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Infektiöse Konjunktivitis

Abstract

Die Konjunktivitis (Bindehautentzündung) bzw. Keratokonjunktivitis (Bindehautentzündung mit Hornhautbeteiligung) ist ein häufiges Krankheitsbild, das auf verschiedenen Wegen entstehen kann. In diesem Kapitel werden Konjunktivitiden mit einer infektiösen Genese dargestellt. Die nicht-infektiöse Konjunktivitis sowie deren wichtiger Spezialfall, die allergische Konjunktivitis, werden hingegen jeweils in einem eigenen Kapitel behandelt.

Die klassischen Symptome der Konjunktivitis sind Injektion, Fremdkörpergefühl, Photophobie, ein Jucken oder Brennen sowie eine vermehrte Sekretion. Die weitere Symptomatik variiert nach Ätiologie.

Die Therapie erfolgt entsprechend der Erkrankung. Benetzende Augentropfen wirken allgemein symptomlindernd; eine kausale Therapie ist bei der klassischen Viruskonjunktivitis nicht notwendig. Bei sonstigen infektiösen Konjunktivitiden erfolgt i.d.R. eine lokale und/oder systemische antimikrobielle Therapie. Allergische Bindehautentzündungen bedürfen häufig lokaler Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren.

Während die klassische, meist viral oder bakteriell bedingte Konjunktivitis in der Regel folgenlos abheilt, kann es bei einigen Bindehautentzündungen durch progrediente Hornhautschädigungen zu einem irreversiblen Visusverlust kommen. Deshalb ist bei unzureichender Besserung der Symptome unter Therapie oder einem fulminanten Verlauf dringend eine ophthalmologische Untersuchung und entsprechende Therapieeinleitung anzustreben.

Anatomie des Auges

Leitsymptome

Konjunktivitiden können sich je nach Ätiologie in ihrem Erscheinungsbild sehr unterscheiden, sie weisen jedoch gemeinsame Leitsymptome auf:

  • Rötung des Auges (konjunktivale, gemischte oder perikorneale Injektion)
  • Fremdkörpergefühl
  • Lichtscheu
  • Vermehrte Sekretion (serös oder putride)
  • Brennen und/oder Jucken
  • Ggf. Schmerzen

Übersicht

Formen der bakteriellen Konjunktivitis

Formen der viralen Konjunktivitis

Sonderform der Konjunktivitis

Seltene Formen der infektiösen Konjunktivitis

Diese Manifestationen sind in entwickelten Ländern selten und kommen am ehesten im Rahmen einer Immunsuppression als opportunistische Infektion vor.

Siehe auch: Therapeutisches Vorgehen bei Konjunktivitis (allgemein)

Bei schlechtem/verzögertem Abheilen der Konjunktivitis trotz eingeleiteter therapeutischer Maßnahmen sollte an eine nicht-infektiöse Ursache gedacht werden!

Eitrige Konjunktivitis

Allgemeines

  • Definition: Sammelbegriff für alle Formen der Konjunktivitiden, die mit einer Eiterbildung einhergehen
  • Epidemiologie
    • Vorkommen: Sehr häufig
    • Alter: Meist Kleinkindalter, aber in jedem Alter möglich

Ätiologie [1]

Häufig liegt primär eine konjunktivale Reizung vor (bspw. mechanisch oder allergisch), die eine virale und/oder bakterielle Superinfektion begünstigt.

Klinik und Differentialdiagnosen

Diagnostik [1]

  • Klinische Diagnose
  • Anamnese
  • (Wenn möglich) Ektropionieren (Umschlagen) des Ober- und Unterlids
  • Spaltlampenuntersuchung: Bindehautödem, Follikel
  • Bindehautabstrich zum Erregernachweis z.B. mit Calcium-Alginat-Tupfer
    • Mikroskopische Untersuchung
    • Kultur mit Resistogramm

Differentialtherapie

Bei ausbleibender Besserung trotz antibiotischer Therapie sollte eine erneute ärztliche Vorstellung nach spätestens einer Woche erfolgen!

