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Impfungen allgemein

Abstract

Impfungen sind eine effiziente Maßnahme zur Prävention von Infektionskrankheiten und gelten damit als einer der größten Erfolge der modernen Medizin. Die Durchführung einer Impfung gehört zum Alltag vieler Ärzte und erfordert Kenntnisse über die korrekte Impftechnik sowie Indikationen, Kontraindikationen und Nebenwirkungen der jeweiligen Impfstoffe. Zusätzlich sind die für Deutschland geltenden Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut zu beachten.

Formen der Impfung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Organismus gegen einen Erreger zu immunisieren.

Sofern die jeweils vorgegebenen zeitlichen Abstände und eventuelle Kontraindikationen beachtet werden, sind Impfstoffe i.d.R. gut verträglich.

Aktivimpfung

Überblick

Bei einer Aktivimpfung reagiert das Immunsystem des Körpers durch Antikörperproduktion auf die Antigene des Impfstoffs. Die Impfstoffe sind i.d.R. miteinander kombinierbar.

Lebendimpfungen Totimpfungen

Lebendimpfung

Ein Lebendimpfstoff enthält vermehrungsfähige (aktive), aber abgeschwächte (attenuierte) Krankheitserreger. Die einmalige Impfung bietet bereits einen Impfschutz. Eine zweite Impfung dient nicht der Auffrischung, sondern soll vereinzelte Impfversager erreichen.

Verschiedene Lebendimpfstoffe müssen entweder gleichzeitig geimpft werden oder es muss ein Mindestabstand von 4 Wochen dazwischen liegen!

Immunglobulinpräparate, bspw. zur Behandlung schwerer Verläufe einer Autoimmunerkrankung, interferieren ähnlich einer Passivimpfung mit der Wirksamkeit von Lebendimpfstoffen – ein Abstand von mind. 3 Monaten zur letzten Verabreichung von Immunglobulinen ist bei einer Lebendimpfung zu beachten!

Totimpfung

Im Gegensatz zu den Lebendimpfungen reicht die einmalige Impfung bei einem Totimpfstoff i.d.R. nicht aus. Um einen langanhaltenden Impfschutz zu gewährleisten, werden Totimpfungen in mehreren Teilimpfungen durchgeführt und ggf. aufgefrischt.

Passivimpfung

Bei einer Passivimpfung werden direkt Antikörper gegen den Krankheitserreger injiziert. Es handelt sich streng genommen nicht um eine Impfung, da der Körper keine Gedächtniszellen bildet und damit keine langfristige Immunisierung erfolgt.

  • Indikation
    • Akute therapeutische Maßnahme, um nach Exposition eine schnelle Erregereliminierung zu erreichen (z.B. Masern- oder Rötelninfektion während der Schwangerschaft)
  • Kombination
  • Applikation
    • Es stehen Präparate zur intramuskulären oder intravenösen Behandlung zur Verfügung

Simultanimpfung

Eine Simultanimpfung mit einem Passiv- und einem Lebendimpfstoff ist nicht(!) sinnvoll!

Impfen - Praktische Aspekte

Allgemein

  • Kombinationsimpfstoffe (polyvalent) sind Einzelimpfstoffen (monovalent) vorzuziehen
  • Empfohlene Impfabstände sind einzuhalten

Bei unvollständigem Impfschutz

  • Berücksichtigung lange zurückliegender Impfungen: Jede Impfung zählt!
  • I.d.R. kein erneuter Beginn der Grundimmunisierung nötig
  • Individuellen Impfplan zur Vervollständigung des Impfschutzes erstellen

Bei fehlender oder unklarer Impfdokumentation

  • Im Zweifelsfall empfohlene Impfungen verabreichen bzw. Grundimmunisierung neu beginnen
  • I.d.R. kein Risiko durch zusätzliche Impfungen (auch bei Mehrfachimpfungen mit Lebendimpfstoffen)

Serologische Kontrollen

  • Nicht sinnvoll bei unklarem Impfschutz
  • Indikationen

Jeder Arztkontakt sollte zum Überprüfen des Impfschutzes und Schließen von Impflücken genutzt werden!

