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Impfungen allgemein

Abstract

Impfungen sind eine effiziente Maßnahme zur Prävention von Infektionskrankheiten und deren möglichen Folgekrankheiten, sie gelten damit als eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin. Die Durchführung einer Impfung gehört vielfach zum ärztlichen Alltag. Sie erfordert Kenntnisse über die korrekte Impftechnik sowie die Indikationen, Kontraindikationen und Nebenwirkungen der jeweiligen Impfstoffe. Zusätzlich sind die für Deutschland geltenden Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut zu beachten.

Siehe auch: STIKO-Impfkalender

Formen der Impfung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Organismus gegen einen Erreger zu immunisieren. [1]

  • Aktivimpfung: Verabreichung von abgeschwächten oder abgetöteten Krankheitserregern bzw. Bestandteilen der Krankheitserreger, die zur (aktiven) Ausbildung einer körpereigenen, längeranhaltenden Immunität führt.
  • Passivimpfung: Verabreichung von Immunglobulinen zum unmittelbaren (passiven) Schutz vor einer Infektionskrankheit.

Sofern die jeweils vorgegebenen zeitlichen Abstände und eventuelle Kontraindikationen beachtet werden, sind Impfstoffe i.d.R. gut verträglich!

Aktivimpfung

Überblick [2][3]

Aktivimpfungen führen durch Verabreichung von abgeschwächten oder abgetöteten Krankheitserregern bzw. von Bestandteilen der Krankheitserreger zur (aktiven) Ausbildung einer körpereigenen, längeranhaltenden Immunität. Unterschieden werden dabei Lebend- und Totimpfstoffe. Die Impfstoffe sind i.d.R. miteinander kombinierbar .

Lebendimpfungen Totimpfungen

Lebendimpfung

Ein Lebendimpfstoff enthält vermehrungsfähige (aktive), aber abgeschwächte (attenuierte) Krankheitserreger. Die einmalige Impfung bietet bereits einen Impfschutz. Eine zweite Impfung dient nicht der Auffrischung, sondern soll vereinzelte Impfversager erreichen.

Verschiedene Lebendimpfstoffe müssen entweder gleichzeitig geimpft werden oder es muss ein Mindestabstand von 4 Wochen dazwischen liegen!

Immunglobulinpräparate, bspw. zur Behandlung schwerer Verläufe einer Autoimmunerkrankung, interferieren ähnlich einer Passivimpfung mit der Wirksamkeit von Lebendimpfstoffen – ein Abstand von mind. 3 Monaten zur letzten Verabreichung von Immunglobulinen ist bei einer Lebendimpfung zu beachten!

Totimpfung

Totimpfstoffe enthalten inaktivierte Erreger oder Bestandteile von Krankheitserregern (bzw. deren Toxine). Anders als bei Lebendimpfstoffen reicht die einmalige Impfung bei einem Totimpfstoff i.d.R. nicht aus. Um einen langanhaltenden Impfschutz zu gewährleisten, werden Totimpfungen in mehreren Teilimpfungen durchgeführt und ggf. aufgefrischt.

Passivimpfung

Streng genommen handelt es sich bei der passiven Immunisierung nicht um eine Impfung: Zum unmittelbaren (passiven) Schutz vor einer Infektionskrankheit werden Immunglobuline direkt verabreicht, daher führen Passivimpfungen nicht zur Entwicklung einer längerfristigen körpereigenen Immunität. [1][3][7]

  • Indikation
    • Akute therapeutische Maßnahme, um nach Exposition eine schnelle Erregereliminierung zu erreichen (z.B. Masern- oder Rötelninfektion während der Schwangerschaft)
  • Kombination
  • Applikation
    • Es stehen Präparate zur intramuskulären oder intravenösen Behandlung zur Verfügung

Simultanimpfung

  • Definition: Gleichzeitige Impfung mit einem Aktiv- und Passivimpfstoff [3]
  • Indikation: Als Postexpositionsprophylaxe, z.B. gegen Hepatitis A, Hepatitis B, Tollwut und Tetanus
  • Durchführung
    • Grundsätzlich nur mit Totimpfstoffen [8]
    • Injektionen an verschiedenen Körperstellen (am besten an unterschiedlichen Extremitäten) [7]

Eine Simultanimpfung mit einem Passiv- und einem Lebendimpfstoff ist nicht(!) sinnvoll!