Die Verwendung von (lokalen) Steroiden führt zwar zu einer Symptomlinderung, aber auch zu protrahierten Verläufen und kann insb. bei einer unerkannten HSV-Infektion gefährlich sein!

Hygienische Maßnahmen bei Infektion und als Prävention

  • Auf gute Händehygiene achten
  • Hand-Augen-Kontakt vermeiden
  • Eigene Handtücher und Hygieneartikel für jedes Haushalts-/Familienmitglied
  • Nosokomiale Konjunktivitis: Vermeiden einer Kontamination der Konjunktiven durch endotracheales und/oder pharyngeales Sekret, insb. beim Absaugen

Chlamydienkonjunktivitis

Allgemeines

Die Mitbehandlung der Bezugspersonen ist wichtig, um einen Ping-Pong-Effekt (wechselseitige Übertragung) zu vermeiden!

Paratrachom (Schwimmbadkonjunktivitis, Einschlusskörperchenkonjunktivitis)

Ätiologie

  • Erreger: Chlamydia trachomatis Serotyp D–K
  • Übertragung
    • Okulogenitale Schmierinfektion
      • Horizontal bei Erwachsenen: Übertragung beim Geschlechtsverkehr
      • Vertikal bei Neugeborenen unter Geburt
    • Infektion durch Schwimmbadbenutzung in der westlichen Welt mit entsprechenden Hygienemaßnahmen nicht wahrscheinlich

Bei Infektion von Kindern jenseits des Neugeborenenalters muss an sexuellen Missbrauch gedacht werden!

Klinik

Diagnostik

  • Anamnese und Klinik
  • Ektropionieren
  • Bindehautabstrich z.B. mit Calcium-Alginat-Tupfer
    • Mikroskopische Untersuchung: Nachweis intrazellulärer Einschlusskörperchen in Bindehautzellen
    • Kultur zur Resistenzbestimmung
    • PCR

Therapie

Die Mitbehandlung des Sexualpartners ist wichtig, um einen Ping-Pong-Effekt (wechselseitige Übertragung) zu vermeiden!

Komplikationen

  • I.d.R. keine

Hygienische Maßnahmen bei Infektion und als Prävention

  • Safer Sex, insb. Verwendung von Kondomen Dies gilt vor allem bei häufig wechselnden Sexualpartnern
  • Auf gute Händehygiene achten
  • Hand-Augen-Kontakt vermeiden
  • Eigene Handtücher und Hygieneartikel für jedes Familienmitglied

Prognose

  • Gut, i.d.R. folgenloses Abheilen

Trachom (Konjunktivitis granulosa trachomatosa, „ägyptische Körnerkrankheit“)

Epidemiologie

  • Prävalenz
    • In Deutschland sehr selten (keine Zahlen bekannt)
    • Weltweit häufigste Ursache für erworbene Blindheit, insb. in den Tropen und Subtropen
      • Etwa 84.000.000 Erkrankungen
      • Etwa 8.000.000 Menschen mit irreversibler Visusminderung, davon mind. 6.000.000 mit Erblindung[2]
  • Verteilung: Insbesondere Frauen und Kinder

Ätiologie

  • Erreger: Chlamydia trachomatis Serotyp A–C
  • Übertragungsweg: Schmierinfektion
    • Direkt von Mensch zu Mensch
    • Indirekt über
      • Kontaminierte Gegenstände
      • Fliegen

Klinik

  • Inkubationszeit: 5–14 Tage
  • 4 Stadien nach McCallan
    1. Beidseitige unspezifische Konjunktivitis mit serösem Sekret und Epiphora
    2. Konjunktivale Follikel an der tarsalen Konjunktiva des Oberlids , Ptosis trachomatosa, Pannus trachomatosus mit kornealer Neovaskularisation
    3. Einschmelzen und Platzen der Follikel → Subkonjunktivale Narbenbildung
    4. Bei chronischem oder rezidivierendem Verlauf: Schrumpfen der Narben → Entropium , Lagophthalmus und Trichiasis mit Hornhautverletzungen → Hornhautulzera bis Erblindung

