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Infektionsschutzgesetz

Abstract

Die Meldepflicht dient nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) dem Zweck, übertragbare Krankheiten frühzeitig zu erkennen und ihre Weiterverbreitung zu verhindern. Meldepflichtige Erkrankungen, die bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod seitens des feststellenden Arztes anzuzeigen sind, werden im §6 des Infektionsschutzgesetzes abgehandelt. In §7 wird die Meldepflicht bei Erregernachweis (meist durch medizinische Labore) thematisiert. Welche Person/Institution die Meldung auszuführen hat, ist in §8 IfSG geregelt. In der Regel muss eine Meldung namentlich innerhalb von 24 Stunden und nicht-namentlich innerhalb von 14 Tagen an das zuständige Gesundheitsamt erfolgen. Dieses übermittelt die gesammelte Information an das RKI.

Grundbegriffe

Das Infektionsschutzgesetz dient der Prävention von Erkrankungen, die sich aufgrund ihrer Infektiosität rasch auf große Bevölkerungsgruppen ausbreiten können und in Kombination mit ihrer Schwere somit ein großes Risiko für viele Menschen darstellen. Gemäß des zeitlichen und örtlichen Auftretens der Erkrankung werden unterschieden:

  • Epidemie : Stark gehäuftes, zeitlich und örtlich begrenztes Auftreten einer Erkrankung
  • Endemie : Stark gehäuftes und zeitlich unbegrenztes Auftreten einer Erkrankung in einer umschriebenen Region
  • Pandemie : Stark gehäuft, zeitlich begrenzt und örtlich unbegrenzt auftretende Erkrankung. Eine Pandemie ist sozusagen eine weltweit auftretende Epidemie
Zeitlich Örtlich Beispiel
Epidemie begrenzt begrenzt EHEC-Ausbruch im Jahre 2011
Endemie unbegrenzt begrenzt Malaria in Großteilen von Afrika
Pandemie begrenzt unbegrenzt Spanische Grippe 1918/19

Meldepflichtige Krankheiten (§6 IfSG)

Nach §8 IfSG sind der feststellende und in der Regel auch leitende Arzt der Abteilung zur Meldung folgender Krankheiten (aufgeführt in §6 IfSG) verpflichtet:

Für das namentliche oder nicht-namentliche Melden von Krankheitsdiagnosen (§6) sind Ärzte zuständig. Für das namentliche oder nicht-namentliche Melden von Erregernachweisen (§7) sind Labore zuständig!

Meldepflicht bei Erregernachweis (§7 IfSG)

Nach §8 IfSG sind die Leiter von Medizinaluntersuchungsämtern und sonstigen privaten oder öffentlichen Untersuchungsstellen einschließlich der Krankenhauslaboratorien zur Meldung folgender Erreger (aufgeführt in §7 IfSG) verpflichtet:

  • Namentliche Meldung bei Erregernachweis: Im Prinzip sind alle Infektionskrankheiten, von denen die Gefahr einer Epidemie ausgeht und die nicht schon bei Verdacht gemeldet wurden, spätestens beim Nachweis des Erregers durch das Labor namentlich zu melden. Die Liste der Erreger (>50 Erreger) ist dem §7 des Infektionsschutzgesetzes zu entnehmen (→ siehe Links & Tipps)
  • Folgende Erreger werden nicht-namentlich gemeldet:

Meldeweg und Fristen

  • Meldeweg
    • Die Meldung erfolgt an das Gesundheitsamt, das alle gemeldeten Fälle aggregiert und 1x/Woche an die zuständige Landesbehörde weitergibt
    • → Übermittlung an das Robert Koch-Institut
  • Meldefrist
    • Namentliche Meldung: Innerhalb von 24h
    • Nicht-namentliche Meldung: Innerhalb von 14 Tagen

Sentinel-Erhebungen (§13 IfSG)

  • Sentinel-Erhebungen dienen der Erfassung anonymer, stichprobenartiger Daten, durch die auf die Verbreitung einer (meistens) infektiologischen Krankheit geschlossen werden soll.
  • §13 IfSG (1): "Das Robert Koch-Institut kann in Zusammenarbeit mit ausgewählten Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge oder -versorgung Erhebungen zu Personen, die diese Einrichtungen unabhängig von der Erhebung in Anspruch nehmen, koordinieren und durchführen zur Ermittlung:
    1. der Verbreitung übertragbarer Krankheiten, wenn diese Krankheiten von großer gesundheitlicher Bedeutung für das Gemeinwohl sind und die Krankheiten wegen ihrer Häufigkeit oder aus anderen Gründen über Einzelfallmeldungen nicht erfasst werden können,
    2. des Anteils der Personen, der gegen bestimmte Erreger nicht immun ist, sofern dies notwendig ist, um die Gefährdung der Bevölkerung durch diese Krankheitserreger zu bestimmen."