Indikationen für Impfungen

Du kannst dir den aktuellen AMBOSS-Impfkalender als PDF-Dokument unter „Tipps & Links“ (ganz unten in diesem Kapitel) herunterladen!

Kontraindikationen für Impfungen

Kontraindikationen[2]

  • Schwere, akute Erkrankung (z.B. Infekt mit Fieber >38,5°C)
  • Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffes (insb. Neomycin, Streptomycin und Hühnereiweiß ) oder allergische Reaktion bei letzter Impfung
  • Schwangerschaft
  • Stillzeit: Gelbfieberimpfung
  • Angeborener oder erworbener Immundefekt
    • Nach strenger Nutzen-Risiko-Analyse: Impfungen mit Lebendimpfstoff
    • Ausnahme: Impfungen mit Totimpfstoff sind immer möglich
    • Nach jeder Impfung: Erfolg mittels Titerbestimmung überprüfen
  • Relative Kontraindikation: Geplanter operativer Eingriff
    • Nach erfolgter Impfung
    • Ausnahmen
      • Dringliche Operationen nicht aufschieben
      • Impfung nach erfolgter Operation möglich, sobald stabiler Allgemeinzustand hergestellt ist
      • Dringliche Impfungen (z.B. Tetanus, Tollwut, Hepatitis B) jederzeit möglich
  • Nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung: Impfung von Kindern seronegativer, schwangerer Mütter
    • Hintergrund: Risiko eines konnatalen Varizellensyndroms durch Übertragung von Impfvarizellen des geimpften Kindes auf die schwangere Mutter
    • Andererseits: Risiko für die Schwangere durch den Kontakt zum ungeimpften, ansteckungsgefährdeten Kind ist höher als das Risiko einer Übertragung von Impfvarizellen

Keine Kontraindikationen [2]

Folgende Punkte werden fälschlicherweise als Kontraindikationen für eine Impfung angesehen.

  • Banaler Infekt mit subfebrilen Temperaturen (<38,5°C)
  • Fieberkrämpfe in der Vorgeschichte
    • Fieberhafte Impfreaktionen können einen Fieberkrampf triggern, daher ist eine antipyretische Prophylaxe zu erwägen
      • Bei Totimpfstoffen: 0, 4 und 8 Stunden nach der Impfung
      • Bei MMR-Impfung zwischen dem 7. und 12. Tag bei Entwicklung febriler Temperaturen
  • Positive Familienanamnese für Epilepsie
  • Unerwünschte Arzneimittelreaktionen im Zusammenhang mit einer Impfung
  • Antibiotika- oder niedrigdosierte Corticosteroideinnahme
  • Ekzeme und andere Dermatosen
  • Schwangere Mutter des zu impfenden Kindes
    • Kinder von schwangeren Müttern können generell geimpft werden
    • Ausnahme: Strenge Nutzen-Risiko-Abwägung bei Varizellenimpfung
  • Frühgeburtlichkeit
  • Stillenden Frauen
    • Stillende Frauen können alle notwendigen Impfungen erhalten
    • Ausnahme: Gelbfieber-Impfung
  • Gestillte Säuglinge

Bei Kontraindikationen kann nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung in Ausnahmefällen eine Impfung durchgeführt werden!

Vorbereitung

Aufklärungspflicht des Arztes

Eine Aufklärung des Impflings bzw. des Sorgeberechtigten über folgende Punkte ist unabdingbar, um eine wirksame Einwilligungserklärung abgeben zu können .

  • Inhalt der Aufklärung
    • Zu verhindernde Krankheit und Therapiemöglichkeiten
    • Nutzen und Risiken der Impfung
    • Kontraindikationen
    • Durchführung der Impfung
    • Beginn und Dauer des Impfschutzes
    • Verhaltensmaßnahmen im Anschluss an die Impfung
    • Mögliche Arzneimittelnebenwirkungen
    • Notwendige Folge- und Auffrischimpfungen
  • Bedingungen der Aufklärung
    • Aufklärung durch einen Arzt oder eine Person, die für die Durchführung von Impfungen ausgebildet ist
    • Aufklärung muss mündlich erfolgen und dem Impfling bzw. Sorgeberechtigten die Möglichkeit zum Fragenstellen lassen
    • Aufklärungsmerkblätter und mehrsprachige Impfinformationen sind zusätzlich sinnvoll
  • Minderjährige Impflinge
    • Kinder <14 Jahre: Immer Einwilligung der Sorgeberechtigten
    • Jugendliche 14–15 Jahre: Graubereich
    • Jugendliche ≥16 Jahre: Können i.d.R. selbst einwilligen
  • Off-Label-Use: Ausführliche Aufklärung und Dokumentation
  • Impfdokumentation: Siehe Impfpass
  • Umgang mit Impfkritikern
    • Für Antworten des Robert Koch-Instituts auf Einwände und Befürchtungen gegen Impfungen siehe: Tipps & Links