Impfen - Praktische Aspekte

Allgemein [3]

  • Kombinationsimpfstoffe (multivalent) sind Einzelimpfstoffen (monovalent) vorzuziehen
  • Empfohlene Impfabstände sind einzuhalten
  • Kombination von Impfstoffen verschiedener Hersteller im Regelfall möglich
  • Zur Kombination von Lebend- und Totimpfstoffen siehe auch: Lebendimpfstoffe

Bei unvollständigem Impfschutz [3]

  • Berücksichtigung lange zurückliegender Impfungen: Jede Impfung zählt!
  • I.d.R. kein erneuter Beginn der Grundimmunisierung nötig
  • Individuellen Impfplan zur Vervollständigung des Impfschutzes erstellen

Bei fehlender oder unklarer Impfdokumentation [3]

  • Im Zweifelsfall empfohlene Impfungen verabreichen bzw. Grundimmunisierung neu beginnen
  • I.d.R. kein Risiko durch zusätzliche Impfungen (auch bei Mehrfachimpfungen mit Lebendimpfstoffen)

Serologische Kontrollen [3]

  • Nicht sinnvoll bei unklarem Impfschutz
  • Indikationen

Jeder Arztkontakt sollte zum Überprüfen des Impfschutzes und Schließen von Impflücken genutzt werden!

Indikationen für Impfungen

Du kannst dir den aktuellen AMBOSS-Impfkalender als PDF-Dokument unter „Tipps & Links“ (ganz unten in diesem Kapitel) herunterladen!

Kontraindikationen für Impfungen

Kontraindikationen[3]

Keine Kontraindikationen [3]

Folgende Punkte werden teils fälschlicherweise als Kontraindikationen für eine Impfung angesehen:

  • Banaler Infekt mit subfebrilen Temperaturen (<38,5 °C)
  • Kontakt des Impflings zu Personen mit ansteckenden Erkrankungen
  • Fieberkrämpfe in der Eigenanamnese eines Kindes
    • Fieberhafte Impfreaktionen können einen Fieberkrampf triggern, daher ist eine antipyretische Prophylaxe zu erwägen
      • Bei Totimpfstoffen: 0, 4 und 8 Stunden nach der Impfung
      • Bei MMR-Impfung zwischen dem 7. und 12. Tag bei Entwicklung febriler Temperaturen
  • Positive Familienanamnese für Epilepsie
  • Unerwünschte Arzneimittelreaktionen im Zusammenhang mit einer Impfung
  • Antibiotika- oder niedrigdosierte Corticosteroideinnahme
  • Ekzeme und andere Dermatosen, lokalisierte Hautinfektionen
  • Enger Kontakt des Impflings zu Schwangeren
    • Enge Kontaktpersonen (bspw. Kinder) von Schwangeren können generell geimpft werden
    • Ausnahme: Varizellen-Impfung bei Personen, die engen Kontakt zu nicht-immunen Schwangeren haben [9]
  • Frühgeburtlichkeit
  • Stillende Frauen
    • Stillende Frauen können alle notwendigen Impfungen erhalten
    • Ausnahme: Gelbfieber-Impfung
  • Gestillte Säuglinge

Bei Kontraindikationen kann nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung in Ausnahmefällen eine Impfung durchgeführt werden!

Vorbereitung

Ärztliche Aufklärungspflicht [3]

Eine Aufklärung des Impflings bzw. des Sorgeberechtigten über folgende Punkte ist unabdingbar, um eine wirksame Einwilligungserklärung abgeben zu können .

