft nur symptomatisch therapiert werden können. Für die Anästhesie relevant sind insb. die möglichen Folgen einer Akkumulation von Stoffwechselprodukten. Daher hat die Aufrechterhaltung der Homöostase eine besondere Relevanz. Auch pharmakologische Besonderheiten, bspw. eine veränderte Empfindlichkeit oder Kontraindikationen gegenüber Sedativa, müssen berücksichtigt werden. Beim Atemwegsmanagement sind dagegen meist keine spezifischen Auffälligkeiten zu erwarten.

Präoperativ ist eine sorgfältige Anamnese entscheidend, einschließlich Diagnosen, Organbeteiligung und bisheriger Narkosen. Im Fokus stehen die Beurteilung von Laborparametern und die präoperative Optimierung des metabolischen Zustands. Die Berücksichtigung der Vorbefunde sollte ggf. durch eine Rücksprache mit den behandelnden Stoffwechselspezialist:innen ergänzt werden. Intraoperativ sind individuell angepasste Anästhesietechniken, ein adäquates Monitoring und die Auswahl geeigneter Medikamente essenziell. Postoperativ ist v.a. eine mögliche metabolische Dekompensation zu beachten.

Dieses Kapitel behandelt exemplarisch ausgewählte Erkrankungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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Zystische Fibrosetoggle arrow icon

Übersicht [2]

Typische Eingriffe

Anästhesiologisches Management

Anästhesiologisches Management bei zystischer Fibrose
Aspekt Wichtigste Besonderheiten
Präoperative Evaluation
Narkoseverfahren
Atemwegsmanagement
Hämodynamik
  • Keine spezifischen Besonderheiten

Gerinnung und Blutprodukte
  • Mögliche Koagulopathie durch Leberfunktionsstörung beachten
  • Transfusionen möglichst vermeiden
Postoperatives Management
Sonstiges
  • Erhöhte Prävalenz depressiver Symptome bei Betroffenen und Angehörigen
  • Präoperative Physiotherapie zur Verbesserung der respiratorischen Funktion anwenden, falls möglich
  • Patienteneigene Geräte zur nicht-invasiven Beatmung nutzen, falls vorhanden
  • Besonders vorsichtige Lagerung bei untergewichtigen Personen zur Vermeidung von Druckschäden
  • Plasmacholinesterase-Mangel bei Leberfunktionsstörung möglich
  • Engmaschige Blutzuckerkontrollen empfohlen
  • Ambulante Anästhesie nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung möglich

Personen mit zystischer Fibrose haben ein erhöhtes Risiko für perioperative respiratorische Komplikationen! Der Fokus des anästhesiologischen Managements sollte entsprechend darauf liegen, die respiratorische Funktion so wenig wie möglich zu beeinträchtigen und eine möglichst optimale postoperative Erholung zu ermöglichen (bspw. durch Regionalanästhesie, balancierte Schmerztherapie und nicht-invasive Beatmung)!

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Porphyrientoggle arrow icon

Übersicht [10][11]

Von den verschiedenen Formen der Porphyrie sind aus anästhesiologischer Sicht nur die akuten hepatischen Porphyrien klinisch relevant!

Typische Eingriffe

Anästhesiologisches Management

Anästhesiologisches Management bei akuter hepatischer Porphyrie
Aspekt Wichtigste Besonderheiten
Präoperative Evaluation
Narkoseverfahren
Atemwegsmanagement
  • Keine spezifischen Besonderheiten

Hämodynamik
Gerinnung und Blutprodukte
  • Keine spezifischen Besonderheiten

Postoperatives Management
Sonstiges

Bei Porphyrie kann es perioperativ zu einem akuten Schub kommen – entsprechend wichtig ist es, Auslöser wie Schmerzen, Stress oder eine längere Nüchternzeit möglichst zu vermeiden!

Die englischsprachige Datenbank des norwegischen Porphyriezentrums (Napos) bietet eine detaillierte Übersicht zu sicheren und unsicheren Medikamenten bei Porphyrie (siehe: Tipps & Links)!

Bei akuter Porphyrie müssen Etomidat und Thiopental strikt vermieden werden! [9][12]

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Homocystinurietoggle arrow icon

Übersicht [15]

  • Autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselstörung mit erhöhter Konzentration von Homocystein im Blut und Urin
  • Manifestation im frühen Kindesalter
    • Insb. Augen, Skelettsystem, ZNS und Gefäßsystem betroffen
    • Art und Ausprägung der Symptome variabel

Bei Homocystinurie besteht ein erhöhtes Risiko für spontane thromboembolische Ereignisse! Diese können sich klinisch bspw. als Optikusatrophie, Niereninfarkt, fokaler epileptischer Anfall, Hemiparese oder Lungenarterienembolie manifestieren!