Auch eine Impfung stellt im juristischen Sinn eine Körperverletzung dar und darf (außer in Notfällen) nur mit entsprechender Aufklärung sowie Einwilligung des Impflings bzw. der Sorgeberechtigten erfolgen!

Applikationsformen

  • Intramuskuläre Injektion (i.m.)
    • Indikationen: Die meisten Impfstoffe werden intramuskulär (i.m.) verabreicht
    • Injektion senkrecht zur Hautoberfläche (90° Winkel)
    • Bevorzugt in M. deltoideus (in muskelstärkstes Areal ca. drei Querfinger unterhalb vom Akromion)
    • Jeweils den schwächer beanspruchten Arm verwenden
    • Bei subkutaner Injektion von intramuskulär zu injizierenden Impfstoffen
      • Risiko für schmerzhafte Entzündung und Granulom- oder Zystenbildung
      • Risiko eines verringerten Impferfolgs
  • Subkutane Injektion (s.c.)
  • Schluckimpfung
  • Nasale Impfung

Bereitstellen von Material

  • Keimarme Tupfer
  • Desinfektionsmittel
  • Untersuchungshandschuhe
  • Impfstoff in Spritze mit Kanüle
  • Abwurf
  • Pflaster

Vorbereitung des Impfstoffs

  • Anweisungen des jeweiligen Herstellers beachten!
  • Zwei gängige Varianten
    • Impfstoff ist bereits aufgelöst und in Spritze aufgezogen: Impfstoff ist flüssig und wird in sofort verwendbaren Spritzen vom Hersteller geliefert
    • Impfstoff in Form von Pulver in separatem Behälter: Hersteller liefert den Impfstoff als Pulver getrennt vom Lösemittel, die Impfflüssigkeit muss zunächst aus dem Pulver und dem Lösemittel hergestellt werden
  • Impfstoff durch Schwenken homogenisieren
  • Impfstoff möglichst auf Zimmertemperatur

Lagerung von Impfstoffen

Durchführung

Schmerzreduktion

  • Bei Säuglingen ab 4 Monaten und Kleinkindern kann im Einzelfall ein Lidocain-haltiges Schmerzpflaster oder eine Creme zur Schmerzvermeidung verwendet werden (Einwirkzeit 30–60 min)
  • Ablenkungsmanöver immer sinnvoll
    • Säuglinge: Nuckeln am Schnuller, Stillen oder orale Gabe einer 25%igen Glucoselösung
    • Kinder: Drücken der Hand der Eltern, Ballon Aufblasen, Seifenblasen, Spielzeug, Videos, Gespräche oder Musik
    • Erwachsene: Aufforderung zu Husten oder die Luft anzuhalten
  • Nicht empfohlen: Erwärmung des Impfstoffs, manuelle Stimulation der Injektionsstelle, Gabe von Analgetika
  • Bei Verabreichung mehrerer Impfungen: Schmerzhafteste Impfung zuletzt, bspw. gegen Pneumokokken oder MMR(V)

Durchführung

  1. Impfling bequem platzieren, Arm entspannt herabhängen lassen, angenehme Atmosphäre schaffen
  2. Injektionsstelle desinfizieren und Desinfektionsmittel einwirken lassen
  3. Keine Impfflüssigkeit an Außenseite der Injektionskanüle!
  4. Rasches Durchstechen der Haut
    • Kanüle wie eine Schreibfeder oder einen Dartpfeil zwischen Daumen und Zeigefinger halten
    • Intramuskuläre Injektion: 90°-Winkel
    • Subkutane Injektion: 45°-Winkel
  5. Altersunabhängig ohne Aspiration [3]
  6. Impfflüssigkeit injizieren
  7. Sobald die Impfkanüle entfernt wurde, eventuell austretendes Blut oder Gewebeflüssigkeit mit einem Tupfer abwischen
  8. Impfkanüle im Abwurf entsorgen: „Never recap a needle!“
  9. Pflaster auf Injektionsstelle aufkleben