  • Inhalt der Aufklärung
    • Zu verhindernde Krankheit und Therapiemöglichkeiten
    • Nutzen und Risiken der Impfung
    • Kontraindikationen
    • Durchführung der Impfung
    • Beginn und Dauer des Impfschutzes
    • Verhaltensmaßnahmen im Anschluss an die Impfung
    • Mögliche Arzneimittelnebenwirkungen
    • Notwendige Folge- und Auffrischungsimpfungen
  • Bedingungen der Aufklärung
    • Aufklärung durch einen Arzt oder eine Person, die für die Durchführung von Impfungen ausgebildet ist
    • Aufklärung muss mündlich erfolgen und dem Impfling bzw. Sorgeberechtigten die Möglichkeit zum Fragenstellen lassen
    • Aufklärungsmerkblätter und mehrsprachige Impfinformationen sind zusätzlich sinnvoll
  • Minderjährige Impflinge
    • Kinder <14 Jahre: Immer Einwilligung der Sorgeberechtigten
    • Jugendliche 14–15 Jahre: Graubereich
    • Jugendliche ≥16 Jahre: Können i.d.R. selbst einwilligen
  • Off-Label-Use: Ausführliche Aufklärung und Dokumentation
  • Impfdokumentation: Siehe Impfpass
  • Umgang mit Impfkritikern

Auch eine Impfung stellt im juristischen Sinn eine Körperverletzung dar und darf (außer in Notfällen) nur mit entsprechender Aufklärung sowie Einwilligung des Impflings bzw. der Sorgeberechtigten erfolgen!

Applikationsformen

Bereitstellen von Material

  • Keimarme Tupfer
  • Desinfektionsmittel
  • Untersuchungshandschuhe
  • Impfstoff in Spritze mit Kanüle [3]
  • Abwurf
  • Pflaster

Vorbereitung des Impfstoffs

  • Anweisungen des jeweiligen Herstellers beachten!
  • Entnahme aus dem Kühlschrank erst kurz vor der Anwendung [3]
  • Überprüfung [10]
  • Lösung des Impfstoffs: Zwei gängige Varianten
    • Impfstoff wird bereits gelöst (in anwendungsbereiter Spritze) geliefert
    • Lösung des (pulverförmigen) Impfstoffs unmittelbar vor der Impfung (in mitgeliefertem speziellen Lösungsmittel)
  • Anwendung des aufgezogenen Impfstoffs innerhalb von 2–5 min [3]

Lagerung von Impfstoffen

Durchführung

Schmerzreduktion [3]

  • Lokale Schmerzreduktion
    • Auftragen von Eisspray für 2–8 s
    • Bei kleinen Kindern (ab der Geburt) sowie besonders ängstlichen Impflingen jedes Alters im Einzelfall Anwendung lokalanästhetischer Salbe (Einwirkzeit 30–60 min)
  • Ablenkungsmanöver: Immer sinnvoll
    • Säuglinge: Nuckeln am Schnuller, Stillen oder orale Gabe einer 25%igen Glucoselösung
    • Kinder : Drücken der Hand der Eltern, Ballon aufblasen, Seifenblasen, Spielzeug, Videos, Gespräche oder Musik
    • Erwachsene: Aufforderung zu husten oder die Luft anzuhalten
  • Bei Verabreichung mehrerer Impfungen: Schmerzhafteste Impfung zuletzt
  • Nicht empfohlen: Erwärmung des Impfstoffs, manuelle Stimulation der Injektionsstelle, Gabe von Analgetika