Perioperativ sollte der Fokus darauf liegen, das Thromboembolierisiko so gering wie möglich zu halten!

Typische Eingriffe

  • Augenoperationen

Augenoperationen sollten bei Homocystinurie möglichst in Lokalanästhesie durchgeführt werden!

Anästhesiologisches Management

Anästhesiologisches Management bei Homocystinurie
Aspekt Wichtigste Besonderheiten
Präoperative Evaluation
Narkoseverfahren
  • Allgemeinanästhesie: Nach Möglichkeit vermeiden
    • Erhöhtes Risiko für thromboembolische Komplikationen
    • Durchführung ggf. aufgrund mangelnder Kooperationsfähigkeit erforderlich
  • Regionalanästhesie: Individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich
    • Erhöhtes Risiko für thromboembolische Komplikationen
    • Durchführung ggf. aufgrund mangelnder Kooperationsfähigkeit erschwert
  • Analgosedierung: Keine spezifischen Empfehlungen vorhanden
Atemwegsmanagement
Hämodynamik
Gerinnung und Blutprodukte
Postoperatives Management
Sonstiges
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Phenylketonurietoggle arrow icon

Übersicht

  • Autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselstörung mit erhöhter Konzentration von Phenylalanin im Blut bzw. von Phenylketonen im Urin
  • Manifestation im frühen Kindesalter, insb. mit neurologischen Symptomen
  • Verstärkung der Symptomatik insb. bei kataboler Stoffwechsellage (bspw. Fasten, Infektion, Trauma)

Die folgenden Angaben beziehen sich primär auf die Phenylketonurie! Aufgrund der hohen Ähnlichkeit der Erkrankungen gelten die Empfehlungen jedoch auch für den Tetrahydrobiopterin-Mangel!

Typische Eingriffe

  • Keine erkrankungsbedingten typischen Eingriffe

Anästhesiologisches Management

Anästhesiologisches Management bei Phenylketonurie
Aspekt Wichtigste Besonderheiten
Präoperative Evaluation
Narkoseverfahren
  • Keine spezifischen Besonderheiten
Atemwegsmanagement
  • Keine spezifischen Besonderheiten
Hämodynamik
Gerinnung und Blutprodukte
Postoperatives Management
  • Vermeidung einer katabolen Stoffwechsellage
    • Konsequente Fiebersenkung
    • Überbrückende Gabe einer kohlenhydrathaltigen Vollelektrolytlösung erwägen
Sonstiges

Bei adäquat behandelter Phenylketonurie sind außer der Vermeidung einer katabolen Stoffwechsellage nur wenige anästhesiologische Besonderheiten zu berücksichtigen!

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Ahornsirupkrankheittoggle arrow icon

Übersicht

Typische Eingriffe

Anästhesiologisches Management

Anästhesiologisches Management bei Ahornsirupkrankheit
Aspekt Wichtigste Besonderheiten
Präoperative Evaluation
Narkoseverfahren
  • Keine spezifischen Besonderheiten
Atemwegsmanagement
  • Keine spezifischen Besonderheiten

Hämodynamik
  • Adäquate Gewebeperfusion sicherstellen
Gerinnung und Blutprodukte
  • Keine spezifischen Besonderheiten

Postoperatives Management
Sonstiges

Eine katabole Stoffwechsellage kann bei Ahornsirupkrankheit zu einer lebensbedrohlichen metabolischen Dekompensation mit Hirnödem führen!

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Glykogenose Typ 1toggle arrow icon

Übersicht

Typische Eingriffe

Anästhesiologisches Management

Anästhesiologisches Management bei Glykogenose Typ 1
Aspekt Wichtigste Besonderheiten
Präoperative Evaluation
Narkoseverfahren
Atemwegsmanagement
  • Keine spezifischen Besonderheiten
Hämodynamik
Gerinnung und Blutprodukte
Postoperatives Management
  • Engmaschige Kontrollen des Glucose- und Lactatspiegels bis 4 h nach Wiederaufnahme der oralen Nahrungsaufnahme
Sonstiges
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