Diagnostik

  • Anamnese und Klinik
  • Ektropionieren
  • Bindehautabstrich z.B. mit Calcium-Alginat-Tupfer
    • Mikroskopische Untersuchung: Nachweis intrazellulärer Einschlusskörperchen in Bindehautzellen
    • Kultur zur Resistenzbestimmung
    • PCR

Therapie

Die Mitbehandlung der Bezugspersonen ist wichtig, um einen Ping-Pong-Effekt (wechselseitige Übertragung) zu vermeiden!

Komplikationen

  • Irreversible Visusminderung bis Erblindung (siehe Klinik)

Prävention

  • SAFE-Programm der WHO zur Elimination des Trachoms bis 2020
    • Surgery (chirurgische Maßnahmen, um im fortgeschrittenen Stadium eine Erblindung zu vermeiden)
    • Antibiotics (Antibiotikatherapie der akuten Infektion)
    • Facial Cleanliness (und Aufklärung, insb. über regelmäßiges Waschen des Gesichts)
    • Environmental Improvement (Verbesserung der hygienischen Verhältnisse: Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen, um eine Verbreitung zu vermeiden)

Prognose

  • Bei Therapiebeginn in frühen Stadien: Gute Prognose
  • Ohne Therapie: Persistenz über Jahre bis zur Erblindung (15% aller Trachompatienten)

Gonokokkenkonjunktivitis (Gonoblennorrhö)

Ätiologie

Bei Infektion von Kindern jenseits des Neugeborenenalters muss an sexuellen Missbrauch gedacht werden!

Klinik

  • Inkubationszeit: Wenige Stunden bis Tage
  • Einseitiger Beginn, im Verlauf häufig beidseitig
  • Starke eitrige Sekretion
  • Starke Rötung
  • Prallharte Lidschwellung (Chemosis)

Diagnostik

Therapie

Die Mitbehandlung des Partners ist wichtig, um einen Ping-Pong-Effekt (wechselseitige Übertragung) zu vermeiden!

Komplikationen

  • Hornhautulkus bis hin zur Perforation
  • Erblindung

Hygienische Maßnahmen bei Infektion und Prävention

  • Safer Sex, insb. Verwendung von Kondomen
  • Auf gute Händehygiene achten
  • Hand-Augen-Kontakt vermeiden
  • Eigene Handtücher und Hygieneartikel für jedes Familienmitglied

Prognose

  • Bei frühzeitiger Therapie gut, folgenloses Abheilen

Der rechtzeitige Therapiebeginn ist essentiell, weil es bei Hornhautbeteiligung schnell zur irreversiblen Visusminderung bis zur Erblindung kommt!

Keratokonjunktivitis epidemica

Allgemeines

Ätiologie

  • Erreger: Adenoviren Typ 8, 19, 37 und andere
  • Infektiosität: Hochkontagiös solange Sekretfluss vorliegt (bis ca. 14 Tage nach Symptombeginn)
  • Übertragungsweg: Schmierinfektion
    • Von Mensch zu Mensch
    • Über Gegenstände, insb. in Arztpraxen