Durchführung

  1. Impfling bequem platzieren, Arm entspannt herabhängen lassen, angenehme Atmosphäre schaffen
  2. Injektionsstelle desinfizieren und Desinfektionsmittel einwirken lassen
  3. Keine Impfflüssigkeit an Außenseite der Injektionskanüle!
  4. Rasches Durchstechen der Haut
    • Kanüle wie eine Schreibfeder oder einen Dartpfeil zwischen Daumen und Zeigefinger halten
    • Intramuskuläre Injektion: 90°-Winkel
    • Subkutane Injektion: 45°-Winkel
  5. Altersunabhängig ohne Aspiration [11]
  6. Impfflüssigkeit injizieren
  7. Sobald die Impfkanüle entfernt wurde, eventuell austretendes Blut oder Gewebeflüssigkeit mit einem Tupfer abwischen
  8. Impfkanüle im Abwurf entsorgen: „Never recap a needle!“
  9. Pflaster auf Injektionsstelle aufkleben

Nach der Impfung

  • Beobachten des Impflings: (Prä‑)Synkope rechtzeitig erkennen
    • Symptome: Schwitzen, Blässe, Hör- und Sehstörungen (Ohrenrauschen, „Schwarz vor Augen“, Gefühl von eingeengtem „Tunnelblick“), Schwindel, Benommenheit, Parästhesien
    • Therapie: Gefährdete Personen stützen, rechtzeitig flach hinlegen lassen, ggf. Beine anheben und Kopf tief lagern
  • Dokumentation der Impfung
    • Eintragen von Chargennummer, Handelsname, Impfdatum, Name der Krankheit sowie Stempel und Unterschrift des Arztes in
      • Impfausweis, z.B. „Internationale Bescheinigungen über Impfungen und Impfbuch“
      • Alternatives Dokumentationsformular bei fehlendem Impfausweis (siehe: Tipps & Links)
      • Siehe auch: Impfpass
  • Beratung des Impflings
    • Am Tag der Impfung
      • Starke körperliche Anstrengungen (Leistungssport) vermeiden
      • (Übermäßigen) Konsum von Alkohol vermeiden
    • Körperliche Schonung bis eventuelle Nebenwirkungen der Impfung sistieren

Unerwünschte Wirkungen von Impfungen

Impfreaktion (nicht meldepflichtig)

  • Inzidenz: ca. 1:100
  • Definition: Bemerkbare Reaktion des Körpers auf den Impfstoff
  • Auftreten: Meist innerhalb der ersten 72 Stunden nach Impfung
  • Dauer: ca. 1–3 Tage
  • Symptome
    • Lokale Rötung, Schwellung oder Schmerzhaftigkeit
    • Fieber <39,5 °C (rektal)
    • Kopf- und Gliederschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein, Übelkeit, Unruhe, regionale Lymphknotenschwellung

Moderne Impfstoffe unterliegen einem strengen Zulassungsverfahren und sind sehr gut verträglich. Komplikationen, die über die lokalen Impfreaktionen hinausgehen, sind daher äußerst selten!

Impfkrankheit (nicht meldepflichtig)

  • Definition: Abgeschwächter Verlauf einer Erkrankung nach Impfung mit einem Lebendimpfstoff (z.B. „Impfmasern“) [12]
  • Auftreten: 1–4 Wochen nach Lebendimpfung
  • Symptome: Die Symptome unterscheiden sich je nach Patient und Impfstoff und können der Erkrankung ähneln (z.B. Exanthem nach Masernimpfung); eine Übertragung des Impfvirus ist aber unwahrscheinlich

Impfkomplikation (meldepflichtig)

Impfschaden (namentliche Meldepflicht an das Gesundheitsamt)

  • Inzidenz: ca. 1:1.000.000
  • Definition: Gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Impfung

Vorgehen bei Verdacht auf eine über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung

  • Namentliche Meldung an das Gesundheitsamt (Meldepflicht nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 IfSG)
  • Informieren von Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft und ggf. Hersteller
  • Entnahme von Untersuchungsmaterialien zur weiteren Diagnostik (z.B. Blutserum oder Stuhlproben)
  • Aufklärung über die gesetzlichen Bestimmungen zur Versorgung nach Impfschäden (§§ 60–64 IfSG)

