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Milz

Abstract

Die Milz (Splen, Lien) ist ein intraperitoneal im linken Oberbauch gelegenes Organ. Histologisch lässt sie sich in eine rote und eine weiße Pulpa gliedern, in denen jeweils unterschiedliche Organfunktionen ablaufen. In der Embryonalphase ist die Milz zeitlich begrenzt an der Blutbildung beteiligt. Postnatal hingegen findet hier lediglich die Aussortierung alter Erythrozyten und Thrombozyten statt - die sog. Blutzellmauserung. Das Blut wird dafür dem Netzwerk („Reticulum“) der Pulpastränge in der roten Pulpa zugeführt. Das Netzwerk kann nur von jungen, gut verformbaren Erythrozyten und Thrombozyten passiert werden.

Als sekundäres lymphatisches Organ hat die Milz jedoch auch eine immunologische Funktion. Das lymphatische Gewebe befindet sich in der weißen Pulpa. Diese wird von einigen Lymphozyten nach der Reifung in den primären lymphatischen Organen in Erwartung ihrer Aktivierung aufgesucht. Klinisch spielt die Untersuchung der Milz vor allem nach Traumata oder bei hämatoonkologischen Erkrankungen eine Rolle.

Makroskopische Anatomie

Steckbrief

  • Funktion
  • Lage: Intraperitoneal im linken Oberbauch
  • Form: Kaffeebohnenförmig
  • Größe: ca. 4 cm hoch, 7 cm breit und ca. 11 cm lang
  • Gewicht: ca. 160 g (blutleer)

Aufbau und Topographie

Die kaffeebohnenförmige Milz liegt im linken Oberbauch in der sog. Milznische. Mit einer Größe von 4 cm x 7 cm x 11 cm liegt sie mit ihrer Längsachse parallel zur 10. Rippe, allerdings besteht eine ausgeprägte Verschieblichkeit in Abhängigkeit von Atmung und Füllungszustand der Nachbarorgane. 10–20% aller Menschen besitzen eine oder sogar mehrere kleinere Nebenmilzen , die meist in der Nähe der Hauptmilz gelegen sind .

„Kölnisch-Wasser“- oder „4711“-Regel: Dicke (4 cm) x Breite (7 cm) x Länge (11 cm) der Milz!

Splenomegalie
Durch ihre Lage unter dem Rippenbogen ist die Milz bei normaler Konfiguration bei der körperlichen Untersuchung nicht tastbar. Zu einer Milzvergrößerung (Splenomegalie) kommt es zum Beispiel im Rahmen hämatologischer Erkrankungen wie manchen Leukämieformen, wenn die Milz ihre blutbildende Funktion wieder aufnimmt oder vermehrt Blutzellen abbaut. Auch bei einer Leberzirrhose, die mit einem Pfortaderhochdruck einhergeht, ist eine Milzvergrößerung durch den erschwerten venösen Blutabfluss keine Seltenheit. Im schlimmsten Fall kann es bei massiver Vergrößerung sogar zu einem Milzriss mit Folge einer lebensgefährlichen intraabdominellen Blutung kommen.

Flächen der Milz

Die Milz weist verschiedene Pole, Ränder und Flächen auf, die zur Beschreibung ihrer Lage bzw. ihrer topographischen Beziehungen genutzt werden können.

  • Pole
    • Extremitas anterior: Nach vorne unten gerichteter Pol
    • Extremitas posterior: Nach hinten oben gerichteter Pol
  • Ränder
    • Margo superior: Nach oben gerichteter Rand
    • Margo inferior: Nach unten gerichteter Rand
  • Flächen
    • Facies diaphragmatica: Konvexe Fläche der Milz, die direkt unter der Zwerchfellkuppel gelegen und zu den Rippen hin gerichtet ist
    • Facies visceralis
      • Zentral an der Facies visceralis befindet sich die Ein- bzw. Austrittspforte der Gefäße und Nerven, die als Milzhilum bezeichnet wird
      • Aufgrund ihrer Lage zu den Nachbarorganen kann die Facies visceralis weiter unterteilt werden
        • Facies gastrica: Grenzt an den Magen
        • Facies colica: Grenzt an die linke Colonflexur
        • Facies renalis: Grenzt an die linke Niere

Peritonealverhältnisse und Ligamente der Milz

Bis auf das Hilum liegt die Milz komplett intraperitoneal in der sog. Milznische. Diese wird durch Ligamente (Bauchfellduplikaturen) gebildet und nach dorsal und lateral vom Zwerchfell begrenzt.

Bis auf das Hilum liegt die Milz komplett intraperitoneal in der Milznische. Den Boden der Milznische bildet das Lig. phrenicocolicum!

Gefäßversorgung und Innervation

Bei der Milz handelt es sich durch ihre Überwachungsfunktion und die Rolle als Organ der „Blutzellmauserung“ um ein stark durchblutetes Organ, das 3–5% des Herzzeitvolumens in Anspruch nimmt. Die Innervation der Milz erfolgt vor allem zur Regulation der Gefäßweite. Durch Vasokonstriktion kann Blut in den Körperkreislauf gepresst werden, wohingegen bei Vasodilatation die Blutzellmauserung gesteigert wird.

Gefäßversorgung
Arteriell
Venös
Innervation
Sympathisch
Parasympathisch
Lymphabfluss
Lymphstationen

Durch ihre enge Lagebeziehung zum Pankreas wird die V. splenica gerne als Leitstruktur zum Auffinden des Pankreas in der Sonographie genutzt!

