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Akute Gastroenteritis im Kindes- und Jugendalter

Letzte Aktualisierung: 25.3.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die akute Gastroenteritis (AGE) gehört zu den häufigsten Vorstellungsgründen in pädiatrischen Notfallpraxen und -ambulanzen. Insb. Säuglinge und Kleinkinder sind mit durchschnittlich 1–2 Erkrankungen pro Jahr besonders häufig betroffen. Die meisten AGEs entstehen durch eine Virusinfektion (v.a. durch Noroviren oder Rotaviren) und führen typischerweise zu einer plötzlichen Abnahme der Stuhlkonsistenz und zu einer Zunahme der individuellen Stuhlfrequenz. Mögliche Begleitsymptome sind Erbrechen und Fieber. Die Therapiemaßnahmen sind hauptsächlich vom Ausmaß der Dehydratation abhängig: Kinder mit leichter bis mittelschwerer Dehydratation können i.d.R. mit einer oralen Glucose-Elektrolyt-Lösung rehydriert werden, bei schwerer Dehydratation ist hingegen eine stationäre Aufnahme zur intravenösen Rehydrationstherapie indiziert. Der Verlauf einer AGE ist meist selbstlimitierend, insb. bei jungen Säuglingen und Kindern mit chronischen Grunderkrankungen besteht allerdings ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie Störungen im Säure-Basen- und Elektrolythaushalt.

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Definitiontoggle arrow icon

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Epidemiologietoggle arrow icon

Akute Gastroenteritiden gehören zu den häufigsten Vorstellungsgründen in pädiatrischen Notfallpraxen und -ambulanzen! [1]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Erreger [1]

Übertragung [1]

  • I.d.R. fäkal-oral (Stuhl, Erbrochenes, kontaminierte Flächen, Lebensmittel, Trinkwasser)
  • Je nach Erreger ggf. weitere Übertragungswege möglich
Eigenschaften typischer AGE-Viren im Kindes- und Jugendalter [1]
Erreger Jahreszeit Inkubationszeit Symptomdauer
Noroviren
  • Herbst/Winter
  • 12–48 h
  • 1–4 Tage
Rotaviren
  • Winter/Frühling
  • 2–3 Tage
  • 5–7 Tage
Astroviren
  • Winter
  • 4–5 Tage
  • 5–6 Tage
Adenoviren
  • Sommer
  • 3–10 Tage
  • 6–9 Tage

Bei Kindern <5 Jahre sind Noroviren zwar für die meisten Infektionen, Rotaviren allerdings für den Großteil der schweren Verläufe verantwortlich! [1]

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Symptomatiktoggle arrow icon

Bei chronischer Diarrhö (>14 Tage), anhaltendem Erbrechen (>3 Tage) oder weiteren Symptomen sollten andere Differenzialdiagnosen in Betracht gezogen werden! [1]

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Red Flagstoggle arrow icon

Risikofaktoren für schwere Verläufe oder Komplikationen

Bei Risikofaktoren für schwere Verläufe oder Komplikationen sollte immer eine ärztliche Untersuchung durchgeführt und eine stationäre Aufnahme erwogen werden!

Zeichen einer höhergradigen Dehydratation [1]

Zeichen einer hypernatriämischen Dehydratation [1]

Bei Zeichen einer schweren Dehydratation und/oder Elektrolytstörung (insb. Hypernatriämie) ist eine stationäre Aufnahme zur intravenösen Rehydrationstherapie indiziert!

Für weitere Indikationen einer stationären Aufnahme siehe: Hospitalisierungskriterien bei AGE im Kindes- und Jugendalter

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Diagnostiktoggle arrow icon

Diagnostik [1]

Basisdiagnostik

Die Diagnose einer akuten Gastroenteritis wird klinisch gestellt. Bei der körperlichen Untersuchung muss v.a. auf klinische Zeichen einer Dehydratation und/oder Elektrolytstörung geachtet werden!

Beurteilung des Dehydratationsgrades bei AGE im Kindes- und Jugendalter [1]
Kriterium Dehydratation
Keine bis minimal Leicht bis mittelschwer Schwer
Gewichtsverlust Alter <12 Monate
  • <6%
  • 6–10%
  • >10%
Alter ≥12 Monate
  • <4%
  • 4–6%
  • >6%
Rekapillarisierungszeit
  • Normal (≤2 s)
  • Normal bis verlängert
  • Verlängert
Vigilanz
  • Normal
  • Unruhig
  • Irritabel
  • Müde
Durstgefühl
  • Normal
  • Gesteigert
  • Reduziert
Herzfrequenz
  • Normal
  • Normal bis erhöht
Pulsqualität
  • Normal
  • Normal bis vermindert
  • Schwach bis fehlend
Atmung
  • Normal
  • Normal bis vertieft
  • Tief
Augen
  • Normal
  • Eingesunken
  • Tief eingesunken
Tränenbildung
  • Normal
  • Vermindert
  • Fehlend
Mundschleimhaut
  • Feucht
  • Trocken
  • Ausgetrocknet
Hautfalten
  • Verstreichen sofort
  • Verstreichen verlangsamt (<2 s)
  • Verstreichen sehr verlangsamt (≥2 s)
  • Bleiben stehen
Extremitäten
  • Warm
  • Kühl
Urinproduktion
  • Normal
  • Vermindert
  • Stark vermindert

Erweiterte Diagnostik

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Hospitalisierungskriterien bei AGE im Kindes- und Jugendalter [1]

Über die Hälfte aller Kinder <15 Jahre mit einer akuten Gastroenteritis durch Rotaviren muss stationär behandelt werden!