Nach der Impfung

  • Beobachten des Impflings: (Prä‑)Synkope rechtzeitig erkennen
    • Symptome: Schwitzen, Blässe, Hör- und Sehstörungen (Ohrenrauschen, „Schwarz vor Augen“, Gefühl von eingeengtem „Tunnelblick“), Schwindel, Benommenheit, Parästhesien
    • Therapie: Gefährdete Personen stützen, rechtzeitig flach hinlegen lassen, ggf. Beine anheben und Kopf tief lagern
  • Dokumentation der Impfung
    • Eintragen von Chargennummer, Handelsname, Impfdatum, Name der Krankheit sowie Stempel und Unterschrift des Arztes in
      • Impfausweis, z.B. „Internationale Bescheinigungen über Impfungen und Impfbuch“
      • Alternatives Dokumentationsformular bei fehlendem Impfausweis (siehe: Tipps & Links)
      • Siehe auch: Impfpass
  • Beratung des Impflings
    • Am Tag der Impfung
      • Starke körperliche Anstrengungen (Leistungssport) vermeiden
      • (Übermäßigen) Konsum von Alkohol vermeiden
    • Körperliche Schonung bis eventuelle Nebenwirkungen der Impfung sistieren

Unerwünschte Wirkungen von Impfungen

Impfreaktion (nicht meldepflichtig)

  • Prävalenz: ca. 1:100
  • Definition: Bemerkbare Reaktion des Körpers auf den Impfstoff
  • Auftreten: Meist innerhalb der ersten 72 Stunden nach Impfung
  • Dauer: ca. 1–3 Tage
  • Symptome
    • Lokale Rötung, Schwellung oder Schmerzhaftigkeit
    • Fieber <39,5°C (rektal)
    • Kopf- und Gliederschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein, Übelkeit, Unruhe, regionale Lymphknotenschwellung

Moderne Impfstoffe unterliegen einem strengen Zulassungsverfahren und sind sehr gut verträglich. Komplikationen, die über die lokalen Impfreaktionen hinausgehen, sind daher äußerst selten!

Impfkrankheit (nicht meldepflichtig)

  • Definition: Abgeschwächter Verlauf einer Erkrankung nach Impfung mit einem Lebendimpfstoff (z.B. „Impfmasern“) [4]
  • Auftreten: 1–4 Wochen nach Lebendimpfung
  • Symptome: Die Symptome unterscheiden sich je nach Patient und Impfstoff und können der Erkrankung ähneln (z.B. Exanthem nach Masernimpfung); eine Übertragung des Impfvirus ist aber unwahrscheinlich
    • Bei MMR-Impfung: Parotisschwellung, Arthralgien, erhöhte Temperatur und/oder flüchtiges Exanthem
    • Bei Varizellen-Impfung (bzw. MMRV): Ggf. flüchtiges Exanthem; Übertragung des Varizellen-Impfvirus durch Geimpfte (mit oder ohne Exanthem) an empfängliche Personen möglich
    • Bei Rotavirus-Impfung: Milde gastrointestinale Beschwerden
    • Bei Influenza-Lebendimpfung: Leichte Grippesymptome; Übertragung des Impfvirus an empfängliche Personen möglich

Impfkomplikation (meldepflichtig)

Impfschaden (namentliche Meldepflicht an das Gesundheitsamt)

  • Prävalenz: ca. 1:1.000.000
  • Definition: Gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Impfung

Vorgehen bei Verdacht auf eine über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung

  • Namentliche Meldung an das Gesundheitsamt (Meldepflicht nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 IfSG)
  • Informieren von Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft und ggf. Hersteller
  • Entnahme von Untersuchungsmaterialien zur weiteren Diagnostik (z.B. Blutserum oder Stuhlproben)
  • Aufklärung über die gesetzlichen Bestimmungen zur Versorgung nach Impfschäden (§§ 60–64 IfSG)

