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Nebennierenrindeninsuffizienz

Letzte Aktualisierung: 24.4.2026

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Eine Nebennierenrindeninsuffizienz (NNRI) ist durch einen Mangel an Hormonen der Nebennierenrinde gekennzeichnet, wobei die primäre Form (Pathologie der Nebenniere, Morbus Addison) von der sekundären und tertiären Form (Pathologien von Hypophyse und Hypothalamus) unterschieden wird.

Aufgrund des Cortisolmangels (und des Aldosteronmangels bei der primären Form) kommt es u.a. zu Adynamie, Hypotonie, Dehydratation und Gewichtsverlust. Die Diagnosestellung erfolgt primär durch die Bestimmung des morgendlichen Serumcortisols, ggf. ergänzt durch einen Stimulationstest. Therapeutisch steht die rasche und adäquate Glucocorticoidsubstitution im Vordergrund.

Du möchtest diesen Artikel lieber hören als lesen? Wir haben ihn für dich im Rahmen unserer studentischen AMBOSS Audio-Reihe vertont. Den Link findest du am Kapitelende in der Sektion „Tipps & Links“.

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Definitiontoggle arrow icon

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Epidemiologietoggle arrow icon

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Primäre NNRI

Eine primäre Nebennierenrindeninsuffizienz tritt typischerweise nur bei beidseitigen Pathologien der Nebennieren auf!

Sekundäre/tertiäre NNRI

Das plötzliche Absetzen einer längeren Glucocorticoidtherapie kann eine Nebennierenkrise auslösen!

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Pathophysiologietoggle arrow icon

Primäre Form

Sekundäre Formen

Übersicht

Hormonelle Veränderungen bei Nebennierenrindeninsuffizienz
Form Hypothalamus Hypophyse Nebennierenrinde
Primäre NNRI
Sekundäre NNRI
  • Aldosteron↔︎
Tertiäre NNRI

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Symptomatiktoggle arrow icon

Allgemein

Spezifisch

Bei partieller Nebennierenrindeninsuffizienz werden Symptome oft erst unter erhöhter Belastung – etwa bei febrilen Infekten, Brechdurchfall oder psychischem Stress – manifest, wenn der gesteigerte Glucocorticoidbedarf die begrenzte Reserve übersteigt!

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Verlaufs- und Sonderformentoggle arrow icon

Glucocorticoidinduzierte Nebennierenrindeninsuffizienz[3]

  • Definition: Tertiäre NNRI durch Glucocorticoidtherapie
  • Epidemiologie: Genaue Prävalenz unbekannt, ca. 1% der Allgemeinbevölkerung gefährdet

Pathophysiologie

Risikofaktoren

Symptomatik

Differenzialdiagnosen

  • Glucocorticoidentzugssyndrom
    • Ätiologie: Rasches Absenken supraphysiologischer Glucocorticoidspiegel
    • Symptomatik: Arthralgien, Myalgien, Schwäche, allgemeines Krankheitsgefühl, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen
    • Therapie: Dosissteigerung der Glucocorticoide bis Symptomfreiheit, dann langsames Ausschleichen
  • Schub der Grunderkrankung
    • Ätiologie: Durch Glucocorticoidreduktion erhöhte Krankheitsaktivität
    • Symptomatik: Je nach Grunderkrankung (bspw. allgemeines Krankheitsgefühl, Arthralgien, Myalgien, Luftnot, Bauchschmerzen)
    • Therapie: Ggf. Dosissteigerung der Glucocorticoide bzw. alternative Therapie der Grunderkrankung

Therapie und Prävention: Strukturiertes Absetzen der Glucocorticoide

  • Voraussetzung: Glucocorticoidgabe für die Grunderkrankung nicht mehr erforderlich
  • Präparatwechsel: Von langwirksamen auf kürzer wirksame Präparate
  • Ausschleichen bis zum Erreichen einer physiologischen Tagesdosis
  • Nach Erreichen der physiologischen Tagesdosis: Weiteres Ausschleichen unter klinischem oder laborchemischem Monitoring
Glucocorticoidinduzierte NNRI: Ausschleichen nach Erreichen der physiologischen Tagesdosis
Monitoring
Klinisch Laborchemisch
Kriterien
  • Morgendliches Serumcortisol
  • <5,0 μg/dL (<150 nmol/L)
  • 5,0–10 μg/dL (150–300 nmol/L)
  • >10 μg/dL (>300 nmol/L)
Vorgehen
  • Dosis vorübergehend erhöhen, anschließend langsamer reduzieren
  • Glucocorticoidtherapie fortführen, erneute Testung nach einigen Monaten
  • Glucocorticoidtherapie fortführen, erneute Testung nach einigen Wochen oder dynamische Testung

Bei anhaltender Cortisolsuppression >1 Jahr oder einer Nebennierenkrise sollte eine endokrinologische Vorstellung erfolgen!

