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Bradykarde Herzrhythmusstörungen - AMBOSS-SOP

Grundlagen

Definition

Therapieprinzipien

Akutmanagement

Eine Hypoxämie kann eine Bradykardie auslösen und muss schnellstmöglich erkannt und behandelt werden!

Sofortmaßnahmen

Medikamentöse Akuttherapie bei Bradykardie

Atropin

  • Indikation: Instabile Bradykardie oder ausgeprägte Symptomatik
  • Ausnahmen
    • Myokardiale Ischämie
    • Infrahisärer höhergradiger AV-Block
    • Betroffene mit Herztransplantat
  • Bolus: 0,5–1 mg i.v., nach Bedarf wiederholen, max. 3 mg kumulativ

Katecholamintherapie

  • Indikationen
    • Bei fehlender Wirkung von Atropin
    • Ggf. zur Überbrückung bei infrahisären höhergradigen AV-Blöcken
  • Medikamente
    • Adrenalin (stark blutdrucksteigernd! )
      • Dauerinfusion: 2–10 μg/min i.v., nach Wirkung titrieren
    • OrciprenalinOrciprenalin (blutdruckneutral bis leicht senkend , off-label! )
      • Bolus: 0,125–0,5 mg als Bolus i.v., nach Bedarf wiederholen
      • Dauerinfusion (bevorzugt ): 10–30 μg/min

Temporäre Schrittmachertherapie

Transkutane Schrittmachertherapie

  • Indikation
    • Eskalation nach frustraner medikamentöser Therapie
    • Ischämiebedingte Bradykardie
    • Initialtherapie bei infrahisärem höhergradigen AV-Block
  • Prinzip: Stimulation über aufgeklebte Elektroden durch einen Defibrillator
  • Vorteile
    • Schnell anwendbar
    • Nichtinvasiv, kein Blutungsrisiko
  • Nachteile
    • Schmerzhaft, bei wachen Patienten Analgosedierung erforderlich
    • Bei Adipositas mitunter schlecht durchführbar

Transvenöse Schrittmachertherapie

  • Indikationen
  • Prinzip: Stimulation durch Elektrode im rechten Vorhof, die durch große Vene eingeführt wird
  • Vorteile
    • Nicht schmerzhaft
    • Längere Anwendung möglich (einige Tage)
  • Nachteile
    • Invasiv , Blutungsrisiko
    • Aufwendig, mehr Expertise erforderlich

Gezielte Rhythmusanalyse zur Differenzierung der Bradykardie

  1. Vorhofrhythmus
    • Morphologisch unauffällige, regelmäßige p-Wellen → Normaler Vorhofrhythmus
    • Keine Vorhofaktivität abgrenzbar → Sinusarrest
    • Keine P-Wellen, regelmäßiges „Sägezahnmuster“ in II, III , avF, Vorhoffrequenz typischerweise ca. 280/min (250–450/min) → Vorhofflattern
    • Komplett unregelmäßige Flimmerwellen → Vorhofflimmern
  2. Zusammenhang zwischen Vorhof- und Kammeraktionen

Weiteres Prozedere nach Stabilisierung

  • Monitoring und Ursachenabklärung (siehe auch: Bradykardie - Ätiologie)
  • Ggf. intensivmedizinische Weiterbehandlung im Falle anhaltender Katecholamin- oder Schrittmacherabhängigkeit
  • Ggf. definitive Schrittmacherversorgung

Ätiologie

Bradykardie - Ätiologie
Kategorie Mögliche Ursachen

Vagotonie

Kardiale Ischämie
Inflammatorische oder infiltrative Erkrankungen
Infektionskrankheiten
  • Bei vielen Infektionskrankheiten ist eine Herzbeteiligung mit Beeinträchtigung der kardialen Erregung möglich
Metabolische und endokrine Störungen
Kongenitale Erkrankungen
Medikamente/Intoxikationen
Weitere