Impfungen - Alphabetische Übersicht

Impfungen A–G

Impfungen A–G

Impfstoff Applikationsart Zeitraum des Impfschutzes Indikationen und Besonderheiten
Cholera
  • Schluckimpfung
Diphtherie

Frühsommer-
meningo-
enzephalitis

(FSME)

  • Indikations-/Reiseimpfung
    • Zeckenexposition in Endemiegebieten
    • Regionen: Insb. nordöstliches Europa, Teile Deutschlands
  • Berufsbedingte Impfung
    • Laborpersonal
    • Forstarbeiter/Landwirte in Endemiegebieten
  • Besonderheiten
    • Bei Impfung <3 Lebensjahren: Strenge Nutzen-Risiko-Abwägung
  • Siehe auch
Gelbfieber
  • Ab 10 Tagen nach Impfung
  • Lebenslang
  • Reiseimpfung
    • Aufenthalt in Endemiegebieten
    • Regionen: Tropisches Afrika, Südamerika
    • oder Anforderung eines Gelbfieber-Impfnachweises eines Ziel- oder Transitlandes
  • Berufsbedingte Impfung: Laborpersonal
  • Besonderheiten
    • Nur einmalige Impfung
    • Mind. 10 Tage vor Exposition
    • Nur in zugelassenen Gelbfieberimpfstellen
    • Seit 2016 dürfen laut WHO Personen mit Gelbfieber-Impfzertifikat ≥10 Jahre nicht mehr aus diesem Grund bei der Einreise in ein Land abgewiesen werden
  • Siehe auch

Impfungen H

Impfungen

Impfstoff Applikationsart Zeitraum des Impfschutzes Indikationen und Besonderheiten

Haemophilus influenzae b

(Hib)

  • Unbekannt

Hepatitis A

(HA)

Hepatitis B

(HB)

Herpes zoster
  • Intramuskulär
  • Unklar
Humanes Papillomvirus (HPV)
  • Unbekannt

Impfungen I–O

Impfungen I–O

Impfstoff Applikationsart Zeitraum des Impfschutzes Indikationen und Besonderheiten
Influenza
  • Ab 7–14 Tagen nach Impfung
  • Über ca. 1 Jahr
  • Standardimpfung: Alle Personen ≥60 Jahre
  • Indikationsimpfung
    • Schwangere ab 2. Trimenon (bei erhöhtem Risiko ab 1. Trimenon)
    • Grundleiden
    • Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
    • Personen mit engem Kontakt zu Risikopatienten
    • Wenn eine schwere Epidemie droht: Alle Personen
  • Berufsbedingte Impfung
    • Medizinisches Personal
    • Tätigkeiten mit viel Publikumsverkehr
    • Betreuungspersonal von Risikopatienten
    • Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln
  • Reiseimpfung
  • Besonderheiten
    • Schwangere: Einmalige Impfung mit inaktiviertem Impfstoff mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination
    • Erwachsene mit Indikation: Jährliche Impfung im Herbst mit inaktiviertem Impfstoff mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination
    • Kinder 2–17 Jahre mit Indikation: Jährliche Impfung im Herbst mit inaktiviertem Impfstoff i.m. oder attenuiertem Influenza-Lebendimpfstoff nasal (LAIV), insb. bei Hindernissen für eine Injektion
    • Bei Lebendimpfung Übertragung des Impfvirus auf Immungeschwächte möglich; enge Kontakte zu Risikopersonen für 1–2 Wochen vermeiden
    • Nicht mehr empfohlen wird die Verwendung von LAIV bei Kleinkindern zwischen 2 und 6 Jahren
  • Siehe auch
  • Nasal
Japanische Enzephalitis
Masern
  • Ab 10 Tagen nach 1. Impfdosis
  • Über 11–20 Jahre
  • Standardimpfung
    • Alle Kinder (mit MMR(V)-Impfstoff)
    • Alle nach 1970 Geborene ≥18 Jahre mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit unvollständiger Impfung
  • Indikationsimpfung
    • Vor Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung: Säuglinge ab 9 Monaten
    • Bei Ausbruch
      • Alle nach 1970 Geborene ab 9 Monaten mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit unvollständiger Impfung
      • Ggf. Säuglinge zwischen 6 und 8 Monaten nach
        Risiko-Nutzen-Abwägung (Off-Label)
  • Berufsbedingte Impfung
    • Nach 1970 geborenes Personal mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit unvollständiger Impfung
      • Im Gesundheitsdienst
      • Zur Betreuung von Personen mit Immunschwäche
      • In Gemeinschaftseinrichtungen
  • Besonderheiten
    • Bei Standardimpfung nach 1970 geborener Personen ≥18 Jahre: Einmalige Impfung mit MMR(V)-Impfstoff, dann Vervollständigung entsprechend Impfplan
    • Bei Erstimpfung im Alter von 9–10 Monaten: 2. Impfung zu Beginn des 2. Lebensjahres
    • Bei Erstimpfung im Alter von 6–8 Monaten: 2. und 3. Impfung im Alter von 11–14 und 15–23 Monaten
  • Siehe auch