Klinik

  • Inkubationszeit: 2–14 Tage
  • Einseitiger Beginn, im Verlauf häufig beidseitig, Dauer 7–21 Tage
  • Seröse Sekretion
  • Juckreiz
  • Starkes Fremdkörpergefühl, ggf. Photophobie
  • Konjunktivale Follikel
  • Chemosis (Bindehautödem)
  • Massive konjunktivale Hyperämie, insb. im medialen Lidwinkel (Karunkel), ggf. petechiale Bindehautblutungen
  • Lidödem
  • Schwellung der präaurikulären Lymphknoten
  • Ggf. Pseudomembranen
  • Hornhautbeteiligung (in ca. 25% der Fälle)
    • In der Akutphase punktförmige oberflächliche Hornhautdefekte
    • In der Phase des Abheilens (nach ca. 14 Tagen) multiple subepitheliale fokale Trübungen (Nummuli): Keratitis nummularis
      • Reduzierte Sehschärfe und Blendung über Monate (bis Jahre) durch persistierende Infiltrate des vorderen Hornhautstromas

Diagnostik

Therapie

Die Verwendung von (lokalen) Steroiden führt zwar zu einer Symptomlinderung, aber auch zu protrahierten Verläufen und kann insb. bei einer unerkannten HSV-Infektion gefährlich sein!

Hygienische Maßnahmen bei Infektion und als Prävention

  • Auf gute Händehygiene achten
  • Hand-Augen-Kontakt vermeiden
  • Eigene Handtücher und Hygieneartikel für jedes Familienmitglied

Eine Aufklärung über die hohe Ansteckungsgefahr und die Einhaltung strikter hygienischer Maßnahmen ist essentiell!

Prognose

  • I.d.R. folgenlose Abheilung

Blepharitis und/oder Keratokonjunktivitis durch HSV

Epidemiologie[4]

Ätiologie

  • Erreger
  • Infektiosität: Hochkontagiös
  • Übertragungsweg: Schmierinfektion
    • Von Mensch zu Mensch
    • Über Gegenstände

Klinik

  • Bei Erstinfektion: Rötung der Konjunktiven, seröse Sekretion und ggf. vesikuläre Effloreszenzen im Bereich der Lider
  • Bei Sekundärinfektion: Dendritische, disziforme oder interstitielle Keratitis möglich

Eine neonatale HSV-Keratokonjunktivitis kann das einzige Frühzeichen einer systemischen HSV-Infektion sein!

Diagnostik

  • Anamnese und Klinik
  • Ektropionieren
  • Immer Bindehautabstrich z.B. mit Calcium-Alginat-Tupfer
    • Mikroskopische Untersuchung: Nachweis vielkerniger Riesenzellen und intranukleärer Einschlusskörperchen
    • Kultur zur Resistenzbestimmung
    • PCR

Therapie[4]

Prognose

  • Bei frühzeitiger Therapie mehr als 90% folgenlose Abheilung
  • Bei verzögerter Therapie: Rezidivneigung, dauerhafte Infektion, irreversible Visusminderung möglich

Keratokonjunktivitis durch VZV

Ätiologie[4]

  • Erreger: Varizella-zoster-Virus (VZV)
  • Infektiosität: Hochkontagiös
  • Übertragungsweg
    • Primärinfektion (Windpocken): Tröpfchen- und Schmierinfektion
    • Zostereffloreszenzen: Schmierinfektion
  • Pathogenese: Varizella-zoster-Virus persistiert nach der Primärinfektion lebenslang in den Spinalganglien und wird bei Immunschwäche reaktiviert

Klinik

  • Inkubationszeit: 7–18 Tage
  • Vesikuläre Effloreszenzen im Bereich der Lider
  • Lidschwellung
  • Rötung der Konjunktiven
  • Übergang in Zoster ophthalmicus möglich

Diagnostik

  • Anamnese und Klinik
  • Ektropionieren
  • Immer Bindehautabstrich z.B. mit Calcium-Alginat-Tupfer
    • Mikroskopische Untersuchung: Nachweis vielkerniger Riesenzellen und intranukleärer Einschlusskörperchen
    • Kultur zur Resistenzbestimmung
    • PCR

Therapie [4][5]

  • Aciclovir systemisch
    • Kinder Geburt–12 Mon.
    • Kinder >1–12 J.
    • Kinder >12 J. und Jugendliche