Impfungen - Alphabetische Übersicht

Impfungen A–G [3]

Steckbrief Impfungen A–G

Erkrankung

Impfstoff Applikationsart Zeitraum des Impfschutzes Indikationen und Besonderheiten
Cholera
  • Schluckimpfung
  • Reiseimpfung
    • Aufenthalt in Infektionsgebieten, insb. bei mangelhaften Hygienezuständen
    • Risiko schwerer Verläufe
    • Regionen: Südostasien, Südamerika, West- und Zentralafrika
  • Für Details siehe
Diphtherie

Frühsommer-
meningo-
enzephalitis

(FSME)

  • Indikations-/Reiseimpfung
    • Zeckenexposition in Endemiegebieten
    • Regionen: Insb. nordöstliches Europa, Teile Deutschlands [14]
  • Berufsbedingte Impfung
    • Laborpersonal
    • Forstarbeiter/Landwirte in Endemiegebieten
  • Besonderheiten
    • Bei Impfung <3 Lebensjahren: Strenge Nutzen-Risiko-Abwägung
  • Für Details siehe
Gelbfieber
  • Ab 10 Tagen nach Impfung
  • Lebenslang

Impfungen H [3]

Steckbrief Impfungen H

Erkrankung

Impfstoff Applikationsart Zeitraum des Impfschutzes Indikationen und Besonderheiten

Haemophilus influenzae b

(Hib)

  • Unbekannt

Hepatitis A

(HA)

  • Ab 14 Tagen nach 1. Impfdosis
  • Über 25–30 Jahre (nach vollständiger Grundimmunisierung)
  • Indikationsimpfung
    • Erkrankungen, die häufige Übertragungen von Blutbestandteilen erfordern
    • Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko, bspw. durch Sexualverhalten
    • Bewohner psychiatrischer Betreuungseinrichtungen
  • Berufsbedingte Impfung
    • Personal im Gesundheitsdienst
    • Berufe mit Abwasserkontakt
    • Personal in Gemeinschaftseinrichtungen
  • Reiseimpfung
    • Aufenthalt in Regionen mit hoher Inzidenz
    • Regionen: Tropen, Mittelmeerraum, Osteuropa
  • Besonderheiten
    • Monovalenter Hepatitis-A-Impfstoff: 2 Impfstoffdosen im Abstand von 6–12 (max. 18) Monaten
    • Kombinationsimpfstoff mit Hepatitis B: 3 Impfstoffdosen im Abstand 0, 1 und 6 Monaten
    • Einsatz auch zur Postexpositionsprophylaxe
  • Für Details siehe

Hepatitis B

(HB)

Herpes zoster (HZ)
  • Intramuskulär
  • Unklar
Humanes Papillomvirus (HPV)
  • Unbekannt

Impfungen I–O [3]