Meningokokken

  • Intramuskulär oder subkutan (je nach Präparat)
  • Unbekannt

Mumps

  • Über 11–13 Jahre

Impfungen P–R

Impfungen P–R

Impfstoff Applikationsart Zeitraum des Impfschutzes Indikationen und Besonderheiten

Pertussis

Pneumokokken
  • Ab 2 (PCV13) bzw. 3 Wochen (PPSV23) nach Impfung
  • Über ca. 3–5 Jahre
Poliomyelitis
Röteln
  • Über 11–13 Jahre
Rotavirus (RV)
  • Schluckimpfung
  • Unbekannt
  • Standardimpfung: Alle Kinder im Alter von 6–24(–32) Wochen
  • Besonderheiten
    • Möglicherweise leicht erhöhtes Invaginationsrisiko
    • Ausscheidung des Impfvirus über den Stuhl, Übertragung auf Kontaktpersonen möglich, i.d.R. ohne klinische Symptome
  • Siehe auch

Impfungen S–Z

Impfungen S–Z

Impfstoff Applikationsart Zeitraum des Impfschutzes Indikationen und Besonderheiten
Tetanus
Tollwut
  • Intramuskulär
  • Ab 4 Wochen nach 1. Impfdosis
  • Über 2–5 Jahre

Typhus

  • Ab 7 Tagen nach 1. Impfdosis
  • Im Endemiegebiet: Über ca. 3 Jahre (nach Grundimmunisierung)
  • Außerhalb des Endemiegebietes: Impfschutzdauer unklar
  • Reiseimpfung
    • Reisen in Endemiegebiete mit Aufenthalt unter schlechten hygienischen Bedingungen
    • Regionen: Tropisches Afrika, Südostasien, Indien, insb. westliche Teile Südamerikas
  • Besonderheiten
    • Impfschutz nur bei 60–70% der Geimpften
  • Siehe auch
  • Schluckimpfung
Varizellen
  • Über ca. 9–15 Jahre

Generell werden Lebendimpfstoffe primär subkutan und Totimpfstoffe primär intramuskulär appliziert.

Impfstoffe ohne Impfempfehlung in Deutschland

Besondere Impfungen

Pneumokokkenimpfung[3]

Sequenzielle Pneumokokken-Indikationsimpfung je nach Impfstatus (ab dem Alter von 2 Jahren) [7]

Impfstatus Empfohlenes Impfschema PPSV23-Wiederholungsimpfung im Abstand von mind. 6 Jahren zur letzten PPSV23-Impfung
1. Impfung 2. Impfung
Keine Impfung PCV13 PPSV23 im Abstand von 6–12 Monaten Ja, in allen Fällen!
PCV13 PPSV23 im Abstand von 6–12 Monaten entfällt
PCV7 oder 10 PCV13 PPSV23 im Abstand von 6–12 Monaten
PPSV23 vor <6 Jahren PCV13 im Abstand von 12 Monaten PPSV23 im Abstand von 6 Jahren zur letzten PPSV23-Impfung
PPSV23 vor ≥6 Jahren PCV13 PPSV23 im Abstand von 6–12 Monaten
PCV13 + PPSV23 entfällt entfällt

Impfung gegen Japanische Enzephalitis

Du kannst dir den aktuellen AMBOSS-Impfkalender als PDF-Dokument unter "Tipps & Links" (ganz unten in diesem Kapitel) oder unter www.miamed.de/impfkalender herunterladen!

