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Allgemeine Infektiologie

Letzte Aktualisierung: 28.4.2021

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Die Infektiologie ist eine fächerübergreifende Disziplin, die sich mit dem Verlauf und den Auswirkungen von Erkrankungen durch Mikroorganismen (Bakterien, Pilzen, Parasiten, Viren und Prionen) beschäftigt. Neben der Erforschung bekannter und neuer Erkrankungen besteht ihre Aufgabe in der Entwicklung und Anwendung von Maßnahmen zur Verhütung, Therapie und Eindämmung von Infektionen.

Als Erreger von Infektionskrankheiten kommen fünf Gruppen von Mikroorganismen in Frage:

Das Aufeinandertreffen von Mikroorganismus und Mensch kann unterschiedlich verlaufen:

  • Kolonisation: Besiedelung von Haut und Schleimhäuten mit Mikroorganismen ohne klinische Symptome oder Invasion des Körpers → Diese "natürliche Flora" kommt bei jedem Menschen vor, ist in ihrer Zusammensetzung aber individuell
    • Zwar lassen sich hier z.T. auch pathogene Erreger finden, die Mikroorganismen der "natürlichen Flora" hindern diese jedoch am Wachstum und damit an der Infektion des Organismus.
  • Infektion: Eindringen und Vermehrung von pathogenen Erregern in einem Wirtsorganismus, was typischerweise eine Abwehrreaktion und/oder Schädigung mit Zeichen der Entzündung hervorruft
    • Fakultativ pathogene Mikroorganismen → Führen nur unter bestimmten Bedingungen (wie z.B. einer Immunschwäche oder in bestimmten Organen ) zu einer Infektion
    • Obligat pathogene Keime → Können auch einen immunkompetenten Wirt befallen und führen regelhaft zu einer Infektion

Ablauf von Infektionen

Je nachdem, wie weit eine Infektion in der Bevölkerung verbreitet ist, spricht man von einer Endemie, Epidemie und/oder einer Pandemie. Infektionserkrankungen zeigen dabei einen heterogenen, jedoch typischen Verlauf.

  1. Kontakt mit einem Erreger in ausreichender Menge (sogenannte Infektionsdosis )
    • Die Aufnahme erfolgt meistens über natürliche Körperöffnungen (z.B. über Atemwege oder fäkal-oral)
  2. Nach Ablauf der Inkubationszeit kommt es zur Erkrankung
  3. Die Erkrankung kann ausheilen, persistieren oder zum Tod führen
  4. Heilt die Erkrankung aus, ist bei manchen Erregern eine lebenslange Immunität möglich (z.B. Mumps oder Röteln)

Zum Schutz von Individuum und Gesellschaft kommen unterschiedliche Maßnahmen zum Einsatz.

Daneben wird zum Schutz vor der Verbreitung von Krankheiten in Deutschland das Infektionsschutzgesetz angewendet, in dem unter anderem die Meldepflicht geregelt ist. Zur Krankheitserfassung kommen statistische Maße (siehe: Allgemeine Epidemiologie) zum Einsatz.

Veränderungen in der Umwelt aber auch menschliches Verhalten führen dazu, dass sich neue Erkrankungen entwickeln bzw. bereits bekannte Erkrankungen in neuen Gebieten auftreten. Wichtige Beispiele sind:

  • Klimawandel: Zunehmende Verbreitung von Vektoren
  • Größere Mobilität von Menschen: Schnellere Verbreitung von Erregern z.B. durch Flugverkehr (Siehe: bspw. SARS)
  • Zunehmend undifferenzierter Einsatz von Antibiotika : Entwicklung multiresistenter Keime (z.B. MRSA)
  • Kriege und Katastrophen: Schlechtere hygienische Bedingungen
  1. Longmore et al.: Oxford Handbook of Clinical Medicine. 8. Auflage Oxford University Press 2010, ISBN: 978-0-199-23217-8 .
  2. Hof, Dörries: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. 3. Auflage Thieme 2004, ISBN: 3-131-25313-4 .
  3. Groß: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 3. Auflage Thieme 2013, ISBN: 978-3-131-41653-7 .