• Klinik

Milzruptur

Abstract

Verletzungen der Milz werden meist durch stumpfe Bauchtraumata verursacht. Selten kann es zu Spontanrupturen im Rahmen von infektiologischen oder hämatologischen Erkrankungen kommen. Eine Milzruptur kann zu massiven intraabdominellen Blutungen führen und muss daher stets als Notfall behandelt werden. Es erfolgt eine Unterscheidung in die akute, einzeitige Ruptur und in die zweizeitige Ruptur, die nach einem symptomfreien Intervall von mehreren Tagen bis Wochen eintreten kann. Je nach Ausmaß der Schädigung kann unter stationärer engmaschiger Kontrolle eine konservative Therapie erfolgen, meist ist jedoch ein operatives Vorgehen notwendig. Wenn möglich wird eine milzerhaltende Operation durchgeführt, bei ausgedehnten Verletzungen und Beteiligung des Milzhilus ist jedoch häufig eine Splenektomie indiziert.

Epidemiologie

  • Häufigste abdominelle Beteiligung bei Patienten mit Polytrauma

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Klassifikation

Klassifikation in 5 Typen

Einteilung Verletzung Therapie
Typ I Subkapsuläres Hämatom / Kapselriss Konservativ / Überwachung
Typ II Oberflächlicher Parenchym- / Kapselriss Operation (nach Möglichkeit milzerhaltend)
Typ III Tiefer Parenchymriss Operation (nach Möglichkeit milzerhaltend)
Typ IV Organfragmentierung Operation (Splenektomie, ggf. Milzteilresektion)
Typ V Abriss am Hilus / Milzberstung Operation (Splenektomie)

Pathophysiologie

  • Anatomische Grundlagen
  • Formen der Milzruptur
    • Einzeitige Milzruptur: Verletzung der Milzkapsel und ggf. des Milzparenchyms → Akute intraabdominelle Blutung
    • Zweizeitige Milzruptur: Verletzung des Milzparenchyms bei zunächst noch intakter Milzkapsel → Zentrales oder subkapsuläres HämatomSymptomfreies Intervall (Tage bis Wochen) → Anschließend Ruptur der Kapsel mit intraabdomineller Blutung

Symptome/Klinik

Einzeitige Milzruptur

  • Hämorrhagischer Schock
  • Diffuse Schmerzen vor allem im linken Oberbauch, ggf. Abwehrspannung
  • Evtl. Schmerzausstrahlung in die linke Schulter (Kehr-Zeichen ) oder Druckschmerz an der linken Halsseite (Saegesser-Zeichen )
  • Schmerzbedingte Schonatmung
  • Ggf. Symptome begleitender Verletzungen

Zweizeitige Milzruptur

  • Plötzlich einsetzende Schocksymptomatik und linksseitige Oberbauchschmerzen (sowie weitere Symptome der einzeitigen Milzruptur)
  • Zuvor Trauma und beschwerdefreies Intervall über einige Tage bis Wochen

Diagnostik

  • Anamnese (Unfallhergang) und klinische Untersuchung (Prellmarken? Palpable Raumforderung? Abwehrspannung?)
  • Sonographie
  • Labor: Hb-Abfall, Leuko- und Thrombozytose
  • Diagnostische Laparotomie/Laparoskopie

Insbesondere bei konservativer Behandlung müssen engmaschige sonographische Verlaufsuntersuchungen durchgeführt werden!

Therapie

Konservativ

  • Indikation: Typ I-Verletzung (subkapsuläres Hämatom)
  • Stationäre Überwachung
  • Engmaschige Sonographiekontrollen

Operativ

  • Indikation: Alle Milzverletzungen, die Typ I übersteigen
  • Technik: Mediane Laparotomie; bei Bauchtrauma unklaren Ausmaßes oder Polytrauma zusätzlich Inspektion aller 4 Quadranten
    • Bei peripheren Rupturen: Versuch der Milzerhaltung mittels
      • Übernähung
      • Infrarot-Koagulation
      • Fibrinklebung
      • Kollagenvlies-Einlage
      • Ummantelung der Milz mit einem resorbierbaren Kunststoffnetz
      • Gefäßligaturen
      • Partielle Milzresektion
    • Bei Hilusrupturen: Splenektomie
      • Ggf. Reimplantation von Milzgewebe

Nach Splenektomie kann das meist tödlich verlaufende OPSI-Syndrom auftreten!

Komplikationen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Prognose

Letalität (Angaben schwanken): Bis zu 15% → Stark abhängig von begleitenden Verletzungen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • S36.-: Verletzung von intraabdominalen Organen
  • D73.5: Infarzierung der Milz
    • Milzruptur, nichttraumatisch Milztorsion
    • Exklusive: Traumatische Milzruptur (S36.04)
  • P15.1: Geburtsverletzung der Milz
    • Milzruptur durch Geburtsverletzung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.