Mikroskopische Anatomie

Das Grundgerüst der Milz besteht wie bei anderen sekundär lymphatischen Organen aus reticulären Fasern und fibroblastischen Reticulumzellen. Die Milz ist von einer zarten Organkapsel umgeben, deren Ausläufer als Trabekel in das Parenchym ziehen und dieses unvollständig in Segmente unterteilen. Das Parenchym selbst besteht zu 75% aus der roten Pulpa, in der die Blutzellmauserung stattfindet. Die weiße Pulpa stellt das lymphatische Gewebe dar. Übrigens findest du ein Lernvideo zur mikroskopischen Anatomie am Ende dieses Abschnittes („Histo-Trainer Milz“).

Rote Pulpa

Die rote Milzpulpa besteht aus Pulpasträngen sowie den dazwischen liegenden venösen Sinusoiden. In diesem Bereich findet die Blutzellmauserung (Abbau alter Erythrozyten und Thrombozyten) statt.

Blutfluss durch die rote Pulpa

Damit die Erythrozytenmauserung stattfinden kann, ist ein spezielles Gefäßsystem in der Milz vonnöten. Neben dem offenen Kreislauf, über den die Aussortierung alter Erythrozyten stattfindet, gibt es auch einen geschlossenen, durch den das Blut direkt dem venösen Abfluss zugeführt werden kann.

Weiße Pulpa

Die weiße Milzpulpa macht 25% des Milzparenchyms aus. Sie stellt das lymphatische Gewebe der Milz dar. Nach ihrer Reifung in den primären lymphatischen Organen wandern die Lymphozyten in die Milz (als sekundäres lymphatisches Organ) ein und warten auf ihre Aktivierung. Nach der Differenzierung zu Effektorzellen gelangen die aktivierten B- und T-Lymphozyten über die rote Pulpa zurück in die Blutbahn und können so zu entzündetem Gewebe gelangen.

Funktion

Die Milz hat im wesentlichen zwei Aufgaben, die in unterschiedlichen Kompartimenten stattfinden.

Milzruptur
Vor allem im Rahmen eines stumpfen Bauchtraumas kann es zu einer Zerreißung der Milz (Milzruptur) kommen. Da diese zu massiven intraabdominellen Blutungen führen kann, muss sie immer als Notfall behandelt werden. Neben der akuten Milzruptur, die meist mit einem hämorrhagischen Schock einhergeht, muss auch die Möglichkeit einer zweizeitigen Ruptur bedacht werden. Hierbei kann es durch eine Verletzung des Milzparenchyms bei zunächst noch intakter Milzkapsel auch Tage später nach einem symptomfreien Intervall noch zu einer Kapselruptur mit intraabdomineller Blutung kommen. Eine konservative Therapie ist nur in seltenen Fällen durchführbar. Bei einer operativen Versorgung wird versucht, die Milz – wenn möglich – ganz oder teilweise zu erhalten.

Asplenie
Als Asplenie bezeichnet man die Funktionsunfähigkeit der Milz. Diese kann durch eine Entfernung der Milz (Splenektomie) oder als funktionelle Asplenie im Rahmen von hämatologischen Erkrankungen wie der Sichelzellanämie auftreten. Lange Zeit wurden die möglichen Komplikationen bei fehlender Milzfunktion unterschätzt, da die Milz kein lebenswichtiges Organ darstellt. Ihre immunologische Funktion kann von anderen lymphatischen Organen und die Blutzellmauserung von der Leber übernommen werden. Dennoch kommt es bei ca. 1–3% der Patienten nach Entfernung der Milz zur Entwicklung einer schweren Sepsis (OPSI; Overwhelming Postsplenectomy Infection), die mit einer hohen Letalität einhergeht. Neben anderen Mechanismen ist insbesondere der Wegfall des mononukleären Phagozytensystems (MPS) immunologisch relevant, da bekapselte Bakterien wie Pneumokokken, Meningokokken oder Haemophilus Influenzae hier normalerweise phagozytiert werden. Im Rahmen einer Splenektomie ist daher die Impfung gegen diese Erreger essentiell.

Entwicklung

Die Entwicklung der Milz beginnt bereits früh; allerdings ist ihre pränatale Funktion eine andere als später im postnatalen Organismus: Pränatal ist die Milz vorwiegend an der Blutbildung beteiligt.

Pränatal ist die Milz an der Blutbildung beteiligt! Postnatal wäre eine extramedulläre Blutbildung in der Milz hingegen nicht physiologisch, sondern ein Hinweis auf ein hämatoonkologisches Krankheitsbild (z.B. Knochenmarksbefall bei Leukämien oder Lymphomen)!

Wiederholungsfragen zum Kapitel Milz

Makroskopische Anatomie

Beschreibe die Lage der Milz im Bauchraum! Durch welche Bandstrukturen wird sie fixiert?

Welche Gefäße verlaufen im Lig. splenorenale?

Welches Band des Omentum majus verbindet die Milz mit dem Magen und welche Gefäße führt es?

Mikroskopische Anatomie

Aus welchen Gefäßen entspringen die Zentralarterien der Milz und welche Struktur umgibt sie?

Alle sekundären lymphatischen Organe haben einen ähnlichen Grundaufbau. Welche Bereiche der weißen Pulpa entsprechen der T-, welche der B-Zone eines Lymphknotens? Welche Struktur gibt es nur in der Milz?

Über welchen Weg gelangen Erythrozyten, die nicht in der Milz abgebaut werden sollen, zurück in die V. splenica?

Entwicklung

Aus welcher embryonalen Struktur entwickelt sich die Milz?