Prognose

  • Remission meist innerhalb von einigen Monaten bis 4 Jahren
  • Cortisolsuppression >4 Jahre: Erholung unwahrscheinlich, dauerhafte Substitution

Bei Einleitung einer Glucocorticoidtherapie sollten verschreibende Ärzt:innen über mögliche Nebenwirkungen inkl. der Nebennierenrindeninsuffizienz und eines Glucocorticoidentzugssyndroms aufklären!

Polyendokrines Autoimmunsyndrom (PAS) [4][5]

Polyendokrine Autoimmunsyndrome
PAS Typ 1 (APECED-Syndrom): Juvenile Form

PAS Typ 2: Adulte Form

Manifestationsalter
  • Kindes- und Jugendalter
  • Erwachsenenalter (Häufigkeitsgipfel 20–60 Jahre)
Epidemiologie
Genetik
  • Polygenetische Vererbung
  • Assoziation mit verschiedenen HLA-Typen
Leiterkrankungen
Weitere mögliche Erkrankungen
Therapie
  • Hormonsubstitution
  • Antimykotische Therapie
  • Hormonsubstitution
Nachsorge

Bei Auftreten einer primären Nebennierenrindeninsuffizienz und einer weiteren autoimmunvermittelten Endokrinopathie sollte an ein polyglanduläres Autoimmunsyndrom gedacht werden und ein Screening auf weitere potenzielle Manifestationen erfolgen!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Diagnostische Hinweise

Hormondiagnostik

  • Indikation: Jeder begründete V.a. NNRI

Bei V.a. eine Nebennierenkrise ist sofort eine hochdosierte Glucocorticoidtherapie einzuleiten, ohne das Ergebnis der Hormondiagnostik abzuwarten! Eine unbehandelte Nebennierenkrise ist potenziell tödlich, während eine fälschlich eingeleitete Substitution i.d.R. keine Nachteile hat!

Basale Parameter

Stimulationstests

Laborkonstellationen

Laborkonstellationen bei NNRI
Primäre NNRI Sekundäre NNRI
Cortisol
ACTH
  • ↑ (>2×ULN)
  • ↓ oder unterer Normbereich
Aldosteron
  • ↔︎
Renin
  • ↔︎
DHEAS
ACTH-Test
  • Unzureichender Cortisolanstieg
  • Frühphase : Häufig noch normaler Cortisolanstieg
  • Spätphase : Unzureichender Cortisolanstieg
Insulinhypoglykämietest
  • Unzureichender Cortisolanstieg

Bildgebung bei bestätigter NNRI

  • Bei V.a. primäre Genese: CT-Abdomen (i.d.R. nativ), alternativ MRT-Abdomen
  • Bei V.a. sekundäre Genese: cMRT mit Zielaufnahme der Hypophyse (Goldstandard)

Eine gezielte Bildgebung der Nebennieren oder der Hypothalamus-Hypophysen-Region sollte erst nach labordiagnostischer Differenzierung zwischen primärer und sekundärer NNRI durchgeführt werden!

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Therapietoggle arrow icon

Allgemeine Hinweise

Wirkstoffe und Therapiesteuerung

Erwachsene [1][2]

Hormonsubstitution bei Nebennierenrindeninsuffizienz
Glucocorticoid Mineralocorticoid Androgen
Wirkstoff
  • Fludrocortison
Gabe bei Primärer NNRI
  • Nicht routinemäßig empfohlen, in Einzelfällen erwägen
Sekundärer NNRI
  • Nicht empfohlen
  • Nicht routinemäßig empfohlen
Monitoring Klinisch
  • Lebensqualität
  • Körpergewicht
  • Blutdruck
  • Blutdruck
Laborchemisch

Kinder und Jugendliche (primäre NNRI) [6]