Orale Rehydrationstherapie (ORT) [1]

  • Indikation: Leichte bis mittelschwere Dehydratation
  • Orale Rehydrationslösung (ORL): Glucose-Elektrolyt-Lösung
    • Alternative: Selbst hergestellte Lösung (1 L sauberes Trinkwasser + ½ TL Salz + 6 TL Zucker)
    • Nicht empfohlen: Coffeinhaltige Getränke, Limonaden, Fruchtsäfte
  • Verabreichung: Oral oder mittels nasogastraler Sonde
  • Reevaluation: Nach 1 h und nach 4 h

Ist bei leichter bis mittelschwerer Dehydratation keine orale Flüssigkeitsaufnahme möglich, sollte die Rehydrierung zunächst über eine nasogastrale Sonde fortgesetzt werden!

Intravenöse Rehydrationstherapie [1][2]

Bei gescheiterter ORT oder schwerer Dehydratation ist eine intravenöse Rehydrationstherapie mit einer balancierten isotonen Vollelektrolytlösung indiziert!

Flüssigkeitsbedarf bei AGE im Kindes- und Jugendalter

  • Grundbedarf: Gewichtsabhängig (nach Holliday-Segar-Formel)
    • Für die ersten 10 kgKG: 100 mL/kgKG/d (Laufrate ca. 4 mL/kgKG/h)
    • Für die zweiten 10 kgKG: 50 mL/kgKG/d (Laufrate ca. 2 mL/kgKG/h)
    • Für jedes weitere kgKG: 20 mL/kgKG/d (Laufrate ca. 1 mL/kgKG/h)
  • Aktuelles Defizit: Gewichtsverlust seit Erkrankungsbeginn
  • Laufende Verluste
    • Fieber: Pro 1° C über 37° C zusätzlich 10% des Grundbedarfs oder 10 mL/kgKG/d
    • Diarrhö: Pro wässrigem Stuhl zusätzlich 10 mL/kgKG/d
    • Erbrechen: Pro Erbrechen zusätzlich 10 mL/kgKG/d
Beispielrechnungen für den gewichtsabhängigen Grundbedarf [1]
Körpergewicht [kg]

Berechnung

Grundbedarf [mL/d]

5

5×100 mL

500

10

10×100 mL

1.000

15

10×100 mL + 5×50 mL

1.250

20

10×100 mL + 10×50 mL

1.500

25

10×100 mL + 10×50 mL + 5×20 mL

1.600

30

10×100 mL + 10×50 mL + 10×20 mL

1.700

40

10×100 mL + 10×50 mL + 20×20 mL

1.900

Der individuelle tägliche Flüssigkeitsbedarf besteht aus dem Grundbedarf, dem aktuellen Defizit und den laufenden Verlusten!

Ernährung [1]

  • Während/nach akuter Gastroenteritis: Möglichst altersentsprechende Ernährung
    • Stillen parallel zur ORT fortsetzen (bei zuvor gestillten Kindern)
    • Normale Kost frühzeitig wieder beginnen (bei älteren Kindern)
    • Nicht empfohlen: Spezielle Diäten zum Kostaufbau
  • Bei postenteritischem Syndrom: Ggf. vorübergehend lactosereduzierte Ernährung

Während und nach einer akuten Gastroenteritis ist i.d.R. keine lactosereduzierte Ernährung notwendig! Bei postenteritischem Syndrom kann sie allerdings zu einer Verkürzung der Durchfalldauer beitragen.

Supportiva [1][2]

Antiinfektiva [1]

  • Nicht routinemäßig empfohlen
  • Nur bei Bakteriennachweis und entsprechendem klinischen Bild
Antiinfektive Therapie bei bakterieller AGE im Kindes- und Jugendalter [1]
Erreger Klinisches Bild Therapie
Campylobacter
Salmonellen
Shigellen/EIEC
  • Schwerer Verlauf
C. difficile
(toxinbildender Stamm)
  • Symptomatischer Verlauf
Yersinien
  • Schwerer Verlauf

Ein STEC-HUS sollte i.d.R. nicht antibiotisch behandelt werden!

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Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Prognosetoggle arrow icon

  • Verlauf: Meist mild und selbstlimitierend [1]
  • Hospitalisierungsrate: Abhängig vom Alter des Kindes und vom Erreger [1]
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Präventiontoggle arrow icon

Primärprävention[1]

Maßnahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung [1]

In Gesundheitseinrichtungen

  • Basishygienemaßnahmen
  • Kontaktisolation
    • Einzelunterbringung (alternativ Kohortenisolierung oder Barriereisolation)
    • Persönliche Schutzausrüstung (Mundschutz, Handschuhe, Schutzkittel)

Außerhalb von Gesundheitseinrichtungen

  • Konsequente Händereinigung
  • Wechsel benutzer Handtücher
  • Kein Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen (Wiederzulassung frühestens 48 h nach dem letzten Erbrechen/Durchfall)
  • Kein Besuch öffentlicher Schwimmbäder (Wiederzulassung frühestens 2 Wochen nach letztem Durchfall)
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Meldepflichttoggle arrow icon

Weitere Meldepflichten durch ärztliches Personal, Laborpersonal oder Leitenden von Gemeinschaftseinrichtungen hängen vom vermuteten oder nachgewiesenen Erreger ab!

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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