Prognose

  • Bei frühzeitiger Therapie: gut
  • Bei verzögertem Therapiebeginn: Übergang in Zoster ophthalmicus mit Befall des 1. Trigeminusastes, irreversible Visusminderung möglich

Neugeborenenkonjunktivitis (Ophthalmia neonatorum)

Definition

Epidemiologie

  • Häufigkeit
    • Insgesamt: 0,5–1% der Lebendgeburten [1]
    • Chlamydien: 0,4% der Lebendgeburten [6]
    • Gonokokken: 0,004% der Lebendgeburten [6]

Ätiologie [6][1]

Klinik [1]

  • Beginn
  • Meist doppelseitige Symptomatik
  • Starke eitrige Sekretion, bei HSV-Infektion eher seröses Sekret
  • Sehr starke Schwellung der Augenlider
  • Klinisch keine Erregerdifferenzierung möglich!

Eine neonatale HSV-Keratokonjunktivitis kann das einzige Frühzeichen einer systemischen HSV-Infektion sein!

Diagnostik [7][8][1]

  • Anamnese und Klinik
  • Immer Bindehautabstrich z.B. mit Calcium-Alginat-Tupfer
    • Mit mikroskopischer Untersuchung
      • Nachweis intrazellulärer Einschlusskörperchen in Bindehautzellen (Chlamydien)
      • Nachweis intrazellulärer gramnegativer Diplokokken (Gonokokken)
      • Nachweis vielkerniger Riesenzellen und intranukleärer Einschlusskörperchen (HSV)
    • Mit Kultur zur Resistenzbestimmung
    • Mit PCR auf Erreger, insb. Gonokokken, Chlamydien und HSV
  • Rachenabstrich (zum Ausschluss Mitbeteiligung der Atemwege)
  • Bei Nachweis einer HSV-, Chlamydien- oder Gonokokken-Infektion: Diagnostik und Therapie der Mutter und ihres Sexualpartners

Eine Konjunktivitis bei Neugeborenen durch Chlamydia trachomatis oder Neisseria gonorrhoeae erfordert immer einen Abstrich zum Erregernachweis und eine entsprechende systemische Behandlung!

Differentialdiagnosen

Therapie

  • Erregergerechte Therapie
  • Hygienische Maßnahmen
    • Auf gute Händehygiene achten
    • Hand-Augen-Kontakt vermeiden
    • Separate Hygieneartikel und Handtücher verwenden
  • Im stationären Bereich zusätzlich
    • Strenge Isolation
    • Handschuh-Kittel-Pflege

Therapie der Neugeborenenkonjunktivitis durch unbekannte Bakterien

Therapie der Neugeborenenkonjunktivitis durch Chlamydien [1]

Eine Konjunktivitis bei Neugeborenen durch Chlamydia trachomatis erfordert immer auch eine systemische Behandlung!

Therapie der Neugeborenenkonjunktivitis durch Gonokokken [1]

  • Stündliches Spülen mit isotoner Kochsalzlösung (NaCl 0,9%) bis kein Sekret mehr vorhanden ist
  • Systemische Antibiotikatherapie (obligat)
  • Bei Persistenz bzw. unzureichender Besserung: Therapie einer potentiellen Koinfektion mit Chlamydien
  • Nicht empfohlen: Zusätzliche topische Antibiotikatherapie

Eine Konjunktivitis bei Neugeborenen durch Gonokokken erfordert immer eine systemische Behandlung!

Therapie der Neugeborenenkonjunktivitis durch Herpes-simplex-Virus[4]

  • Kombinationstherapie (obligat)
    • Systemische Therapie mit Aciclovir
    • plus Vidarabin-Augensalbe

Eine Konjunktivitis bei Neugeborenen durch HSV erfordert immer auch eine systemische Behandlung, da sich rasch eine Streuung in das ZNS und andere Organe entwickeln kann!

