• Klinik

Aspergillose

Abstract

Aspergillose ist eine Sammelbezeichnung für Erkrankungen, die von der Gruppe der Aspergillen-Schimmelpilze ausgehen. Die für den Menschen bedeutsamsten Vertreter sind Aspergillus flavus und fumigatus. Die Pilze verfügen über ein hohes allergenes Potenzial und können eine allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA) mit asthmatischen Beschwerden auslösen. Eine weitere Pathologie in der Lunge stellt das Aspergillom dar, bei dem sich der Pilz in bereits bestehenden Höhlen – meistens Emphyseme oder Kavernen (Tuberkulose!) – ausbreitet. Bei Immunsuppression kann es zur Aspergilluspneumonie und septischer Streuung mit einem disseminierten Organbefall kommen. Medikamentös wird meist mit Voriconazol oder Amphotericin B therapiert, ein Aspergillom ist in der Regel operativ zu entfernen.

Ätiologie

Erreger

Schimmelpilzbelastung in Innenräumen

  • Aspergillussporen (Konidien) sind in der Raumluft ubiquitär vorhanden, da sie bei jedem Lüftungsvorgang von außen nach innen gelangen
  • Die Sporen lagern sich anschließend auf günstigen Nährmedien wie Hausstaub, Zellulose (z.B. in Tapeten) oder Zimmerpflanzen ab und können bei optimalen Bedingungen – wie z.B. Temperaturen zwischen 20–25°C, Luftfeuchtigkeit bei ca. 80% – auskeimen

Symptome/Klinik

Mögliche Symptome bei chronischer Schimmelpilzbelastung

Der chronische Kontakt zu Schimmelpilzen kann zu einer manifesten Aspergillose meist in Form einer allergischen bronchopulmonalen Aspergillose (ABPA) führen.

Mögliche Symptome bei manifester Aspergillose

Die Aspergillose manifestiert sich hauptsächlich in Bronchien und Lunge und kann verschiedene Krankheitsbilder auslösen

Immunkompetente und immunsupprimierte Patienten

Immunsupprimierte Patienten

Diagnostik

Allergische bronchopulmonale Aspergillose

  • Diagnostische Kriterien (nach Greenberger und Patterson): Sind alle der folgenden 4 Kriterien erfüllt, ist eine ABPA sehr wahrscheinlich
    1. Serum IgE von > 417 IU/mL (bzw. > 1000 ng/mL)
    2. Serum Antikörper gegen Aspergillus
    3. Positiver Aspergillus-Antigen-Hauttest
    4. Positive Asthma-Anamnese
  • Weitere typische Befunde: BSG-Erhöhung, Eosinophilie

Aspergillom

  • Diagnosestellung: Folgende 2 Kriterien müssen vorliegen
    1. Bildgebung: Radiologischer Nachweis einer Raumforderung in einer pulmonalen Kavität
      • Befindet sich meist im Oberlappen
      • Periphere Luftsichel
    2. Labor: Positive Sputumkultur oder Aspergillus-IgG-Nachweis im Serum

Invasive pulmonale Aspergillose

  • Diagnosestellung: Immer Kombination aus Erregernachweis und Risikofaktoren
  • Erster Schritt meist nicht invasive Methoden: Serummarker (z.B. Galactomannan-Antigen), Sputum und/oder bronchoalveoläre Lavage (BAL) für nachfolgende Kultur und Anfärbung sowie Thorax-CT
    • Antikörper-Nachweis hat bei IPA keinen Stellenwert!
    • Darstellung im Thorax-CT: Multiple Noduli, Halo-Zeichen , sichelförmige Lufteinschlüsse um Aspergillenherd
  • Goldstandard: Positive Kultur und histopathologischer Nachweis im Biopsat sind die verlässlichsten Mittel
    • PAS-Färbung (Perjod-Säure-Schiff) oder Gömöri-Methenamin-Silber: Septierte Myzelen mit dichotom verzweigten Hyphen im 45°-Winkel
    • Nachweis von Koagulationsnekrosen
  • Bei Verdacht auf ZNS-Befall: MRT
    • Manifestationen einer zerebralen Aspergillose: Abszess-Bildung
    • T1 mit Kontrastmittel: Einzelne oder multiple, zentral hypointense, peripher ringförmig Kontrastmittel aufnehmende Läsionen mit perifokalem, hypointensem Ödem
    • T2: Häufig hypointens mit perifokalem hyperintensen Ödem

Therapie

Allergische bronchopulmonale Aspergillose

Aspergillom

  • Methode der Wahl
    • Chirurgische Entfernung des Aspergilloms
    • + Prophylaxe: Prä- und postoperativ (4–12 Wochen) sollte eine antimykotische Therapie erfolgen
  • Alternativ: Beobachtendes Abwarten → Bei asymptomatischen Patienten ohne radiologische Befundprogression möglich, regelmäßige Kontrollen jedoch unbedingt notwendig

Invasive Aspergillose

Fluconazol wirkt nicht ausreichend gegen Aspergillen!

Prävention

Reduktion der Schimmelpilzbelastung

Folgende Maßnahmen tragen dazu bei, die Schimmelpilzbelastung in Innenräumen möglichst gering zu halten:

  • Bauseitige Maßnahmen im Innen- und Außenbereich bei der Errichtung eines Gebäudes (nach dem Leitfaden des Umweltbundesamtes): Ausreichende Wärmedämmung, Abdichtung gegenüber aufsteigender Bodenfeuchte, Schutz vor Schlagregen, regelrechte Dachkonstruktionen, wasserdichte Installationen
  • Richtiges Lüftungs- und Heizverhalten: Regelmäßiges Stoßlüften (5–10 Minuten bei weit offenem Fenster) und ausreichendes Heizen (vor allem im Winter), um die Luftfeuchtigkeit möglichst gering zu halten
  • Bei baulichen Maßnahmen (wie z.B. Sanierungsarbeiten) sollte auf ausreichende Staubschutzvorrichtungen geachtet werden, damit es nicht zu einer Belastung mit Pilzsporen in aufgewirbeltem Feinstaub kommt

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Aspergillose

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.