Reiseimpfungen Übersicht

Reiseimpfungen Typisches Vorkommen Weiterführende Inhalte
Cholera
  • Südostasien
  • Südamerika
  • West- und Zentralafrika
FSME
  • Insb. nordöstliches Europa, Teile Deutschlands
Gelbfieber
  • Südamerika
  • Tropisches Afrika
Hepatitis A
  • Osteuropa
  • Mittelmeerraum
  • Tropen
Japanische Enzephalitis
  • Südostasien
Meningokokken (ACWY)
  • Meningitisgürtel Afrikas
  • Arabische Halbinsel
  • USA/Kanada/Australien
Poliomyelitis
  • Teile Afrikas und Asiens (WHO-Meldungen beachten)
Tollwut
  • Teile Afrikas
  • Süd- und Ostasien
  • Südamerika
Typhus
  • Tropisches Afrika
  • Südostasien
  • Indien
  • Südamerika (insb. westliche Teile)

Internationaler Impfausweis (Impfpass)

Dokumentation

  • Übersicht über alle bisher erfolgten Impfungen einer Person
    • Vermeiden überflüssiger Impfungen
    • Rechtzeitige Durchführung fälliger Impfungen
  • Was muss immer aufgeführt werden?
    • Chargennummer
    • Bezeichnung des Impfstoffs (Handelsname)
    • Impfdatum
    • Krankheit, gegen die geimpft wird
  • Außerdem immer: Stempel und Unterschrift des Arztes

Inhalt

  • Gängige Reihenfolge des Inhalts
  • Bestandteile eines Eintrags
    • Chargenaufkleber (Vignetten): Enthalten Chargenbezeichnung, Handelsname , evtl. Hersteller und Dosis
    • Angaben zum Impfenden (für Rückfragen): Name und Stempel des Arztes, Datum der Impfung

Gängige Abkürzungen von Impfungen und Handelsnamen

Abkürzung Bedeutung Beispiel für Handelsnamen

T

Tetanus Tetanol pur®----
aP oder ap Pertussis PaCO Mérieux®--------
D oder d Diphtherie Diphtherie-Adsorbat-Impfstoff Behring
DT oder Td

Diphtherie, Tetanus

Td-pur®----
DTaP oder Tdap

Diphtherie, Tetanus, Pertussis

Boostrix®---------
IPV

Poliomyelitis

Imovax Polio®------
Tdap-IPV Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Poliomyelitis Repevax®--------
Td-IPV Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis Revaxis®--------
Hib

Haemophilus influenzae Typ b

Act-Hib®----
DTaP-HepB-IPV + Hib Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hepatitis B, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ b Infanrix®---------
MMR

Masern, Mumps, Röteln

Priorix®--------
MMR-V

Masern, Mumps, Röteln, Varizellen

Priorix-Tetra®------
FSME Frühsommer-Meningoenzephalitis Encepur®--------
HPV Humane Papillomviren Gardasil®---------9

Beurteilung der Wirksamkeit eines Impfstoffes

Die Wirksamkeit einer Impfung kann formal über epidemiologische Maßzahlen angegeben werden. [8]

  • Vaccine Efficacy: Wirksamkeit einer Impfung unter Studienbedingungen (Idealbedingungen)
  • Vaccine Effectiveness (Impfeffektivität): Wirksamkeit einer Impfung unter Normalbedingungen
    • Erhebung: Prospektiv möglich, i.d.R. aber retrospektiv
  • Berechnung
    • Ansatz: Bestimmung der relativen Risikoreduktion, die durch die Impfung erreicht wird
    • Formel: Relative Risikoreduktion = (Erkrankungsrisiko der ungeimpften Gruppe - Erkrankungsrisiko der geimpften Gruppe) / Erkrankungsrisiko der ungeimpften Gruppe = 1 - Relatives Risiko (RR)
      • Ersatzweise Berechnung über die Odds: : (Odds der ungeimpften Gruppe - Odds der geimpften Gruppe) / Odds der ungeimpften Gruppe = 1 - Odds Ratio