  • Hydrocortison
    • Engmaschige Kontrollen und individuelle Dosisanpassung
    • Auftreten insb. von nächtlichen und morgendlichen Hypoglykämien: 4. Hydrocortisongabe am späten Abend erwägen
    • Zirkadiane Cortisolausschüttung imitieren: Gabe in 3 Einzeldosen, höchste Dosis am Morgen
  • Fludrocortison : Engmaschige Kontrollen und individuelle Dosisanpassung
  • Ggf. NaCl in den ersten 6 Lebensmonaten
  • Zur Akuttherapie von Komplikationen siehe: Nebennierenkrise
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Nebennierenkrise (Addison-Krise)toggle arrow icon

  • Definition: Lebensbedrohlicher Zustand infolge eines akuten Glucocorticoidmangels
  • Inzidenz: 6–8% der Personen mit NNRI / Jahr
  • Mortalität: Bis zu 6%

Ätiologie

  • Gesteigerter Glucocorticoidbedarf: Infektionen , Unfälle, Operationen, Schmerzen, Stress und/oder
  • Unzureichende Glucocorticoidversorgung
    • Hydrocortisondosis nicht ausreichend erhöht
    • NNRI bis dato unerkannt
    • Erhöhte Glucocorticoid-Clearance: Beginn L-Thyroxin-Substitution, CYP3A4-Induktoren
    • Abruptes Absetzen einer längerfristigen Glucocorticoidtherapie

Klinisches Bild

Die Nebennierenkrise ist primär eine klinische Diagnose, die bei Verdacht sofort therapiert werden muss!

Therapie

Bei V.a. eine Addison-Krise hat die unverzügliche Therapie Vorrang; die Diagnostik erfolgt parallel!

Erwachsene [2]

Kinder und Jugendliche [6]

  • Initiale Therapie
  • Erhaltungstherapie
    • Über die nächsten 24 h: Hydrocortison
    • Nach klinischer Stabilisierung (i.d.R. nach 24 h): Reduktionsschema
      • 1. Tag: Hydrocortison
      • 2. Tag: Hydrocortison
      • Ab dem 3. Tag: Fortführung der üblichen Hydrocortisonsubstitution (inkl. zirkadianer Verteilung)
    • Fludrocortison: Nach klinischer Stabilisierung

Bei Kindern mit Bauchschmerzen und Hyponatriämie sollte immer an eine Nebennierenkrise gedacht werden!

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Prävention von Nebennierenkrisentoggle arrow icon

  • Ausführlich aufklären, möglichst mittels strukturiertem Schulungsprogramm
  • Notfallset verschreiben [2]
  • Notfallausweis ausstellen
  • Situationsangepasst Glucocorticoiddosis erhöhen: Bei interkurrenten Erkrankungen, besonderen Belastungen, medizinischen Eingriffen
    • Keine Erhöhung der Fludrocortisondosis notwendig
Situative Therapieanpassungen bei Nebennierenrindeninsuffizienz
Anlass (Beispiele) Handlungsempfehlungen für Patient:innen und Angehörige
Ambulantes Setting
  • Längere Wanderung
  • Abendveranstaltung
  • Hydrocortisondosis verdoppeln
  • Hydrocortisondosis verdreifachen
  • Ärztliche Vorstellung erwägen
  • Schweres Krankheitsgefühl
  • Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall
  • Fieber >39 °C
  • 100 mg Hydrocortison als (Selbst‑)Injektion
  • Sofortige ärztliche Vorstellung
Anlass (Beispiele) Handlungsempfehlungen für Ärzt:innen
Stationäres Setting
  • Perioperativ

Bei erhöhtem Glucocorticoidbedarf durch Infektionen, Operationen und weitere körperliche oder psychische Belastungen ist eine Dosissteigerung notwendig, um eine Nebennierenkrise zu verhindern!

Regelmäßige Schulungen von Patient:innen und Angehörigen können die Häufigkeit von Nebennierenkrisen reduzieren!

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Nebennierenrindeninsuffizienz in der Schwangerschafttoggle arrow icon

Physiologische Cortisolspiegel in der Schwangerschaft

Erstdiagnose in der Schwangerschaft

  • Problematik: Erstdiagnose NNRI bei Schwangeren u.a. erschwert durch
    • Unspezifische Symptome / Überschneidung mit Schwangerschaftssymptomen
    • Fehlende Cortisolnormbereiche für Schwangere
  • Diagnostik: ACTH-Test mit modifizierten Zielwerten für Cortisolanstieg
    • 1. Trimester: >700 nmol/L
    • 2. Trimester: >800 nmol/L
    • 3. Trimester: >900 nmol/L

Behandlung von Schwangeren mit gesicherter NNRI

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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