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Geburtseinleitung

Abstract

Unter einer Geburtseinleitung versteht man die iatrogene Induktion muttermundwirksamer Wehen. Besonders häufig kommen dabei Medikamente (bspw. Prostaglandine oder Oxytocin) zum Einsatz, eine Geburt kann jedoch auch mechanisch (bspw. durch Amniotomie) oder mittels alternativer Methoden eingeleitet werden. Bei der Indikationsstellung gilt es insb. die Risiken einer Fortführung der Schwangerschaft gegen eine möglicherweise frühzeitige Entbindung abzuwägen. Die häufigsten Indikationen umfassen u.a. Terminüberschreitung, vorzeitigen Blasensprung, Oligohydramnion und fetale Wachstumsretardierung. Das individuelle Prozedere sollte stets in Absprache mit der Patientin erfolgen.

Allgemeines

Management der Geburtseinleitung

Aufklärung

Vor einer Geburtseinleitung muss die Patientin über alle Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden. Ebenfalls müssen ihr die Gründe für eine notwendige Geburtseinleitung erläutert und mögliche Alternativen aufgezeigt werden.

Voraussetzungen [1]

CTG-Monitoring

Es gibt keine genaue Empfehlung für die Dauer der CTG-Überwachung nach Gabe eines Medikamentes zur Geburtseinleitung. Generell gilt, dass ein unauffälliges CTG direkt vor der Geburtseinleitung vorliegen und ab einer regelmäßigen Wehentätigkeit eine kontinuierliche CTG-Überwachung erfolgen sollte [2]. Je nach Medikament gibt es unterschiedliche Angaben für den jeweiligen Überwachungszeitraum nach Applikation - siehe hierzu auch: Geburtseinleitung mit Oxytocin und Geburtseinleitung mit Prostaglandinen.

Indikationen und Kontraindikationen

Indikationen einer Geburtseinleitung

Es gibt zahlreiche fetale und maternale Indikationen für eine Geburtseinleitung. Ab der 42+0 SSW spricht man von Übertragung (Geburtshilfe) – spätestens ab diesem Zeitpunkt sollte eine Geburtseinleitung oder eine primäre Sectio caesarea erfolgen, da das fetale Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko bereits ab der 38+0 SSW kontinuierlich ansteigt. Im Folgenden sind die wichtigsten fetalen und maternalen Indikationen aufgeführt. [3][3]

Fetale Indikationen

Maternale Indikationen

Kontraindikationen einer Geburtseinleitung

Absolute Kontraindikationen

Relative Kontraindikationen

Medikamentenspezifische Kontraindikationen

Medikamentöse Geburtseinleitung

Die medikamentöse Geburtseinleitung kann mittels Oxytocin oder Prostaglandinen erfolgen und sollte stets im Krankenhaus und unter CTG-Kontrolle durchgeführt werden. Die Wahl des Medikaments richtet sich u.a. nach Reife der Zervix (Bishop-Score) und nach Kontraindikationen. Nach vorausgegangener Sectio caesarea ist das Risiko für eine Uterusruptur bei einer medikamentösen Geburtseinleitung deutlich erhöht. Bei reifer Zervix können die Wehen mittels Oxytocin induziert werden.

Geburtseinleitung mit Oxytocin

Oxytocin

Bei einer medikamentösen Geburtseinleitung mittels Oxytocin oder Prostaglandinen besteht die Gefahr der Überstimulation mit einem nachfolgenden Wehensturm. Daher müssen bei der Applikation immer Tokolytika griffbereit sein!

Geburtseinleitung mit Prostaglandinen

Allgemeines

Prostaglandin-E2-Präparate (PGE2-Präparate)

PGE2-Gel intrazervikal (Prepidil®----------Gel)

  • Voraussetzung: Bishop-Score ≤5
  • Applikation
    • Intrazervikal im Liegen mit anschließender Bettruhe (mind. 30 min), um ein Herausfließen des Gels zu vermeiden
    • Nach Verabreichung: CTG für 2 h
    • Oxytocin-Gabe frühestens nach 6 h
  • Kontraindikationen siehe oben: Kontraindikationen der Geburtseinleitung mit Prostaglandinen
  • Nachteile: Herausfließen des Gels möglich bei fehlender vaginaler Wirkung, Gefahr der Überstimulation
  • Vorteile: Wenige systemische Nebenwirkungen

PGE2-Gel intravaginal (Minprostin®------------Gel)