Steckbrief Impfungen I–O

Erkrankung

Impfstoff Applikationsart Zeitraum des Impfschutzes Indikationen und Besonderheiten
Influenza
  • Ab 7–14 Tagen nach Impfung
  • Über ca. 1 Jahr
  • Standardimpfung: Alle Personen ≥60 Jahre
  • Indikationsimpfung
    • Schwangere ab 2. Trimenon (bei erhöhtem Risiko ab 1. Trimenon)
    • Personen ≥6 Monate mit Grundleiden
    • In Alters- oder Pflegeheimen lebende Personen
    • Personen, die engen Kontakt zu Risikopatienten haben
    • Bei schwerer Epidemie: Alle Personen
  • Berufsbedingte Impfung
    • Gesundheitspersonal
    • Tätigkeiten mit viel Publikumsverkehr
    • Betreuungspersonal von Risikopersonen
    • Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln
  • Reiseimpfung
    • Bei Indikation zur Standard- oder Indikationsimpfung (insb. Personen ≥60 Jahre)
    • Für Reisende ohne generelle Impfindikation abhängig von Expositionsrisiko und Impfstoffverfügbarkeit
  • Besonderheiten
    • Erwachsene mit Indikation: Jährliche Impfung im Herbst mit inaktiviertem Impfstoff mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination
    • Kinder 2–17 Jahre mit Indikation: Jährliche Impfung im Herbst mit inaktiviertem Impfstoff i.m. oder attenuiertem Influenza-Lebendimpfstoff nasal (LAIV), insb. bei Hindernissen für eine Injektion
    • Bei Lebendimpfung Übertragung des Impfvirus auf Immungeschwächte möglich; enge Kontakte zu Risikopersonen für 1–2 Wochen vermeiden
  • Für Details siehe
  • Nasal
Japanische Enzephalitis
  • Ab 7 Tagen nach 2. Impfdosis
  • Über ca. 10 Jahre (nach vollständiger Grundimmunisierung)
Masern
  • Ab 10 Tagen nach 1. Impfdosis
  • Lebenslanger Schutz anzunehmen
  • Standardimpfung
    • Alle Kinder ab 11 Monaten
    • Alle nach 1970 geborenen Erwachsenen mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit unvollständiger Impfung
  • Indikationsimpfung
    • Vor Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung: Säuglinge ab 9 Monaten
    • Bei Ausbruch
      • Alle nach 1970 Geborenen ab 9 Monaten mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit unvollständiger Impfung
      • Ggf. Säuglinge von 6–8 Monaten nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung (Off-Label-Use)
  • Berufsbedingte Impfung
    • Nach 1970 geborenes Personal mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit unvollständiger Impfung
      • Gesundheitsdienst
      • Gemeinschaftseinrichtungen und -unterkünfte
      • Ausbildungseinrichtungen für junge Erwachsene
      • Bei Kontakt zu potenziell infektiösem Material
  • Besonderheiten
    • Standardimpfung Erwachsener : Einmalige MMR-Impfung
    • Berufsbedingte Impfung: Zweimalige MMR(V)-Impfung
    • Bei Erstimpfung im Alter von 9–10 Monaten: 2. Impfung zu Beginn des 2. Lebensjahres
    • Bei Erstimpfung im Alter von 6–8 Monaten: 2. und 3. Impfung im Alter von 11 und 15 Monaten
    • Einsatz auch zur Postexpositionsprophylaxe
  • Für Details siehe

Meningokokken

  • Intramuskulär oder subkutan (je nach Präparat)
  • Unbekannt

Mumps

  • Über 11–13 Jahre
  • Standardimpfung: Alle Kinder ab 11 Monaten
  • Berufsbedingte Impfung: Einmalige Impfung mit MMR(V)-Impfstoff
    • Alle nach 1970 Geborenen mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit unvollständiger Impfung in:
      • Gesundheitsdienst
      • Gemeinschaftseinrichtungen/-unterkünften
      • Ausbildungseinrichtungen für junge Erwachsene
  • Besonderheiten
    • Impfung mit MMR(V)-Impfstoff
    • Ein monovalenter Impfstoff gegen Mumps ist in Deutschland nicht mehr verfügbar
    • Einsatz auch zur Postexpositionsprophylaxe
  • Für Details siehe

Impfungen P–R [3]

Steckbrief Impfungen P–R

Erkrankung

Impfstoff Applikationsart Zeitraum des Impfschutzes Indikationen und Besonderheiten

