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Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom…)

Abstract

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine Stoffwechselstörung mit Assoziation zum metabolischen Syndrom und multiplen Zysten in den Ovarien. Es gibt weder eine einheitliche Definition noch eine einheitliche Vorgabe zum Umgang mit der Symptomatik, die als PCOS bezeichnet wird. Nach den Rotterdam-Kriterien stehen die endokrinen Veränderungen mit Zyklusstörungen, Androgenisierung/Hirsutismus und/oder eine Hyperandrogenämie bei zusätzlicher Assoziation mit polyzystischen Ovarien im Vordergrund. Letztlich ist das PCOS zur Zeit aber noch eine Ausschlussdiagnose, nachdem andere Ursachen für die Symptome ausgeschlossen wurden (z.B. AGS). Bis zu 50% der PCOS-Patienten leiden an einem metabolischen Syndrom mit Adipositas, Insulinresistenz und Hypercholesterinämie. Klinisch dominiert der Hyperandrogenismus, der sich durch vermehrte Körperbehaarung, Akne und Virilisierung präsentiert. Der namensgebende sonographische Nachweis von Zysten im Ovar spielt in der Diagnostik eine untergeordnete Rolle. Therapiert wird mit Antiandrogenen und Metformin. Bei Kinderwunsch wird eine Normalisierung der Ovarfunktion und eine Follikelstimulation (z.B. mit Clomifen) angestrebt.

Definition

Definition der Konferenz der „European Society of Human Reproduction and Embryology“ (ESHRE) und der „American Society for Reproductive Medicine“ (ASRM) 2003 in Rotterdam:

  1. Oligo- und/oder Anovulation
  2. Virilisierung durch Hyperandrogenismus
  3. Polyzystische Ovarien

Bei Vorliegen von mindestens zwei der drei Kriterien darf die Diagnose PCOS gestellt werden. Andere Ursachen von irregulären Blutungen und Androgenerhöhungen müssen vorher ausgeschlossen werden (→ siehe Differentialdiagnosen).

Eine Diagnosestellung ist möglich, auch wenn keine Zysten im Ovar vorliegen!

Epidemiologie

  • Manifestationsalter: 20.-30. Lebensjahr
  • Häufigkeit: 4-12% der geschlechtsreifen Frauen sollen laut Schätzungen an einem PCOS leiden

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Pathophysiologie

  • Pathophysiologisch wird ein gestörter Insulinstoffwechsel als Ursache des Syndroms vermutet
  • Genauso wie beim metabolischen Syndrom findet sich beim PCOS eine herabgesetzte Empfindlichkeit gegen Insulin (periphere Insulinresistenz) → Hyperinsulinämie
    • Hyperinsulinämie → Adipositas
    • Hyperinsulinämie → Insulin steigert die ovarielle Androgenproduktion in den Thekazellen → Ungleichgewicht zwischen den Androgenvorstufen und den im Anschluss daraus entstehenden Östrogenen in den Granulosazellen
      • Verschiebung der LH/FSH-Freisetzung zugunsten von LH (LH-Dominanz) → Gestörte Follikelreifung und eine An-/Oligoovulation
      • Freisetzung der vermehrten Androgenvorstufen → Virilisierung, aber auch reaktive Erhöhung der Östrogenproduktion

Symptome/Klinik

Ovarielle Hyperandrogenämie

Metabolisches Syndrom

Diagnostik

Blutuntersuchung

Die Hormonkonzentrationen können beim PCOS sehr unterschiedlich ausfallen. In der Regel finden sich folgende Veränderungen:

Apparative Diagnostik

  • Sonographiebefund: Zahlreiche echoleere Zystenpolyzystische Ovarien
    • Mindestens 12 subkapsuläre Zysten
    • Maximaler Querschnitt der Zysten: 9 mm
    • Relative Vermehrung des Stromagewebes bei Größenzunahme des Ovars: Mindestens 10ml

Pathologie

Differentialdiagnosen

Alle Störungen, die mit Zyklusveränderungen und Virilisierungserscheinungen einhergehen, sind mögliche Differentialdiagnosen und müssen vor Diagnosestellung ausgeschlossen werden.

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Je nachdem, ob ein Kinderwunsch vorliegt oder nicht, wird der Schwerpunkt der Therapie auf die Normalisierung der ovariellen Funktion oder auf die Behandlung der Virilisierungserscheinungen gelegt.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.