  • Voraussetzung: Bishop-Score ≥4 [11]
  • Applikation
    • Ins hintere Scheidengewölbe im Liegen mit anschließender Bettruhe, um ein Herausfließen des Gels zu vermeiden
    • Nach Verabreichung: Kontinuierliche CTG-Überwachung
    • Oxytocin-Gabe frühestens nach 6 h
  • Kontraindikationen siehe oben: Kontraindikationen der Geburtseinleitung mit Prostaglandinen
  • Nachteile: Abfließen des Gels möglich, Gefahr der Überstimulation
  • Vorteile: Wenige systemische Nebenwirkungen

PGE2-Vaginaltablette intravaginal (Minprostin®------------Vaginaltablette)

Vaginales Prostaglandin-Freisetzungssystem (Propess®--------, Misodel®--------)

Prostaglandin-E1-Analoga: Misoprostol oral

Bei einer medikamentösen Geburtseinleitung mittels Oxytocin oder Prostaglandinen besteht die Gefahr der Überstimulation mit einem nachfolgenden Wehensturm. Daher müssen bei der Applikation immer Tokolytika griffbereit sein!

Oxytocin kann bereits 30 min nach Entfernung eines Prostaglandin-Inserts verabreicht werden. Nach Gabe intravaginaler oder intrazervikaler Prostaglandine muss jedoch 6 h abgewartet werden!

Mechanische Geburtseinleitung

Neben der medikamentösen gibt es auch mechanische Formen der Geburtseinleitung, jedoch ist die Entbindungsrate nach medikamentöser Geburtseinleitung wesentlich höher. Mechanische Geburtseinleitungsmethoden spielen eine untergeordnete Rolle und kommen v.a. nach vorausgegangener Sectio caesarea zur Anwendung.

  • Eipollösung
    • Voraussetzung: Keine, auch bei unreifem Muttermundsbefund geeignet
    • Durchführung: Mechanisches Weiten und Massieren des Muttermundes mit dem Finger führt zu Prostaglandinfreisetzung
    • Uneinheitliche Datenlage zur Evidenz
  • Ballonkatheter
    • Voraussetzung: Keine, auch bei unreifem Muttermundsbefund geeignet
    • Kontraindikationen
    • Durchführung
      • Doppelballonkatheter (z.B. Cook®-----): Einlegen des Katheters in die Zervix, ein Ballon verbleibt intrauterin, der andere intravaginal, Auffüllen der Ballons mit etwa 80 mL Flüssigkeit
      • Einzelballonkatheter (z.B. Foley®------): Einlegen des Katheters durch die Zervix, der Ballon verbleibt intrauterin, Auffüllen des Ballons mit etwa 30–80 mL Flüssigkeit
      • Entfernung bei Wehenbeginn oder nach spätestens 12–24 h [5]
    • Vorteile: Auch nach Sectio caesarea möglich, keine systemischen Nebenwirkungen
    • Nachteile: Stationäre Aufnahme notwendig, Schmerzen, Gefahr aszendierender Infektionen [5]
  • Hygroskopische Stäbchen (Dilapan®--------)
    • Voraussetzung: Keine, auch bei unreifem Muttermundsbefund geeignet
    • Durchführung: Einlegen von bis zu fünf Stäbchen in den Muttermund, die aufquellen und den Muttermund mechanisch weiten
    • Nachteile: Teuer
    • Vorteile: Auch nach Sectio caesarea möglich, keine systemischen Nebenwirkungen, keine Antibiotikaprophylaxe notwendig
  • Amniotomie
    • Voraussetzung
      • Bishop-Score >8
      • Kopf fest auf Beckeneingang
    • Durchführung: Künstliche Sprengung der Fruchtblase mittels Fingerling mit kleinem Häkchen

Bei einer Amniotomie kann es zu einem Nabelschnurvorfall kommen!

Alternative Methoden

Zu den nachfolgenden alternativen Methoden der Geburtseinleitung gibt es spärliche bis keine evidenzbasierten Daten. Sie werden jedoch noch oft im klinischen Alltag empfohlen und angewendet.

Regelmäßiger Koitus [17][18]

Nelkenöltampon [19]

  • Voraussetzung: Keine
  • Kontraindikationen
  • Durchführung: Intravaginale Anwendung eines mit Nelkenöl versetzten Tampons
  • Wirkungsmechanismus: Wehenanregend

„Wehencocktail“ mit Rizinusöl (Off-Label Use) [20][21]

  • Voraussetzung: Keine
  • Kontraindikationen: Keine
  • Durchführung: Einnahme eines speziellen „Cocktails“ mit Rizinusöl
  • Wirkungsmechanismus: Verstärkung der Darmbewegung, dadurch wehenauslösend

Weitere Methoden

  • Akupunktur
  • Bauchmassage mit ätherischen Ölen
  • Wehentee
  • Bewegung (z.B. Spazierengehen)
  • Scharf gewürzte Speisen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2020