Komplikationen [1]

Prävention

  • Regelrechte Schwangerenvorsorge
  • Bei vorliegender Infektion: Rechtzeitige Diagnostik am Auge

Prävention von Chlamydieninfektionen [7]

Jeder Schwangeren ab der 32. SSW sollte ein (erneutes) Chlamydien-Screening angeboten werden!

Prävention von Gonokokkeninfektionen [8]

Jeder Schwangeren sollte ein Gonokokken-Screening angeboten werden!

Prävention von HSV-Infektionen [4]

Prognose

  • Chlamydien: I.d.R. keine Narbenbildung oder andere Folgeschäden
  • Gonokokken: Bei frühzeitiger Therapie keine Folgeschäden; bei Hornhautbeteiligung irreversible Visusminderung bis Erblindung
  • Herpes-simplex-Virus: Bei frühzeitiger Therapie und ausschließlich lokaler Infektion mehr als 90% folgenlose Abheilung; bei verzögerter Therapieeinleitung oft disseminierte Infektion mit bis zu 50% Mortalität und Residualschäden bei etwa 50% der überlebenden Kinder

Therapeutisches Vorgehen bei Konjunktivitis (allgemein)

Grundsätze

  • Infektiöse Konjunktivitiden: Insb. im Kleinkindalter häufig und oft hochansteckend
  • Nicht immer antibiotisch behandeln
    • Konjunktivale Reizungen können zunächst rein symptomatisch behandelt werden
    • Auch eine bakterielle Konjunktivitis ist selbstlimitierend, weshalb antibiotische Augentropfen nicht zwingend notwendig sind; sie verkürzen allerdings die Symptomatik und damit die Beeinträchtigung der Patienten deutlich
  • Wiedervorstellung bei ausbleibender Besserung: Sollte trotzdem keine Besserung eintreten, ist spätestens nach einer Woche eine erneute ärztliche Vorstellung erforderlich

Bei Patienten mit allergischer Disposition bieten sich konservierungsmittelfreie Augentropfen in einzelnen Phiolen an, die über 24 h aufgebraucht werden können!

Beruhigende Augentropfen

Bei leicht geröteten, brennenden oder juckenden Konjunktiven mit oder ohne Augentränen, ohne Eiter und ohne Anhalt für eine allergische Genese kann zunächst ein Therapieversuch mit NaCl 0,9% oder beruhigenden Augentropfen unternommen werden.

  • Isotonische Kochsalzlösung (NaCl 0,9%)
  • Euphrasia (z.B. Wala®----- Euphrasia Augentropfen)
  • Für weitere Informationen siehe: Augentropfen

Antibiotische Augentropfen oder Augensalbe

Bei massiv geröteten, gefäßinjizierten Konjunktiven und/oder Eitersekretion oder verklebten Wimpern kann eine topische antibiotische Therapie erfolgen.

Vorgehen in Gemeinschaftseinrichtungen

Im Kindergartenalter kommt es aufgrund der hohen Kontagiosität und der altersbedingten mangelnden Händehygiene häufig zu Epidemien.

  • Bei Diagnose einer Konjunktivitis in Gemeinschaftseinrichtungen
    • Ist das Kind (wenn möglich) sofort freizustellen
    • Ist eine Wiederzulassung nach Vorlegen eines ärztlichen Attests (mit oder ohne Therapie) erst nach Abklingen der Symptome möglich (i.d.R. nach 5–7 Tagen)
  • Ausbrüche sind dem Gesundheitsamt vom Leiter der Einrichtung umgehend zu melden (gemäß § 34 Abs. 6 IfSG)

Differentialdiagnosen

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Meldepflicht

Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht keine bundesweite Meldepflicht für die Konjunktivitis im Allgemeinen. Es gibt jedoch eine amtliche Meldepflicht für einige Situationen und Erreger.

Meditricks

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir Videos zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

Trachom

Paratrachom

Patienteninformationen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.