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Intoxikation mit Kohlenstoffmonoxid oder -dioxid

Abstract

Kohlenmonoxid (CO) und Kohlendioxid (CO2) sind aufgrund ihrer Eigenschaften als farb-, geruch- und geschmacklose Gase schwer zu detektieren. CO führt schon in geringer Konzentration bei Inhalation zur Bildung von Carboxyhämoglobin, das dadurch nicht mehr zum Sauerstofftransport bereitsteht. Klinisch führt dies zu den klassischen Folgen einer Hypoxie mit kardialen Beschwerden, ZNS-Störungen und schließlich zu Bewusstlosigkeit und Tod. Typischerweise fällt bei der körperlichen Untersuchung eine kirschrote Hautfarbe auf - diagnostisch sollte die CO-Hb-Konzentration bestimmt werden.

Die Therapie besteht in einer Gabe von 100%igem Sauerstoff, idealerweise unter hyperbaren Bedingungen. Bei der Notfall-Rettung von Patienten, bei denen eine CO-Vergiftung zu vermuten ist, sollte immer zuerst auf Eigenschutz geachtet werden (Fenster öffnen!).

Kohlenstoffmonoxid (CO)

Eigenschaften von Kohlenstoffmonoxid

  • Farb-, geruch- und geschmackloses, giftiges Gas
  • Vorkommen: Entstehung bei unvollständiger Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Stoffen (z.B. Kohle, Methangas)
    • Intoxikationen, v.a. in unzureichend belüfteten Räumen
      • Holzkohlegrill im Innenraum!
      • (Wohnungs‑)Brände
      • Autoabgase
      • Defekte Heizanlagen
      • Wasserpfeifen („Shishabar“)
      • Hochöfen
      • Ausgasung von Kohlenmonoxid aus Lagerräumen mit Holzpellets
      • Als Suizidmethode
  • Pathophysiologie

Kohlenmonoxid-Intoxikation - Notfallmanagement[1]

  • Symptome: Allgemeine Symptome der verminderten Sauerstoffversorgung bzw. der blockierten Sauerstoffutilisation
  • Diagnostik
    • Notärztlich: Bei jeder Bewusstlosigkeit ohne erkennbare Ursache bedenken!
      • Bei tot aufgefundenen Personen: Hellrote Leichenflecken (siehe unten)
    • Bestimmung von CO-Hb und O2-Partialdruck in der BGA
      • Physiologische Werte für CO-Hb
        • Nichtraucher: ≤1,2%
        • Raucher: ≤8,2%
      • Pathologische Werte für CO-Hb: ≥5% bei Nichtrauchern bzw. ≥10% bei Rauchern
    • Anzeichen der Hypoxie und ggf. Organschädigung
  • Differentialdiagnose bei erhöhten CO-Hb-Werten: Inhalatives Rauchen (z.B. Tabak)
  • Eigenschutz: Unentbehrlich! Gaswarngeräte und Beachtung von Kohlenmonoxid-Grenzwerten im Rettungsdienst zu empfehlen
    • CO bis 30 ppm: Arbeitsplatzgrenzwert, Weiterarbeit unter erhöhter Vorsicht bezüglich CO-Quellen möglich
    • CO bis 200 ppm: Gefährdung akut!
      • Spätestens jetzt ist die Feuerwehr zu holen
      • Erkundung des Ortes und Sicherung der Lüftung erforderlich
      • Weiterarbeit mit außenluftunabhängigem Atemschutz ggf. möglich
    • CO ≥500 ppm: Sofortige Räumung, Sicherung durch Feuerwehr

Bei Kohlenmonoxidvergiftung zeigen viele im Einsatz befindliche Pulsoxymeter falsch-hohe Werte an, da es das CO-Hämoglobin nicht vom oxygenierten Hämoglobin unterscheiden kann!

  • Therapie
    • Sofortige Sauerstoffgabe mit hohem Flow über Maske mit Reservoir
    • Großzügige Indikationsstellung zur Intubation und kontrollierten Beatmung mit 100% Sauerstoff (Goldstandard!)
    • In schweren Fällen (CO-Hb >40% oder schwere Organschädigungen) hyperbare Oxygenierung in einem geeigneten Zentrum anstreben
    • Weitere Indikationen für eine hyperbare Oxygenierung: Schwangerschaft, kardiale Ischämiezeichen (akutes Koronarsyndrom)
    • Halbwertszeiten von CO im Blut: Erlaubt eine orientierende Einschätzung, wie lange eine Sauerstoffapplikation erfolgen muss, um effektiv zu sein
      • Bei Raumluftatmung: ca. 5 Stunden
      • Bei kontrollierter Beatmung mit 100% Sauerstoff: ca. 1 Stunde
      • Bei hyperbarer Oxygenierung: ca. 20 Minuten
    • Differentialtherapie nach CO-Hb-Werten
      • Bis 10% CO-Hb: Beobachtung
        • Bei Symptomen: Sauerstoff über Maske vor Ort, ambulantes Prozedere möglich
      • Bei 10-20% CO-Hb: Immer Sauerstoffgabe!
        • I.d.R. Krankenhauseinweisung zu empfehlen und sinnvoll
      • >20% CO-Hb: In jedem Fall Krankenhausbehandlung in einem Haus mit intensivmedizinischen Kapazitäten
  • Post mortem
    • Bei Verdacht auf CO-Vergiftung: Vor der Leichenschau Verwendung eines Gaswarngeräts am Auffindeort und bei erhöhten CO-Konzentrationen Sicherung des Auffindeortes durch die Feuerwehr
    • Hellrote Totenflecken, lachsrote Färbung der Muskulatur
    • Bestimmung von CO-Hb aus Herzblut : Hoher CO-Hb-Wert als Hinweis darauf, dass die Person bei Brandausbruch noch lebte

Bei Verdacht auf eine CO-Intoxikation ist der Eigenschutz der Retter bzw. Auffindenden sehr streng zu beachten – tote Retter sind nutzlos!

Kohlenstoffdioxid (CO2)

  • Eigenschaften: Farb-, geruch und geschmackloses Gas
  • Ätiologie: Erhöhtes Vorkommen durch Gärungsprozesse z.B. in Getreidesilos, Brunnen, Jauchegruben
  • Wirkung
    • Unterhalb von 0,3% in der Atemluft keine Gesundheitsgefährdung
    • Ab ca 5%: Kopfschmerzen, Schwindel, Tachykardie, Luftnot, Schläfrigkeit, Verwirrung
    • Ab ca 8%
      • Zittern, Schwitzen, Hörverminderung, Ohnmacht, Atemdepression, Atemstillstand
      • Nach 30–60 min tödlich

Bei Rettungsversuchen verunglückter Personen auf jeden Fall den Eigenschutz beachten → Belüftung, ggf. umluftunabhängiger Atemschutz!

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • T58: Toxische Wirkung von Kohlenmonoxid
    • Inklusive: Jede Herkunft
  • T59.-: Toxische Wirkung sonstiger Gase, Dämpfe oder sonstigen Rauches

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.