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Antisympathotonika

Abstract

Antisympathotonika und Sympatholytika senken die Aktivität des Sympathikus. Während Sympatholytika die (Nor‑)Adrenalin-Rezeptoren an den Erfolgsorganen blockieren, hemmen Antisympathotonika die Synthese, Speicherung oder Freisetzung von Noradrenalin. Beide Substanzgruppen werden vorwiegend in der Kombinationstherapie der arteriellen Hypertonie eingesetzt, sind dabei jedoch (mit Ausnahme der Betablocker) nicht Mittel der ersten Wahl.

Allgemeine Wirkmechanismen

Der Sympathikus kann über zwei Mechanismen auf direkte Weise gehemmt werden :

Alle drei Medikamentengruppen der direkten Sympathikus-Hemmung, α-Blocker, β-Blocker und Antisympathotonika, können zur Therapie der arteriellen Hypertonie eingesetzt werden.

Übersicht der Katecholaminwirkung nach Rezeptoren

siehe auch: Sympathomimetische Wirkung

  • Postsynaptische α1-Rezeptoren verursachen eine Kontraktion von glatten Muskelzellen in Gefäßen, Blasenhals etc. (sympathischer Grundtonus)
  • Präsynaptische α2-Rezeptoren vermitteln ein negatives Feedback bei Noradrenalin-Ausschüttung und somit eine Drosselung der Sympathikusaktivität (gegensätzliche Wirkung zu α1) sowie weitere inhibitorische Effekte (Sedierung, anticholinerge Wirkung)
  • Postsynaptische α2-Rezeptoren liegen vor allem im Ncl. tractus solitarii der Medulla oblongata, wo sie die Blutdruckregulation z.B. über den Barorezeptorreflex vermitteln

Antisympathotonika

Allen Antisympathotonika gemeinsam ist die orthostatische Dysregulation als entscheidende Nebenwirkung!

Wirkmechanismus Indikation Nebenwirkungen
Clonidin
  • Stimulation von
    • Präsynaptischen α2-Rezeptoren (zentral und peripher): Sympathikotonus↓ Gefäßwiderstand↓ , Herzzeitvolumen↓ → RR↓
    • Postsynaptischen α2-Rezeptoren und Imidazolin-Rezeptoren in der Medulla oblongata: peripherer Gefäßwiderstand↓ → RR↓
    • Peripheren postsynaptischen α1-Rezeptoren bei lokal hohen Konzentrationen wie z.B. i.v. Bolusgabe: paradoxe RR-Steigerung durch Vasokonstriktion
  • Orthostatische Dysregulation
  • Müdigkeit, Sedierung, depressive Verstimmung
  • Mundtrockenheit
  • Initialer Blutdruckanstieg (bei schneller i.v.-Gabe)
  • Rebound-Hypertonie nach abruptem Absetzen der Medikation
α-Methyldopa
Urapidil
  • Postsynaptische Blockade des α1-Rezeptors
  • Stimulation zentraler Serotoninrezeptoren
Moxonidin
  • Vorwiegend über Stimulation zentraler Imidazolin-Rezeptoren → Sympathikotonus↓ → Peripherer Gefäßwiderstand↓ → RR↓
  • Agonist an zentralen α2-Rezeptoren → Sympathikotonus↓
  • Selten: Müdigkeit, Mundtrockenheit
Reserpin
Tizanidin
  • Stimulation zentraler α2-Rezeptoren → Senkung peripherer Muskelverspannungen und -krämpfe

Alle Antisympathotonika können als Reservemedikamente in der Kombinationstherapie der Hypertonie eingesetzt werden! Moxonidin wird dabei aufgrund von guter Verträglichkeit zunehmend bedeutsamer!

Alpha-Blocker

Wirkmechanismus Indikation Nebenwirkungen
Doxazosin
  • Vorwiegend α1-Blockade
Prazosin
Terazosin
Indoramin

Tamsulosin und

Alfuzosin

Phenoxybenzamin
  • Irreversible α1- und α2-Blockade
  • Wie oben
  • Zusätzlich: Starke Reflextachykardie
Yohimbin
  • Vorwiegend α2-Blockade
  • Sympathikotone Nebenwirkungen
    • Tremor
    • Blutdruckanstieg
    • Erregungszustände
    • etc.

α-Blocker sind in der Behandlung der Hypertonie nur Mittel der 2. Wahl, da für sie bisher keine Verbesserung der Prognose nachgewiesen werden konnte.