Pertussis

Pneumokokken
  • Ab 2 Wochen (PCV13) bzw. 3 Wochen (PPSV23) nach Impfung
  • Über ca. 3–5 Jahre
Poliomyelitis
Röteln
  • Lebenslanger Schutz anzunehmen
  • Standardimpfung: Alle Kinder
  • Indikationsimpfung
    • Frauen im gebärfähigen Alter mit unklarem oder fehlendem Impfschutz: Zweimalige MMR(V)-Impfung (bei seronegativen Schwangeren postpartal)
    • Frauen im gebärfähigen Alter mit unvollständigem Impfschutz: Vervollständigung
  • Berufsbedingte Impfung: Nach 1970 geborenes Personal mit unklarem, fehlendem oder unvollständigem Impfschutz
    • Gesundheitsdienst
    • Gemeinschaftseinrichtungen und Ausbildungsstellen für junge Erwachsene
    • Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete und Asylsuchende
    • Tätigkeiten zu potenziell infektiösem Material
  • Besonderheiten
    • Zweimalige Impfung
    • Impfung mit MMR(V)-Impfstoff
    • Monovalenter Impfstoff gegen Röteln in Deutschland nicht mehr verfügbar
  • Für Details siehe
Rotavirus (RV)
  • Schluckimpfung
  • Unbekannt
  • Standardimpfung: Alle Kinder im Alter von 6–24(–32) Wochen
  • Besonderheiten
    • Möglicherweise leicht erhöhtes Invaginationsrisiko
    • Ausscheidung des Impfvirus über den Stuhl, Übertragung auf Kontaktpersonen möglich, i.d.R. ohne klinische Symptome
  • Für Details siehe

Impfungen S–Z [3]

Steckbrief Impfungen S–Z

Erkrankung

Impfstoff Applikationsart Zeitraum des Impfschutzes Indikationen und Besonderheiten
Tetanus
Tollwut
  • Intramuskulär
  • Ab 4 Wochen nach 1. Impfdosis
  • Über 2–5 Jahre
  • Berufsbedingte Impfung
    • Tiermediziner, Jäger, Forstpersonal
    • Personen mit engem Kontakt zu Fledermäusen
    • Laborpersonal
  • Reiseimpfung
    • Reisende in Regionen mit hoher Gefährdung, bspw. durch streunende Hunde
    • Regionen: Afrika, Süd- und Ostasien
  • Besonderheiten
    • Regelmäßige Auffrischungsimpfungen solange Expositionsrisiko besteht
    • Bei mit Tollwutvirus arbeitendem Laborpersonal: Halbjährliche Untersuchung auf neutralisierende Antikörper (Auffrischungsimpfung ≤0,5 IE/mL Serum)
    • Einsatz auch zur Postexpositionsprophylaxe
  • Für Details siehe

Typhus

  • Reiseimpfung
    • Reisen in Endemiegebiete mit Aufenthalt unter schlechten hygienischen Bedingungen
    • Regionen: Tropisches Afrika, Südostasien, Indien, insb. westliche Teile Südamerikas
  • Besonderheiten
    • Impfschutz nur bei 60–70% der Geimpften
  • Für Details siehe
  • Schluckimpfung
Varizellen
  • Über ca. 9–15 Jahre

Generell werden Lebendimpfstoffe primär subkutan und Totimpfstoffe primär intramuskulär appliziert.

Impfstoffe ohne Impfempfehlung in Deutschland

Reiseimpfungen Übersicht

Reiseimpfungen sind speziell bei Reisen in bestimmte Regionen (ggf. unter gewissen Bedingungen ) indizierte Schutzimpfungen. Impfempfehlungen für Reisen stellen das Robert Koch-Institut, das Auswärtige Amt und die WHO zur Verfügung.

Reiseimpfungen Typisches Vorkommen Weiterführende Inhalte
Cholera
  • Afrika (mit Ausnahme Nordafrikas) [19]
  • Süd- und Südostasien
  • Mittelamerika (seltener auch Südamerika)
FSME
  • Insb. nordöstliches Europa, Teile Deutschlands
Gelbfieber
  • Südamerika
  • Tropisches Afrika
Hepatitis A
  • Osteuropa
  • Mittelmeerraum
  • Tropen
Hepatitis B
  • Afrika [20]
  • Asien, insb. Ost- und Südostasien
Japanische Enzephalitis
  • Süd-/Südost-/Ostasien
  • Nordaustralien
  • Westpazifik [3]
Meningokokken (ACWY)
  • Meningitisgürtel Afrikas
  • Arabische Halbinsel
  • USA/Kanada/Australien
Poliomyelitis
  • Teile Afrikas und Asiens (WHO-Meldungen beachten) [21][22]
Tollwut
  • Afrika [23][24]
  • Asien (Insb. Süd-, Südost-, Ost- und Zentralasien)
  • Mittel- und Südamerika
Typhus
  • Afrika [25]
  • Süd- und Südostasien
  • Naher Osten
  • Mittel- und Südamerika

Internationaler Impfausweis (Impfpass)

Dokumentation

  • Übersicht über alle bisher erfolgten Impfungen einer Person
    • Vermeiden überflüssiger Impfungen
    • Rechtzeitige Durchführung fälliger Impfungen
  • Was muss immer aufgeführt werden?
    • Chargennummer
    • Bezeichnung des Impfstoffs (Handelsname)
    • Impfdatum
    • Krankheit, gegen die geimpft wird
  • Außerdem immer: Ärztlicher Stempel und Unterschrift

Inhalt

  • Gängige Reihenfolge des Inhalts
  • Bestandteile eines Eintrags
    • Chargenaufkleber (Vignetten): Enthalten Chargenbezeichnung, Handelsname , evtl. Hersteller und Dosis
    • Angaben zum Impfenden (für Rückfragen): Ärztlicher Name und Stempel, Datum der Impfung

Gängige Abkürzungen von Impfungen und Handelsnamen

Abkürzung Bedeutung Beispiel für Handelsnamen

T

Tetanus Tetanol pur®----
aP oder ap Pertussis Pac Mérieux®--------
D oder d Diphtherie Diphtherie-Adsorbat-Impfstoff Behring
DT oder Td

Diphtherie, Tetanus

Td-pur®----
DTaP oder Tdap

Diphtherie, Tetanus, Pertussis

Boostrix®---------
IPV

Poliomyelitis

Imovax Polio®------
Tdap-IPV Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Poliomyelitis Repevax®--------
Td-IPV Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis Revaxis®--------
Hib

Haemophilus influenzae Typ b

Act-Hib®----
DTaP-HepB-IPV + Hib Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hepatitis B, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ b Infanrix®--------- hexa
MMR

Masern, Mumps, Röteln

Priorix®--------
MMR-V

Masern, Mumps, Röteln, Varizellen

Priorix-Tetra®------
FSME Frühsommer-Meningoenzephalitis Encepur®--------
HPV Humane Papillomviren Gardasil®--------- 9

Beurteilung der Wirksamkeit eines Impfstoffes

Die Wirksamkeit einer Impfung kann formal über epidemiologische Maßzahlen angegeben werden. [26]

  • Vaccine Efficacy: Wirksamkeit einer Impfung unter Studienbedingungen (Idealbedingungen)
  • Vaccine Effectiveness (Impfeffektivität): Wirksamkeit einer Impfung unter Normalbedingungen
    • Erhebung: Prospektiv möglich, i.d.R. aber retrospektiv
  • Berechnung
    • Ansatz: Bestimmung der relativen Risikoreduktion, die durch die Impfung erreicht wird
    • Formel: Relative Risikoreduktion = (Erkrankungsrisiko der ungeimpften Gruppe - Erkrankungsrisiko der geimpften Gruppe) / Erkrankungsrisiko der ungeimpften Gruppe = 1 - Relatives Risiko (RR)
      • Ersatzweise Berechnung über die Odds: : (Odds der ungeimpften Gruppe - Odds der geimpften Gruppe) / Odds der ungeimpften Gruppe = 1 - Odds Ratio

Studientelegramme zum Thema

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